Banken


Heute habe ich schon wieder über das Basel III Wort “Highly Liquid Assets” lachen müssen als ich über griechische Staatsanleihen nachdachte. Die Liquidität dieser Papiere errinnert mich eher an Pennystocks.

Egal. Es ist schon beachtlich wie EU-Politiker einen griechischen Default basteln wollen, aber ohne “D” Rating zu kassieren. Das Problem an einen “D” ist, dass ein “D” nicht wegdiskutierbar ist. Über “A”, “B” und “C” Buchstaben kann man sich ja noch streiten, aber die “D”s sind klar definierte Ereignisse/Events.

Das mag Politikern intuitiv nicht so ganz klar sein. Politik ist ja auch über normatives Zeug, was man anderen Menschen mal so mal so verkaufen kann. Bei Finanzkontrakten (wie Schuldtitel) sind die vereinbahrten Geldzahlungen und sonstige Bedingungen explizit niedergeschrieben ==> Ja oder Nein. “Vielleicht”, “Ein bisschen”, etc gibt es da nicht. Verbindliche Kontrakte sind wohl genau das was Politiker an Finanzmärkten hassen. Insbesondere wohl dass Investoren, Heuschrecken, Spekulanten, Anleger, etc. auf die Erfüllung von Kontrakten pochen. Finanzkontrakte können anscheinend nicht so schön gebrochen wie etwas Wahlkammpfversprechen.

Politiker sind unbeliebt, weil sie Versprechen brechen. Und Finanzmarktakteure sind unbeliebt, weil sie Versprochenes einfordern.

Genug geschwafelt. Ich denke, dass ein Staat der bei einem CCC Rating angekommen ist anfangen sollte seine Situation zu akzeptieren und mal was neues ausprobieren sollte. Ich bin für die Staatsaktien-Lösung bzw. der Tranchierungslösung bzw. Einführung einer Rangigkeit.

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#Rangigkeiten

#1 Erstrangige Staatsanleihen
#1.a Besicherung: Keine
#1.b Besicherung: Staatsbeteiligungen
#1.c Besicherung: Bürgschaften von AAA/AA EU-Ländern
#1.a-c.FIX Kupon: Fixer Kupon (klassische Staatsanleihe)
#1.a-c.FLT Kupon: Floating Rate (Inflation Linked oder EURIBOR+X)
#1.a-c.FIX-FLT.A Bedingungen: Keine
#1.a-c.FIX-FLT.B Bedingungen: Verstoß gegen 3% Neuverschuldungsgrenze
#1.a-c.FIX-FLT.C Bedingungen: Verstoß gegen 60% Verschuldungsgrenze
#1.a-c.FIX-FLT.D Bedingungen: …

Was?
Rangigkeit: #1 sind ausschließlich neue Schuldtitel die in nächster Zeit auf dem Primärmarkt emittiert werden. Diese sollte dieselben Fälligkeitstermine wie die existierenden, bereits emittierten Staatsanleihen. Die #1 werden immer zuerst bedient!
Besicherung: Sollte die griechische Staatskasse am Fälligkeitstermin leer sein, müssen die Bürgen zahlen (#1.a) oder die hinterlegten Assets werden liquidiert (#1.b).
Kreditbedingungen: … machen nur Sinn wenn man Staatsaktien hat (Siehe #3).
Rating: Im Falle von #1.c wäre es dasselbe Rating wie EU-Land, das für #1.c bürgt. Bei #1.b kommt es auf das Collateralization Ratio an. Und am Ende ist ja alles erstrangig, was doch mindestens ein “A” ergeben sollte.
Primärmarkt: Das Zeug sollte man locker an den Mann kriegen.

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#2 Nachrangige Staatsanleihen
#2.a-c Siehe #1.a-c
#2.a-c.FIX-FLT Siehe #1.a-c.FIX-FLT

Was?
Rangigkeit: Bei #2 handelt sich um die existierenden griechischen Schulden, die zu allen neuen Schuldtiteln nachrangig gestellt werden. Da nur #1 rangige Titel erstmal neu emittiert werden, werden Zins- und Schuldtilgungen erst dann durchgeführt, wenn die #1 rangigen Titel alle bedient wurden.
Besicherung: Im Falle von #2.b muss beachtet werden, dass ein Assets nur einmal als Sicherheit hinterlegt werden darf!
Kreditbedingungen: Es gibt für #2 keine Kreditbedingungen. Es handelt sich eigentlich um “klassische Staatsanleihen”.
Rating: Würde bei Griechenland erstmal bei “CCC” bleiben. (Aber wohl nicht “D” werden solange sie noch bedient werden und es noch nachrangigere Staatsaktien gibt)
Primärmarkt: Tot ist er eben so oder so…

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#3 Staatsaktien
#3.c.FLT Kupon: EURIBOR+X, BIP+X, etc. (Irgendetwas variables)
#3.c.FLT.B-Z Bedingungen: Kuponzahlung wird solange ausgesetzt, bis die Kreditbedingungen #1.c.FLT.B-Z wieder erfüllt werden.

Was?
Laufzeit: Staatsaktien habe keinen Fälligkeitstermin, d.h. laufen unendlich.
Rangigkeit: Griechenland kann die Staatsaktien wieder am Sekundärmarkt zurückkaufen. Aber alle neu emittierten Staatsaktien werden den existierenden Staatsaktien nachrangig behandelt!
Kreditbedingungen: Zum Beispiel kann die Situation entstehen, dass bei (kleinen) Verstoß gegen #1.c.FLT.B-Z es ausreicht nur die neueren Staatsaktien nicht zu bedienen. Am Ende kann die Performance der Staatsaktien über die Kreditbedingungen der erstrangigen Schulden an die “Haushaltsdisziplin” von Griechenland gekoppelt werden.
Rating: Staatsaktien haben kein Rating! (Rating=NR)
Primärmarkt: Wenn das Preisschild stimmt wäre das interessant für “die bösen Zocker”. Aber einmal emittiert könnte Griechendland seine Staatsaktien auch direkt als Zahlungsmittel einsetzen (z.B. Bezahlung seiner Beamten), oder an neue #2 Primärmarktinvestoren mit politischen Motiven als Kompensation geben (z.B. EU-Unterstützungsländer, IWF, etc.), oder auch lustige Staatsaktien-Optionen für die griechische Regierungsmitglieder ausgeben, oder…

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Wie der schlaue Leser erkannt, kann der obige Vorschlag auch so interpretiert werden, dass Griechendland in einen 300 Mrd CDO umgewandelt wird. :) Tranchierung ist nicht so böse wie alle denken (Faktisch jede Firma auf dieser Welt hat eine Kapitalstruktur und kommt damit klar). Und im Gegensatz zu diesen irrwitzigen EuroStat-Beschiss von GS/Griechland wäre obiger Vorschlag eine “kleine Revolution” des Staatsanleihenmarktes.

Ich habe da ein Lesehinweis. Erschienen in der Frühjahrsausgabe des Brookings Papers of Economic Activity, von Gary Gorton und Andrew Metrick, mit dem Titel “Regulating the Shadow Banking System” (http://www.brookings.edu/~/media/Files/Programs/ES/BPEA/2010_fall_bpea_papers/2010b_bpea_gorton.pdf). Das schöne ist, dass da gleich zwei gute Kommentare/Diskussionen von Andrei Shleifer und Daniel K. Tarullo drangehängt sind.

Das Paper von Gorton/Metrick ist leicht verständlich (Nix Mathelastiges oder Schwerzulesenes), und stellt sehr gut die Entstehung des heutigen Bankensystems, oder auch im Volksmund des “Schattenbanksystem” dar. Ich kann nur empfehlen das Paper selber zu lesen, aber bitte auch die Kommentare, das Paper ist nicht die Absolution (z.B. Shleifer fragt nach der Kausalität beim Repo-Argument).

Klassisches Bankensystem, Einlagengeschäft, Bank Run Risiko
Das Modell hier sollte jeder kennen. Dieses Bankensystem ist nach der Weltwirtschaftskrise 1930 entstanden. Damals gabe es keine Einlagensicherung. Es zogen dunkle Wolken am Konjunkturhimmel auf, die Menschen bekamen Angst um ihre Einlagen und hoben es ab: Bank Run, und schwupps hatten die Banken ein “Funding Liquidity” Problem. Nach dieser Erfahrung wurde dann die Einlagensicherung eingeführt (Das ist das Modell in Grafik unten. Achte auf “insured”).

Gorton-Metrick-2011-Figure-1-Page-263

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Zu beachten ist, dass logischerweise vor 1930, es jahre-/jahrzehntelang üblich war, dass Bankeinlagen nicht “versichert” waren.

Verbriefungen und Kapitalanlageprodukte, “Schattenbanksystem”
Das Klassisches Bankensystem gibt es schon lange nicht mehr, zumindestens hat heute das Einlagengeschäft nicht mehr so eine hohe Bedeutung wie 1930. Das heutige Bankensystem sieht (ungefähr/schemenhaft) wie unten dargestellt aus.

Gorton-Metrick-2011-Figure-2-Page-264

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Sie wollen das nicht glauben?
Ok, dann ein paar Dinge, die nicht im Paper stehen: Bei Ausbruch der Finanzkrise lagen bei im FED-System läppische $ 50 Mrd. als Mindestreserve hinterlegt. Die Mindestreserve ist (nach wie vor) ein Relikt aus dem Nach-1930er Bankenmodell, wo für jeden Dollar geschöpften Kredit (Siehe “B” in 1. Grafik) ein Teil bei der FED hinterlegt werden muss. Im Falle der USA sind das 10% Mindestreservequote. Also wurden nur $ 500 Mrd. Kredit mit Hilfe von Bankeinlagen geschöpft. Für eine Volkswirtschaft von mehr als $ 14000 Mrd Bruttoinlandsprodukt ist das ein vernachlässigbarer Witz. Nachdem die die Finanzkrise ausbrach rechnete der Datenanbieter Bloomberg mal nach wieviel Nominal in Verbriefungen so “at Risk” seien könnten: ca. $ 8000 Mrd. Bei Datenanbieter Intex kann man sich ca. 20000 Verbriefungen anschauen. So eine Verbriefung ist im Schnitt 1/2 Mrd. (Unter 200 Mio wird das zu teuer, aber es gibt auch absurd große 20 Mrd Deals), also kommt die Bloomber-Zahl ungefähr hin. Nun sollte jedem Skeptiker klar sein, dass Nach-1930er Modell Vergangenheit ist.

