Devisen


Finanztransaktionssteuer
Die Finanztransaktionssteuer ist der große Aufmacher der Attac (Diese illusionorischen Weltverbesserer). Eigentlich war es mal nur so ein Gedankenexperiment von Herrn Tobin, der seine Idee aber im Nachhinein wohl eher abstrus hielt. Auf jedenfall kann sich Tobin nicht mehr zur Finanztransaktionssteuer äußern, weil er tot ist. Nach Meinung der ”Marktradikalen” sind Finanztransaktionssteuern Handelsbarrieren, und Handelsbarrieren sind Gift. Das zweite Gegenargument ist, dass eine Finanztransaktionssteuern die Transaktionskosten leicht erhöhen und somit knapp kalkulierte Arbitragegeschäfte unrentabel machen. Da diese Transaktionen dann entfallen sinkt das messbare Handelsvolumen/Marktliquidität, was tendenziell die messbare Volatilität/Marktpreisrisiko erhöht. Jedoch denke ich dass der FX-Markt noch als “liquide” gelten kann, wenn nur die Hälfte, ein Drittel, … des Handelsvolumen da ist. Ok, Instituten wie die Deutsche Bank würde es mit ihren Marktanteil von >20% am weltweiten Handel mit (redundanten) FX-Kontrakten garnicht gefallen (Sales runter, Vola rauf = SuperGAU). Abgesehen von den Interessen der Absatzchancen von Geschäftsbanken, brauchen Import/Export-Firmen maximal (redunanten) FX-Kontrakte um ihr Gaschäft zu hedgen – Und nicht das 10-fache. Warum es X-fach soviele (redundanten) FX-Kontrakte wie Import/Export/FDI selbst gibt, liegt eigentlich nur daran, weil Geschäftsbanken die geschriebenen FX-Kontrakte selbst wieder mit (redunanten) FX-Kontrakte bis zum Abwinken hedgen. Das ist dann auch das, was Bankenbosse damit meinen, wenn sie sich vor die Presse stellen und verlauten, dass mit einer Finanztransaktionssteuer alle diese schönen FX-Kontrakte dann nicht mehr billig sein werden – Und das sei dann super schlimm, gerade für die deutsche Exportwirtschaft (=Ein Panik-Button, wo jeder bitte schön anspringen solle).

Bankenabgabe
Die Bankenabgabe ist noch so ein Leck, wo sich Parasit Fiskus gerne drankletten würde. Erstens, kommen dabei nur Peanuts raus, was vielleicht reicht, um eine neue Hallo-X-Mrd-im-Bundestag-wie-sollen-wir-dich-ausgeben-Debatte anstoßen kann – Natürlich nur für voll sinnvolle Dinge, wie immer… haha … Zweitens, die Wirkung einer Bankenabgabe ist redundant! Es gibt nämlich schon Mittel wie die Mindestreservequote und Eigenkapitalanforderung an Banken im Besonderen. Andere “Wörter”, gleiche Wirkung. Aber Politiker sind einfach zu doof, um Folge-Ursache bzw. Kausalitäten zu erkennen (Ein anderes Wort, dann muss es ja auch etwas anderes sein). Es fehlt nur noch die EZB und Bundesbank, die endlich mal wahrnimmt, dass es ihre Aufgabe ist.

Wer bezahlt denn nun die Finanzkrise?
Das kann man am besten beantworten, wenn man sich fragt, wer (Geldansprüche) verloren hätte, wenn die Bundesregierung keine (Staats-)Banken gerettet bzw. (Geschäfts-)Banken verstaatlicht hätte. Antwort: Erstmal die Institutionellen. Folgefrage: Wer ist das? Oder besser: Für wen verwalten die das Geld? Antwort: Für Firmen bei denen Sie arbeiten, oder Ihnen gehören, Sie selbst in ihren dann schrottigen Vorsorgeprodukten, für mich, für eigentlich jeden Deppen in diesem Land. Zum großen Teil hätten also diejenigen verloren, die auch Steuern zahlen müssen, um z.B. die Staatsschulden zu bedienen. Sie sehen: Unter’m Strich hätten wir so oder so verloren.

So richte hier einen Countdown ein. Es kann am Ende gut, aber auch böse ausgehen – für die Volkswirtschaft, insb. in Europa hinsichtlich der Intensität, und hinsichtlich des Volumens für Nordamerika.

