Der BVB hat Marco Reus für 17 Mio (zurück) gekauft. Eine Menge Holz, wenn man bedenkt dass Herr Watzke mal so eine 5 Mio Obergrenze gezogen hat. Konsumforscher nennen sowas „Smart-Shopping“ (wahrscheinlich ist dieser Begriff schon wieder voll out), also wenn man die ganze Zeit herumknausert, aber für besondere, qualitativ hochwertige Waren ruhig mal die Schatztruhe aufmacht.

Pünktlich am Montag, zum Neuen Jahr, hatte ich meine Aktien-Watchliste ausgemistet, und dabei die Borussia Dortmund Gmbh & Co KGaA (DE0005493092) aufgenommen (Am 4-Jan, dem Tag der Reus-Meldung, hat die BVB-Aktie ca. +5% in einem So-So-kleines-Minus-Marktumfeld. Kam wohl gut an). Eigentlich nur zum Spaß, weil ich einfach im Bereich Event/Entertainment/Sport nix hatte. Es ging mir eher um so eine generelle Frage. In Spanien gibt es Real & Barca, in England gibt es gleich einen ganz Haufen Top-Clubs, in Italien gibt es Mailand 2x, usw. In den meisten europäischen Ligen gibt es mindestens zwei Top-Clubs, die irgendwie ebenbürtig als Meisterkandidaten gehandelt werden und dann auch noch Champions League können. Nur in D gibt es nur diesen 1 Club aus München (den ich außerdem Sch***e finde). Daher drängt sich halt die Frage auf welcher Club das „Potential“ hätte (wie es im Jogi-Deutsch so heißt) aus dem Meisterschafts-Monopol zumindestens ein Duopol zu machen.

- Augsburg? … wusste garnicht dass die dort einen Fußballverein haben…
- Dieser Dorfclub? … vielleicht mal Europa League
- Mainzer Karnevalsverein? … auch vielleicht mal Europa League
- Freiburg? … in welchen Land liegt dieser Ort überhaupt?
- Siedlung südlich vom VW-Werk? … der Beweis das man mit Geld kein Erfolg kaufen kann…
- Da wo Wulff mal als Ministerpräsident regiert hat? … Nicht in diesem Jahrtausend…
- FCN? … die haben das Stadion doch nur wegen Rock im Park gebaut, oder?
- Hertha? … So ein starker Hauptstadtclub wäre doch was, aber: Nö
- K’Lautern? Ganz sicher: Nö
- Köln? Ganz bestimmt: Nö
- M’Gladbach? Schon lange lange Zeit: Nö
- Stuttgart? Nö

Ok was bleibt da noch halbwegs ernsthaftes?
- HSV? … Die ziehen irgendwie immer Sportmanager mit ganz vielen Punkten auf der Middlehoff-Skala an…
- Werder Bremen? … Hinsichtlich der Beständigkeit im Management und Trainer und Erfolg/Glück JA (Obwohl eben nicht so glücklich), aber Einzugsgebiet zu klein und zu bescheiden und zu knauserig
- Schalke? … Von der Zuschauerzahl und Geldausgeben her JA. Vom Erfolg/Glück eher NEIN.
- Bayer Leverkusen? … jaja „Vizekusen“. Wenns drauf ankommt, dann kacken die immer ab.

Nun wird klar, dass da nur die „Borussia Dortmund Gmbh & Co KGaA“ übrigbleibt. Was braucht man denn eigentlich, um so ein super-duper-ich-bin-meisterschaftsfavorit-will-den-dfb-pokal-gewinnen-und-kann-jeden-anderen-europäischen-top-club-aus-der-champions-league-rauspusten-club (SDIBMWDDPGUKJAETCADCLRC) zu sein?

(Haha: Nehme das Manager/Trainer von Werder, plus ein bisschen Uwe-Seeler-Mythos und internationalen Flair vom HSV, plus Anzahl an Zuschauer und Fanatismus von Schalke, plus Kader von Leverkusen plus die besten vom Rest, plus dem Geld von VW und Dietmar Hopp, und schon fast hätte man sich einen SDIBMWDDPGUKJAETCADCLRC gebacken).

- Geld: Mit Geld umgehen können ganz viele Bundesliga-Clubs ganz gut (z.B. FCB, Werder, Vizekusen), aber es gibt auch Negativbeispiele (z.B. VW Radkappen, Schalke, HSV). Der BVB ist da auch mal so ordentlich auf die Fresse gefallen. Aber ist auch ein Beispiel, dass man lernen kann mit dem Geld auszukommen, was man hat. Der Hype um die Meisterschaft und die Champions League Teilnahme haben volatiles Geld in die Kassen gespült. Aber solche vom hoch unsicheren sportlichen Erfolg abhängigen Gelder reichen nicht um langfristig ein SDIBMWDDPGUKJAETCADCLRC zu werden.

- Stadion: Unübersehbar hat der BVB ein gut besuchtes Riesenstadion. Das zwingende Vorraussetzung für einen potentiellen SDIBMWDDPGUKJAETCADCLRC (Das ist z.B. ein Knackpunkt bei Werder. Oder der Grund warum VW-Wob unmöglich etwas größeres werden kann egal wieviel der VW-Vorstand dort versenkt).

- Internationale Bekanntheit: Der eine oder fragt sich bestimmt wie es diese englischen Top-Clubs schaffen, soviel Umsatz im Merchandising (z.B. Trikots, Schals, und sonstigen Krimskrams) zu machen. Also im englischen Absatzmarkt sicher nicht. Der gemeine „internationale Erfolgsfan“ sucht sich halt 1 „Lieblingsverein“ je Top-Liga aus. Da sollte es der BVB diesen „internationalen Erfolgsfans“ aufgrund vermeindlicher Alternativlosigkeit die Entscheidung pro-FCB bezüglich des DFL-Sortiments nicht zu einfach zu machen.

- Erfolg: Ist ja irgendwie das Hauptziel eines SDIBMWDDPGUKJAETCADCLRC. Man muss halt sicherstellen, dass Erfolg auch das Geld/Umsatz anzieht. Dann kann man sich auch die eine oder andere Smart-Shopping-Aktion leisten (Und das ohne Öl-Oligarchen, der Hausbank, usw.).

Zurück zum Jetzt und Marco Reus: Ich denke, dass dieser Spieler tatsächlich diese 17 Mio Marktwert hat (Natürlich muss er auf diesem Niveau weiterspielen, sich nicht verletzten, persönliche Probleme bekommen, etc.). Der Typ ist einfach zu gut für einen Durchschnitts-Bundesligaclub (Das soll jetzt keine Beleidigung sein. Wirklich nicht). Es ist außerdem clever vom BVB in einen solchen Fall seinen eigenen Referenzpunkt von 5 Mio mal um mehr als dreifache zu toppen, um sich einen solchen Spieler in den Kader zu holen. Denn wenn SDIBMWDDPGUKJAETCADCLRC einen Spieler WILL, dann holt er sich den auch. Denn „Gut Wirtschaften“, „Financial Fair-Play“ und hin und her. Man wird kein SDIBMWDDPGUKJAETCADCLRC, wenn man im Zweifel immer nur in der Transferpolitik ein Plus erzwingt. Dann steht man am Ende mit zu wenigen sportlichen Leistungsträger da, was dann sehr deprimierend werden kann, und so eine Negativspirale in Gang setzten kann (z.B. Werder hat dies mit Diego und Ozil erfahren; Der HSV macht das systematisch, indem immer genau soviele verkauft werden, dass es nur zum Mittelmaß reicht; Und Leverkusen verkauft immer 1 weniger als der HSV…). Und vom Timing her muss der BVB halt auch ein Zeichen setzen, dass die diesjährige CL nur so ein Art „internationaler Probelauf“ war. Die BVB-Aktie ist quasi am Scheideweg zwischen Pennystockrakete und einem SDIBMWDDPGUKJAETCADCLRC (Quasi wie eine Biotech-Aktie mit dem 1 Wirkstoff in der Entwicklunspipeline).

P.S.: Nein, ich bin kein „Fan“, Anhänger, Supporter, etc. irgendeines der hier genannten aktuellen Bundesligisten. Ich stelle mich aber seelisch darauf ein (erst) in 1, 2 oder 3 Jahren meinen Lieblingsverein wieder auf dessen angemessen Liganiveau spielen zu sehen.

Irgendwie ist der blicklog mit zuvielen Javascripts zugemüllt, sodass mein Kommentar dort nicht gespeichert wurde. Darum schreibe ich das Kommentar bei mir selber. Artikel: http://www.blicklog.com/2012/01/03/was-sich-cfos-fr-diese-jahr-wnschen/

Europa: Ich hoffe ja auch, dass 2012 ganz geordnet über die Bühne geht. Beim Refi Bedarf wird es D nicht so übel treffen wg den Spaßkassen- und Geno-Säulen. Firmen aus UK, IT, ES und Osteuropa treffen auf ein eher schlechteres Refi-Umfeld.

Sicherheiten/Rückholquote/Rangigkeit: Es wurde ja genug in den letzten Jahren gewarnt, dass Refi in 2012 bis 2014 ein heißer Ritt werden kann, insb. wenn LT-Debt-to-Eq hoch ist, viel mit Mezz und unbesichert in den 2000er finanziert wurde (Das letztere Kreditmarktsegment ist quasi tot seit der GFC). Darum finde ich es ja auch gut, dass Herr Elsner über „Collateral Management“ schreibt. Denn mit schlechten Karten auf der Hand (=Bilanz) wird Refi in den kommenden Jahren zum reinen Glückspiel (Es wird ganz sicher noch der eine oder anderen den Manroland machen. Man kann nicht jedes Makel mit hoheren Zinsen ausgleichen…).
Was die Aktiva betrifft bin ich eher verhalten, kein Schwarzmaler, aber sicher kein Optimist der Fantasieumsatzprognosen Glauben schenkt.