Zurück zum Paper (Schattenbanksystem)
Gorton/Metrick sehen auch Kapitalanlageprodukte (insb. Geldmarktfonds) als Bestandteil des Schattenbanksystems (Oft werden lediglich all’ diese bösen Verbriefungen/”Finanzinnovationen” als “Schattenbanksystem” betrachtet, aber ohne eine Nachfrage gäbe es diese Dinger auch nicht). Anstatt dass wie im klassischen Bankenmodell die Kleinsparer ihr Geld auf die Bank bringen, stecken diese Kleinsparer nun ihr Geld in Kapitalanlageprodukte. Und Kapitalanlageprodukte gibt es nun auch schon seit ein paar Jahrzehnten. In den USA gab es den ersten Geldmarktfonds in den 70ern (und in Deutschland in den 90ern). So fetter Geldmarktfonds kann dann mit einer Bank ein Repo-Geschäft machen, um eine Festverzinsung zu erzeugen. Jedoch will der Geldmaarktfonds ein Sicherheit, ein “Collateral” haben, für den Fall dass die Bank zwischenzeitlich Pleite geht. Und genau diese Funktion haben dann Tranchen dieser kryptischen ABS, ABCP, CDO, usw. übernommen (In den 80ern wurden die ersten US Verbriefungen als CBOs ungefähr in den 80ern aufgelegt. Dieser CBO Markt ist außerdem schon Anfang der 90er unter die Räder geraten).

Gorton/Metrick’s “Repo Run” Theorie
Nach Gorton/Metrick liegt der Kern der Finanzkrise im Repo-Markt, also zwischen den Portfoliomanagern von Geldmarktfonds (und ähnliche Investoren die auch Festzins über Repo “im großen Stil” machen) und den von Banken erzeugten Collateral für diese Geschäfte. Die Geldmarktfondsmanager trauten (aus irgendeinen Grund) nicht mehr so ganz der Kreditqualität des Collaterals. Anstatt eines “Bank Run” der Kleinsparer (Vor-1930-Modell) gab es nun einen “Repo Run” der Institutionellen Investoren (Vor-2007-Modell).

Kritik an der Repo-Run Theorie
Wie alle (“gute”) Theorien sind diese oft nur innerhalb ihrer Systemgrenzen irgendwie plausibel. Shleifer (Siehe Seite 298ff.) kritisiert, dass Gorton/Metrick sich zu sehr auf Repo-Geschäfte als einzige Motivation fürs Investieren festgeschossen haben. Es gibt ja auch Investorengruppen, die an Kreditexposures mit längeren Laufzeiten interessiert sind. Also solche Investoren die bis zur Fälligkeit so eine Tranche eines ABS, ABCP, CDO, usw. halten und nicht so kurzfristig für ein Repo-Geschäft hinterlegt haben wollen (Und diese Investorenart scheint auch nicht gerade “klein”).
Ich beiße mich mal hier fest: Gorton/Metrick haben die Systemelemente beschrieben, die für 1 Agent (Geldmarktfonds) in einem Multi-Agenten-Modell (auch andere Investorgruppen) von Relevanz sind. Es ist ein sozusagen ein Teilmodell (Ich denke im Credit Spread Puzzle kann man die Repo Run Theorie irgendwie gut gebrauchen).

Was wird das 2007er Bankenmodell werden
Kritik hin oder her. Das Bankenmodell von Gorton/Metrick ist weitaus näher an der Realität der Gegenwart als das alte Nach-1930-Bankeinlagensparermodell. Auch wenn “Schattenbanksystem” einen doch sehr offensichtlichen negativen Klang hat, ist es die Realität in der wir leben. Und das Rad der Zeit werden wir nicht zurückdrehen können. Oder anders: Das “Schattenbanksystem” ist unser (echtes heutige) Bankensystem, mit dem wir unsere Angebotswirtschaft (und Konsumentenkredite) finanzieren. Zu sagen “weg damit” ist eine Illusion, Träumerei, Nichtwissenheit.

Ich bemühe mal das Fazit von Shleifer’s Kommentar (Seite 303):

But perhaps a deeper point is that in such environments where important risks are misunderstood, shutting down one mechanism whereby investors and intermediaries pursue their profits is unlikely to work. They will try to realize their dreams through other instruments instead. Regulating a particular instrument, or a particular segment of the market, to solve a more fundamental problem is highly unlikely to work.

Ich kann nur sagen, dass das heutige Vor-und-nach-2007-Bankenmodell einen Tick komplizierter ist als das intuitiv leicht verständliche klassische Bankenmodell. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, einen Literature Review zum Thema “Securitization” anzufertigen. Was in A, B, C, etc. Journals und Working Papers publiziert ist “sehr übersichtlich” (Die mathematischen/methodischen Papers ohne wirklichen Fokus auf wirtschaftswissenschaftliche Theoriebildung und Empirie klammer ich aus). Vor 2007/8 war dieses Thema fast nicht-existent. Und nach 2007/8 hatten die meisten Papers ein Manko: Die Annahme über die Funktionsweise bestimmter Primär- und Sekundärmärkte und Motivation der Investoren war schlichtweg falsch. Letzteres kann man keinen Wirtschaftswissenschaftler ohne Einblicke in die “Praxis” nicht vorhalten (Andererseits kann man vielen “Praktiker” ihren Nichtwissenheit über wissenschaftliches Vorgehen auch vor die Nase halten. Ein klassischer “Technology Gap”). Daher sehe ich eben “Live” das ziemlich viele “wackelige” Schlußfolgerungen als bare Münze verkauft werden. Aber immerhin nach besten (Nicht-)wissen und Gewissen.

Um den Bogen wieder auf das Kommentar von Shlifer auf Seite 303 zurückzukommen: Das alte Vor-1930-Bankensystem wurde für den damaligen Moment plausibel reguliert, aber war dann doch irgendwie “unattraktiv” geworden, sodass wir nach rund 75 Jahre plötzlich ein Vor-2007-Bankensystem vorfinden, wo damaligen Maßnahmen vollkommen nebensächlich geworden sind. Und nun, heute sind wir dabei ein Nach-2007-Bankensystem uns irgendwie hinzuregulieren mit Regel die uns heute irgendwie plausibel erscheinen. Nur werden wir in vielleicht 75 Jahren (das was keiner so genau) ein ganz anderes Bankensystem haben wie heute (und das ist aber ziemlich sicher), wo die heute noch so plausibeln Regeln widerum vollkommen egal sein werden. Und wie Shleifer behauptet: Es ist die Gier, der Streben nach dem leichten Geld, wie auch wir es nennen mögen. Es ist menschlich sich für einen Traum selbst zu beflunkern. Die Wahnehmung von Risiken schwindet durch Nichtwissenheit, Naivität und lässt die Profitchancen dann umso glänzender erscheinen. Langfristig wollen wir uns selbst belügen.

Im Basel III wird ja mehr “Highly Liquid Assets” von den Banken verlangt (Also Staatsanleihen), um ggf. ein Funding Risk zu begegnen. Aber warum erhöht die EZB nicht stattdessen ihre mikrige Mindestreservequote von 2% auf sagen wir mal 3%, oder was auch immer äquivalent wäre. Der Wirkung wäre die gleiche: Mehr “Highly Liquid Assets” (aber bei der EZB gelagert) und auch mehr Druck in EURO-Staatsanleihen zu gehen (z.B. nimmt die EZB ja immer noch Griechen-Bonds oder?). Die Regulierer von der neuen Monsterbürokratie EBA könnten sich eine Menge Schreibkram sparen (Und vor allem Bürokratiekosten).

Das Problem ist (wie immer), dass entweder die Politik nicht weiß welche Instrumente bereits hat, diese nicht versteht, sich ein eigenes “neues” Denkmal bauen will, oder man keine schönen Pressemitteilungen damit kreieren kann.

Nachteile: Ob Basel III oder höhere Mindestreservequote, es wird/würde Geldschöpfungskapazitäten des Bankensystems senken (Siehe Kreditklemmen usw.). Andererseits senkt es die Gefahr, dass Banken bei dem kleinsten Pieps in Zahlungsschwierigkeiten kommen (z.B. Bank-Run, Interbankenmarkt, usw.). Nur bei Basel III kann sich jede Bank ihre “eigene wahrheit zurecht schummeln”, aber bei einer Mindestreservequote “muss jeder zu X%”.

Ganz ehrlich. Was wir hier im EURO-Raum machen ist Wahnsinn. 2% Mindestreserve bedeutet, dass ich als europäische Bank mit 1 Einlage 50 Kredite vergeben kann. Natürlich gibt es dann noch einen Markt von Privatanlegern, Ausländischen Banken und Inländische Nicht-Banken, etc. die gerne Kredite abkaufen, sodass eine europäische Bank auch 100-mal oder mehr dieselbe Münzen umdrehen kann. So ist das halt mit Investmentbanken. Es gibt da immer so einen Kreditbestand in der Pipeline abverkauft wird, und je niedriger die Mindestreservequote desto höher die Reichweite des Bestands aller Investmentbanken (Reichweite ist immer Höhe und Zeitdauer). Die Dresdner-Kleinwort ist ein super Beispiel wie so eine fette “Reichweite” in die Hose geht (Das ist Drsdner-Sparte, warum die Commerzbank die Staatshilfe nehmen musste).