Lesehinweis: One Bite at a Time

“The Elephant is Large”

Der sovereign debt fraudster Griechenland hat diese Woche ganz schön den Euro in den Keller gezogen. Wir sind mittlerweile beim Greece/Germany Spread bei über 400 bp angelangt (d.h. die Differenz der Yields der 10-jährigen griechischen Staatsanleihe im Vergleich zur deutschen Staatsanleihe). Es ist vielleicht Zeit sich über Szenarien Gedanken zu machen.

Situation:

- Griechenland muss seine Staatsausgaben drosseln

- Griechenland fällt dies innenpolitisch sehr schwer (Siehe Riots, usw)

- Die anderen Euroländer wollen sich nicht erpressen lassen (d.h. Griechenland einen Bailout schenken).

- Die anderen Euroländer wollen den Euro nicht platzen lassen (d.h. Griechenland aus den Euro aussteigen lassen).

Euro vs Drachmen

- Griechenland wird mit dem Drachmen nur unter noch größeren Diskont sich Devisen beschaffen können (==> Spread würde richtig explodieren)

- Griechenland würde Gelddrucken (==> Hyperinflation, Alle Griechen verarmen)

- Mit Euros kann Griechenland sich nicht aus den Staatsschulden rausinflationieren.

==> Griechenland behält den Euro, weil es ein Eigeninteresse hat, aber nicht weil es die anderen Euroländer fiskalisch kratzen würde. Die Kaufkraft des Euros würde sich nicht ändern, nur weil Griechenland nicht seine Zinsen und Schulden tilgt.

Situation #2

- Kaum jemand will Griechenland Geld leihen

- Wenn jemand Griechenland Geld leiht, dann richtig teuer (Siehe Spreads)

- Griechenland wird das nicht bezahlen wollen

- Griechenland muss es aber bezahlen, um seine existierenden Schulden zu refinanzieren

- Darum will Griechenland einen niedrigeren Spread

==> Die Falle: Zu spät Griechenland!

Insolvenzfall #1 – Liquidation

- Kann sich ein Staat liquidieren? Jein!

- Nein, weil irgendetwas vom Staat übrig bleiben muss. Quasi das Backoffice…

- Ja, wenn es Assets hat. Sprich irgendetwas privatisieren kann.

Insolvenzfall #2 – Sanierung
Eine Staatspleite wird i.d.R. mit Hilfe des IMF als Kreditgeber abgewickelt. Das kann man mit dem Chapter 11 vergleichen.

- Griechenland muss einen Sanierungsplan für seinen Staatshaushalt vorlegen (unter Beratung des IMF)

- Der IMF vergibt quasi einen DIP-Loan an Griechenland, d.h. einen Sanierungskredit der am Sanierungsplan geknüpft ist und Super-Senior ist (==> Der drohende Super-Senior Status ist in diesem Fall mit ein Grund, warum Spreads auf die dann plötzlich untergeordneten Kredite anziehen).

- Griechenland ist dann zwar Debtor in Possession (DIP), aber wird sein “Possession” wie im Sanierungsplan angegeben privatisieren müssen bzw. einen Debt-for-Equity-Swap durchführen müssen (==> De Facto hat der DIP-Kredit-Geber das Sagen)

==> Innenpolitik: Die Griechen werden den IMF mehr hassen als Ihre Regierung.

==> Nachteil: Der IMF darf nicht Euroländer retten, weil sonst die ECB untergraben wird (Ist EU-Recht).

Insolvenzfall #3 – Bailout
Die anderen Euroländer räumen Griechenland eine üppige Kreditlinie ein mit schwammigen Bedingungen, wie unter Politikern üblich.

- Griechenland kann seine Neuverschuldung finanzieren, Zinsen tilgen und alte Schulden refinanzieren.

- Griechenland muss keine Einschnitte auf der Ausgabenseite vornehmen bzw. “so weiter machen wie bisher”

==> Innenpolitk: Die Bevölkerung wird “Konjunkturprogramme” fordern.

Fazit
Mit einer Sanierung a la IMF fährt Griechenland und die anderen Euroländer egentlich am besten. Die Griechen können alle Schlechtigkeiten auf den IMF zurückführen. Die Euroländer (die ja den IMF mitfinanzieren) brauchen sich auf keine innereuropäischen Blabla-Streitereien einlassen, die gar zu einer “anti-europäischen Stimmung” führen könnten. Problem ist, dass der IMF nicht Euroländer retten darf, weil dann die ECB ausgebootet wird, die darf aber widerum nach EU-Recht keine Extrawurst für einzelne Länder kochen ==> Ein Konstruktionsfehler des Euros?

