17. November 2009
Am 10.11.2009 lief die WDR-Sendung Die Quarks-Arena – Die größten Tricks und Täuschungen des Alltags [MPEG-4], wo es allgemein über Täuschung ging.
Ich fand den Abschnitt mit den 5 größten Täuschungen im Supermarkt sehr interessant. Einiges habe war mir bereits bekannt außer dass “unbehandeltes” Obst und Gemüse, dann doch gespritzt sein darf. Irgendwie ist es schon pervers wie Hand in Hand operative Marketingsprüche mit juristischen Definitionswirrwarr einhergehen, nur um den Verbraucher ganz offizielle und legal zu belügen.
Dann kam der Abschnitt wo Prof. Benno Kunz (Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften der Universität Bonn) zeigte wie man künstlichen Käse (aka “Analogkäse”) zubereitet, wobei Kunz klarstellte, dass es kein “Käse” ist, aber nicht so ungesund sei wie man vielleicht ahnen mag (Hier geht es zur Unterschriftenaktion gegen Analogkäse des Deutschen Bauernverbands). Irgendwie wurde mir klar wie wenig darüber Bescheid weiß, was ich so mir reinschaufel. Dann kam der Gast Markus Lanz (ein ZDF-Moderator) hinzu und war offensichtlich empört und machte einen Blindtest, wo er diverse Produkte unserer lieben Lebensmittelindustrie erkostete.
Lanz meinte, dass es ein Unding sei, dass man ein Produkt zum Beispiel als Garnelen tituliert, obwohl es eigentlich nur eine verfestigte Matschepampe aus Fischmehl, Aromastoffe und Wasser ist und den Konsumenten via Verpackung suggeriert wird, es seien Garnelen. Gut der Herr Kunz kann als Chemiker dazu nicht viel sagen, weil er sich Verfahren ausdenkt, aber nicht das Zeug verkauft. Daher brachte er ein ganz anderes Problem, das Ressourcenproblem, auf den Tisch: Die kompletten Anbauflächen in der BRD würden nicht ausreichen nur um den Erdbeerjogurt herzustellen den wir alle 80 Mio wegmampfen. Es geht dann darum die Biomasse/Agrarprodukte möglichst komplett zu verarbeiten, also nichts wegzuwerfen… und natürlich auch etwas zu strecken.
In anderen Worten, die Lebensmittelchemie wird befeuert durch steigende Nachfrage (“Wohlstandsbäuche”) und den begrenzten Landflächen auf dieser Erde (Begrenzte Ressourcen), was dazu führt, dass wir immer Design-Food bzw. Fake-Food auf den Esstisch bekommen, was uns aber nicht mitgeteilt werden darf (Darum “Werbung”), da wir ansonsten weniger davon konsumieren könnten (aka “Sales Numbers”). Einerseits ist das Ressourcenproblem ein echtes dramatisches Problem, aber andererseits das Belügen von Konsumenten normativ extrem fraglich.
Zur Geschmacksfrage noch etwas: Man kann in der Akkustik ein sehr sauberen A-Ton erzeugen, was sich für Menschen extrem schrecklich anhört – Ganz im Gegensatz zu einem Musiker der mit seinem (analogen) Instrument ein A erzeugt. Der Trick beim erzeugen von Tönen ist die “Nicht-Perfektheit”, also die Frage nach dem “wie” und weniger nach dem “was”. Aus der Gesamtperspektive, also einer Reihenfolge von Tönen, ist ein “guter” Musiker ein solcher der Transponieren kann, was messbar sei in auf den ersten Blick nachvollziehbaren Frequenzen, die von einem “Perfekt”-denkenden Menschen als weißes Rauschen interpretiert werden könnte – Das ist natürlich falsch, weil es die tatsächliche Qualität des Musikstücks ist. Beim Geschmack von Lebensmitteln isst das so ähnlich – Nur kann man nicht verlangen, dass bei allen Menschen die Geschmacksnerven schon längst verstümmelt sind…
Zum Weintest, wo zwei Weintester einen Fake-Wein besser fanden als den Echten Wein fällt wir folgendes ein:
… Opium >>> Morphium >>> Heroin
Das basiert auf dem Prinzip, dass man den Wirkstoff konzentriert. Wenn man lediglich das wesentliche Aroma eines Weins herausfindet, und meinetwegen dann auch synthetisch herstellt und in höheren Konzentrationen als Fake-Wein abfüllt, dann wundert es mich nicht, wenn ein Weintester über das Aroma-Feuerwerk sich erfreut…