Fazit: Schmeißt Basel III, CRD-II und Co. in den Mülleimer, und erhöht die Mindestreservequote. Manchmal gibt es bereits günstige Lösungen, die sogar simpler am Ende sind.

John Perkins nennt einen alternativen Erklärungsansatz, warum gerade Lybien soviel Aufmerksam von der NATO bekam — Ein schlimmer Diktator war Gaddafi auch schon Jahrzehnte zuvor.

Quelle: Libya: It’s Not About Oil, It’s About Currency and Loans

According to the IMF, Libya’s Central Bank is 100% state owned. The IMF estimates that the bank has nearly 144 tons of gold in its vaults. It is significant that in the months running up to the UN resolution that allowed the US and its allies to send troops into Libya, Muammar al-Qaddafi was openly advocating the creation of a new currency that would rival the dollar and the euro. In fact, he called upon African and Muslim nations to join an alliance that would make this new currency, the gold dinar, their primary form of money and foreign exchange. They would sell oil and other resources to the US and the rest of the world only for gold dinars.

The US, the other G-8 countries, the World Bank, IMF, BIS, and multinational corporations do not look kindly on leaders who threaten their dominance over world currency markets or who appear to be moving away from the international banking system that favors the corporatocracy. Saddam Hussein had advocated policies similar to those expressed by Qaddafi shortly before the US sent troops into Iraq.

(Eigene Hervorhebungen)

Nun gut, wenn es nun nicht als alternativer Erklärungsansatz gesehen werden mag, ist es zumindest ein angenehmer Nebeneffekt, dass kein Währungseffekt entstehen könnte…

Vom Timing wäre auch gerade irgendeine Währung mit Goldstandard überhaupt nicht gut für unser Fiat Money System, und all ihren kränkelnden Schuldnern.

Hier ist eine lustige Präsentation von Paul Wilmott von der letzten Quant Konferenz in Paris: The Role of Mathematics in Finance: Relevance, Reliance, Robustness

Ist ein witziger Typ. Er macht sich lustig über Kalibrierung, fragt sich warum alle Risikomanagementbücher vollkommene Märkte annehmen aber nicht die Risiken hervorheben, beschwert sich das Quant Finance zu einen inhaltlich anspruchslosen Teilgebietchen der große Mathematik verkommen ist, und am Ende wie man Risiken von Windstürme modelliert.

Manchmal frage ich mich ob Banken-Lobbyisten inkompetent oder einfach nur Dinge so hinbiegen wollen wie es ihnen in den Kram passt. Da steht im Artikel “Deutsche Banken müssen Schuldengrenze fürchten” folgendes

“Entscheidend ist die Frage, inwieweit stille Einlagen als hartes Kernkapital anerkannt werden”, betont daher DSGV-Mann Konesny.

Man kann keine generelle Aussage machen ob Stille Einlagen Eigenkapital, eigenkapitalähnlich oder eher was anderes sind oder nicht. Das einzige worauf man sich verlassen kann ist, dass ein First-Loss-Piece Eigenkapital ist. Im Grunde ist jeder Kontrakt auf der Bilanzpassiva der nicht eine 100%-ige Verlustbeteiligung aufweist, kein Eigenkapital – Es ist irgendetwas anderes.

Angenommen das First-Loss-Piece ist verbrannt und verbleibende Verluste werden tatsächlich auf der nächst-höhere “Stille Einlage” (gegenfalls bis diese auch verpufft ist) realisiert, dann hat das was eigenkapitalähnliches. Wenn aber die Stille Einlage secured ist, also Verluste begrenzt sind, dann ist die Stille Einlage auf jedenfall fremdkapitalähnlich. Also kein Eigenkapital. Punkt. Das sind so dermaßen triviale Dinge, dass ich mich frage, was für einen Quatsch die deutsche Bankenlobby erzählt.

Und eigentlich hat es doch gerade die deutsche Bankenlandschaft gezeigt, dass ihre Mezzanine-Kontrakte kein Eigenkapital sind als sie sich sträubten einen Haircut (der über den Vertragstext hinaus ging) auf diese Kontrakte zu bilanzieren als “Aktiva ungleich Passiva” wurde. Die Definition was “Kernkapital” ist, haben sie selbst demonstriert. Ansonsten müsste ja die eine oder andere Bewertung in Bankenbilanzen nochmal überprüft werden… Und das will ja niemand haben…

Irgendwo muss man einen Schlussstrich ziehen. Beim Leverage Ratio kommt es immer darauf zu was man es bezieht. Entlang einer Rangigkeitsstruktur kann man ganz viele Leverage Ratios berechnen je nachdem was einen interessiert (=in welchen Kontrakt man investiert ist). Jedoch wird es der Bankenaufsicht wohl nur interessieren wieviel Verluste eine Bank beim großen Pleitegefahrknall schnell schlucken kann. Und immer dort wo Verlustbeteiligungen begrenzt sind, irgendwelche Bilanzaktiva als Sicherheit gewährt wurden, usw. ist da nix mit “schnell”.

Gestern lief ein interessanter Beitrag über Streubomben und inwiefern der gemeine Kleinanleger, Riestersparer, etc. deren Entwicklung und Produktion finanziert. Schauen sie selbst.

So ein kapitalgebundenes Riesterrentenprodukt basiert i.d.R. auch Dachfonds. Ich weiß, dass mind. 1 der 3 im Beitrag erwähnten Fondsgesellschaften überhaupt nicht prüfen, ob die Fonds in der die Dachfonds investiert sind wiederum in irgendwelche Firmen investiert ist, die unter anderen mit Streubomben ihr Geld verdienen. Ethik, was immer das sein mag, steht nicht auf der Agenda. Zumindestens nicht für einzelne Fondsmanager, für Dachfondsmanger schon garnicht. Der Grund dafür ist simpel: So eine Prüfung bis runter in die Einzelinvestments ist mit sehr hohen zeitlichen Aufwand verbunden. Bezahlt dafür jemand? Nö. Muss man das per Vertrag oder Gesetz tun? Nö! Also wird es auch nicht gemacht.

Zur Verteidigung muss man aber sagen, dass Thomson Reuters nur die Informationen anzeigt, die auch öffentlich gemacht wurde. Das ist aber bei Fonds nicht immer der Fall, weil es sich nur um freiwillige Angaben handelt. Es gibt keine Verpflichtung dass ein Fonds dem privaten Informationsdienstleister den aktuellen Stand des Portfolio meldet. Und letzlich ist ein Fonds hinsichtlich ihrer Investments an das verpflichtet, was im Anlagekonzept, also die Einschränkungen die im Vetrag stehen, steht. In der Vertragswelt gibt es keine Wischiwaschi-Formulierungen wie “unethische Investments sind untersagt”. Was soll denn “unethisch” sein? Ein Pazifist wird Streubomben ganz klar für “unethisch” halten. Ein religöser Fanatiker wird Dildo-Produzenten ganz klar für “unethisch” halten. Die einzige mögliche Vertragskonstruktion wäre dass in einem Gesetz eine Blacklist steht bzw. abstrakt formuliert wird, welche Investition für Fonds in Deutschland verboten sind. Also genau das wo der Herr Schäuble keinen Handlungsbedarf sieht.

Die Norweger können das. Die leisten sich für ihren Super-SWF eine Ethik-Kommission (die arbeiten auch nicht umsonst), die dann auch tatsächlich vor Ort (irgendwo auf der Welt) die Firmen begutachtet und gegebenenfalls auf eine Blacklist setzt. Hier ein Auszug:

http://www.regjeringen.no/en/dep/fin/Selected-topics/the-government-pension-fund/responsible-investments/companies-excluded-from-the-investment-u.html

Government.no / Ministry of Finance / Selected Topics / The Government Pension Fund / Responsible investments / Companies Excluded from the Investment Universe

Production of weapons that through their normal use may violate fundamental humanitarian principles

Production of cluster munitions
- Alliant Techsystems Inc (31 August 2005)
- General Dynamics corporation (31 August 2005)
- L3 Communications Holdings Inc (31 August 2005)
- Lockheed Martin Corp (31 August 2005)
- Raytheon Co. (31 August 2005)
- Poongsan Corporation (30 November 2006)
- Hanwha Corporation (31 December 2007)
- Textron Inc. (31 December 2008)

Wer A sagt muss auch B sagen. Auch im Angebot Atomwaffenhersteller. Hört hört. Schönes Beispiel EADS. Die machen nicht tolle Airbusse. Mische etwas “böses” mit etwas “guten” und schön können wir alle gut schlafen…

Production of nuclear arms
- BAE Systems Plc (31 December 2005)
- Boeing Co. (31 December 2005)
- EADS Co (31 December 2005)
- EADS Finance BV (31 December 2005)
- Finmeccanica Sp. A. (31 December 2005)
- Honeywell International Corp. (31 December 2005)
- Northrop Grumman Corp. (31 December 2005)
- Safran SA. (31 December 2005)
- Gen Corp. Inc. (31 December 2007)
- Serco Group Plc. (31 December 2007)

http://www.regjeringen.no/en/dep/fin/Selected-topics/the-government-pension-fund/responsible-investments/companies-excluded-from-the-investment-u.html

Etwas zu Ethik im Einzelhandel. Auch nichts Neues. Wo würde bloß der Schlecker landen wenn es davon Aktien gäbe.

Serious or systematic human rights violations
- Wal-Mart Stores Inc. (31 May 2006)
- Wal-Mart de Mexico SA de CV (31 May 2006)

http://www.regjeringen.no/en/dep/fin/Selected-topics/the-government-pension-fund/responsible-investments/companies-excluded-from-the-investment-u.html

Für die Ökos gibt es auch etwas. Wissen Sie wo höchstwahrscheinlich das Palladium in ihrem Autokatalysator herkommt (als zweitgrößte Mine für Platin ist das daselbe Ding)? Von Norilsk Nickel die Synonym für “verschmutzt” sind wie Tempo für Taschentuch.