Update #1 – Wie kann Berlin Griechenland helfen?
Per Überweisung sicherlich nicht. Aber angeenommen, was würde passieren, wie die BRD ankündigt (und es auch tatsächlich tut) und anstatt 60 Mrd (oder sonst wie viel) keine neuen Schulden aufnimmt, Nein, sogar noch mal ein paar Millarden vorzeitig tilgt? (Prepayment!) Dann werden sich einige Investoren nach neuen Anlagemöglichkeiten umsehen müssen, sodass dann auch Griechenland profitieren kann.
Aus einem anderen Blickwinkel kann man dem Monster-Spread von Griechenland auch etwas Gutes abgewinnen: Wird es anscheinend lukratkiver, renditereicher, risikoärmer wieder in Firmen zu investieren? Da floss im letzten Jahr trotz des ganzen Geschwafel über Kreditklemmen ziemlich viel über Schuldscheine rein.

Video und Diskussion gibt es auf Yahoo Finance:
Four Years Into The Worst Crisis In History And Still No Reform

EIn Lesetipp: “Does “hot money” drive China’s real estate and stock markets?” (Under Review, für die Zeitschrift “International Review of Economics & Finance”).

Die Autoren schlussfolgern, nachdem sie eine Menge Daten durch VAR- und MS-Modellen jagten,

The massive speculative funds or “hot money” inflows into China in recent years are believed to present various potential dangers to the domestic economy, since they typically move swiftly in and out of a market, and potentially create bubbles in the financial market.

Hier ist nochmal zu bedenken, dass das Paper nicht beantwortet, warum zuviel “Hot Money” nach China reinfließt…

Although the liquidity shock stemming from hot money constitutes a large portion of the volatility in real estate and stock markets, relatively little information is known as to what extent the speculative funds and other various underlying economic factors impact the two important markets…

…starting from 2003 there has been huge capital inflow in China, which can’t be explained by trade surplus or FDI…

…Specifically, the speculative funds aggravate the inflated short-term real estate price and obviously enhance the volatility of real estate market…

Was soll die chinesische Zentralbank tun?

Hence, the findings in this paper can be particularly informative and contain practical implications for the Chinese central bank in terms of conducting currency policies on international capital flows, considering that any large fluctuations in this regard could be detrimental to international trade and the smooth operation of financial markets.

… Fortsetzung der Serie “Dollar Absturz“…

Der Standard titelte Iran ersetzt Dollar durch Euro, der iranische englisch-sprachige Staatssender ebenfalls Iran replaces Dollar with Euro in FX, bei Reuters hört sich das so an Iran shifts to euro from dlr in calculating fund value, oder bei Bloomberg Iran Aims to Shift Forex Reserves From Dollar to Euro. In den deutschen Mainstream-Medien (z.B. Spiegel, Handellsblatt, usw) existiert dieses Thema nicht (Die beschäftigen sich lieber mit alltäglichen Atom-Drohungen und rethorischen Klogriffe des Diktator Ahmadinedschad). Ja gut Handelsboykott gegen Iran ist da schon näher dran am Thema: Warum sollte man US Dollar haben wollen, wenn man sich davon eh nicts kaufen “darf”? Egal, Iran preist nun in EUROs und nicht mehr in USD. Das ist gefährlich,… für die USA! Das riecht nach Krieg!!!. Dazu ein älterer Artikel vom 27 Okt 2007 “The Real Reasons Why Iran is the Next Target:The Emerging Euro-denominated International Oil Marker“, den ich mal eben gefunden habe.

Der Propaganda-Trick läuft ganz einfach: Rede über einen mittelfristigen Zeitraum der Bevölkerung ein, dass der Iran gefährlich ist (Atombomben) und total irre Terroristen (Antisemitismus) sind. Das erzeugt dann dieses “Saddam Raus”-Gefühl, eine Legitimation um andere Staaten in die Steinzeit zu bomben. Nichtzuletzt brauchen ja selbst die Soldaten, die als Kanonenfutter in Kriege geschickt werden, eine Art moralischen Grund, z.B. sie würde für Freiheit oder sowas kämpfen – Da kann man nicht einfach sagen: Hey Jungs wir bomben da alles dicht, ihr geht da vielleicht drauf, damit wir Fat Cats ordentlich Öl-Millarden scheffeln können – Da braucht man eine Herzblut-Tränen-Weichklopf-Story…

Es darf nur niemand bemerken, v.a. nicht die breite Bevölkerungen der Bündnisstaaten (z.B. NATO-Länder), dass unser kranker American Colossus von eigenen binnenwirtschaftlichen, innenpolitischen Problemen ablenken will, oder gar seine “offiziell nicht-existierende” Machtstellung als Weltherrscher erhalten will. Dazu noch ein allgemeiner Artikel zur kranken US-Wirtschaft: Finanzpolitische Hintergründe der aktuellen Geopolitik.