Regulierung: Beim Banker-Bashing bin ich nicht mehr mit von der Partie. Diese Sell-Side-Typen sind auf dem absteigenden Ast (weniger Kohle, die nächsten Entlassungsrunden kommen). Da ist auch viel Ohmacht im Spiel, weil da bisher noch nicht der Messias um die Ecke kam, der erläutert wie Banken in der neuen Regulierungswelt Fantasiegewinne machen können – Geschweige denn wie man den Überhang an Refi-Bedarf decken sollte.

Laufzeiten: Die FED hats kapiert, die EZB hadert noch mit dem Verständnis dafür dass die „echte Geldmenge“ ,die Geldschöpfung der Banken und Nicht-Banken, einen Einfluss hat. Da können Zentralbanken noch so viel Quantitative Easing machen, solange die „Anomalie“ der aktuellen Liquiditätspräferenz anhält wird diese „echte Geldmenge“ gnadenlos schrumpfen (Das ist dann wie diese alte Kindersendung „Eins, Zwei oder Drei“ für diejenigen, die sich finanzieren müssen).

Creditor’s Recovery vs Shareholder Value: Irgendwo oben habe ich mal das Wort „Bilanz“ fallen lassen. Das Problem von Bilanzen ist, dass diese durch IAS/FASB (und entsprechende Änderungen des HGBs) tendenziell ziemlich aufgebläht sind zu Gunsten der Shareholder (Und vom Vergleichbarkeitsprinzip ist ohnehin kaum noch was übrig geblieben). Auf dem Papier können da ganz tolle Firmen-Stories verbreitet werden. Das interessiert aber keine Sau, die sich bspw. fragt was denn die Rückholquote einer „riskanten“ Investition in eine Kreditforderung seien mag. So kann es durchaus passieren, dass ein Kreditanalyst nach intensiver Adjustierung der vorgelegten Bilanz zu einem grausamen möglichen Liquidationswert kommt (und enstprechend das Loss-Given-Default grausam angesetzt wird), obwohl die öberflächigen (Fantasie-)Bilanzkennzahlen total super in der Executive Summary aussehen. Es ist einfach so, dass einem Kreditmensch (der nur mit gekreuzten Fingern an Bilanzkennzahlen glaubt wenn Oberchef es befiehlt) ganz Schwarz vor Augen wird, wenn der Schuldner seit Jahren an der Overreportingeritits leidet und ganz viel heiße Goodwill-Luft ausweist. Was wollte ich nochmal sagen? Genau. Ich denke, dass (dieses fiktive) Shareholder Value (weil es oft nur „Papierakrobatik“ war) ziemlich schlechte Karten eben hat. Die Verhandlungsmacht liegt in den nächsten Jahren bei den Gläubigern ihre Interessen (zum Nachteil aller anderen Stakeholder) durchzusetzen.

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Das gehört nicht mehr zum Kommentar…

Die Karawane zieht weiter… Im HB war ein interessanter Artikel (hmm Link vergessen), dass China die Wertschöpfungsstufe aufsteigt und folglich die Millionen von Jobs in ärmere Länder auslagert (ca. 10x mal damals Deutschland, Japan, Südkorea, usw. die ja vor Jahrzehnten Gleiches durchliefen wie China). Daraus ergeben sich logischerweise ganz tolle Chance im Außenhandel mit Entwicklungsländer, die das Potential haben sich zu industrialiseren. In den HB Kommentaren war einiges an Empörung zu lesen, aber wofür gibt es einen Außen- und Entwicklungsministerium und überhaupt diese ganzen internationalen Veranstaltungen (z.B. Klimakonferenz). Man sollte sich eher fragen mit wen China in der 3.Welt einfrig handelt treibt und FDIs macht, oder sich die Frage stellen welche Art von Wertschöpfung in China wachsen wird.

Naja die 3.Welt ist eh so ein vernachlässigtes Thema, was aber ohne wirtschaftspolitisch-gestaltende Politiker nicht funktioniert. Was ist eigentlich aus diesem Desertec-Projekt geworden. Da hätten sich unsere Wirtschafts-, Außen-, Entwicklungs-, Umwelt- usw. minister (aus D, FR und IT) voll in Nord- und Zentralafrika einschleimen können, und so eine Art „Vision“ schaffen können, an der auch Firmen aus Europa dran hätte zerren können. Da ist Nix materielles passiert… außer ein paar Powerpoints und Appetithäppchen in Zeitschriften.

Über Wulff… Oh nee. Da hat er bei der ZEITUNG auch noch auf dem AB gelabert. Ist so als ob Wulff in den Treibsand geraten ist, und dann auch noch kräftig strampelt….

Zum Zwischenstand vom Artikel http://techinno.wordpress.com/2010/02/05/noch-1000-tage/

Was ich damals nicht gedacht habe

(1) EU-Politik und EBA erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Kreditklemme durch faktischem Vorziehen von Basel III

(2) China säuft ab. Deren Immobilienblase platzt, die KP weiß nicht mehr wo sie noch Konjunkturprogramme veranstalten sollte.

Das Jahr 2012 wird das Jahr des großen Knalls.

Nun gut die CoBa muss jetzt den berühmten Schluck aus der Pulle nehmen (Kommt von Asmussen). Nun schauen wir uns mal die Argumentationslinie an.

- Hat sich breitschlagen lassen Ende 2008 die Dresdner Bank doch noch von der Allianz zu kaufen
- Somit übernahm die CoBa die Dresdner samt (aller nicht-offiziellen) Verluste (von ca 40 Mrd) zum 31.12.2008 (also kurz bevor die Mutter Allianz diese Verluste in ihre Bilanz hätte reinschreiben müssen).
- Als Mitgift bekam die CoBa eine 18 Mrd Finanzierungsspritze vom Soffin (Ansonsten wäre der Deal in keinem Wertpapierrecht dieser Welt über die Bühne gegangen).
- Von den 18 Mrd hat die 14 Neue-CoBa zurückgezahlt. Das ist eigentlich ganz toll. Jemand der Schulden zurückzahlt. Wow! (Da könnte Griechenland von Lernen).
- Genau und dann kam dieser Staatshaushaltsbilanzbetrug vom griechischen Staat an die Oberfläche und plötzlich da eine Euro-Staatsanleihe, die nun nicht mehr so ausfallsichersicher wie Gesetze annahmen.
- Das ganze Euro-System wird unter die Lupe genommen, und die Investorenscharr entdeckt die (bereits vorher bekannten) „Konstruktionsfehler“ des Euro-System.
- EU-Politiker ziehen in einem Panikanfall (ihrer eigenen Schuldenkrise) die Implementierung von Basel III faktisch auf 2012 vor (Man muss ja was tun. irgendwas)
- Die EBA erklärt Staatsanleihen nicht mehr als „risikolos“ in der EK-Quotenberechnung (Stichwort „Marktpreise“)
- Politiker und EBA wundern sich warum Banken nun auf die Idee kämen ihre Bilanzen zu verkürzen.
- Und in Summe muss die Neue-CoBa wieder die Finanzierung vom Soffin zurücknehmen.

Was soll man denn sagen? Die Neue-Coba braucht JETZT mehr EK, weil die Politik es JETZT so will.

P.S.: Eigentlich ist die Neue-CoBa die Bad-Bank der Allianz S.E. Und dieser Fu**er namens Diekmann tut so als ob hätte er mit der Finanzkrise nie etwas am Hut gehabt. „Dresdner Kleinwort?“, Herr Diekmann, „Investment-Banking-Spielen?“, klingelt es? Während die CoBa schön brav das alte „eine Hand wäscht die andere“-Spiel mitgespielt hat (Raten Sie mal was Bedeutung von „Sparkassenverbund“ oder „Genosschaftsverbund“ ist oder warum Lehman pleite ging und nicht Merril Lynch, usw.), hat glaubt ein Herr Diekmann er hätte damit nix zu tun. Was für ein Kleingeist.

Warum haben sich Anleihebesitzer sich nicht mit CDS abgesichert
… ist so eine Frage die man manchmal hört…

1. Die Staatsanleihen wurde als Collateral bei der EZB hinterlegt — Und was man bei der EZB hinterlegen darf, kann doch nicht ausfallen… denkt man sich so…
2. Absichern ist nur dann toll, wenn man mit einem blauen Auge davon kommt – Wenn die CDS Absicherung voll teuer geworden ist, dann könnte man die Anleihen auch mit Verlust versuchen zu liquidieren (weil halt Derivat und Underlying immer Hand-in-Hand gehen).
3. Banken haben Staatsanleihen meist nicht im Handelsbuch (und wenn sie es mal hatten, dann seit 3 Jahren nicht mehhr, IFRS 39). Liquidieren ist dann blöd wenn man die Anleihe zu Par in der Bilanz stehen hat. Und ein CDS Hedge drüberlegen halt teuer (und man bekommt auch ein Counterpartrisiko zusätzlich).
4. Menschen (und diese arbeiten in Banken) mögen nicht gerne Verluste realisieren. Dann lieber Augen-zu-und-Hoffen (Dispositionseffekt). Aber es ist i.d.R. auch nicht wirklich möglich mal auf die Schnelle eine Block-Order über ein paar Millarden (d.h. da muss ein Käufer entsprechend Cash auf den Tisch legen können) in den Markt zu stellen.

…hindsight bias… Wenn es zu spät ist, ist es zu spät…

Der Schwanz wädelt mit dem Hund
Es ist ein binäres Spielchen. Wenn so ein Pleitestaat viele Millarden für wertlos erklärt, dann müssten Banken (und Versicherungen, Pensionskassen) ganz viele Millarden abschreiben, und die CDS Writer müssen ganz viel Cash irgendwen überweisen. Bei Griechenland sind das ca. X%*250 Mrd für die Schulden, und X%*4200 Mrd CDS Nominal (Müsste nachgucken, aber die Dimension müsste noch stimmen). Entweder hat man Deppen die die Pleiteanleihen hielten und CDS verkauften, oder Deppen die mit Verlust realisierten und CDS Absicherungen kauften, Egal was passiert, sehr viel Geld wechselt den Besitzer, oder hat es schon…. Ist doch vollkommen egal was mit Griechenland ist…

Das „Alles-hängt-mit-Allen-zusammen“-Risiko
Das ist wohl de schlauste Aussage die Edmund Stoiber je in seinem Leben gesagt hat: „Alles-hängt-mit-Allen-zusammen“ (Das hört sich nur viel lustiger an wenn Edmund Stoiber es sagt).
- Wenn unser Underlying Griechenland ausfällt, dann verlieren erstmal die Gläubiger ein Haufen Geld (bzw. müssen wie wild abschreiben)
- Als nächstes verlieren die CDS Writer ein Haufen Geld (In dem Fall müssen sie es echt überweisen).