Severe environmental damages
- Freeport McMoRan Copper & Gold Inc. (31 May 2006)
- Vedanta Resources Plc. (31 October 2007)
- Sterlite Industries Ltd. (31 October 2007)
- Madras Aluminium Company (31 October 2007)
- Rio Tinto Ltd. (30 June 2008)
- Rio Tinto Plc. (30 June 2008)
- Barrick Gold Corp (30 November 2008)
- Norilsk Nickel (31 October 2009)

http://www.regjeringen.no/en/dep/fin/Selected-topics/the-government-pension-fund/responsible-investments/companies-excluded-from-the-investment-u.html

Die ganze Tabakhersteller lasse ich mal weg.

Ahh hier auf Ethical Investing findet man die Grundregeln für eine totsichere Anlagestrategie,… wenn dieses “avoid” einfach mal weglässt

  • Causing Illness, Disease & Death
  • Destroying or Damaging the Environment
  • Treating Honest People with Disrespect

Stecke dein Geld in etwas krankmachendes/totbringendes, was die Natur ausraubt oder was Menschen wie Dreck behandelt… Am besten alle drei Sachen zusammen. Und schon wird aus der norwegischen Blacklist der Anfang einer tollen Short-List. Aber Vorsicht. Man kann nicht einfach jede dahergelaufende Möchtegern-Bösewicht-Firmen herauspicken. Man braucht auch solche, die wirklich gut ihre Hausaufgaben machen, z.B. mit vielen Leuten eine “Geber-Nehmer”-Beziehung aufbauen und pflegen können, irgendwie seine Interessen durchsetzen, für “Sicherheit” sorgen können, sich möglichst alles subventionieren lassen, Angebote unterbreiten die niemand ablehnen kann, sich aktiv einbringen in die Gestaltung von Normen, Standards, Richtlinien, Gesetzen, eine gutes Gespür für die Lenkung der öffentlichen Meinung haben …

Spät bin ich dran über ein Kommentar über den Banken-Stresstest. Aber andere Blogs haben bereits meine Meinung wiedergegeben sodass ich ich nur noch darauf verweisen brauche. Beispiele:

Zahl des Tages (23.07.10): 7

Auffallend viele Banken sind bei 6,0 bis 6,2%. Als wären die Bedingungen genau so gestrickt worden, dass die Zahl nicht zu groß wird. Schon bei leichter Verschärfung wären die alle auch rausgekippt (Nord LB, Piraeus Bank, Monte dei Paschi de Siena, Banco Pastor, Caja Sol, Caja3 (laaanger Name), Banco Guipuzcoano, Colonya – Caixa D’Estalvis de Pollensa). Dann wären es direkt 15, also gut doppelt so viel gewesen. Aber auf solche Ideen aus Verschwörungstheorienecke würde ich natürlich nieeee kommen …

Was für ein Theater um den Bankenstresstest

Was allerdings im EU Stresstest leider nicht untersucht wurde sind die Auswirkungen auf die europäischen Banken bei einem schwarzen Schwan Ereignis. Zwar könnte man einen Double Dip zum Vergleich mit den Prognosen der Eu Wirtschaft als einen schwarzen Schwan bezeichnen, doch ist eine Rezession, in der die Wirtschaft um 0,4% schrumpft nicht sonderlich viel, vergleichen mit dem gerade erlebten rasanten Absturz. So wird auch kein Szenario durchgespielt, bei dem wieder eine große Bank, wie Leahman Brothers, pleite gehen würde, oder aber ein Land wie Griechenland bankrott anmeldet.

Stresstest ohne Stress

…Der Stress-Test konzentriert sich hauptsächlich auf Kredit-und Marktrisiken, einschließlich der Forderungen aus europäischen Staatsanleihen. Der Schwerpunkt der Stresstests wurde auf die Eigenkapitalausstattung Tier 1 Kapital und nicht auf die möglichen Liquiditätsrisiken gelegt…
…weitere gravierende Weichspüler des Stresstests… Im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise wurden die Bilanzierungsstandards aufgeweicht, diese ermöglichten umfangreiche “Umwidmungen” von Vermögenswerten ursprünglich zu Handelszwecken gehalten und damit zu Marktpreisen zu bewerten ins Bankbuch bis zur Endfälligkeit zu halten und damit auch zum Anschaffungspreis für die Banken bilanzierbar! …
… Staatsanleihen, dankbarer Weise nur im Handelsbuch getestet, trugen zu Verlusten von nur lächerlichen 38,9 Mrd. Euro bei, ganz zu schweigen davon das im Stresstest ein Komplettausfall eines Staates (Staatspleite) nicht vorgesehen war….
… Kurz zusammengefasst, der erste wesentliche Kritikpunkt am Stresstest muss lauten, dass dessen Grundlage auf Bankbilanzen mit aufgeweichten Bilanzierungsstandards und damit auf geschönten Bilanzen 2009 basierte, deren risikogewichteten Aktiva an Hand der Bewertungen von Ratingagenturen und internen Ratings ermittelt wurden….

Der ganze Test war nur ein triviales Herumspielen an Bilanzpositionen unter Anleitung von ein paar subjektiven Garbage-In-Szenarien. Was haben die Politiker nicht über die ganzen Finanzmathematiker geschimpft, und dann setzen sie der Welt so eine Pfuscharbeit vor. Wer rummeckert sollte es auch besser machen…

Hier ein kleiner Film Quants: The Alchemists of Wall Street (Marije Meerman, VPRO Backlight 2010) . Einmal Vorspulen bis Minute 31 und zuhören, was Derman und Wilmott über Wachstumsannahmen, was Politiker wünschen und was über Ökonomen sagen.

Anstatt an den Schrauben zu drehen, sollten wir grundsätzlicher Fragen klären und entsprechende Mechanismen in Geld-/Finanzsystem implementieren. Solche Diskussionen wie bei egghat sind der richtige Ansatz: Die Reaktion auf die Krise – dokumentiert an einem Beispiel

Stiftung Warentest untersuchte die Anlageberatung der Banken und kam zu Fazit “Die Blamage geht weiter”. Das ist natürlich nicht sehr schmeichelhaft für die Privatkundenbanken.

Methodisch kann man natürlich rummäkeln. Es werden riesen Filalnetze (z.B. Postbank, Deutsche Bank) mit regionalen Filalnetzen verglichen (z.B. Kreissparkasse Köln, Nassauische Sparkasse). Da bekommt man ein Problem mit der Regression zur Mitte. Und außerdem, Stichproben von 6 auf was-weiß-ich-wieviel Beratungsgespräche hochzuskalieren? Grundgesamtheit?

Natürlich sind solche Tests voll teuer, und das einhellige Gesamtergebnis (d.h. alle Banken zusammen) ist wohl nicht so…

Die Gewichtungen von Stiftung Warentest werden im Vertrieb ganz ganz anders gesehen. 5% für den “Gesprächsablauf”? Das hat sicherlich einen sehr viel höheren Stellwert bei den Schulungen von Filialmitarbeitern. “Ermitteln des Kundenstatus”? Wenn man das wirklich ordentlich macht, dann dauert das länger als Bankmitarbeiter Zeit und der Kunde Geduld hat. Egal. Das mit den Produktinfos und Gebühren, hmm, 15 Sekunden? Beim “Lösen des Anlageproblems” kann so ein Bankmitarbeiter immer nur auf die Produktpalette der Bank zurückgreifen… und welche “Order von oben” gerade aktuell ist.

Ach noch was. Die Stiftung Warentest hat solche Anlageempfehlungen als gut bewertet:

Wichtig war den Testern, dass die Berater die 35 000 Euro nicht in eine einzige Anlage steckten. Einen solchen Betrag sollten Anleger auf mehrere Produkte verteilen. Im Testfall führte an einem Mix ohnehin kein Weg vorbei: Wenn ein Anleger zwar Risiken eingehen will, aber Wert auf Kapitalschutz legt, braucht es in der Regel mehrere Geldanlagen – riskante und sichere. Die meisten Berater haben einen zu riskanten Anlagemix oder auch nur eine einzige riskante Anlage empfohlen und damit das Ziel gefährdet, am Ende der Laufzeit mindestens das eingesetzte Geld wiederzubekommen.

Diese Empfehlung ist hinsichtlich ihrer Allgemeingültigkeit richtige Scheiße, Blödsinn, … Durch Diversifikation bekommt man keinen Kapitalschutz hin. Diese Aussage von Stiftung Warentest ist einfach falsch. Es kommt drauf an welche Finanzprodukte (hinsichtlich Komplexität, Vertragsnebenbedingungen, Anlagestrategie, etc.) konkret empfohlen wurden, und nicht ob es ein Mix von 1,2,3,… Finanzprodukten ist. Es ist relativ simpel beliebig viele Beispiele von Zwei-, Drei- oder Multi-Asset-Strategien zu basteln, die irgendwelche Risikoarten sogar potenzieren… ohne dass jemand merkt (sich dessen bewusst ist) …

Aber was soll man dazu sagen? Ein gierger Kunde kommt in die Bank, will schön viel “Up-Side” Risiko, aber 0 “Down-Side” Risiko. Man sollte sich eher fragen in welcher Phantasiewelt ein solcher Anleger denn lebt. Der Traum vom “free lunch”… ne ne ne…

Mit Freude nahm ich zur Kenntnis was Blicklog über die McKinsey-Studie für Asset Management Firmen geschrieben hat: “Banalitäten” (finews.ch, McKinsey’s “Global Asset Management Survey 2010″). Die Unternehmensberatung McKinsey gehört zu den ganz GROßEN – Darum BIG-X. In Deutschland gibt es da noch Roland Berger und Dröge, international ist da noch BCG.

