24. Dezember 2009
A) Einleitung
Die Analogie ist ein wichtiger, weit verbreiteter Weg der Wissenserzeugung. Die Wissenserzeugung kann in die Analogienbildung, der Kombination, und Echtes Neues Wissen differenziert werden.
Echtes Neues Wissen sind grundlegende, fundamentale, orginäre Entdeckungen, die selten vorkommen und nicht wirklich klar ist bzw. wilde Spekulation ist, welche Gedankenvorgänge im Spiel waren.
Die Analogie und Kombination basieren auf existierenden Wissen, und sind daher hinsichtlich ihres Neuheitsgrad begrenzt.
Kombination ist die Vermengung zwei oder mehrere existierende Wissen bzw. Teilwissen. Dies bedarf umgangssprachlich die Fähigkeit das Chaos zu beherrschen, weil durch Kombinationen i.d.R. ein komplexes System entsteht (in Relation zu den Teil-/Wissen), das aber sich als nützlicher, ressourcenärmer, oder weniger komplex als ein zu substituierendes System erweisen kann.
Analogiebildung ist die Transformation eines existierendes Wissen in einen anderen Kontext. Dies bedarf Vorstellungskraft und v.a. kontextbezogenes Wissen aus diversen Anwendungsdisziplinen. Die Analogie ist seit jeher sehr beliebt und verbreitet, z.B. Methaphern, Parabeln, Binsenweißheiten.
Die Kombination und Analogienbildung sind die hauptsächlichen Denkprozesse, welche von der Masse der Menschen verwendet werden, um sich ”schöne neue Dinge” auszudenken. In anderen Worten: Fast alles was sich Menschen ausdenken, kann auf Analogien, Kombinationen oder beides zurückführen.
B) Ab- & Auftauchen
Der wohl wichtigste Schritt in der Analogienbildung (als auch in der Kombination, wo dieser Zwischenschritt komplexitätsreduzierende Ansätze liefern kann) ist die Verfremdung des Objekts bzw. Abstraktion auf zu grundeliegende Mechanismen, Funktionsprinzipen. Dies passiert oft Ad-Hoc unbewusst, oder wird auch mit Absicht initiert. In der Technik wurden diesbezüglich eigene Vorgehensmethodiken entwickelt, z.B. TRIZ, Konstruktionskataloge, Bionik (Im F&E Management wird i.d.R. irgendein ”Knowledge Management System” angepreist). Im Anschluss wird das zu grundeliegende Prinzip in den gewünschten Kontext eingebettet, und via qualitativer Überlergung, Experiment oder Simulation validiert ob die implizierten Wirkungen, Folgen, Interpretationen, etc. plausibel, zutreffend, übertragbar sind. Dieser letzte Schritt ist mühsam und wird oft vernachlässigt, sodass dem Gedankenprozess Außenstehende oft mit Aussagen wie ”Das Problem ist nicht übertragbar” reagieren, weil ”sich die ganze Sache ziemlich abwegig anhört”. Während sowohl für die Analogie als auch Kombination der erste Ansatz, die Initialidee, Eureka, etc. relativ schnell und resourcenarm von statten geht, ist die klare, transparente Dokumentation sehr zeitraubend, arbeitsintensiv und kann sich am Ende auch als ”Verlorene Mühen” herausstellen.
C) Üben, Üben, Üben…
So eine Blitzidee, um irgendetwas zu kombinieren oder als Analogie auf irgendetwas zu übertragen, kommt innerhalb von Millisekunden (Darum ”Blitz”-Idee) zumeist unverhofft, aus Versehen, in den komischsten Situationen, beim Träumen, usw. Jedoch ist ”Zeit im Verzug”, weil so ein Eureka oder Blitzidee i.d.R. nur für wenige Sekunden im Kurzzeitgedächtnis verweilt, und im Anschluss ”nimmer wiedersehen” gelöscht wird, oder in den ”Tiefen Weiten” der nicht gezielt abrufbaren Speicherregionen des Gehirns sich verliert. Das Vergessen ist eine sehr wichtige Schutzfunktion für Menschen (Darum kann die ”Homo Economicus”-Annahme nicht klappen, weil wir dann alle ”verrückt” wären, einen ”Kurzschluss bekommen” oder uns allen schlicht ”der Schädel explodieren” würde; Die Menschheit wäre schon lange vor Jahrtausenden von den anderen Lebenwesen aufgefuttert wurden, weil manchmal muss man einfach nur wegrennen und nicht überlegen).
