Im HB ist ein Interview mit Jim Rogers. Der sagt einiges über die Schulden in Europa und USA, was ziemlich kompatibel mit meiner Sicht der Dinge ist.
USA
Hat nicht Europa genug eigene Probleme, die noch schwerer wiegen als die der USA?
Nein. Die USA sind die größte Schuldennation der Geschichte. Wir haben Bundesstaaten, die bereits Pleite sind wie Illinois oder Kalifornien. Dazu liest man nur im Moment keine Schlagzeilen, da alles über Europa spricht.
Jaja. Die US-Bundesstaaten sind ganz schön pleite. Aber bei denen ist die Sache aber auch gut geregelt: Wenn die Gelschatulle leer ist, dann werden Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienst nicht bezahlt (oder mit ungedeckten Schecks bezahlt). Dadurch sind die Lokalpoltiker eher gezwungen unschöne, aber notwendige Maßnahmen durchzuführen, um den Haushalt wieder ins Lot zu kriegen. In föderalistischen Deutschland ist das natürlich anders.
Europa
Aber natürlich sind die Probleme hier auch gravierend: Es gibt in Europa Staaten, die Pleite sind, was die Politiker aber nicht akzeptieren. Sie helfen ihnen weiter mit Transferleistungen [...] Und wenn die Griechen am Strand Ouzo trinken wollen, sollen sie das tun. Aber es sollen nicht andere dafür zahlen.
In Deutschland, da fährt Bremen fette Schulden vor sich her, weil, obwohl über 40k BIP pro Kopf, fast eine halbe Millionen Leute in Niedersachsen ihre Einkommensteuer bezahlen, sodass BW und Bayern nun die Rechnung zahlen müssen – Sowas ist vollkommen absurd. Dieses großartige Modell wo Anreize für solide Haushalts- und Steuerpolitik vollkommen im Eimer ist (weil die BRD ja “nur” 83% Schuldenquote hat), soll nun in der ganzen Eurozone ausgerollt werden…. Da wird ein Einäugiger Kurzsichtiger zum Scharfschützen in der Blindenarmee gemacht…
Griechenland
Sie würden Griechenland pleitegehen lassen?
Absolut. Man kann nicht ewig damit weitermachen, denjenigen Geld hinterherzuschmeißen, die Fehler gemacht haben, nur damit niemand zugeben muss, dass diese Fehler gemacht wurden.
[habe nix hinzufügen. Der Wortlaut ist passend]
Banken
Das Gleiche gilt für Banken. Ich finde es absurd, dass hart arbeitende Österreicher, Holländer oder Deutsche für Banken geradestehen müssen, die bei der Kreditvergabe Fehler gemacht haben. Warum sollte jemand für eine deutsche oder französische Bank bezahlen, die Fehler gemacht hat?
Eigentlich hat Jim Rogers hier Recht. Ob nun Bank oder Nicht-Bank, die Insolvenz, der Tod “schlechter” Organisationen, ist essentieller Bestand des Kapitalismus. Zum einen aus Sicht der Produktivität (Output/Input). Zum anderen aus Sicht unseres Geldsystems (Wenn die Verzinsung auf die Geldschöpfung Druck macht, müssen Schulden ausfallen können).
Wie sähe diese große Lösung aus?
Man muss gründlich aufräumen. Man muss hinnehmen, dass viele Leute Geld verlieren werden, dann kann man sich neu organisieren.
Die Alternativen
Klingt nach einem sehr schmerzhaften Prozess.
Natürlich. Ich habe auch nicht gesagt, dass meine Lösung leicht oder spaßig werden würde. Es wäre im Gegenteil sehr schmerzhaft. Aber der Schmerz ist geringer, wenn wir es jetzt angehen, als wenn dies in der Zukunft geschieht. Die Alternative ist, dass wir 2012 vor der gleichen Situation stehen und 2014 wieder und 2016 erneut. Jedes Mal, wenn die Krise zurückkommt, wird sie schlimmer sein. Womöglich wird dann der Markt die Realität erzwingen und wenn das geschieht, gibt es Chaos.
Wie sagt man so schön: Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende. Wir sehen ja in letzter Zeit, was Finanzmärkte mit verschuldeten Staaten so treiben. Und bereits das bewegt die Politiker wie sonst nichts dieser Tage. Und Finanzmärkte sind geduldiger als man denkt (ich sage immer: Finanzmärkte gucken lange zu). Eine Steigerung der aktuellen Situation gibt es sicherlich. Zum Beispiel, wenn sich europäische AAA-Staaten für CCC-Staaten verschulden, und dann nicht mehr AAA sind. Selbstmord aus Solidarität ist für Finanzmärkte vollkommen ok… solange noch genügend Cash aus der Leiche quillt …
Eigentlich kann ich nur eindringlich jeden MdB (egal ob CDU, CSU, FDP odr SPD, Grüne) davor warnen dem europäischen Rettungsfonds die Zustimmung zu geben: Ihr erkauft den stark verscchuldeten Eurozonenstaaten nur Zeit (und das sehr teuer) indem ihr euch selbst in Knie schießt (bzw. in zwei, drei Jahren den Boomerang voll in die Fresse bekommt; Hoopla den kriegen wir alle dann ab). Aber soll man dazu sagen es wird bei der Abstimmung die 50+x% zusammenkommen, ihr werdet irgendeine Scheiße in den Medien labbern… Macht endlich einen Schlussstrich unter diesen Staatsschuldentheater!