Diese Studie “Global Asset Management Survey 2010″ ist nur eine Demonstration wie standardisiert das Dienstleistungsangebot von McKinsey ist. Und die andere BIG-X sind da keineswegs besser. An McKinsey ist schön wie das MECE (“Pyramid Principle”) beim Textverfassen angewendet und natürlich wie toll die Meckis Diagramme malen können – Die Verpackung stimmt! An einer schicken Verpackung ist nichts auszusetzen. Jedoch ist auch der Inhalt standardisiert. Immer wieder tauchen unterschwellig wieder Tote wie Porter’s MBV-Denke zum Vorschein, oder unrelevantes Buzzword-Creation und viele andere MBA-Fads finden ihren Platz in Text und “Malereien”. Man hat den Eindruck, dass sich das “Core Product” von McKinsey sich seit den 80er Jahren nicht verändert hat. Ein McKinsey-Dienstleistungsprodukt ist wie ein Burger von McDonalds. Man hat immer dieselbe Verpackung (d.h. rote Pappschachteln, dasgleiche Interior im Restaurant) aber man bekommt immer Fleischbrötchen mit Fritten und ein Getränk, was inkrementell um anderes Gemüse, Käsesorten, Fleischsorten varriert wird. Ja McDonalds hat sich irgendwann man durchgerungen inkrementelle Produktvarianten anzubieten. Den “Trend” hat McKinsey natürlich auch mitgemacht. Jedoch ist eine Produktvariante noch immer hoch standardisiert. Es ist sicherlich nicht “maßgeschneidert”. Komisch ist nur dass die BIG-X Preise verlangen wie bei “maßgeschneiderten Produkten” aber nur eine “Produktvariante” anbieten.

Die BIG-X sind in ihrem Produktangebot “time lagging” – Sowie alle Großkonzerne (Ein schönes Beispiel ist IBM: Die hatte zwar mal eine riesen Forschungsabteilung die drei Nobelpreisträger hervorbrachte, aber die hatten so einen riesen “technology gap” in der Organisationsstruktur, dass sie damit kein Geschäft machen konnten). Die Produktpalette wird erst angepasst, wenn es “bombensicher” ist. Die Produktpalette muss auch qualitativ nicht toll sein, den Kundenbedürfnissen entsprechen usw. Die Organisationselemente (=Mitarbeiter) dieser BIG-X sind in diesem Arbeitsumfeld auch nicht in der Lage neue, radikale Produktideen zu kreieren – Es wird eh nicht umgesetzt. Jedoch sind gerade in Umbruchzeiten bzw. nach Strukturbrüchen im Wirtschaftssystem neue, radikale Ideen ein Hauptgrund für Firmenkunden sich externe Berater zu holen. Eines ist garantiert: Mit Beratern die zwar gut sind existierende Dienstleitungsangebote zu präsentieren (=Die “Auswendiglerner” mit ihren Super-Einser auf ihren “Auswendiglerner-Abschlusszeugnis”) kommt man nicht weit. Also genau das was BIG-X Berater tun.

Firmen die wirklich ein Arsenal neuer, krasser, radikaler Ideen sehen wollen, müssen sich vor allem krasse Leute als Berater beschaffen. Und keine “großen Marken” mit ihren McDonaldisierten Dienstleistungen.

Vorhin las auf dem Spiegel einen Artikel über die Deutsche Bank und ihr Engagement im US-Immobilienmarkt. Es wird versucht die Deutsche Bank in ein schlechtes Licht zu rücken. Im schlechten Licht stehen die fast immer, aber in diesem Fall ist das nicht so: Erschieße nicht den Überbringer der schlechten Nachricht! In der Rolle des Treuhänder ist ein Finanzdienstleister ein solcher Bote.

Als erstes muss man die kapieren wer was in Verbriefungstransaktionen macht:

(1) Orginator: Der will einen Haufen von Einzelkrediten los werden im Rahmen eines True Sale

(2) SPV: Ist nur ein Rechtskonstrukt, Einzelkredite auf der Aktiva, lustige Tranchen auf der Passiva.

(3) Arranger: Das ist i.d.R. eine Investment Bank die versucht ein Prospekt für das SPV zu schreiben, und ein paar Idioten … ehmm “Investoren” zu finden die die Tranchen kaufen

(4) Trustee: Das sind die Erbsenzähler, die für das SPV die Zinsen und Tilgungen einsammeln, den Wasserfall für die Tranchen berechnen, und so eine Art Monatsbilanzen erstellen.

(5) Manager: Der Portfoliomanager ist damit beauftragt Einzelkredite auf der SPV-Aktiva zu kaufen und verkaufen (während der Reinvestment Period).

Um es blöd zu sagen, in dem Artikel redet der Spiegel von der Deutschen Bank als Treuhänder (Trustee), oder einfach nur die Erbsenzähler. Ein Treuhänder ist weder diejenige Person die einst die ganzen Einzelkredite vergeben hat (=Orginator), noch diejenige Person die ein SPV gestaltet hat (=Arranger), noch diejenige Person die Einzelkredite aus dem SPV rein- und rausnimmt (=Manager). Ein Treuhänder ist einfach nur ein Erbsenzähler. Und wenn für einen Einzelkredit die Zinsen nicht gezahlt, die Sicherheiten nicht mehr da sind, usw., dann wird wird der Portfoliomanager dem Erbsenzähler sagen: Mach’ das was in den Einzelvertrag drin steht! Zum Beispiel eine Zwangsversteigerung anleihern. Ein Treuhänder mach lediglich den “Papierkrams”. Darum steht auch immer der Name des Treuhänders auf dem Briefkopf der “schlechten Nachricht”. Ein Treuhänder hat eigentlich garkeine Befugnisse. Ein Treuhänder ist nicht dazu berechtigt die Konditionen der ganzen Einzelkredite zu eigenmächtig ändern. Ein Treuhänder darf garnichts ändern. Sonst wäre es ja kein Treuhänder mehr. Im Vergleich zum klassischen integrierten Bankenmodell, ist ein Treuhänder nur die Verwaltungsabteilung die Papier erzeugt. Mehr nicht.

Natürlich kann man sich fragen, was das ganze mit der Arbeitsteilung in Orginator, Arranger, Trustee, Manager, Investor sein soll? Finanzdienstleister können sich dann aussuchen wann sie welche Rolle spielen, oder sich gegenseitig diese Rollen zu schachern. Am Ende kommt raus, dass niemand “flexibel” etwas am Prospekt des SPVs ändern kann, usw. Aber man auch argumentieren, dass die Kreditnehmer diese “Flexibilität” verkauft haben als sie per Unterschrift der Verbriefung ihrer Schuld zugestimmt haben. Nichts ist umsonst auf dieser Welt, auch nicht die Zinshöhe.

Die BAFIN verbietet mal wieder Leerverkäufe (z.B. Neue Regeln für Geldgeschäfte: Bankenaufsicht verbietet spekulative Leerverkäufe). Natürlich wegen den bösen Spekulanten, die ja ständig XXX-Krisen verursachen. Klar, Naked Short ist schon etwas fragwürdig, weil es ungefragte Geldschöpfung ist (Es werden ja temporär neue Wertpapiere emittiert/geschrieben, obwohl der echte Issuer dieser Wertpapiere garnicht dahinter steckt). Andererseits stimmt das Argument, dass Leerverkäufe ein wichtiger korregierender Faktor sind, und zwar um Überbewertungen zügig abzubauen (Zum Beispiel kann es in Märkten ohne Leerverkäufen zu Blasen/Überbewertungen kommen, die beim “Platzen” zum Absturz der Handelsaktivität führen – Es geht dann richtig steil in den Keller; Wären stattdessen vorher Leerverkäufe erlaubt gewesen, wäre die Blase kleiner gewesen, und in der Abwärtsbewegung wären Handelsvolumina entstanden und eine “Bodenbildung” würde einsetzen). Auf jedenfall wird es mit dem Naked Short Verbot die Entstehung von Marktgkeichgewichten (wieder) eine asymetrische Geschichte, aufgrund der höheren Transaktionskosten die eine Wertpapierleihe nach sich zieht.

Als Kritikpunkt, gegenüber das Leerverkaufsverbot, kann ich aber den postulierten Zusammenhang mit der Abwertung der Griechenland-Anleihen nicht nachvollziehen. Ich habe eher den Eindruck, dass die Politik weder die Fakten die sie erzeugt noch das resultierende Unvermeidliche nicht wahrhaben wollen, wegsehen, ignorieren wollen: Die ausufernde Staatsverschuldung. Was nicht sein darf, darf nicht wahr sein.

Zum Schluß möchte ich ein kleeines Fundstück zitieren, was Bankhaus-Rott geschrieben hat (Ja in der Eurodruckerei, da gibt’s so manche Leckerei. Klicken Sie ruhig ist sehr gut geschrieben!)

…Fallende Kurse sind gut für böse Menschen, steigende sind gut für gute Menschen. So einfach ist das also. Dumm nur, wenn jemand die Frage stellt, wie sich das bei Währungen verhält, z.B. beim EUR/USD…

Die Parabel ist zwar schon etwas älter, aber ich finde sie einfach zu schön: The Fable of the Monkeys von Andrew Sheng.

The Fable of the Monkeys (Caijing 50)

Once upon a time, there was a kingdom that was famous for its banana production. The bananas were so good and tasty that they were even used for money.

One day, a monkey came and made an offer to look after the bananas. The people said, “but we never let monkeys look after bananas!” But this monkey was different. He said, “I have got a physics degree Summa Cum Laude from Bantech, I got an MBA from Chicaton, I have worked for Simian, Simian and Simians, the best firm in the business and look, I wear an Armani suit.” So people thought – he is right, we should not be prejudiced, so they allowed him to look after a small plantation.

This monkey was very able and clever and under his charge, the plantation prospered. He noticed that bananas ripen very fast and can rot easily, and there were good bananas and bad bananas. The best bananas were gold in colour and were very valuable. Some were hard and not easy to sell. This non-standardization of bananas was a great loss to the plantation and there was no liquidity in the market.

So this clever monkey called Ah Yuen invented the first derivative, using one banana leaf (called one Ye) to represent a bunch of 10 bananas. And people thought, how clever. We don’t have to carry bananas – banana leaves that are so light and so convenient. Anyway, whenever we need bananas, we just exchange Ye’s with Ah Yuen, who is always willing to buy and sell bananas in exchange. After this, Ah Yuen became the richest person in the country and established a banana bank called Yebank! Yebank’s slogan was “Ye’s we have bananas.”