Und dann nimmt die Scheiße erst richtig an Fahrt auf. Irgendwelche Banken wird die Bilanz auf die Füße fallen. Wenn sie Glück haben passt das Eigenkapital nicht mehr aus, sodass sie Assets verkaufen müssen (Bilanzverkürzung), und als Gegenpartei für komplett andere Geschäfte mehr Aufschläge berappen müssen… Kurzum wir bekommen ein Correlation-One Happening durch alle Assetklassen hinweg. Manche mehr, manche weniger… Das ist unmöglich vorherzusehen.

Die Begründung warum Staatsanleihen ausfallsicher seien
Hinter der Annahme, dass Staatsanleihen ausfallsicher seien, steht dass es eine Zentralbank gibt, die jene Staatsanleihen nach Belieben in ihrer Bilanz bunkert (falls sich dafür kein Käufer findet). Also dass eine Zentralbank im Notfall die Investmentbank eines Staats spielt. Diese Annahme gilt aber im EZB-System nicht bzw. die EZB pocht darauf, dass wie in all denn Staatsverträgen um den Euro, dies ausgeschlossen ist.
Ohne diese Annahme sind halt Staatsanleihen aus dem Euroraum auch nicht ausfallsicher. Die Regierungen müssen dies durch eigene Fiskalpolitik sicherstellen. Theoretsch wären sie erst dann ausfallsicher im engeren Sinne, wenn sie garkeine Schulden hätten.

„CCC or Lower“-Spielchen
Und so passiert es halt, dass ein Land wie Griechenland das „CCC or Lower“-Spielchen über sich ergehen lassen muss: Investoren hoffen/wetten nur von Zinstermin zu Zinstermin, von Fälligkeitstermin zu Fälligkeitstermin (Nicht „ob“, sondern „wann“). Und damit sich selbst das „lohnen“ könnte, muss da ein sportlicher zweitstelliger Yield draufstehen.
In der Tat hoffen/wetten Investoren nur darauf, dass irgendeine(welche) andere Regierung(en) den nächsten Zins- und Schuldtilgung bezahlen. Bei Firmen als CCC Schuldner hofft/wettet man darauf dass die noch rechtzeitig die benötigten Taler aus ihrem Betrieb oder Absatz zusammenkratzen; Das ist meist wahrscheinlicher ist als dass Griechenland ihre Bürokratie zurückfährt und genügend Steuern eintreibt.

Wie man auf Fixpunkt hinkonvergiert
Ich glaube nicht, dass es viel Sinn macht, wenn die Euro-Regierungen ihr Schulden(wachstum) in andere nationale Haushalte umleitet. Das führt nur dazu, dass den Geberländer früher oder später die ganze Geschichte selbst auf die Füße fällt – Einer nach dem anderen (Die Schwächste zuerst). Ich denke, dass man die Annahme mit der Zentralbank und dem ausfallsicher wiederherstellen müsste, damit Ruhe im Karton ist (Als Alternative dann der Haircut bzw. garkein Schuldenmachen). Nur wird man Inflation als Quittung bekommen („Schulden weginflationieren“). Muss man halt wissen ob man lange Finanzmarkttheater haben will, und am Ende dabei vielleicht selbst brutal unter die Räder kommt, oder ob man Inflation kassiert. Das Kind ist eh schon in den Brunnen gefallen (=Staatsdefizite). Und nachdem man der EZB das Gelddrucken erlaubt hat, sollte man sich mal überlegen wie man die Möglichkeiten der EU-Institutionen von Plutokratie auf Demokratie upgraden kann – Ansonsten wird das nichts mit der Vision vom Vereinten Europa.

Der große Wurf
Die (Finanz-)Welt wartet auf dem ganz großen Wurf. Und so lange nur Trippelschritte mit Null Ergebnis rauskommen (Der Status der letzten Jahren), wird auch nur äußerstes Misstrauen, Vorsicht bis Panik, Kurzfristigkeit und Brutalität erwidert. Ich kann manchmal die Bankenlobby gut verstehen: Die Politik will Zugeständnisse, aber weiterhin ihre strukturell kaputten Staatsdefizite fahren (und eine Zentralbank die vom Gegenteil ausgeht). Das lernt jeder Bank-Azubi das man Schuldner in spe mit eine solchen Verhalten den Kreditantrag um die Ohren haut.

Die Politik sollte sich mal Gedanken wie ihr Geschäftsmodell, pardon, ihre Geldsystem mit ihrer Fiskalpolitik funktionieren soll. Wie der Plan so war, klappt es ja offensichtlich nicht.

So nun ist der „Rettungsschirm“ durch.

Meine Eindrücke
- Die Partei-“Stars“ haben Wahlkampreden gehalten.
- Ein CDU-Abweichler hat tatsächlich Contra-Argumente vorgebracht. Mahnend mit dem Hinweis, das die Politik ihre Versprechen hier bricht, er nach seinen Gewissen handelt, Gläubiger mit finanziellen Risiken einhergeht, usw.
- Und da war so eine Grüne, wo ich den Eindruck hatte, dass sie wirklich keine Ahnung von Geld hat. Da soll wohl der Gute Wille die Macht des Geldes außer Kraft setzen. Naives Bildungsbürgertum.

Bei nur 85 Gegenstimmen kann ich nur resumieren, dass unsere MdBs wesentlich naiver sind als ihre eigene Bevölkerung. Es gibt auch keine Anreize für unsere MdBs die Kreditfähigkeit der BRD nicht zur Schlachtbank zu führen. Ihr Politiker seit auch schön doof. Ihr habt in den Finanzmärkten die Hoffnung und Erwartung gefüttert, ihr würdet Griechenland retten, um sich dann darüber zu wundern, dass ein (Kreditspread-)Preis darauf aufgesetzt wird, ob dies passiere oder nicht. Ihr Politiker habt ich im Namen des Volkes wieder verarschen lassen – Nur ihr habt darum gebettelt euch verarschen zu lassen. Ihr seid halt die Bitches der Finanzbranche, selbst wenn ihr versucht das Gegenteil zu machen.

Als Geldverdiener in der parasitären Finanzbranche sage ich dann mal DANKE NACH BERLIN
Als Steuerzahler kann ich dagegen nur grüßen mit F**K YOU

Im HB ist ein Interview mit Jim Rogers. Der sagt einiges über die Schulden in Europa und USA, was ziemlich kompatibel mit meiner Sicht der Dinge ist.

USA

Hat nicht Europa genug eigene Probleme, die noch schwerer wiegen als die der USA?

Nein. Die USA sind die größte Schuldennation der Geschichte. Wir haben Bundesstaaten, die bereits Pleite sind wie Illinois oder Kalifornien. Dazu liest man nur im Moment keine Schlagzeilen, da alles über Europa spricht.

Jaja. Die US-Bundesstaaten sind ganz schön pleite. Aber bei denen ist die Sache aber auch gut geregelt: Wenn die Gelschatulle leer ist, dann werden Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienst nicht bezahlt (oder mit ungedeckten Schecks bezahlt). Dadurch sind die Lokalpoltiker eher gezwungen unschöne, aber notwendige Maßnahmen durchzuführen, um den Haushalt wieder ins Lot zu kriegen. In föderalistischen Deutschland ist das natürlich anders.

Europa

Aber natürlich sind die Probleme hier auch gravierend: Es gibt in Europa Staaten, die Pleite sind, was die Politiker aber nicht akzeptieren. Sie helfen ihnen weiter mit Transferleistungen [...] Und wenn die Griechen am Strand Ouzo trinken wollen, sollen sie das tun. Aber es sollen nicht andere dafür zahlen.

In Deutschland, da fährt Bremen fette Schulden vor sich her, weil, obwohl über 40k BIP pro Kopf, fast eine halbe Millionen Leute in Niedersachsen ihre Einkommensteuer bezahlen, sodass BW und Bayern nun die Rechnung zahlen müssen – Sowas ist vollkommen absurd. Dieses großartige Modell wo Anreize für solide Haushalts- und Steuerpolitik vollkommen im Eimer ist (weil die BRD ja „nur“ 83% Schuldenquote hat), soll nun in der ganzen Eurozone ausgerollt werden…. Da wird ein Einäugiger Kurzsichtiger zum Scharfschützen in der Blindenarmee gemacht…

Griechenland

Sie würden Griechenland pleitegehen lassen?

Absolut. Man kann nicht ewig damit weitermachen, denjenigen Geld hinterherzuschmeißen, die Fehler gemacht haben, nur damit niemand zugeben muss, dass diese Fehler gemacht wurden.

[habe nix hinzufügen. Der Wortlaut ist passend]

Banken

Das Gleiche gilt für Banken. Ich finde es absurd, dass hart arbeitende Österreicher, Holländer oder Deutsche für Banken geradestehen müssen, die bei der Kreditvergabe Fehler gemacht haben. Warum sollte jemand für eine deutsche oder französische Bank bezahlen, die Fehler gemacht hat?

Eigentlich hat Jim Rogers hier Recht. Ob nun Bank oder Nicht-Bank, die Insolvenz, der Tod „schlechter“ Organisationen, ist essentieller Bestand des Kapitalismus. Zum einen aus Sicht der Produktivität (Output/Input). Zum anderen aus Sicht unseres Geldsystems (Wenn die Verzinsung auf die Geldschöpfung Druck macht, müssen Schulden ausfallen können).

Wie sähe diese große Lösung aus?

