Warum haben sich Anleihebesitzer sich nicht mit CDS abgesichert
… ist so eine Frage die man manchmal hört…

1. Die Staatsanleihen wurde als Collateral bei der EZB hinterlegt — Und was man bei der EZB hinterlegen darf, kann doch nicht ausfallen… denkt man sich so…
2. Absichern ist nur dann toll, wenn man mit einem blauen Auge davon kommt – Wenn die CDS Absicherung voll teuer geworden ist, dann könnte man die Anleihen auch mit Verlust versuchen zu liquidieren (weil halt Derivat und Underlying immer Hand-in-Hand gehen).
3. Banken haben Staatsanleihen meist nicht im Handelsbuch (und wenn sie es mal hatten, dann seit 3 Jahren nicht mehhr, IFRS 39). Liquidieren ist dann blöd wenn man die Anleihe zu Par in der Bilanz stehen hat. Und ein CDS Hedge drüberlegen halt teuer (und man bekommt auch ein Counterpartrisiko zusätzlich).
4. Menschen (und diese arbeiten in Banken) mögen nicht gerne Verluste realisieren. Dann lieber Augen-zu-und-Hoffen (Dispositionseffekt). Aber es ist i.d.R. auch nicht wirklich möglich mal auf die Schnelle eine Block-Order über ein paar Millarden (d.h. da muss ein Käufer entsprechend Cash auf den Tisch legen können) in den Markt zu stellen.

…hindsight bias… Wenn es zu spät ist, ist es zu spät…

Der Schwanz wädelt mit dem Hund
Es ist ein binäres Spielchen. Wenn so ein Pleitestaat viele Millarden für wertlos erklärt, dann müssten Banken (und Versicherungen, Pensionskassen) ganz viele Millarden abschreiben, und die CDS Writer müssen ganz viel Cash irgendwen überweisen. Bei Griechenland sind das ca. X%*250 Mrd für die Schulden, und X%*4200 Mrd CDS Nominal (Müsste nachgucken, aber die Dimension müsste noch stimmen). Entweder hat man Deppen die die Pleiteanleihen hielten und CDS verkauften, oder Deppen die mit Verlust realisierten und CDS Absicherungen kauften, Egal was passiert, sehr viel Geld wechselt den Besitzer, oder hat es schon…. Ist doch vollkommen egal was mit Griechenland ist…

Das “Alles-hängt-mit-Allen-zusammen”-Risiko
Das ist wohl de schlauste Aussage die Edmund Stoiber je in seinem Leben gesagt hat: “Alles-hängt-mit-Allen-zusammen” (Das hört sich nur viel lustiger an wenn Edmund Stoiber es sagt).
- Wenn unser Underlying Griechenland ausfällt, dann verlieren erstmal die Gläubiger ein Haufen Geld (bzw. müssen wie wild abschreiben)
- Als nächstes verlieren die CDS Writer ein Haufen Geld (In dem Fall müssen sie es echt überweisen).

Und dann nimmt die Scheiße erst richtig an Fahrt auf. Irgendwelche Banken wird die Bilanz auf die Füße fallen. Wenn sie Glück haben passt das Eigenkapital nicht mehr aus, sodass sie Assets verkaufen müssen (Bilanzverkürzung), und als Gegenpartei für komplett andere Geschäfte mehr Aufschläge berappen müssen… Kurzum wir bekommen ein Correlation-One Happening durch alle Assetklassen hinweg. Manche mehr, manche weniger… Das ist unmöglich vorherzusehen.

Die Begründung warum Staatsanleihen ausfallsicher seien
Hinter der Annahme, dass Staatsanleihen ausfallsicher seien, steht dass es eine Zentralbank gibt, die jene Staatsanleihen nach Belieben in ihrer Bilanz bunkert (falls sich dafür kein Käufer findet). Also dass eine Zentralbank im Notfall die Investmentbank eines Staats spielt. Diese Annahme gilt aber im EZB-System nicht bzw. die EZB pocht darauf, dass wie in all denn Staatsverträgen um den Euro, dies ausgeschlossen ist.
Ohne diese Annahme sind halt Staatsanleihen aus dem Euroraum auch nicht ausfallsicher. Die Regierungen müssen dies durch eigene Fiskalpolitik sicherstellen. Theoretsch wären sie erst dann ausfallsicher im engeren Sinne, wenn sie garkeine Schulden hätten.

“CCC or Lower”-Spielchen
Und so passiert es halt, dass ein Land wie Griechenland das “CCC or Lower”-Spielchen über sich ergehen lassen muss: Investoren hoffen/wetten nur von Zinstermin zu Zinstermin, von Fälligkeitstermin zu Fälligkeitstermin (Nicht “ob”, sondern “wann”). Und damit sich selbst das “lohnen” könnte, muss da ein sportlicher zweitstelliger Yield draufstehen.
In der Tat hoffen/wetten Investoren nur darauf, dass irgendeine(welche) andere Regierung(en) den nächsten Zins- und Schuldtilgung bezahlen. Bei Firmen als CCC Schuldner hofft/wettet man darauf dass die noch rechtzeitig die benötigten Taler aus ihrem Betrieb oder Absatz zusammenkratzen; Das ist meist wahrscheinlicher ist als dass Griechenland ihre Bürokratie zurückfährt und genügend Steuern eintreibt.

Wie man auf Fixpunkt hinkonvergiert
Ich glaube nicht, dass es viel Sinn macht, wenn die Euro-Regierungen ihr Schulden(wachstum) in andere nationale Haushalte umleitet. Das führt nur dazu, dass den Geberländer früher oder später die ganze Geschichte selbst auf die Füße fällt – Einer nach dem anderen (Die Schwächste zuerst). Ich denke, dass man die Annahme mit der Zentralbank und dem ausfallsicher wiederherstellen müsste, damit Ruhe im Karton ist (Als Alternative dann der Haircut bzw. garkein Schuldenmachen). Nur wird man Inflation als Quittung bekommen (“Schulden weginflationieren”). Muss man halt wissen ob man lange Finanzmarkttheater haben will, und am Ende dabei vielleicht selbst brutal unter die Räder kommt, oder ob man Inflation kassiert. Das Kind ist eh schon in den Brunnen gefallen (=Staatsdefizite). Und nachdem man der EZB das Gelddrucken erlaubt hat, sollte man sich mal überlegen wie man die Möglichkeiten der EU-Institutionen von Plutokratie auf Demokratie upgraden kann – Ansonsten wird das nichts mit der Vision vom Vereinten Europa.

Der große Wurf
Die (Finanz-)Welt wartet auf dem ganz großen Wurf. Und so lange nur Trippelschritte mit Null Ergebnis rauskommen (Der Status der letzten Jahren), wird auch nur äußerstes Misstrauen, Vorsicht bis Panik, Kurzfristigkeit und Brutalität erwidert. Ich kann manchmal die Bankenlobby gut verstehen: Die Politik will Zugeständnisse, aber weiterhin ihre strukturell kaputten Staatsdefizite fahren (und eine Zentralbank die vom Gegenteil ausgeht). Das lernt jeder Bank-Azubi das man Schuldner in spe mit eine solchen Verhalten den Kreditantrag um die Ohren haut.

Die Politik sollte sich mal Gedanken wie ihr Geschäftsmodell, pardon, ihre Geldsystem mit ihrer Fiskalpolitik funktionieren soll. Wie der Plan so war, klappt es ja offensichtlich nicht.