Ah Yuen was so entrepreneurial that he expanded through mergers and acquisitions, first through an IPO and then issuing banana shares to acquire more plantations. Everyone was happy – because they were now trading Ye’s instead of bananas and they felt they were growing richer and richer.

One day, Ah Yuen had a brain wave. Instead of trading one leaf for 10 good bananas, why couldn’t he package the good and bad bananas into a super leaf called Banana Debt Obligation or BanDO. He found someone to run a Banana Rating Agency that gave AAA rating for these BanDOs and persuaded the insurance company called BIG (Banana International Group) to insure these BDOs with a special leaf called BanDS or Banana Default Swap. His nephew even created an active BanDS market and rewarded himself with huge options.

One day, the King sent his Grand Vizier to check on the market. Ah Yuen gave a dazzling powerpoint presentation on how the whole market was self-regulating. He showed how he had created a huge market on BanDos with complete swap and futures markets based on what was formerly a primitive market of real bananas. The country was prospering and everyone seemed happy. The Grand Vizier did not want to show everyone that he did not understand what the BanDOs and BanDS were and as long as everyone looked happy, he did not ask any more questions. After all, they were all rated AAA. Moreover, his nephew worked with YeBank.

The market in BanDOs was so successful that some asset managers claimed that they would sell their mother-in-laws first before they sold BanDOs. One clever asset manager even created a PonBan scheme, whereby he guaranteed steady high returns because he could hedge everything in the BanDO market through options, hence the name Put On Bananas scheme. His sales principle was simple – if you have to ask questions on how the scheme worked, you can’t afford it.

One day there was a banana blight and some people decided to cash in a few BanDOs. A few bold hedge fund managers even had the temerity to short the BanDO market, causing market nervousness. So, to stop the panic, the Banana Exchange Commission decided that short-selling should be temporarily banned in order to create orderly markets. People were advised not to listen to vicious market rumours. However, because the premium on BanDS had gone up, the Banana Rating Agency had no alternative except to downgrade BanDOs from AAA to BBB or junk status. Overnight the market collapsed and YeBank had a bank run causing it to be nationalized. The investigators found lots of leafs, but no bananas in the bank.

There was a Royal Commission to investigate the collapse. The first question to Ah Yuen was: what happened to the bananas? Well, he replied, “I ate a bit as I was entitled to all my bonuses. I paid the lawyers, the distributors and the Banana Rating Agency quite a lot of bananas. I gave you all a banana split called BanDOs because you wanted more bananas. Everyone had a good time, so why blame me? Don’t forget that I am still entitled to my retention bonus under my employment contract.”

After days of hearings, the Royal Commission reached two basic conclusions: Never trust monkeys with bananas; and a monkey in an Armani suit is still a monkey!

Finanztransaktionssteuer
Die Finanztransaktionssteuer ist der große Aufmacher der Attac (Diese illusionorischen Weltverbesserer). Eigentlich war es mal nur so ein Gedankenexperiment von Herrn Tobin, der seine Idee aber im Nachhinein wohl eher abstrus hielt. Auf jedenfall kann sich Tobin nicht mehr zur Finanztransaktionssteuer äußern, weil er tot ist. Nach Meinung der ”Marktradikalen” sind Finanztransaktionssteuern Handelsbarrieren, und Handelsbarrieren sind Gift. Das zweite Gegenargument ist, dass eine Finanztransaktionssteuern die Transaktionskosten leicht erhöhen und somit knapp kalkulierte Arbitragegeschäfte unrentabel machen. Da diese Transaktionen dann entfallen sinkt das messbare Handelsvolumen/Marktliquidität, was tendenziell die messbare Volatilität/Marktpreisrisiko erhöht. Jedoch denke ich dass der FX-Markt noch als “liquide” gelten kann, wenn nur die Hälfte, ein Drittel, … des Handelsvolumen da ist. Ok, Instituten wie die Deutsche Bank würde es mit ihren Marktanteil von >20% am weltweiten Handel mit (redundanten) FX-Kontrakten garnicht gefallen (Sales runter, Vola rauf = SuperGAU). Abgesehen von den Interessen der Absatzchancen von Geschäftsbanken, brauchen Import/Export-Firmen maximal (redunanten) FX-Kontrakte um ihr Gaschäft zu hedgen – Und nicht das 10-fache. Warum es X-fach soviele (redundanten) FX-Kontrakte wie Import/Export/FDI selbst gibt, liegt eigentlich nur daran, weil Geschäftsbanken die geschriebenen FX-Kontrakte selbst wieder mit (redunanten) FX-Kontrakte bis zum Abwinken hedgen. Das ist dann auch das, was Bankenbosse damit meinen, wenn sie sich vor die Presse stellen und verlauten, dass mit einer Finanztransaktionssteuer alle diese schönen FX-Kontrakte dann nicht mehr billig sein werden – Und das sei dann super schlimm, gerade für die deutsche Exportwirtschaft (=Ein Panik-Button, wo jeder bitte schön anspringen solle).

Bankenabgabe
Die Bankenabgabe ist noch so ein Leck, wo sich Parasit Fiskus gerne drankletten würde. Erstens, kommen dabei nur Peanuts raus, was vielleicht reicht, um eine neue Hallo-X-Mrd-im-Bundestag-wie-sollen-wir-dich-ausgeben-Debatte anstoßen kann – Natürlich nur für voll sinnvolle Dinge, wie immer… haha … Zweitens, die Wirkung einer Bankenabgabe ist redundant! Es gibt nämlich schon Mittel wie die Mindestreservequote und Eigenkapitalanforderung an Banken im Besonderen. Andere “Wörter”, gleiche Wirkung. Aber Politiker sind einfach zu doof, um Folge-Ursache bzw. Kausalitäten zu erkennen (Ein anderes Wort, dann muss es ja auch etwas anderes sein). Es fehlt nur noch die EZB und Bundesbank, die endlich mal wahrnimmt, dass es ihre Aufgabe ist.

Wer bezahlt denn nun die Finanzkrise?
Das kann man am besten beantworten, wenn man sich fragt, wer (Geldansprüche) verloren hätte, wenn die Bundesregierung keine (Staats-)Banken gerettet bzw. (Geschäfts-)Banken verstaatlicht hätte. Antwort: Erstmal die Institutionellen. Folgefrage: Wer ist das? Oder besser: Für wen verwalten die das Geld? Antwort: Für Firmen bei denen Sie arbeiten, oder Ihnen gehören, Sie selbst in ihren dann schrottigen Vorsorgeprodukten, für mich, für eigentlich jeden Deppen in diesem Land. Zum großen Teil hätten also diejenigen verloren, die auch Steuern zahlen müssen, um z.B. die Staatsschulden zu bedienen. Sie sehen: Unter’m Strich hätten wir so oder so verloren.

Es ist schon komisch, dass die IKB beim Goldman-Prozess um das SPV Abacus in der Opfer-Rolle gekleidet daherkommt, aber in einem bald anlaufenden Prozess wegen dem SPV Rhinebridge auf der Anklagebank sitzen wird (IKB kommt nicht an US-Prozess vorbei).

Beim Goldman-Prozess muss die IKB den Anschein erwecken zu doof gewesen zu sein, den Abacus Prospekt gerafft zu haben. Und auch beim IKB/Rhinebridge Prozess muss die IKB zeigen, dass sie bei der Initierung von Rhinebridge keinen blasen Schimmer hatten was die Assets betrifft (Also garnicht wissen konnten, dass sie da Scheiße reinladen). Es ist irgendwie widersprüchlich wenn man je nach Konstallation mal die Rolle des Investors, dann des Portfoliomanager und dann wieder des Arrangeurs/Initiator spielen kann, und dann später behauptet man sei eigentlich zu doof dafür gewesen (Also nicht ein “sophisticated investor” waren).

Das Beste was der IKB (also heuten den deutschen Steuerzahler) passieren kann ist, dass beim Goldman-Prozess rauskommt, dass bei der IKB nur inkompetente Säcke im ABS-Team gearbeitet haben. Im Worst Case kommt da noch eine Rechnung hinterher…

Die deutschen Politiker sind wirklich gut im meckern:
- (Imaginäre) Spekulanten trieben Griechland in den Bankrott,
- die gierigen Banken geben den Unternehmen keine Kredite,
und so weiter.

Jedoch ist ein Hauptgrund warum Unternehmen und fast-junk-bond-like-naja Staaten wie Grieechenland ihre (existierenden) Schulden nicht refinanzieren können, dass (relativ gesehen) sicherere Investitionsmöglichkeiten von Staaten wie Deutschland verstärkt geschaffen wurden und werden: Durch die ausufernende Neuverschuldung. Letztes Jahr 80 Mrd Euros. Das ist schon mal das Doppelte wie wie vor garnicht alzu langer Zeit.

Natürlich ist der Deutsche Staatshaushalt nicht der einzige, der das Angebot dieser Investitionsmöglichkeiten erweitert bzw. hat, z.B. die Neuschulden der USA, Japan, und auch Frankreich um nur einige zu nennen, kommen mit dem deutschen Staatshaushalt auf eine ziemlich hohe astronomische Summe, und zwar per annum.

In der Fachsprache wird das Crowding-Out-Effekt genannt, d.h. Staaten erhöhen ihre Neuverschuldung, Investoren kaufen diese Staatsschulden, aber dafür nicht die Schulden von Unternehmen (Tarahh crowding-out). Gerade im Euroraum ist es so, dass die Zentralbank – ECB – nicht die Staatsschulden in ihre Bilanz nimmt, bzw. das auf garkeinen Fall will (Warum? Genauso funktioniert Inflation im engeren Sinne, und kann der Beginn einer Abwärtsspirale in die Hyperinflation sein, z.B. Argentinien). Also konkurrieren Staaten um eine Finanzierung durch Kapitalgeber auf Finanzmärkten, gegen andere Entities, z.B. Unternehmen und auch andere Staaten.