Man muss gründlich aufräumen. Man muss hinnehmen, dass viele Leute Geld verlieren werden, dann kann man sich neu organisieren.

Die Alternativen

Klingt nach einem sehr schmerzhaften Prozess.

Natürlich. Ich habe auch nicht gesagt, dass meine Lösung leicht oder spaßig werden würde. Es wäre im Gegenteil sehr schmerzhaft. Aber der Schmerz ist geringer, wenn wir es jetzt angehen, als wenn dies in der Zukunft geschieht. Die Alternative ist, dass wir 2012 vor der gleichen Situation stehen und 2014 wieder und 2016 erneut. Jedes Mal, wenn die Krise zurückkommt, wird sie schlimmer sein. Womöglich wird dann der Markt die Realität erzwingen und wenn das geschieht, gibt es Chaos.

Wie sagt man so schön: Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende. Wir sehen ja in letzter Zeit, was Finanzmärkte mit verschuldeten Staaten so treiben. Und bereits das bewegt die Politiker wie sonst nichts dieser Tage. Und Finanzmärkte sind geduldiger als man denkt (ich sage immer: Finanzmärkte gucken lange zu). Eine Steigerung der aktuellen Situation gibt es sicherlich. Zum Beispiel, wenn sich europäische AAA-Staaten für CCC-Staaten verschulden, und dann nicht mehr AAA sind. Selbstmord aus Solidarität ist für Finanzmärkte vollkommen ok… solange noch genügend Cash aus der Leiche quillt …

Eigentlich kann ich nur eindringlich jeden MdB (egal ob CDU, CSU, FDP odr SPD, Grüne) davor warnen dem europäischen Rettungsfonds die Zustimmung zu geben: Ihr erkauft den stark verscchuldeten Eurozonenstaaten nur Zeit (und das sehr teuer) indem ihr euch selbst in Knie schießt (bzw. in zwei, drei Jahren den Boomerang voll in die Fresse bekommt; Hoopla den kriegen wir alle dann ab). Aber soll man dazu sagen es wird bei der Abstimmung die 50+x% zusammenkommen, ihr werdet irgendeine Scheiße in den Medien labbern… Macht endlich einen Schlussstrich unter diesen Staatsschuldentheater!

Schöne Zusammenfassung der dollsten Aussagen über Griechenland auf SPON

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,786233,00.html

Aber sollte Europa Griechenland trotz aller Probleme überhaupt pleitegehen lassen? (SPON)

Aha Passivform. Wenn die Griechen ihre Zinsen und Schulden nicht tilgen sollten, dann ist es deren Angelegenheit und ihrer Gläubiger. Wenn es ein Staat nicht durchsetzen will genügend Steuern und Abgaben einzusammeln, um seine Ausgaben zu bezahlen, dann ist die Entscheidung dieses Staates. Andere Staaten sollten diese soveräne Entscheidung dieses Staates akzeptieren. Griechenland ist doch ein soveräner Staat?

Wäre das wirklich die beste Alternative? (SPON)

Wie gesagt, die es ist Griechenlands Entscheidung.

Oder würde das Chaos in der Euro-Zone dann erst richtig ausbrechen? (SPON)

Welches Chaos ist denn da konkret gemeint?

Michael Meister, Vize-Fraktionsvorsitzender der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion:
„Wir sollten aufhören, eine Pleite herbeizureden“

Stimmt. Es geht uns ja auch nix an was Griechenland als soveräner Staat so treibt.

Carsten Schneider, haushaltspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion:
„Ausschluss Griechenlands wäre Einladung an Spekulanten“

Als der Yield zweistellig wurde, war der zug eh abgefahren. Kreditmärkte „gucken lange zu“ und dann geht es ganz schnell abwärts. Seit dieser Handelswoche, sind griechische Bonds noch nicht mal mehr für Distressed Leute interessant. Das ist eher wie mit Toxis (oder für Aktienmenschen: Pennystockraketen). Kein Handelsvolumen, super kleine Order, extrem schwankende Spreads. Game Over.

Otto Fricke, FDP-Haushaltsexperte:
„Die Antwort liegt in den Händen der Griechen“
Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Grünen:
„Dass es ohne Umschuldung nicht geht, ist seit langem klar“

1. Satz: Dito. 2. Satz: Ich mag Schuldner, die ihre Schulden nicht zahlen überhaupt nicht (Das gilt bei mir generell. Ich treibe auch privat jeden Cent. Bei Geld hört die Freundschaft auf).

Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank:
„Lieber umschulden als Defizite finanzieren“

Genau. Wer hat sich eigentlich ausgedacht, daß Staaten Schulden machen sollen. Ökonomisch gibt es da eigentlich nur einen Spezialfall, wann es sich lohnen könnte sich als Staat zu verschulden. Systematische Staatsdefizite gehören da bestimmt nicht dazu.

Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft:
„Wer glaubt, dass die Insolvenz die Probleme löst, ist unverzeihbar naiv“

S&P nennt das „Serial Defaulter“, d.h. es ist statistisch nachweisbar, dass ausgefallene Schuldner mit höherer Wahrscheinlichkeit (als bisher nicht ausgefallene Schuldner) nochmals ausfallen. Egal, ob Konsumenten, Firmen, oder Staaten. Auch die Zeit heilt keine Wunden: Es können Jahrzehnte zwischen den Ausfällen liegen. Es muss so ein Einstellungsding sein.

Peter Bofinger, Wirtschaftsweiser:
„Eine Pleite Griechenlands führt zur europäischen Kernschmelze“

Ja politisch würde das bestimmt kein Grund zum Jubeln sein. Ich denke nicht, dass die EU nur weil ein Mitgliedsstaat (wie vorgesehen) seine eigene Suppen auslöffeln muss, auseinanderbricht. Es ist doch eher eine Peinlichkeit der politischen Eliten, mit ihren großen Plänen und Visionen, die sie wahrlich schlecht, langsam, inkonsequent, … umgesetzt haben. Seit Jahrzehnten. Ich mag all’ die Millionen EU-Bürger. Nur mit den politischen Bürokratiemonster habe ich so meine Akzeptanzprobleme.

Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank:
„Griechenland verdient unsere Hilfe“

Hmm, sollte mir mal die Bilanz von denen angucken…

(Nachträglicher veröffentlicher Artikel. Irgendwie hat wp am Sonntag gestreikt)

An diesem Wochenende haben die Medien die „Eurobonds“ wieder ausgepackt. Zum Beispiel zitiert HB dann Asoka Wöhrmann (DWS) und George Soros (Hedgefonds) als Befürworter von Eurobonds. Wenn ich nun einen ganzen Rentenfonds im Sortiment hätte (DWS/Wöhrmann) oder ein Global-Macro-Strategien (Soros), dann könnte ich mir meine Portfolios auch so zu Recht legen, dass Eurobonds eine total tolle Sache für mich werden (Oder mir nicht eingestehen muss, dass ich ein Papiertigerrisikomanagement habe und nun Scheiße fressen müsste).

Eigeninteresse von Asset Manager hin oder her: Eurobonds setzen langfristig die falschen Anreize für den Euroraum, und sind daher Müll. Ich befürworte dagegen, dass die EZB am Primärmarkt zwischenzeitlich Staatsanleihen direkt abnehmen kann. Und dass ggf. die EZB auch Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt zu Marktpreise kauft. Ich befürworte auf KEINEN Fall dass die EU-Komission, Eurorettungsfonds und generell Politiker ein Finanzierungsmittel erlangen, was sich den nationalen Parlamenten des Euroraums entziehen –Ansonsten kann man ja gleich Barosso, Juncker & Co eine Gelddruckmaschine in den Hinterhof stellen. Bevor man die Beginn der Transferunion ausruft, sollten lieber die Geburtskrankheiten des Euros ausgemerzt werden: Die Haushaltsdiziplin.

Die Triade ist nun wieder vereint: Erst Japan, und nun USA und Westeuropa. Wir haben einen Lebensstandard erreicht der in den nächsten Jahren kaum noch Wachstum generieren KANN. Es gibt keinen Grund MEHR zu konsumieren. Selbst der Trick mit der Verkürzung der Nachkauffrequenz ist ausgelutscht. Wir müssen schlicht auf das Happening der nächsten Basisinnovation warten – Das kann noch mehr als ein Jahrzehnt dauern (Es ist unmöglich heute zu sage was das sein mag).

In der Zwischenzeit muss die Triade sich auf viele Jahre Stgnation einrichten. Die Nachzügler USA und Europa müssen ihre Wirtschaftspolitik und Staatshaushalte darauf ausrichten. Dabei kann man vor allem von Vorreiter Japan lernen: Konjunkturprogramme verpuffen effektlos in einer Stagnation. Und KEINE Konjunkturprogramme bewirken auch nichts (Außer dass Unmengen Staatsschulden sich auftürmen).

Maßnahmen:
- 50/50 Staatsausgaben senken und 50/50 Steuereinnahmen erhöhen, um die Schwarze Null im Haushalt zu erreichen.
- Die Keynes-Rhetorik (oder eher der „Halbe Keynes“) begraben (weil wie oben gesagt Konjunkturprogramme in einer Stagnation faktisch effektlos sind).
- Das allgemeine Lohnniveau (also eher „unten“ als „oben“) anheben (Vorsicht: Zuerst bei lokalen Dienstleistungen, weil schwerlich verlagerbar)

Fazit:
- Wenn die Maßnahmen „behutsam“ die nächsten Jahr macht, kann man verhindern, dass man zum neuen Japan wird (Vor allem mit der Frustration dass all diese Konjunkturpogramme nichts brachten, weder in VWL-Kennzahlen noch beim Lebensstandard, außer viele Schulden)
- Lohnerhöhungen in der Breite haben den Vorteil, dass die Masse auch ihren Beitrag am Staatshaushalt leisten kann und vielleicht der eine oder Grosschen übrig bleibt, um bei Konsum sich den oberen Schichten (zumindest gefühlt) anzunähern.
- Höhere Löhne in der Breite führen beim Wettbewerbsargument „Kosten“ zu Problemen. Gerade in exportlastigen Branchen (Chemie, Automobil, Maschinenbau) ist Offshoring keine Unmöglichkeit (insb. Chemie. Bei Maschinenbau/Automobil könnte trotz hohen Niveau noch etwas gehen, z.B. über mehr Boni für Werker). Daher sollte Lohnsteigerungen eher in lokal gebundenen Wirtschaftssektoren beginnen (z.B. Handwerksdienstleistungen).
- Bei der Frage ob Inflation über Lohnerhöhungen oder auf Pump finanzierte verpuffende Konjunkturprogramme initiert werden sollen, spreche ich mich ganz klar für die Variante ohne Staatsschulden aus.
- Höhere Lohnniveaus (bei guter allg. Lebensstandard) könnten langfristig auch hungrige Ausländer anziehen, die Köpfchen haben, was zu Pluspunkten bei der Innovationsfähigkeit führen kann.

