Aufgrund des Blogeintrags “Die Verlogenheit der Anti-Derivate-Argumentation” hat mich ein Bekannter angesprochen und den Kritikpunkt aufgegriffen, warum es keinen Sinn macht für 1 Underlying x Versicherungen rauszugeben (z.B. 10 CDS auf 1 Kredit). Dieses Kritik ist vollkommen berechtigt. Jedoch denke ich, dass die Lösung wäre, dass alle ISDA-Agreements über eine Börse gesettled werden müssen (Was ja auch bereits früh in die öffentliche Diskussion geworfen wurde). Jedoch haben Finanzinstitutionen dazu bereits eine 180 Grad-Bremsung hingelgt. Es klingelt einfach zu sehr die Kasse, wenn problemlos bspw. 10 CDS für 1 Kredit vertickt werden kann, und hinzu kommen auch noch die Intransparenz-bedingten attraktive Ask-Bid-Spreads dieser Derivate. Wenn ich Banken-Boss würde ich darauf auch nicht verzichten wollen.

Was würde es bezwecken, wenn alle ISDA-Agreements öffentlich über eine Börse gesettled werden? Die Käufer von Derivaten könnten dann herausfinden,
- wie viele Derivate auf dasselbe Underlying verkauft wurden.
- wie hoch die Eventualverbindlichkeit ihres Counterpart sein können.

Sprich man könnte das Counterpart-Risk viel besser bewerten. Daraufhin könnten Käufer von Derivaten eine zusätzliche Risikoprämie (aus ihrer Sicht) mit dem Emittenten des Derivats aushandeln, was natürlich dessen möglichen Gewinn schmälern würde.

Die aktuelle Situation ist doch, dass beim Schreiben von ISDA-Agreement marktmikrostrukturell Informationsbarrikaden aufgestellt werden. Die Käufer von solchen Derivaten sind somit in einem “Spiel mit unvollständigen Informationen” (Analogie: Dieses Spiel-Setting kann als Begründung herangezogen werden, warum es im Wettbewerb zu Überkapazitäten kommt, d.h. Firmen/Betreiber bauen Produktionskapazitäten auf, da sie nicht wissen, dass ihr Konkurrent auf der anderen Seite der Welt das eben auch tut; Der Anlagebauer mag wissen, dass die konkurrienden Kunden/Betreiber Überkapazitäten aufbauen, aber kein Interesse haben denen es mitzuteilen, das der Anlagenbauer sein Anlagen verkaufen will). Wobei der Derivate-Verkäufer kein Interesse hat den Derivate-Käufern mitzuteilen wie viele Derivate verkauft wurden.

Um es kurz zu machen: Wenn gesetzlich vogeschrieben wird alle ISDA-Agreements über eine Börse zu settlen, und somit diese jedermann zugänglich wird, dann wird der Effekt dass auf ein Underlying mehrfach Derivate begeben werden, abnehmen.

Verlierer sind die Investmentbanken und Gewinner die Derivate-Käufer, weil
- Counterpart-Risk von den Derivate-Käufern (besser) bewertet werden können,
- Derivate-Käufer Angebote besser vergleichen können (z.B. Ask-Bid Spreads),
- Die Informationsbeschaffungskosten der Derivate-Käufer sinken (es sei denn sie machen ein Blindflug)

Was muss so eine Börse für “individuelle Kontrakte” leisten? Eigentlich reicht es aus, dass eine solche Börse die ISDA-Agreements in einem standardisierten Dateiformat öffentlich stellt, die Margin Requirements einsackt, und die paar Buchungsbelege ausfüllt. Das war es. Ganz simpel. Nicht teuer (Das bestreiten Investmentbanken;, und es ist eine Lüge). Es muss lediglich zu einer MUSS-Vorschrift werden.