Ich finde es daher hochhgradig scheinheilig, einerseits zu erfahren mit welchen unverschämten Wunschvorstellungen die Bundesministerien sich für den nächsten Bundeshaushalt positionieren, und die “Jünger” ihrer Parteien gegen den Schlendrian anderer Staaten wettern, und mit den Finger auf Banken, Investoren und (imaginären) Spekulanten zeigen die Unternehmen nur unter härteren Auflagen Kredite gewähren wollen. Die härteren Auflagen für Kredite sind getrieben durch das Angebot von Investitionsmöglichkeiten, sie sind zum großen Teil getrieben durch die ausuferende Neuverschuldung der BRD.

Zusatz: Es macht auch keinen Sinn, dass die BRD riesen Fonds auflegt, die die BRD ja auch durch Kapitalgeber finanziert, die dann Unternehmen, Banken andere Staaten Kredite gewährt, die sie nicht von Kapitalgebern bekommen, weil die ja ihr Geld bereits den lustigen BRD-Fonds gegeben haben. Der neue geplante EWF macht daher nur Sinn, wenn es nicht eine reine Geldbeschaffungsmaßnahme ist, sondern vor allem den Zweck verfolgt, Staatshaushalte zu restrukturieren, und zwar radikal (was im Falle eines Fast-/Bankrotts garnicht anders geht).

Aufgrund des Blogeintrags “Die Verlogenheit der Anti-Derivate-Argumentation” hat mich ein Bekannter angesprochen und den Kritikpunkt aufgegriffen, warum es keinen Sinn macht für 1 Underlying x Versicherungen rauszugeben (z.B. 10 CDS auf 1 Kredit). Dieses Kritik ist vollkommen berechtigt. Jedoch denke ich, dass die Lösung wäre, dass alle ISDA-Agreements über eine Börse gesettled werden müssen (Was ja auch bereits früh in die öffentliche Diskussion geworfen wurde). Jedoch haben Finanzinstitutionen dazu bereits eine 180 Grad-Bremsung hingelgt. Es klingelt einfach zu sehr die Kasse, wenn problemlos bspw. 10 CDS für 1 Kredit vertickt werden kann, und hinzu kommen auch noch die Intransparenz-bedingten attraktive Ask-Bid-Spreads dieser Derivate. Wenn ich Banken-Boss würde ich darauf auch nicht verzichten wollen.

Was würde es bezwecken, wenn alle ISDA-Agreements öffentlich über eine Börse gesettled werden? Die Käufer von Derivaten könnten dann herausfinden,
- wie viele Derivate auf dasselbe Underlying verkauft wurden.
- wie hoch die Eventualverbindlichkeit ihres Counterpart sein können.

Sprich man könnte das Counterpart-Risk viel besser bewerten. Daraufhin könnten Käufer von Derivaten eine zusätzliche Risikoprämie (aus ihrer Sicht) mit dem Emittenten des Derivats aushandeln, was natürlich dessen möglichen Gewinn schmälern würde.

Die aktuelle Situation ist doch, dass beim Schreiben von ISDA-Agreement marktmikrostrukturell Informationsbarrikaden aufgestellt werden. Die Käufer von solchen Derivaten sind somit in einem “Spiel mit unvollständigen Informationen” (Analogie: Dieses Spiel-Setting kann als Begründung herangezogen werden, warum es im Wettbewerb zu Überkapazitäten kommt, d.h. Firmen/Betreiber bauen Produktionskapazitäten auf, da sie nicht wissen, dass ihr Konkurrent auf der anderen Seite der Welt das eben auch tut; Der Anlagebauer mag wissen, dass die konkurrienden Kunden/Betreiber Überkapazitäten aufbauen, aber kein Interesse haben denen es mitzuteilen, das der Anlagenbauer sein Anlagen verkaufen will). Wobei der Derivate-Verkäufer kein Interesse hat den Derivate-Käufern mitzuteilen wie viele Derivate verkauft wurden.

Um es kurz zu machen: Wenn gesetzlich vogeschrieben wird alle ISDA-Agreements über eine Börse zu settlen, und somit diese jedermann zugänglich wird, dann wird der Effekt dass auf ein Underlying mehrfach Derivate begeben werden, abnehmen.

Verlierer sind die Investmentbanken und Gewinner die Derivate-Käufer, weil
- Counterpart-Risk von den Derivate-Käufern (besser) bewertet werden können,
- Derivate-Käufer Angebote besser vergleichen können (z.B. Ask-Bid Spreads),
- Die Informationsbeschaffungskosten der Derivate-Käufer sinken (es sei denn sie machen ein Blindflug)

Was muss so eine Börse für “individuelle Kontrakte” leisten? Eigentlich reicht es aus, dass eine solche Börse die ISDA-Agreements in einem standardisierten Dateiformat öffentlich stellt, die Margin Requirements einsackt, und die paar Buchungsbelege ausfüllt. Das war es. Ganz simpel. Nicht teuer (Das bestreiten Investmentbanken;, und es ist eine Lüge). Es muss lediglich zu einer MUSS-Vorschrift werden.

So richte hier einen Countdown ein. Es kann am Ende gut, aber auch böse ausgehen – für die Volkswirtschaft, insb. in Europa hinsichtlich der Intensität, und hinsichtlich des Volumens für Nordamerika.

Lesehinweis: One Bite at a Time

“The Elephant is Large”

Ein kleines Fundstück mit den schlimmsten Finanzverbrechern dieses Jahrzehnts von Geraint Anderson (The top 10 financial rogues of the Noughties)

10) Dennis Kowalski (Tyco; Industrie; Veruntreuung) currently serving 8 to 24 years in a New York prison mainly as a result of receiving $81m in purportedly unauthorized bonuses whilst he was CEO of US conglomerate Tyco. He admitted at his trial that his $100m annual pay package was ‘almost embarrassingly big.’ This fat, bald fraudster became a poster boy for early noughties excess after it emerged that he’d spent $6000 on a shower curtain!

9) Elliot Spitzer (Politik; Gefallener Moralapostel) this former New York state attorney became the scourge of bankers as a result of his attempts to clean up Wall Street in the early noughties. However, his Mr Clean image was tarnished irreparably in 2008 after he was exposed as a regular customer of a prostitute ring. Gets a place for sheer hypocrisy.

8. Adam Applegarth (Northern Rock; Bank; Größenwahnsinn) Mr Applegarth’s reckless risk-taking resulted in the first run on a British bank (Northern Rock) for over a century and played a significant role in worsening Britain’s credit crunch. He’s more of a dullard than a crook but any sympathy may be offset by the over £1m payoff he received after his fall.

7) Conrad Black (Hollinger International; Medien; Veruuntreung) Baron Black of Crosshabour was once the third biggest newspaper magnate in the world. He was convicted of diverting funds for personal benefit from his company Hollinger International and is now serving a 6½ year sentence. He and his wife Amiel’s extraordinary notorious extravagance were neatly summed up by an infamous picture of them dressed as Cardinal Richelieu and Marie Antoinette.

6) Bernie Ebbers (Worldcom; Telekommunikation; Bilanzbetrug) this bearded, born-again Christian ex-bouncer was a good old boy who built up a telecoms company worth $180bn. He turned many of the locals from his town of Brookhaven, Mississippi into millionaires but when the tech boom fizzled out he decided to cook the books and got his company into a right stew. Worldcom went bankrupt and Bernie’s doing 25 years.

5) Fred ‘The Shred’ Goodwin (Royal Bank of Scotland; Bank; Größenwahnsinn) Sir Frederick Goodwin is one of the least popular bankers around … and that’s really saying something! His extraordinary mismanagement of Royal Bank of Scotland was only rivalled by his willingness to sack employees and his seemingly boundless megalomania. After his bank was nationalized Goodwin cemented his bogeyman status by accepting a £700K annual pension.

4) Jerome Kerviel (Societe Generale; Eigenhandel; Fehlspekulation) This geeky 32 year old rogue trader almost destroyed one of France’s major banks, Societe Generale, after he allegedly lost €4.9bn in early 2008 (over six times our own Nick Leeson’s efforts of 1995.) Ironically, this ex-banker has become something of a hero to anti-capitalist French groups.

3) Jeffrey Skilling/Andy Fastow (Enron; Energy; Bilanzbetrug) – these two crazy guys created the house of cards that was Enron. Through accounting trickery they pretended Enron made profits when in fact it was a heavily-indebted illusion that fell apart in 2001. They are serving 24 and 6 years respectively though their boss, Ken Lay, died before his sentencing.

2) Dick Fuld (Lehman Brothers; Bank; Größenwahnsinn) – this pit-bull of a man oversaw the destruction of Lehman Brothers and, in so doing, ensured that the world entered the worst financial crisis since The Great Depression. His unwillingness to listen to others, bombastic manner (he once publically declared he’d eat the still beating heart of hedge fund managers that dared short his stock!) and sheer bloody mindedness are legendary.

1) Bernie Madoff (Bernard L. Madoff Investment Securities LLC; Vermögensverwaltung; Schnellballsystem) – A late entrant, but without doubt the king of the crop! The renowned investor Warren Buffet famously said ‘you only find out who’s swimming naked when the tide goes out’ and that is exactly what happened to Bernie as the financial crisis took hold. His Ponzi scheme may have cost investors $65bn and is now officially the biggest ever fraud. In June 2009 this former pillar of New York society was sentenced to 150 years in prison.

Ich lasse das mal so stehen. Man kann sicherlich noch einige weitere aufzählen oder eine Country-List “Germany” aufmachen. Naja, schon allein unsere Pleite-Landesbanken würde einige Plätze in der Top-10-Germany-Liste einnehmen. Vielleicht sollte man das dann in “Millionenbeträge” und “Millardenbeträge” aufteilen… (in Bearbeitung)

ACHTUNG: DIESER BEITRAG WIRD AB HIER LAUFEND AKTUALISIERT!!!