Klar hören sich die Argumente nicht arbeitgeberfreundlich an und spielt der Arbeitnehmerseite in die Hände . Jedoch geht es auch Verantwortung der „Bonzen“, „Reichen“ und „Führungskräfte“ gegenüber Staat und Gesellschaft, um die Zeit zwischen heute und der Zukunft zu überbrücken (Ohne das ein Staat in Chaos verfällt, weil so „friedliebend“ wie Asiaten ist der ‘gemeine Europäer/Nordamerikaner nicht).

Oder anders: Eine langjährige Stagnation plus verpuffende Konjunkturprogramme würde in Europa zu Unruhen führen (Straßeschlachten Plünderungen, Attentate/Terrorismus a la RAF, etc.).

Heute lese tatsächlich zum 2. mal sowas wie einen Nachrichtenartikel

Erster. Es ist 6 Uhr. Und mein die asiatischen Märkte haben stark negativ eröffnet.

Zweiter. Es 21 Uhr. Und der Blicklog titelt „Sommercrash“. Der Titel hat mir so gut gefallen, dass ich es mal glatt klaupierte (http://www.blicklog.com/2011/08/08/der-sommercrash-an-den-finanzmrkten-auf-den-spuren-der-ursachen)

Ich möchte hier garnix über die Zukunft schreiben, weil ich falsch lag – Irgendwo schrieb ich mal der DAX könnte 10,000 schaffen. Das war dann wohl voll daneben. Darum werde ich bestimmt nun keine „Tipps“ geben, und vor allem wenn ich nicht darauf wette (z.B. einen Out-of-Money Call mit Strike 10,000 für 21.Dez.2011 kaufen).

Vor ein paar Wochen fragte ich mal einen Finanzanalysten, ob er auf seine Prognose wettet. Da kam so ein „ich darf nicht“. Woraufhin ich ihn sagte „Warum sollte ich Dir blind vertrauen?“ Genau das sollten Anleger im Hinterkopf haben, wenn sie eine „Empfehlung“ lesen oder einem „Experten“ zu hören (Und auch blöde Blogeinträge von nigecus lesen).

Achja der Sommercrash. Heute war so ein Scheiß Montag. Musste Debugging und Dokumentation machen. Steht schon lange auf dem Plan. Nachrichten? Hatte ich keine Augen für. Diese Sovereignpanik ist mir ja sowas von egal. In Tottenham ist Krieg, Ostafrika verhungert, Siemenssteuergeräte sind knackbar, die Chinesen haben alle gehacked, Israelis können demonstrieren, die Erde soll mal 2 Monde gehabt haben, mein Lieblingsverein hat gegen so einen verschissenen Bundesligabsteiger verloren … Alles 10000000000000….00000-mal interessanter (oder schlimmer) als dieses Sovereign-Theater. Aber ab und zu nervten mich Broker und versuchten soetwas wie Konservation aufzubauen. Die halten wie verrückt nach potentiellen Forced Seller Ausschau um verückte Bid-Ask Spreads zu setzen. Die schienen total verwirrt, wie egal mir der Sovereignmist ist. Am Ende hatten sie zum Verkaufen dann doch nix. Feiglinge. Erst Panik schieben und einen halben Satz später den Schwanz einziehen.

Es ist August. Alle sind im Urlaub. Oder denken im Büro an das kommende Wochenende…

Bei dieser griechischen Tragödie ist immer wieder von „Defaults“ die Rede. Ich gebe mal ein paar Beispiele um mich aufzuwärmen

Argentinien: Habe ihre Schulden nicht bzw. nur teilweise getilgt. Ein klarer Default. In den Folgejahren wollte ihnen dann keiner mehr Geld leihen.

Lehman Brother: Waren überschuldet und konnten Zinsen und Schulden nicht mehr tilgen. Klarer Default. Also „pleite gegangen“ und abgewickelt.

AIG: Konnte wie die Beispiele zuvor ihre Verpflichtungen nicht mehr bedienen. Also „pleite gegegangen“. Aber wurden dann vom US-Steuerzahler gerettet.

HRE, IKB, SachsenLB, etc.: Siehe AIG. Aber die Wahrnehmung bleibt „pleite gegangen“.

Es gibt da so einen menschlichen Reflex, den auch Marktteilnehmer in Kreditmärkte die aus Fleisch und Blut bestehen haben: Man will sich nicht zweimal auf dieselbe Herdplatte fassen — Und tut das dann auch nicht.

Die Wahrnehmung bei Griechenland ist „Die sind pleite gegegangen“. Ob Andere Geldgeber (z.B. EU-Staaten), diese dann „retten“ (=deren Verpflichtungen nachkommen), ist VOLLKOMMEN EGAL. Die Griechen haben schon vor vielen Monaten einen Punkt überschritten, wo Sie von institutionellen Investoren als „pleite“ eingestuft wurden. Da hilft dann auch kein Rating-Buchstabensalat oder irgendwelche Rettungssitzungen in Brüssel weiter. Die Wahrnehmung „Griechenland=pleite“ hat sich verfestigt. Und Griechenland wird genauso wie bspw. sehr sehr viele Jahre/Jahrezehnte brauchen, um an den Kapitalmärkten wieder „für voll genommen“ zu werden.

Es gibt nämlich noch einen anderen Begriff: „Serial Defaulter“. Denn wer einmal sein Versprechen bricht, wird es wieder tun. So ein Makel wird man nur los, wenn ein Generation von Mitarbeiter bei institutionellen Investoren langsam in den Ruhstand geht (Wir sind nämlich nur so schlau und erfahren bis wir tot sind).

… [Stille] …

Auf dem Handelsblatt ist eben eine Liste von 30 Behörden die man abschaffen sollte nach Meinung von Justus Haucap (sponsored by INSM). Auf dem ersten Blick schreit man „Hurra“, aber auf dem zweiten Blick nicht immer.

WEG DAMIT – ÜBERFLÜSSIG / HAT SICH ÜBERLEBT / NUTZLOS

12. Bundesmonopolverwaltung für Brandwein
Empfehlung: Abschaffen
Grund: Überflüssig
Kritik: — keine —

16. Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht
Empfehlung: Abschaffen (Restaufgaben an Behörde überführen)
Grund: Hat sich überlebt
Kritik: — keine —

22. Frauenbeauftragte
Empfehlung: Abschaffen
Grund: Nutzlos, ohne Wirkung
Kritik: — keine — (Man kann Diskriminierung nicht per Gesetz, Verordnungen oder Beauftragte beseitigen. Es bedarf ein Wandel der Werte und Normen einer Gesellschaft als Ganzes)

WEG DAMIT – DOPPELT GEMOPPELT

1. Antidiskriminierungsstelle des Bundes
Empfehlung: Abschaffen
Grund: Doppelt gemoppelt
Kritik: — keine —

8. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung
Empfehlung: Abschaffen.
Grund: Mangelnde Qualität
Kritik: Der INSM sollte sich bei Aussagen hinsichtlich der Qualität nicht so weit aus dem Fenster lehnen. Aber mir ist auch nicht ersichtlich warum die Aufgaben ein eigenes Bundesinstitut bedarf. Es gibt auch andere öffentliche Behörden die solche Analysen erstellen.

9. Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa
Empfehlung: Abschaffen
Grund: Doppelt gemoppelt (Es gibt genug Uni-Institute in Deutschland die diese Themen bereits bearbeiten)
Kritik: — keine —

15. DB Zeitarbeit GmbH
Emfehlung: Privatisieren
Grund: Nicht Aufgabe der Bahn AG
Kritik: — keine — (Wenn man einen Plan anfängt, muss man diesen auch durchziehen damit er funktioniert)

25. Germany Trade and Invest GmbH
Empfehlung: Abschaffen
Grund: Doppelt gemoppelt (Dafür gibt es bereits Botschaften, etc.)
Kritik: — keine —

WEG DAMIT – KEINE STAATSAUFGABE / VERSTECKTE SUBVENTION

2. Beauftragter der Bundesregierung für Tourismus
Empfehlung: Abschaffen
Grund: Ist keine Staatsaufgabe (Daher eine versteckte Subvention)
Kritik: — keine —

30. Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft
Empfehlung: Abschaffen
Grund: Ist eine versteckte Subvention
Kritik: — keine — (Warum sollte man eine Technikzeitschrift für Bauern vom Bund finanzieren lassen?)

WEG DAMIT – ÖFFENTLICHE WERBEFIRMEN BRAUCHT MAN NICHT

18. Deutsche Energie-Agentur GmbH
Empfehlung: Abschaffen
Grund: Es ist eine Werbefirma
Kritik: — keine —

28: Kommunales Stadtmarketing
Empfehlung: Abschaffen
Grund: Sind Werbefirmen
Kritik: — keine —

WEG DAMIT – SOZIALSYSTEMUNGERECHT

29: Künstlersozialkasse
Empfehlung: Abschaffen
Grund: Verfassungswidrig
Kritik: — keine — (Das geht mir jetzt auch zu weit. Man könnte diese Praxis mit dem Beschäftigungsrisiko argumentieren, aber das haben auch ganz viele andere Berufe mittlerweile)

RATIONALISIEREN – AUFGEBLÄHTE STRUKTUREN

3. Bergamt Stralsund
Empfehlung: Alle Bergämter zu 1 Bundesbehörde zusammenlegen
Grund: — nicht ersichtlich — (Wahrscheinlich Doppelstrukturen)
Kritik: Synergien bei Zusammenlegung von Ämtern ist meist stark begrenzt, da Beamte auf ihren Ansprüchen hinsichtlich Position und Besöldung pochen. Zentrale Bundesbehörden sind außerdem besser für Lobbyisten von Großkonzernen „bearbeitbar“.

5. Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
Empfehlung: „Verschlanken“ (d.h. mehr Outsourcing)
Grund: Nicht jedes Bundesgebäude bedarf eines eigenen „Bundeshausmeister“.
Kritik: Sensible Gebäude sollten nicht von privaten Dienstleistern betreut werden (z.B. sensibel wegen Abhöranlagen, Wanzen, Strom, etc.)

13: Bundessprachenamt
Empfehlung: Sprachschulung privatisieren
Grund: Sprachunterricht ist nicht wirklich sensibel
Kritik: — keine —

JEIN – WAS WOLLEN WIR FÜR KULTUR BEZAHLEN?

11. Bundesjazzorchester
Empfehlung: Subvention abschaffen
Grund: Man sollte keine Musikrichtung subventionieren
Kritik: Wie gesagt. Ich glaube nicht daran, dass Kultur privat finanziert werden kann. Das Bundesjazzorchester würde ich auch eher „Begabtenförderung“ einstufen. Oder anders, warum sollte man Randsportarten subventioniere? Weil diese olympisch sind? Ist das ein Grund?

JEIN – EFFIZIENZ ÖFFENTLICHER BETRIEBE

4. Bühnenservice der Stiftung Oper Berlin
Empfehlung: Privatisierung
Grund: Schluckt zuviel Subventionen
Kritik: Kann mir nicht vorstellen, dass eine kulturelle Einrichtung ohne Staatszuschüsse auskommt.

20. Entsorgungsverband Saar
Empfehlung: Privatisieren
Grund: Können auch Privatfirmen
Kritik: — keine — (Ja, mit Müll kann man Geld verdienen, aber wenn es ein öffentlicher Betrieb nicht geschissen bekommt, sollte er es lassen).

23. Friedhöfe Leipzig
Empfehlung: Privatisieren
Grund: Kosten/Nutzen
Kritik: — keine Meinung —

24. Garten-, Friedhofs- und Forstamt Stuttgart
Empfehlung: Privatisieren
Grund: Keine Staatsaufgabe
Kritik: Darüber sollten die Stuttgarter entscheiden (und auch es auch selbst bezahlen). Es ist dieselbe Frage ob öffentliche Bäder privatisiert werden sollten.

JEIN – IST ZU INDIVIDUELL

27. Kommunale Fahrradbeauftragte
Empfehlung: Abschaffen
Grund: Überflüssig
Kritik: Das sollte bitte jede Kommune selbst entscheiden!

INSM TRUGSCHLUSS – TEUER ABER ENFORCEMENT IST STAATSAUFGABE

21. Finanzkontrolle Schwarzarbeit
Empfehlung: Abschaffen
Grund: Kosten/Nutzen passt nicht
Kritik: Schwarzarbeit ist kein Nebensächlichkeit. Wenn ein Staat keine Gefahr ausstrahlt Schwarzarbeiter zu entlarven, legitimiert dieser faktisch die Schwarzarbeit (=Steuerbetrug).

INSM TRUGSCHLUSS – EINE FRAGE DES GLAUBENS… (OFFENSICHTLICHE MONETÄRE INTERESSEN)

7. Bundesdruckerei
Empfehlung: Privatisieren
Grund: — nicht ersichtlich — (Wahhrscheinlich eine INSM-Glaubensfrage)
Kritik: Ich fand den 1. Privatisierungsveruch schon für bescheuert. Eine Druckerei die Geldnote, Pässe, etc. druckt sollte niemals in privater Hand sein. Das ist eine Staatsaufgabe.

17. Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH
Empfehlung: Privatisieren
Grund: — nicht ersichtlich —
Kritik: Das stinkt auch wieder nach direkten Lobbyismus seitens des INSM. Aber es ist schon verwunderlich, dass die Projekte Deutsche Einheit mehr als das Doppelte im ursprünglichen Zeitplan hinterherhängen (d.h. ca. 10 Jahre). Soweit mir bekannt ist und war das eigentliche Problem immer die öffentliche Buchführung, die keine verlässliche Finanzierungszusagen über 1 Jahr hinaus treffen kann (Es ist ein grundsätzliches Problem).

26. GKV Informatik
Empfehlung: Privatisieren
Grund: Nicht wirklich privatisiert weil im Besitz der Krankenkassen
Kritik: Was soll der Besitzerwechsel nun bringen liebe INSM? Wenn die GKV ihre Job toll macht, warum sollte die GKV nicht noch mehr Krankenkassen zu sich ins Boot holen? Oder würde das den privaten Cloud-Firmen die den INSM unterstützen erst recht nicht gefallen?

INSM TRUGSCHLUSS – SYSTEMANGRIFF DER LOBBYISTEN (NICHT SO OFFENSICHTLICHE INTERESSEN)

6. Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
Empfehlung: Abschaffen
Grund: Können und tun bereits auch Privatunternehmen
Kritik: Sorry, Vermessung des Landes ist eine Staatsaufgabe, weil dessen Manipulationsmöglichkeit einen Rechtsstaat untergraben kann. Nur weil die IT-Branche Geodaten gerade als „hip“ ansieht ist das kein Grund sein Katasteramt abzuschaffen (Ganz im Gegenteil).

10. Bundesinstitut für Risikobewertung
Empfehlung: Verschlanken
Grund: — nicht ersichtlich —
Kritik: Niemals! Ich werfe hiermit dem INSM direkt Lobbyismus vor, der ganz schweren Art! Die Risiken Produkten zu bewerten ist eine Tätigkeit die „ganz viele Feinde“ in der Privatwirtschaft hat (Lobbyisten hassen diese Leute). Man kann deren Leistung schwer messen, aber eine neutrale Risikobewertung erhöht langfristig den Lebensstandard einer Gesellschaft (zum Nachteil kurzfristiger Profitmaximierung). Es ist eine klassische öffentliche Dienstleistung für die ein Volk ein paar Steuertaler aufwenden sollte (zum Nutzen des Volkes insgesamt).

14. Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestags
Empfehlung: Abschaffen
Grund: Mangelnde Qualität
Kritik: (Siehe „Bundesinstitut für Risikobewertung“. Punkt 10)

19. Deutscher Wetterdienst
Empfehlung: Abschaffen
Grund: Können auch Privatfirmen machen
Kritik: Wenn man die Notwendigkeit von Wettervorhersagen auf die Frage „Morgen den Regenschirm mitnehmen oder nicht“ begrenzt hört sich das in der „kleinen Welt“ der INSM-Mitarbeiter total plausibel an. Aber Prognosen und Messung des DWD sind ein Benchmark. Gerade wenn ich an Sachschadensversicherung denken, oder den zukünftigen Möglichkeiten der Marktmanipulation im Energiehandel der mehr „vom Wetter abhängig“ wird, halte ich den INSM-Vorschlag für extrem anrüchig. Das mag nicht so ersichtlich sein „für den kleinen Mann“.

Quellen:

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/das-sind-deutschlands-ueberfluessigste-behoerden/3543186.html

Links:

Ich dachte es ist ein schschlechter Scherz als der Spiegel titelte „Koch-Mehrin wird zur Forschungspolitikerin befördert“ (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,769950,00.html). Aber tatsächlich steht die Betrügerin Koch-Mehrin auf der Home des „Committee on Industry, Research and Energy“ des Europäischen Parlaments (http://www.europarl.europa.eu/members/expert/committees/view.do?language=DE&id=28241).

Sie die EU-Politiker vollkommen degeneriert? Man sagt das vielleicht als Witz (…hey machen wird Gutti, Koch-Mehrin, etc. doch zum Forhscungsministier…), aber das ist ein Scherz. Keine Handlungsempfehlung. Leute die ihren Doktortitel erschwindeln sind schlichtweg BETRÜGER und haben nichts in Positionen zu suchen die mit Entscheidungen oder gar Verantwortung zu tun haben. Insbesondere wenn es Entscheidungen über Forschung selbst geht (was diese Betrüger bewiesenermaßen nicht drauf haben).

Es geht garnicht um die Qualifikation die so ein Dr. mit sich bringt. Ich kann mit einem mittelmäßig schlauen Bauern als Parlamentarier oder Regierungsmitglieg gut leben. Zumindenst hat so eine Person wenigstens nicht den Versuch unternommen sich einen Doktortitel unrechtmäßig durch Betrug zu erschleichen. Da bevorzuge ich lieber die „dumme Ehrlichkeit“.

EUROPA, SCHÄME DICH!

Heute habe ich schon wieder über das Basel III Wort „Highly Liquid Assets“ lachen müssen als ich über griechische Staatsanleihen nachdachte. Die Liquidität dieser Papiere errinnert mich eher an Pennystocks.

Egal. Es ist schon beachtlich wie EU-Politiker einen griechischen Default basteln wollen, aber ohne „D“ Rating zu kassieren. Das Problem an einen „D“ ist, dass ein „D“ nicht wegdiskutierbar ist. Über „A“, „B“ und „C“ Buchstaben kann man sich ja noch streiten, aber die „D“s sind klar definierte Ereignisse/Events.

Das mag Politikern intuitiv nicht so ganz klar sein. Politik ist ja auch über normatives Zeug, was man anderen Menschen mal so mal so verkaufen kann. Bei Finanzkontrakten (wie Schuldtitel) sind die vereinbahrten Geldzahlungen und sonstige Bedingungen explizit niedergeschrieben ==> Ja oder Nein. „Vielleicht“, „Ein bisschen“, etc gibt es da nicht. Verbindliche Kontrakte sind wohl genau das was Politiker an Finanzmärkten hassen. Insbesondere wohl dass Investoren, Heuschrecken, Spekulanten, Anleger, etc. auf die Erfüllung von Kontrakten pochen. Finanzkontrakte können anscheinend nicht so schön gebrochen wie etwas Wahlkammpfversprechen.

