Manchmal frage ich mich ob Banken-Lobbyisten inkompetent oder einfach nur Dinge so hinbiegen wollen wie es ihnen in den Kram passt. Da steht im Artikel “Deutsche Banken müssen Schuldengrenze fürchten” folgendes
“Entscheidend ist die Frage, inwieweit stille Einlagen als hartes Kernkapital anerkannt werden”, betont daher DSGV-Mann Konesny.
Man kann keine generelle Aussage machen ob Stille Einlagen Eigenkapital, eigenkapitalähnlich oder eher was anderes sind oder nicht. Das einzige worauf man sich verlassen kann ist, dass ein First-Loss-Piece Eigenkapital ist. Im Grunde ist jeder Kontrakt auf der Bilanzpassiva der nicht eine 100%-ige Verlustbeteiligung aufweist, kein Eigenkapital – Es ist irgendetwas anderes.
Angenommen das First-Loss-Piece ist verbrannt und verbleibende Verluste werden tatsächlich auf der nächst-höhere “Stille Einlage” (gegenfalls bis diese auch verpufft ist) realisiert, dann hat das was eigenkapitalähnliches. Wenn aber die Stille Einlage secured ist, also Verluste begrenzt sind, dann ist die Stille Einlage auf jedenfall fremdkapitalähnlich. Also kein Eigenkapital. Punkt. Das sind so dermaßen triviale Dinge, dass ich mich frage, was für einen Quatsch die deutsche Bankenlobby erzählt.
Und eigentlich hat es doch gerade die deutsche Bankenlandschaft gezeigt, dass ihre Mezzanine-Kontrakte kein Eigenkapital sind als sie sich sträubten einen Haircut (der über den Vertragstext hinaus ging) auf diese Kontrakte zu bilanzieren als “Aktiva ungleich Passiva” wurde. Die Definition was “Kernkapital” ist, haben sie selbst demonstriert. Ansonsten müsste ja die eine oder andere Bewertung in Bankenbilanzen nochmal überprüft werden… Und das will ja niemand haben…
Irgendwo muss man einen Schlussstrich ziehen. Beim Leverage Ratio kommt es immer darauf zu was man es bezieht. Entlang einer Rangigkeitsstruktur kann man ganz viele Leverage Ratios berechnen je nachdem was einen interessiert (=in welchen Kontrakt man investiert ist). Jedoch wird es der Bankenaufsicht wohl nur interessieren wieviel Verluste eine Bank beim großen Pleitegefahrknall schnell schlucken kann. Und immer dort wo Verlustbeteiligungen begrenzt sind, irgendwelche Bilanzaktiva als Sicherheit gewährt wurden, usw. ist da nix mit “schnell”.
4. August 2010 at 09:29
[...] nigecus: Leverage zu was? [...]