Ich habe die Hoffnung, dass die Euro(Währungs)krise sich nun an einem Turning-Point angekommen ist. Aber es geht um “Alles oder Nix”. “Nix”, davon haben wir schon eine Menge gesehen in den letzten Jahren.
Einiges vorab: Man wird sich davon innerlich verabschieden müssen, dass es schnelle Effekte gibt, z.B. dass nun (Non-public) Investoren nun Spanien, Italien oder gar Griechenland die Bonds aus den Händen reißen, nur weil es irgendwelche komischen ESMs gibt oder nun die EZB Aufgaben einer “echten” Zentralbank wahrnehmen darf.
Der letzte Halbsatz ist wichtig: Die EZB hat bisher nie gezeigt, dass sie wie eine “echte” Zentralbank agieren “kann”. Dieses ständigen Herumgeiere um die Legitimation der EZB seitens der Politik hat nicht wirklich geholfen. Aber steht ja immerhin die Aussage, dass die EZB eine “echte” Zentralbank sein “darf”.
Was soll denn das Gelabere über “echte” Zentralbanken? Hier ein paar Kriterien:
(1) Market-Making: Eine Zentralbank agiert als eine Investmentbank für Staatsanleihen. Zu einer solchen Investmentbank-artigen Funktion gehört das Market-Making. Und zum Market-Making gehört es auch die Schuldpapiere auch mal in den eigenen Büchern zwischenzuparken, zurückzunehmen, und dann halt wieder auf den Markt zu werfen.
(2) Autonomie: Eine Zentralbank kann gegen die “Wünsche” der Politik (Regierung) agieren, ohne dass diese Politik dagegen etwas messbares tun kann (Also lediglich wildes Herumgelabere): Eine “echte” Zentralbank kann
- die Zinsen erhöhen, wenn es der Politk nicht in den Kram passt,
- die Zinsen senken (was Politik immer toll findet…),
- ihre Bilanz verkürzen, wenn die Politik nach Wachstum schreit,
- ihre Bilanz verlängern, wenn sie es selbst für richtig hält,
…
und vor allem braucht sich eine “echte” Zentralbank niemals rechtfertigen, schämen, oder entschuldigen. Nicht vor dem Volk, Öffentlichkeit, Politiker, oder sonst irgendwen.
…
Nach einen Jahrzent EZB, “darf” nun die EZB nun Aufgabe (1) nachgehen. Ohhh hooo(!) Aber ob die EZB auch Aufgabe (2) machen “kann”? Die Finanzmärkte nehmen es nicht mehr als gegeben an, dass die EZB (1) und (2) machen kann. Die EZB muss den Beweis erbringen, dass sie es kann (Im großen Echtzeitexperiment…).
Aktuell kritisieren ja gerade in D, Politiker, vermeindliche Experten, Geldpolitik-Priester, usw., dass eine Bilanzverlängerung grundsätzlich nicht richtig sei. Aber (non-public) Investoren wollen sehen,
- dass die EZB die Macht zur Bilanzverlängerung hat,
- sie wollen den Beweis, das Euro-denominierte Staatsanleihen die Annahme “risikolos” erfüllen,
- sie wollen sehen, dass die EZB gegen die Meinung/Willen der Politik (Regierung) und der ganzen anderen Öffentlichkeit agieren “kann”,
- sie wollen sehen, dass die EZB kein Kaiser ohne Hosen ist.
Das witzige ist, dass die Währungskritiker aus D, immer die Bundesbank vorschieben, weil diese ja nie große Bilanzverlängerungsaktionen durchführen musste. Das lag schlicht daran, dass sie (gerade in Guten Zeiten) die Aufgabe (2) konsequent durchgezogen haben, und somit keine Bedarf nach Bilanzverlängerung gab (in Schlechten Zeiten).
Wenn die Bundesbank-Nachweiner wollen, dass auch die EZB eine “starke” Geldpolitk haben wollen, müssen sie (lustigerweise gegen ihre Intuition) die EZB mit viel mehr Macht austatten (Mehr Automonie, bzw. weniger bis garkeine Interventionsmöglichkeit seitens Politik/Regierungen).
Und das etwas mit “Vertrauen” in die EZB zu tun? Nein! Es ist keine Meinung, Wahlmöglichkeit oder Wünsch-Dir-Was. Es ist eine “notwendige Bedingung”, um einen stabile/starke Währung zu gewährleisten/schaffen die ganz oben in der Weltliga spielt. Die Alternative ist schlicht Unsicherheit, wirtschaftlicher und politischer Machtverlust von europäischen Staaten.
Alles oder Nix!
19. Mai 2013 at 22:51
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