Germany: x-Millarden

1. Georg Funke, Reinhard Grzesik (Hypo Real Estate; Veruntreuung; ca. Euro 200 Mrd) Die Hypo Real Estate wurde 2002/03 sozusagen als “Bad Bank”der Hypovereinsbank ausgegliedert. Dennoch vollbrachte es Funke 2007 auch noch, die nun irische, Depfa zu kaufen, und diese nicht von den deutschen Finanzaufsichten (Bafin, Bundesbank) prüfen zu lassen. Die hätten nämlich herausgefunden dass das Zinsstrukturkurvensurfen der Depfa gegen die DerivateV und SolvV verstösst. Versenken via Corporate Strategy vom Feinsten. Achso, Reinhard Grzesik war Finanzvorstand der Depfa bis Mitte 2007 und wechselte dann zur IKB …

2. Hans Berger, Dirk Jens Nonnenmacher (HSH Nordbank; Veruntreuung, ca. Euro 100 Mrd),

3. Stefan Jentzsch (Alllianz/Dresdner Bank; Veruntreuung; ca. 40 Mrd.) Hätte die Allianz nicht die Dresdner an die Commerzbank vertickt, hätte die Allianz-Tochter Dresdner Bank laut Hören-Sagen zum 31.12.08 ein negatives Eigenkapital von rund 40 Mrd ausgewiesen. Dresdner Kleinwort aus London lässt grüßen! Tja dann wäre es knapp um die Versicherungsprodukte der Allianz geworden, und das Geschrei groß. Es ist eine PR/politische Meisterleistung, dass das ganze schlechte Image die Commerzbank abbekam, was dann auch wohl der Deal zwischen München, Frankfurt und Berlin war.

4. Herbert Süß, Stefan Leusder (Sachsen LB; Veruntreuung; ca. 30 Mrd.) haben über die hauseigenen irischen Zweckgesellschaften Ormond Quay und Georges Quay rund 30 Mrd. versenkt. Diese Belastung wurde über das übliche Gekungel in Soffin und in die LBBW reingeladen.

5. Stefan Ortseifen, Markus Guthoff, Frank Braunsfeld, Volker Doberanzke (IKB; Börsenmanipulation und Veruntreuung; ca 20 Mrd) Ortseifen hat sich zum einem selbstbereichert indem er die Spesenabrechnung zu großzügig für sich auslegte – Hat sich für ein paar Millionen seine Vorstandsvilla ausbauen lassen. Andererseits hat sich Ortsseifen durch falsche Ad-Hoc Mitteilungen gegen das WpHG und AktienG strafbar gemacht, im Zusammenhang mit Versenken der IKB. Der IKB-Vorstand wollte via ihren irischen IKB Zweckgesellschaften Rhineland Funding Capital, Rhinebridge und Havenrock am Großen Rad der Subprime-ABS drehen, was in die Hose ging. Mitte 2007 übernahm dann der Depfa-Hütchenspieler Reinhard Grzesik das Ruder bei den Pleite-Conduits.

6. Wendelin Wiedeking und Holger Härter (Porsche; Verdacht auf Insiderhandel und Kursmanipulation mit Schaden von ca. 10 Mrd; Verdacht auf Selbsbereicherung ca. über 100 Mio). Über die Buchgewinne aus den Derivategeschäfte mit VW-Aktien gekoppelt mit M&A-Pläne und falscher Informationspolitik, haben die Ex-Porsche-Vorstände sich super-dupi “Performance-Vergütung” von geschätzten ca. über 100 Mio abzgl des Autogeschäfts einverleibt. Klar lief das Geschäft mit den Autos auch toll, aber nicht so toll wie mit – dem per “fachlicher” Definition – Insiderhandel bzw. “großzügiger Auslegung von Informationspflichten” (Disclaimer: Ob die “rechtliche” Definition hier auch zutrifft muss noch das Gericht herausfinden). Der Schaden für Marktteilnehmer auf VW-Aktien beläuft sich auf ca. 10 Mrd.
- Krach um Wiedekings Gehalt (Stuttgarter Zeitung, 29. Mai 2009)
- US-Milliardenklage lässt Porsche-Aktie absacken (FTD, 25 Jan 2010)

7. Werner Schmidt (Bayern LB; Verdacht Insider-Handel und Veruuntreung; Schaden ca. 3,7 Mrd). Wegen des Kaufs der österreichischen Group Alpe Adria zieht die Staatsanwaltschaft die Schlinge zunehmend fester zusammen:
- Ermittlung gegen ex Vorstandschef der Bayern LB (Finanznews, 25. Okt 2009)
- Staatsanwälte weiten Ermittlungen aus (Manager Magazin, 13 Jan 2010)

8. Friedhelm Breuers (West LB), Rogue Trading, ca. Euro 600 Mio verspekuliert.

9. Helmut Kiener (Verdacht auf Veruuntreung; Scaden ca. USD 400 Mio). Ist quasi der Deutsche Madoff, aber mit einem noch ausgeklügelteren Schneeballsystem. Man muss “groß bescheißen”. Darüber kann Herr Kiener bestimmt ein Buch im Knast schreiben und dann die Filmrechte verticken…
- Wie das System Kiener funktionierte (Handelsblatt, 29 Okt 2009)
- Homepage von Helmut Kiener / K1 Hedge Fund
- K1 Hedge Fund Manager Helmut Kiener Held Under Arrest (Bloomberg, 29 Okt 2009)
- Today In Handcuffs: Helmut Kiener Come On Down! (Dealbreaker, 29 Okt 2009)
- Liechtenstein Minister Was Director at Sales Arm of Kiener’s K1 (Bloomberg, 1 Dez 2009)
- JPMorgan, BNP Paribas Sue K1 Invest, Alleging Fraud (Bloomberg, 24 Dez 2009)

10. Heinrich v. Pierer (Siemens), Bestechung bzw. “Schwarze Kassen” bzw. “Schmiergeldaffäre”, über Euro 420 Millionen

11. Middelhoff (Arcandor/Esch-Fonds; Veruuntreung; ca. 20 Mio)

Background: Bilanzbetrug von Enron
Das Economic Cow Model sagt eigentlich alles was Enron, Jeffrey Skilling und Andy Fastow, gemacht haben:

Enron Venture Capitalism
You have two cows. You sell three of them to your publicly listed company, using letters of credit opened by your brother-in-law at the bank, then execute a debt/equity swap with an associated general offer so that you get all four cows back, with a tax exemption for five cows. The milk rights of the six cows are transferred via an intermediary to a Cayman Island Company secretly owned by the majority shareholder who sells the rights to all seven cows back to your listed company. The annual report says the company owns eight cows, with an option on one more. You sell one cow to buy a new president of the United States, leaving you with nine cows. No balance sheet provided with the release. The public then buys your bull.

Background: Zinsstrukturrisko
Eigentlich weiß es jeder, der jemals an der Oberfläche der Bankelehre gekratzt hat: Mit Kurz Lang finanzieren ist gefährlich. Leider haben es doch ein paar bankenvorstände (HRE, IKB) wohl vergessen. Das ist so als ob ein Handwerker vergisst womit man einen Nagel in die Wand haut. Es steht sogar in diversen Verordnungen drin, z.B. Solvenzverordnung § 316 Abs 3 und Derivateverordnung § 12 Abs 3,

Zinsstrukturrisiken entstehen durch die nicht gleichförmige Entwicklung kurzfristiger und langfristiger Zinssätze. Bei der Bestimmung der Zinsstrukturrisiken ist eine dem Umfang und der Struktur des Geschäfts des Instituts angemessene Anzahl und Verteilung von zeitmäßig bestimmten Zinsrisikozonen zu unterscheiden. Die Anzahl der Zinsrisikozonen muss in den entwickelten Märkten mindestens sechs betragen. Spreadrisiken im Sinne der nicht gleichförmigen Entwicklung der Zinssätze verschiedener Klassen von auf die gleiche Währung lautenden zinsbezogenen Finanzinstrumenten sind ebenfalls in angemessener Weise zu berücksichtigen, unabhängig von der Zuordnung zum allgemeinen oder besonderen Kursrisiko.

Die “variablen Vergütungssysteme”, also das wodurch eben die Banker sehr kritisiert werden (z.B. Der “Sinn” der Rekordbonuszahlungen an der Wall Street auf Blicklog), hat einfach nur den Makel, dass es Call-Optionen sind.

Bonus mit Call-Optionen like Payout Functions

Sei x der Gewinn/Verlust aus derjenigen Geschäftstätigkeit, wofür ein Mitarbeiter (nich nur in Banken!) eine variable Vergütung bekommt, dann gilt immer

y_var = a * max(x,0)

Soll heißen es werden immer nur die Gewinne betrachtet, wobei bei Verlusten immer der Faktor y_var=0 gilt. Kurz es kein Malus. Der Parameter a = [0,1] ist quasi der Anteil an den Gewinnen aus der Geschäftstätigkeit.

Das Einkommen z sei nun

z = y_fix + y_var

Durch den Auschluss von einer Verlustbeteilgung soll verhindert werden, dass der Mitarbeiter für den Fall

-a * x > y_fix

ein negatives Einkommen z<0 erhält. Also seinem Arbeitgeber fürs Arbeiten Geld überweisen muss.

Also gilt insgesamt

z = y_fix + a * max(x,0)

Survivorship
Aus den vorigen Überlegungen wird deutlich, dass ganzen Banken pleite gehen können (x<0), Abteilungen riesen Verluste einfahren können (x<0) und auch die Performance der gesamten Bank in den Keller reißen können (x0 aufweisen können und somit kräftig Bonus auszahlen.

Wahrscheinlich würde man unter dem ganz ganz großen Strich ein negatives x für die Finanzbranche eben rausbekommen. Aber das Bonussystem sind prinzipiell Call-Optionen und keine Forwards/Futures.

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