Ohh je. Der Herr Karsten Schröder hat mir ja so Leid getan in der Maischberger Sendung (http://www.daserste.de/unterhaltung/talk/menschen-bei-maischberger/sendung/2012/griechen-bankrott-100.html). Da waren wohl die Frau Anja Kohl und Prof. Hickel angepisst, weil Herr Schröder es mit den Begrifflichkeiten ziemlich korrekt nahm, und Zurecht, weil man daran halbwegs erkennen wer Ahnung hat und wer nur blöde Scheiße in Talkshows labert.
“Wertpapier”
- Damit meint man ein hochoffiziell an einer (geregelten) Börse notierten “Wertpapier”
- Ein “Wertpapier” kann eine Aktie, Anleihe, ETF, Future, Option, usw. sein
- Ein “Wertpapier” i.d.R. eine ISIN die von einer ANA vergeben wurde
- Alle “Wertpapiere” sind “Finanzkontrakte” (Es sind “standardisierte” Finanzkontrakte)
Finanzkontrakt
- Ein Finanzkontrakt beinhaltet das Recht und Verpflichtung auf (bzw. Tausch von) Geldzahlungen unter bestimmten Bedingungen (z.B. Kreditbedingungen, Ereignisse, usw.)
- Ein Finanzkontrakt kann, muss aber nicht ein Wertpapier sein
- OTC-Forwards, OTC-Swap und OTC-Optionen sind i.d.R. Finanzkontrakte, aber keine Wertpapiere
- Ein Darlehen ist ein Finanzkontrakt, aber kein Wertpapier (Eine Anleihe ist dagegen aber auch ein Wertpapier)
- Aus einem/mehreren Finanzkontrakten kann man neue/andere, komplexere Finanzkontrakte basteln
Sonstige Kontrakte (intangible assets)
- Finanzkontrakte (und Wertpapiere) sind immer Immaterielle Vermögensgegenstände
- Forderungen auf Geldzahlungen aus Mietverträgen, Leasing-Verträgen sind Finanzkontrakten insoweit ähnlich, dass da Geld rauskommt, aber nur auf der einen Kontraktseite (Die andere Seite bekommt dafür Dienstleistung. Nicht Geld)
- Man kann solche “Forderungen auf Geldzahlungen aus Immaterielle Vermögensgegenständen” relativ simpel in neue Finanzkontrakte (die auch Wertpapiere sein können) zusammenbasteln, z.B. Auto Lease ABS, Aircraft Lease ABS, Equipment Lease ABS, etc.
Vermögensgegenstände (assets)
- Wertpapiere, Finanzkontrakte, alle andere Kontrakte sind alles Vermögensgegenstände
- Prinzipiell sind alle Dinge die Geld auszahlen, oder jemand bereit ist Geld zu zahlen ein Vermögensgegenstand
- Meinen alten Toaster kann ich auf dem Flohmarkt verkaufen (solange der Preis tief genug ist). Ist also ein Vermögensgegenstand
- Eine Beteiligung (z.B. GmbH Gesellschafter) an einer halbwegs proitable Firma ist auch Vermögensgegenstand
- …
“Cash Money Investor”
- War kein Thema der Sendung
- Man sagt “Cash Money Investor”, wenn jemand mit seinen (eigenen) Geld sich Wertpapiere und/oder Finanzkontrakte kauft (und ansonsten auch keine relevanten Short-Positionen eingeht. Na gut ein bisschen Overlay mit Forwards darf jeder. Das kriegt jeder taub stummer, blinder, IQ-Zero Affe hin)
Hedge Funds
- Das kann alles mögliche sein. Das war mal soo modern, dass sich jeder Hinz und Kunz so schimpfte
- “Fake” Hedge Fonds:
— Man geht “long” in Wertpapiere/Finanzkontrakte, und geht “long” gegenläufige Wertpapiere/Finanzkontrakte
— z.B. Long in Aktie ABC, und Long in Put-Option auf Aktie ABC
— Das dürfen die meisten Publikumsfonds, z.B. 130/30 Fonds
— Ist eigentlich kein Hedge-Fonds weil alles Long ist
- “Echter” Hedge Fonds:
— Man geht “long” in Wertpapiere/Finanzkontrakte, und geht “short” in gegenläufige Wertpapiere/Finanzkontrakte
— z.B. Long in Aktie ABC, und Short in Call-Option auf Aktie ABC
— Das darf jeder Privatanleger auf eigene Rechnung machen, solange er dafür ein Broker findet (der ihn für voll nimmt)
- Der Leverage eines “echten” Hedge Fonds besteht in der Lieferverpflichtung die aus der Short-Position herrührt
- Es ist sauwichtig, dass sowohl das Finanzmarktsegment der Long-Position als auch das Finanzmarktsegment der Short-Position (und insb. diese) eine sehr hohe Marktliquidität aufweist (zumindest wesentlich höher als die Position)
Algo/High-Frequency-Trading
- Ist i.d.R. immer auch ein Hedgefonds
- Die Handelsstrategien schichten wesentlich schneller ihre Long- und Short-Positionen um
- Der Computer entscheidet/macht/führt durch, der Mensch programmiert die Software dafür…
Private Equity
- Investieren in infungible Assets (keine Wertpapiere, keine Finanzkontrakte, …)
- z.B. Beteilgungen an Firmen als Gesellschafter
Leveraged Buyout (LBO)
- Sehr volumige Spielart von Private-Equity
- Die Private-Equity-Firma gründet einen Finanzierungsgesellschaft, die ein Darlehen aufnimmt, um einer Unternehmensübernahme zu finanzieren
- Die übernommene Firma wird als Sicherheit für das Darlehen hinterlegt
- Auf neudeutsch: Die Zielfima wird mit Schulden vollgepumpt.