Politiker sind unbeliebt, weil sie Versprechen brechen. Und Finanzmarktakteure sind unbeliebt, weil sie Versprochenes einfordern.

Genug geschwafelt. Ich denke, dass ein Staat der bei einem CCC Rating angekommen ist anfangen sollte seine Situation zu akzeptieren und mal was neues ausprobieren sollte. Ich bin für die Staatsaktien-Lösung bzw. der Tranchierungslösung bzw. Einführung einer Rangigkeit.

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#Rangigkeiten

#1 Erstrangige Staatsanleihen
#1.a Besicherung: Keine
#1.b Besicherung: Staatsbeteiligungen
#1.c Besicherung: Bürgschaften von AAA/AA EU-Ländern
#1.a-c.FIX Kupon: Fixer Kupon (klassische Staatsanleihe)
#1.a-c.FLT Kupon: Floating Rate (Inflation Linked oder EURIBOR+X)
#1.a-c.FIX-FLT.A Bedingungen: Keine
#1.a-c.FIX-FLT.B Bedingungen: Verstoß gegen 3% Neuverschuldungsgrenze
#1.a-c.FIX-FLT.C Bedingungen: Verstoß gegen 60% Verschuldungsgrenze
#1.a-c.FIX-FLT.D Bedingungen: …

Was?
Rangigkeit: #1 sind ausschließlich neue Schuldtitel die in nächster Zeit auf dem Primärmarkt emittiert werden. Diese sollte dieselben Fälligkeitstermine wie die existierenden, bereits emittierten Staatsanleihen. Die #1 werden immer zuerst bedient!
Besicherung: Sollte die griechische Staatskasse am Fälligkeitstermin leer sein, müssen die Bürgen zahlen (#1.a) oder die hinterlegten Assets werden liquidiert (#1.b).
Kreditbedingungen: … machen nur Sinn wenn man Staatsaktien hat (Siehe #3).
Rating: Im Falle von #1.c wäre es dasselbe Rating wie EU-Land, das für #1.c bürgt. Bei #1.b kommt es auf das Collateralization Ratio an. Und am Ende ist ja alles erstrangig, was doch mindestens ein „A“ ergeben sollte.
Primärmarkt: Das Zeug sollte man locker an den Mann kriegen.

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#2 Nachrangige Staatsanleihen
#2.a-c Siehe #1.a-c
#2.a-c.FIX-FLT Siehe #1.a-c.FIX-FLT

Was?
Rangigkeit: Bei #2 handelt sich um die existierenden griechischen Schulden, die zu allen neuen Schuldtiteln nachrangig gestellt werden. Da nur #1 rangige Titel erstmal neu emittiert werden, werden Zins- und Schuldtilgungen erst dann durchgeführt, wenn die #1 rangigen Titel alle bedient wurden.
Besicherung: Im Falle von #2.b muss beachtet werden, dass ein Assets nur einmal als Sicherheit hinterlegt werden darf!
Kreditbedingungen: Es gibt für #2 keine Kreditbedingungen. Es handelt sich eigentlich um „klassische Staatsanleihen“.
Rating: Würde bei Griechenland erstmal bei „CCC“ bleiben. (Aber wohl nicht „D“ werden solange sie noch bedient werden und es noch nachrangigere Staatsaktien gibt)
Primärmarkt: Tot ist er eben so oder so…

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#3 Staatsaktien
#3.c.FLT Kupon: EURIBOR+X, BIP+X, etc. (Irgendetwas variables)
#3.c.FLT.B-Z Bedingungen: Kuponzahlung wird solange ausgesetzt, bis die Kreditbedingungen #1.c.FLT.B-Z wieder erfüllt werden.

Was?
Laufzeit: Staatsaktien habe keinen Fälligkeitstermin, d.h. laufen unendlich.
Rangigkeit: Griechenland kann die Staatsaktien wieder am Sekundärmarkt zurückkaufen. Aber alle neu emittierten Staatsaktien werden den existierenden Staatsaktien nachrangig behandelt!
Kreditbedingungen: Zum Beispiel kann die Situation entstehen, dass bei (kleinen) Verstoß gegen #1.c.FLT.B-Z es ausreicht nur die neueren Staatsaktien nicht zu bedienen. Am Ende kann die Performance der Staatsaktien über die Kreditbedingungen der erstrangigen Schulden an die „Haushaltsdisziplin“ von Griechenland gekoppelt werden.
Rating: Staatsaktien haben kein Rating! (Rating=NR)
Primärmarkt: Wenn das Preisschild stimmt wäre das interessant für „die bösen Zocker“. Aber einmal emittiert könnte Griechendland seine Staatsaktien auch direkt als Zahlungsmittel einsetzen (z.B. Bezahlung seiner Beamten), oder an neue #2 Primärmarktinvestoren mit politischen Motiven als Kompensation geben (z.B. EU-Unterstützungsländer, IWF, etc.), oder auch lustige Staatsaktien-Optionen für die griechische Regierungsmitglieder ausgeben, oder…

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Wie der schlaue Leser erkannt, kann der obige Vorschlag auch so interpretiert werden, dass Griechendland in einen 300 Mrd CDO umgewandelt wird. :) Tranchierung ist nicht so böse wie alle denken (Faktisch jede Firma auf dieser Welt hat eine Kapitalstruktur und kommt damit klar). Und im Gegensatz zu diesen irrwitzigen EuroStat-Beschiss von GS/Griechland wäre obiger Vorschlag eine „kleine Revolution“ des Staatsanleihenmarktes.

Die Europäische Patentbehörde (EPO) hat die Gewinner des Europan Inventor Award 2011 verkündet. Auf deren Homepage können die Erfindungen aller Finalisten angeschaut werden. Da sind dann auch Videos dabei.

Also das sind schon ganz dolle Sache. Ok für BWLer: Das sind Erfindungen die sich ausgezahlt haben.

Mir hat das Kommentar von dem US Erfinder (Kategorie „Non-European“) sehr gut gefallen

… every idiot can make something very complicted … [it] is very difficullt make something simple …

Genau das ist das Problem um auf eine „gute“ Erfindung zu kommen. Man muss runter zu den Wirkprinzipien gehen, ggf. diese durch andere im System ersetzen, alles wieder ändern, um möglichst „mit weniger“ denselben Zweck zu erreichen. Bei „guten“ Erfindungen stehen meist der erste Gedanke, der durch Erfahrungswissen voreingenommen ist dem Erfinder selbst im weg („wir machen das einfach so, weil man das so macht…“). Komplizierte technische Systeme entstehen meistens dadurch, dass man ein existierendes System verbessern will, indem man einfach „etwas dranklatscht“. Das sind dann „inkrementelle Innovationen“.

Mir hat außerdem das mit dem Stahlbeton von Ann Lambrechts am besten gefallen.

Ich habe da ein Lesehinweis. Erschienen in der Frühjahrsausgabe des Brookings Papers of Economic Activity, von Gary Gorton und Andrew Metrick, mit dem Titel „Regulating the Shadow Banking System“ (http://www.brookings.edu/~/media/Files/Programs/ES/BPEA/2010_fall_bpea_papers/2010b_bpea_gorton.pdf). Das schöne ist, dass da gleich zwei gute Kommentare/Diskussionen von Andrei Shleifer und Daniel K. Tarullo drangehängt sind.

Das Paper von Gorton/Metrick ist leicht verständlich (Nix Mathelastiges oder Schwerzulesenes), und stellt sehr gut die Entstehung des heutigen Bankensystems, oder auch im Volksmund des „Schattenbanksystem“ dar. Ich kann nur empfehlen das Paper selber zu lesen, aber bitte auch die Kommentare, das Paper ist nicht die Absolution (z.B. Shleifer fragt nach der Kausalität beim Repo-Argument).

Klassisches Bankensystem, Einlagengeschäft, Bank Run Risiko
Das Modell hier sollte jeder kennen. Dieses Bankensystem ist nach der Weltwirtschaftskrise 1930 entstanden. Damals gabe es keine Einlagensicherung. Es zogen dunkle Wolken am Konjunkturhimmel auf, die Menschen bekamen Angst um ihre Einlagen und hoben es ab: Bank Run, und schwupps hatten die Banken ein „Funding Liquidity“ Problem. Nach dieser Erfahrung wurde dann die Einlagensicherung eingeführt (Das ist das Modell in Grafik unten. Achte auf „insured“).

Gorton-Metrick-2011-Figure-1-Page-263

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Zu beachten ist, dass logischerweise vor 1930, es jahre-/jahrzehntelang üblich war, dass Bankeinlagen nicht „versichert“ waren.

Verbriefungen und Kapitalanlageprodukte, „Schattenbanksystem“
Das Klassisches Bankensystem gibt es schon lange nicht mehr, zumindestens hat heute das Einlagengeschäft nicht mehr so eine hohe Bedeutung wie 1930. Das heutige Bankensystem sieht (ungefähr/schemenhaft) wie unten dargestellt aus.

Gorton-Metrick-2011-Figure-2-Page-264

Gorton-Metrick-2011-Figure-2-Page-264

Sie wollen das nicht glauben?
Ok, dann ein paar Dinge, die nicht im Paper stehen: Bei Ausbruch der Finanzkrise lagen bei im FED-System läppische $ 50 Mrd. als Mindestreserve hinterlegt. Die Mindestreserve ist (nach wie vor) ein Relikt aus dem Nach-1930er Bankenmodell, wo für jeden Dollar geschöpften Kredit (Siehe „B“ in 1. Grafik) ein Teil bei der FED hinterlegt werden muss. Im Falle der USA sind das 10% Mindestreservequote. Also wurden nur $ 500 Mrd. Kredit mit Hilfe von Bankeinlagen geschöpft. Für eine Volkswirtschaft von mehr als $ 14000 Mrd Bruttoinlandsprodukt ist das ein vernachlässigbarer Witz. Nachdem die die Finanzkrise ausbrach rechnete der Datenanbieter Bloomberg mal nach wieviel Nominal in Verbriefungen so „at Risk“ seien könnten: ca. $ 8000 Mrd. Bei Datenanbieter Intex kann man sich ca. 20000 Verbriefungen anschauen. So eine Verbriefung ist im Schnitt 1/2 Mrd. (Unter 200 Mio wird das zu teuer, aber es gibt auch absurd große 20 Mrd Deals), also kommt die Bloomber-Zahl ungefähr hin. Nun sollte jedem Skeptiker klar sein, dass Nach-1930er Modell Vergangenheit ist.

