Normalerweise wird der Crowding Out Effekt mit Zinsen assoziert. Aber dieser Tage habe ich den Eindruck, dass Sicherheiten eine größere Rolle spielen. Es ist eine Variable, welche die Staaten höchstpersönlich einführten und populär machten. Warum sollte eine Geschäftsbank Kredite rausgeben/verlängern und das Ausfallrisiko übernehmen, wenn sie auch Kredite rausgeben/verlängern kann ohne ein Kreditrisiko zu übernehmen?

Die Geschäftsbanken haben sich daran gewöhnt, da es seit Jahren üblich ist hier und da Forderungen aus Kredite mit Derivaten abzusichern. Seit größere Player für diese Dienstleistungen ihr Engagement zurückfuhren oder auch ganz einstellten, müssen Geschäftsbanken sich nach Alternativen umgucken:

(1) Gehe zurück zum Klassiker, dem Eigenkapital.
Aus Sicht einer Bank ist die Residualgröße Eigenkapital der Eigentümer soetwas wie die unterste Tranche eines CDO (Natürlich als Analogie). Vor dem Platzen der Finanzblase, konnte höheres Ausfallrisiko aufgrund zu wenig Eigenkapital durch Kreditderivate kompensiert werden. Daher sind die höheren Eigenkapitalanforderungen, die hier und da sehr medial angeprangert werden, nichts weiter als Indiz dafür dass diejenigen Geschäftsbanken nun/plötzlich weniger/keine Kreditderivate ankaufen/ausführen können, bzw. es sich nicht lohnt, um fehlendes Eigenkapital ihrer Schuldner auszuleichen.

(2) Substituiere Kreditderivate mit Staatsbürgschaften.
Ein sehr elegantes Substitut für Kreditderivate ist aus Sicht einer Bank die Staatsbürgschaft für den Schuldner. Im Grunde genommen ist es so, dass Länder wie die BRD mir ihrem Deutschlandfonds „AIG für Nichtbanken“, und im Falle der Soffin „AIG für Banken“, spielen. Jedoch sind BRD Kreditversicherungen eher Peanuts im Vergleich zu dem was an Playern in letzter Zeit ihre Dienstleistungen nicht mehr anbieten. Daher ist nun der große Sturm seitens der Banken ausgebrochen um die letzten knappen Ressourcen, hier Bürgschaften, zu ergattern.

Folgen der Staatsfinanzierung
Bei einem normalen Crowding Out, emittert ein Staat genügend (tendenziell risikoarme) Anleihen, dass Unternehmen Probleme bekommen ihre Anleihen zu platzieren, und wenn durch höhere Prämien, sprich Zinsen. Das sehen wir seit 2008 als bspw. Daimler mit großen Kuponversprechen Kapital einsammeln gehen musste, während Berlin, Brussel, Washington & Co. an seinen großen Staatshilfen rumbastelte.

Die höheren Risikoprämien auf Unternehmensanleihen, machen sich natürlich für die Residualgröße Eigenkapital bemerkbar. Natürlich nicht ausschließlich, weil bei erwartenden Absatzrückgängen steigen die so oder so, aber Crowing-Out gibt nochmal den Extra-Kick oben drauf. Der Punkt (1) wird fast unmöglich für Unternehmen, und ist auch nur den Perlen möglich wegen strategischer Investoren mit Eigenkapital. Und bei Punkt (2) sind die „Stühle“ beim Spiel „Reise nach Jerusalem“ einfach begrenzt.

Tja, die konjunkturelle Zukunft ist unsicher. Erholung kommt bestimmt, aber die entscheidene Frage in der Finanzierung und Investition ist wann und wie. Keiner will Ausfallrisiken auf seiner Rechnung haben, und die Verschiebe-Instrumente sind da. Also werden wir noch einige Zeit mit angucken wie sich Anleger, Banken, Firmen und Staat gegenseitig die Stühlen unter dem Hintern wegziehen.