Nun wurde verkündet dass Exporte sich vielleicht anfangen zu stabilisieren. Gut, rund ein Fünftel weniger wie in der Boomphase, ist jetzt kein abwegiges Drama. Nur hat sich der Euro gegenüber den US-Dollar als doch ziemlich viel stärker erwiesen. Obwohl der US-Dollar gegenüber fast allen Währungen richtig Federn ließ. Ich kann mich irgendwie daran erinnern dass FX-Derivate so ein richtiger Kassenschlager bei deutschen Unternehmen in den letzten Jahren wurde. Nicht von ungefähr ist die Deutsche Bank der größte Anbieter von Devisenkontrakten weltweit. Ein nicht kleiner Teil der ungefähr eine Billionen großen Bilanzpositionen für Derivate in den Bücher der Deutschen Bank wird damit wohl etwas mit FX-Derivaten zu tun haben. Klar die Menschen flippen dieser Tage aus wenn man etwas von Derivaten erzählt. Wenn man FX mit echten unterliegenden Güterströmen macht ist das aber eine nette Dienstleistung zur Kalkulation von Import/Export-Geschäften. Natürlich braucht man auch eine Gegenposition die dann entgegengesetzte Güterströme sind oder – wie attac gerne betont – Spekulanten. Egal, aber welche Wirkung ergibt sich wenn so eine Import/Export Firma, Abteilung usw einen Teil des Währungsrisko los werden kann, dann nimmt man den einen oder anderen Auftrag doch an oder überzeugt einen ausländischen Geschäftspartner damit doch den Handschlag zu machen. Das ist in der (statischen) so nicht vorgesehen wo nach einem Regimewechsel im Wechselkurs – z.B. nach einer Notenbankintervention – auch mit leichten Zeitverzug die internationalen Guterströme wie gewünscht zu ändern haben. Dieser gewünschte Effekt erfährt mit signifkant großen Einsatz von FX-Derivaten eine zusätzliche Verzögerung mindestens um die durchschnittlichen Kontraktlaufzeiten. Folglich kann es durchaus sein dass geldpolitische Maßnahmen fast garkeinen kurz bis mittelfristigen Effekt auf den Außenhandel hat. In anderen Worten, nur aufgrund eines schwachen Dollars wird die USA nicht ihre Außenhandelsbilanz in eine andere Richtung drehen können.

Die USA wird die Notenpresse anwerfen und ihre Staatschulden weginflationieren. Jedoch wird Europa nicht so easy mitziehen können wie früher. Welchen Mitgliedstaat der Euro Zone soll denn die EZB wieviele neue Staatsschulden abkaufen? Früher . . . da war alles einfacher . . . Stimmt sogar. Dazu kommt dass in Westeuropa die Einwohner ziemlich verlustaversiv auf Inflation reagieren. Und wie war das nochmal mit der 3% Regel?
Die PPP wird den Dollar sowie das Pfund ziemlich gegenüber den Euro in den Keller rauschen lassen. Daneben wird der chinesische Renminbi wohl seine Unterbewertung nicht mehr halten können.
Wer wird in den nächsten Jahren oben stehen? Diejenigen Staaten die mit ihren geliehenen oder auch gedruckten Geld vielen Menschen dazu bewegen wertschöpfenden Sachen zu machen. USA und UK haben das nach Jahren von Offshoring verlernt. Die USA können noch ganz toll Bomben bauen aber keine zivilen Produkte mehr. Abgesehen davon ist deren technische Forschungskompetenz von Brain Drain anderer Länder abhängig was seit 9/11 nicht mehr so üppig fließt.
Was soll das Alte Europa und Asien von denen kaufen was sie nicht schon alleine hinbekommen? Das kommende Währungsmasaker wird nur feststellen dass die Anglo-Amerikaner ärmer sind als sie immer von sich behaupten.

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