Zurück zum Paper (Schattenbanksystem)
Gorton/Metrick sehen auch Kapitalanlageprodukte (insb. Geldmarktfonds) als Bestandteil des Schattenbanksystems (Oft werden lediglich all’ diese bösen Verbriefungen/“Finanzinnovationen“ als „Schattenbanksystem“ betrachtet, aber ohne eine Nachfrage gäbe es diese Dinger auch nicht). Anstatt dass wie im klassischen Bankenmodell die Kleinsparer ihr Geld auf die Bank bringen, stecken diese Kleinsparer nun ihr Geld in Kapitalanlageprodukte. Und Kapitalanlageprodukte gibt es nun auch schon seit ein paar Jahrzehnten. In den USA gab es den ersten Geldmarktfonds in den 70ern (und in Deutschland in den 90ern). So fetter Geldmarktfonds kann dann mit einer Bank ein Repo-Geschäft machen, um eine Festverzinsung zu erzeugen. Jedoch will der Geldmaarktfonds ein Sicherheit, ein „Collateral“ haben, für den Fall dass die Bank zwischenzeitlich Pleite geht. Und genau diese Funktion haben dann Tranchen dieser kryptischen ABS, ABCP, CDO, usw. übernommen (In den 80ern wurden die ersten US Verbriefungen als CBOs ungefähr in den 80ern aufgelegt. Dieser CBO Markt ist außerdem schon Anfang der 90er unter die Räder geraten).

Gorton/Metrick’s „Repo Run“ Theorie
Nach Gorton/Metrick liegt der Kern der Finanzkrise im Repo-Markt, also zwischen den Portfoliomanagern von Geldmarktfonds (und ähnliche Investoren die auch Festzins über Repo „im großen Stil“ machen) und den von Banken erzeugten Collateral für diese Geschäfte. Die Geldmarktfondsmanager trauten (aus irgendeinen Grund) nicht mehr so ganz der Kreditqualität des Collaterals. Anstatt eines „Bank Run“ der Kleinsparer (Vor-1930-Modell) gab es nun einen „Repo Run“ der Institutionellen Investoren (Vor-2007-Modell).

Kritik an der Repo-Run Theorie
Wie alle („gute“) Theorien sind diese oft nur innerhalb ihrer Systemgrenzen irgendwie plausibel. Shleifer (Siehe Seite 298ff.) kritisiert, dass Gorton/Metrick sich zu sehr auf Repo-Geschäfte als einzige Motivation fürs Investieren festgeschossen haben. Es gibt ja auch Investorengruppen, die an Kreditexposures mit längeren Laufzeiten interessiert sind. Also solche Investoren die bis zur Fälligkeit so eine Tranche eines ABS, ABCP, CDO, usw. halten und nicht so kurzfristig für ein Repo-Geschäft hinterlegt haben wollen (Und diese Investorenart scheint auch nicht gerade „klein“).
Ich beiße mich mal hier fest: Gorton/Metrick haben die Systemelemente beschrieben, die für 1 Agent (Geldmarktfonds) in einem Multi-Agenten-Modell (auch andere Investorgruppen) von Relevanz sind. Es ist ein sozusagen ein Teilmodell (Ich denke im Credit Spread Puzzle kann man die Repo Run Theorie irgendwie gut gebrauchen).

Was wird das 2007er Bankenmodell werden
Kritik hin oder her. Das Bankenmodell von Gorton/Metrick ist weitaus näher an der Realität der Gegenwart als das alte Nach-1930-Bankeinlagensparermodell. Auch wenn „Schattenbanksystem“ einen doch sehr offensichtlichen negativen Klang hat, ist es die Realität in der wir leben. Und das Rad der Zeit werden wir nicht zurückdrehen können. Oder anders: Das „Schattenbanksystem“ ist unser (echtes heutige) Bankensystem, mit dem wir unsere Angebotswirtschaft (und Konsumentenkredite) finanzieren. Zu sagen „weg damit“ ist eine Illusion, Träumerei, Nichtwissenheit.

Ich bemühe mal das Fazit von Shleifer’s Kommentar (Seite 303):

But perhaps a deeper point is that in such environments where important risks are misunderstood, shutting down one mechanism whereby investors and intermediaries pursue their profits is unlikely to work. They will try to realize their dreams through other instruments instead. Regulating a particular instrument, or a particular segment of the market, to solve a more fundamental problem is highly unlikely to work.

Ich kann nur sagen, dass das heutige Vor-und-nach-2007-Bankenmodell einen Tick komplizierter ist als das intuitiv leicht verständliche klassische Bankenmodell. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, einen Literature Review zum Thema „Securitization“ anzufertigen. Was in A, B, C, etc. Journals und Working Papers publiziert ist „sehr übersichtlich“ (Die mathematischen/methodischen Papers ohne wirklichen Fokus auf wirtschaftswissenschaftliche Theoriebildung und Empirie klammer ich aus). Vor 2007/8 war dieses Thema fast nicht-existent. Und nach 2007/8 hatten die meisten Papers ein Manko: Die Annahme über die Funktionsweise bestimmter Primär- und Sekundärmärkte und Motivation der Investoren war schlichtweg falsch. Letzteres kann man keinen Wirtschaftswissenschaftler ohne Einblicke in die „Praxis“ nicht vorhalten (Andererseits kann man vielen „Praktiker“ ihren Nichtwissenheit über wissenschaftliches Vorgehen auch vor die Nase halten. Ein klassischer „Technology Gap“). Daher sehe ich eben „Live“ das ziemlich viele „wackelige“ Schlußfolgerungen als bare Münze verkauft werden. Aber immerhin nach besten (Nicht-)wissen und Gewissen.

Um den Bogen wieder auf das Kommentar von Shlifer auf Seite 303 zurückzukommen: Das alte Vor-1930-Bankensystem wurde für den damaligen Moment plausibel reguliert, aber war dann doch irgendwie „unattraktiv“ geworden, sodass wir nach rund 75 Jahre plötzlich ein Vor-2007-Bankensystem vorfinden, wo damaligen Maßnahmen vollkommen nebensächlich geworden sind. Und nun, heute sind wir dabei ein Nach-2007-Bankensystem uns irgendwie hinzuregulieren mit Regel die uns heute irgendwie plausibel erscheinen. Nur werden wir in vielleicht 75 Jahren (das was keiner so genau) ein ganz anderes Bankensystem haben wie heute (und das ist aber ziemlich sicher), wo die heute noch so plausibeln Regeln widerum vollkommen egal sein werden. Und wie Shleifer behauptet: Es ist die Gier, der Streben nach dem leichten Geld, wie auch wir es nennen mögen. Es ist menschlich sich für einen Traum selbst zu beflunkern. Die Wahnehmung von Risiken schwindet durch Nichtwissenheit, Naivität und lässt die Profitchancen dann umso glänzender erscheinen. Langfristig wollen wir uns selbst belügen.

Man findet immer so Sachen auf anderen Blogs und Kommentaren. Nachdem ich auf John Perkins Blog meinen Senf zur Bedeutung einer Made-By-Gaddafi Gold-Dinar abgab kam fiel mir das Kommentar von „Mr Whipple“ auf:

In the first days of the air strikes, the Libyan rebels were able to form a new National Oil Company and a new central bank. Hmmm? Do you think they may have some outside help?

http://www.economicpolicyjournal.com/2011/03/libyan-rebels-form-central-bank.html

There are only 4 countries, now, that have government controlled central banks: Iran, Cuba, N. Korea and Sudan. And Sudan has been working closely with the IMF as of late. Now, you know what “Axis of Evil” really means. Actually, it is central banking that is evil.
BTW, you are familiar with “Triffin’s Dilemma”?

Wie bitte? Also schnell mal auf den Link geklickt (http://www.economicpolicyjournal.com/2011/03/libyan-rebels-form-central-bank.html) und Tatsache Bloomberg hatte es gemeldet, mit Interview (http://www.bloomberg.com/news/2011-03-21/libyan-rebel-council-sets-up-oil-company-to-replace-qaddafi-s.html). Also am 17.März wurden die Gaddafis Konten eingefroren und am 19.März eine Zentralbank gegründet. 2 Tage! Also für eine GmbH-Anmeldung kann muss man da schon eher Monate warten… Achso diesen Kommentar finde ich ganz witzig

Must have been a late night impulse buy of the Goldman Central-Bank-in-a-Box (CDO Tranche-o-matic and JPM POMO-Random-Purchase-Price generator sold separately).

Das italienische Finanzministerium ist empört, weil ein privatwirtschaftliches Dienstleistungsunternehmen was sein Geld mit lustigen Buchstaben verdient Italien auf „Negative Watch“ gesetzt

… Das Finanzministerium in Rom reagierte mit Unverständnis auf diese Einschätzung. Diese weiche sehr stark ab von Beurteilungen internationaler Organisationen wie der OECD, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU-Kommission, erklärte es….

Die US-Regierung war auch über so ein „Negative Watch“ empört. Jedoch ist eigentlich die Aufgabe einer solchen Ratingagentur den Investoren von T-Bonds, italienischen Bonds usw. so eine Dritte Meinung über die Kreditwürdiigkeit abzugeben. Dass dies im Falle einer Ratingmigration sehr weitreichende Folgen hat dafür kann die Ratingfirma doch nix. Es waren doch die Politiker, die Basel II, III, usw. geschrieben haben.

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