- Durch den höheren Verschuldungsgrad sinkt das zu versteuerende Einkommen der Firma.
- Die Geschichte mit dem Darlehen erfolgt i.d.R. als Kreditsyndizierung, d.h. das Darlehen wird widerum tranchiert (meist unterschiedliche Besicherungsquoten) und dann bei Fixed-Income Investoren paltziert, d.h. die Banken sind i.d.R. nicht die Gläubiger am Ende.
Wer spekuliert mit CDS?
- Investmentbanken sind Short auf die Kontrakte, d.h. sie verkaufen die CDS (im Falle eines Kreditereignis müssen sie zahlen)
- Kaufen tun auch Investmentbanken um ihre Short-Positionen abzusichern (verrückt oder nicht…)
- Kaufen tun auch alle anderen die bspw. auf einen riesengroße Kreditportfolio hocken (was sie unmöglich verkaufen können), und es dann doch etwas zu riskant empfinden.
- Ja und sicher gibt es auch welche “naked” CDS kaufen.
Leverage
- Ist wenn man eine Zahlungs-/Lieferverpflichtung eingeht
- Bei Hedge-Fonds sind das die Short-Positionen
- Eine Algo kann man auf Tagesbasis “hebeln” (die können ihre Positionen in Sekunden liqudieren)
- Bei Private-Equity landet der Leverage dann bei der Zielfirma
- Man kann allen Assets eine Fremdfinanzierung gegenüberstellen
- Leverage kann gefährlich werden… richtig giftig… Es erhöht die Bankrott-Wahrscheinlichkeit
Dark Pools
- Man muss nicht über eine öffentliche, geregelte Börse handeln
- Man handelt über einen Broker oder irgendeine “Trading-Plattform” eines Broker, Bank, Investmentbank, etc.
- Wenn es einen sehr liquiden öffentlichen Markt existiert, dann macht ein Dark Pool irgendwie keinen Sinn.
- Blöderweise gibt es auch sehr große Finanzkontrakte, die vielleicht 2x pro Jahr gehandelt werden, wo eine Börse garkeinen Sinn macht
- Das Letzteres kennen die meisten Menschen (inkl. Politiker) kaum.
Schattenbanken
- Der Herr Hickel hat das Wort herumposaunt, ist aber garnicht darauf eingegangen. Null garnicht. Vielleicht in seinen Buch. Weiß ich nicht…
- Auf diesen Blog schreibe ich ab und zu mal etwas darüber.
- Als “Schattenbanken” werden i.d.R. (d.h. auch die US FED tut es so) Verbriefungen bezeichnet. Also die ganze CDO, ABS, usw. Dinger
- zum Beispiel VW Financial Service ist in Europa ein bedeutender Erzeuger/Originatr von Auto-ABS-Schattenbanken. Wenn irgendwer via Leasing oder Ratenkredit ein Auto von VW via VW Financial Service finanziert, dann packt VW Financial Service diese Forderungen in ein Auto-ABS, was sich widerum über die Begabe von Tranchen finanziert. Würde VW Financial Service das alles auf ihrer eigenen Bilanz belassen… uii uuii … dann würde Winterkorn wohl kleinere Absatzziele verkünden…
- Aktuell verringert sich in Europa das Schattenbank-Volumina ganz schön doll, weil die Tranchen halt eine Laufzeit haben. Es kommt weniger Primärmarkt als Tranchen ausläuft seit ein paar Jahren. Ich denke das hält wohl noch ein, zwei Jahre an. Das ist eigentlich eine Geldmengenkontraktion. Nur sorgen sich Volkswirtschaftler nicht darum, weil sie es noch nicht richtig messen können (sie versuchen es aber)
- Eigentlich sind die meisten Schattenbanken bekannt. Es sind halt nur Tausenden, was von Aufsichtsbehörden wohl schlechter zu überschauen ist als ein paar Kreditinstitute mit Banklizenz.
- Was passieren wenn die USA von einem Tag auf den anderen Schattenbanken verbieten würden? Die US-Wirtschaft würde ebenfalls von einen Tag auf den anderen kollabieren, weil in den USA die Schattenbanken die Kreditinsitute mit Banklizenz faktisch substituiert haben.
- Das wird auch der Grund sein, warum beim Dodd-Frank-Act ganz tief ins Detail der Schattenbankwelt geguckt wurde, bevor reguliert wurde. Dagegen haben in Europa die Politiker und Beamte bereits reguliert, und stampfen dennoch auf einem lächerlich oberflächigen Niveau herum, sodass Typen wie der Hickel mit Schwarz-Weiß-Aussagen wie “Schattenbanken verbieten” auch noch als “Experten” wahrgenommen werden.
Eines kann ich schon mal sagen: Wenn man diesen Zirkus regulieren will, muss man ins Detail gehen. Ansonsten kommt nur Bürokratie raus. Oder so bescheuerte Talkshows wie die Maischberger.