Sie haben ungefähr genug Zeit in den Nachbarraum zu Stift und Papier zu hechten, aber auf dem weg dorthin und auch in den folgenden halben Minuten sollte Ihnen niemand ”ins Gehirn quatschen”, denn Ablenkungen überschreiben den Kurzzeitgedächtnis-Speicher. Es sollte auch immer ein ”weißes leeres Blatt Papier” sein, weil die Wahrnehmung anderer Buchstaben, Worte, Zahlen, Formeln, Bildchen, Kritzeleien bereits ihre Blitzidee beeinflussen und folglich abschwächen können – Sie könnten unbewusst, ungewollt eine alte Idee mit einer neuen kombinieren. Ein anderer Ansatz ist das Diktiergerät, das Mobiltelefon, etc., was Sie immer bei sich haben, und per Knopfdruck sofort ihre Blitzidee reinschreien können – Für Außenstehende sieht das u.U. ziemlich komisch aus, was folglich nicht jedermanns Geschmack ist.
Die Wahl einer effektiven Aufzeichnung hängt v.a. von ihren Lerntyp ab, also was können Sie am Besten? Lesen, Schreibe, Hören, Sagen? Daraus müssen Sie für sich persönlich einen angenehmen Mix finden, woraus sich dann ableitet was geeignete Mittel zur Aufzeichnung sein könnten. Jedoch kann das Anfangen enttäuschend sein, weil Dinge wie das Diktiergerät zücken, den Notizblock herauskramen, in den Nachbarraum hechten, etc. bereits Ablenkungen darstellen. Die Vorgänge müssen erst automatisiert werden, d.h. das schnelle und unbewusste Ausführen. Darum: Üben, Üben, Üben…
Ich selbst benutze ein Karteikartensystem im DIN A6 Format für meine Blitzideen. Zuvor habe ich es schon mit einem Mini-Notizblock für die Hosentaschen, oder einen simplen Schreibblock probiert. Ist eigentlich auch nicht so wichtig. Wichtig ist, dass sich über der Zeit ganz viele kleine Idee angesammelt haben. Man öffnet die Box flippt ein bisschen da durch oder zieht sich einfach eine Karte, und schreibt etwas hinzu: Die Idee reift ein bisschen weiter. Aber Achtung, schnell wieder zurücklegen, weil eigentlich sind das Dinge die Sie hätten vergessen sollen – Bedenke die (Selbst-)Schutzfunktion des Vergessens! Andererseits ergeben sich Vorteile. Beispielsweise wenn Chef kommt mit einem ”Problem” an, und einem fällt auf Anhieb nichts ein, aber errinnert sich, dass ”in der Schublade” noch etwas herumliegt, was vielleicht direkt hilft oder zumindestens die Gehiraktivitäten stimulieren könnte.
D) Dysfunktionale Prozesse
Das Problem mit der ”Ausgereiftheit der Dokumentation” und dem ”Unverständnis Außenstehender” kann schwerwiegende Folgen haben! Im Management bzw. der Organisationslehre wird oft postuliert, dass irgendein Entscheider zwischen Alternativen auszuwählen hat, und es eine klare Arbeitsteilung zwischen diesem Entscheider und dem Generator der Alternativen zu geben hat. Das stimmt insofern wegen des multikriteriellen Zielsystems der Organsiation, was der Entscheider versucht optimal zu befriedigen, und der Gefahr des ”Mein-Baby-Syndrom” seitens des Ideengebers. Jedoch kann es passieren, dass ein Entscheider den Bemühungen des Ideengebers zu wenig Wertschätzung zollt, oder gar abwertend kritsiert – Dies muss noch nicht mal aus der Ablehung einer bereitgestellten Alternative herrühren. Das Problem kann zwei Ursachen haben, die auch gleichzeitig vorliegen können. Erstens, der Ideengeber hat seine Idee nicht soweit dokumentiert, dass diese kommuniziert werden kann und folglich auch nicht verstanden wird (z.B. ”unserer Chef hat von Nichts eine Ahnung! Typisch Management-Fuzzi!”). Zweitens, der Entscheider hat nur eine wage Vorstellung über den Arbeitsaufwand, der mit dem systematischen Erzeugen von Ideen zusammenhängt (z.B. ”Warum kommen die mit immer Sachen angekleckert, die keine Sau braucht! Wofür werden die überhaupt bezahlt?”). Bereits eines der beide Gründe reicht aus, um einen dysfunktionalen Organisationsprozess aufkeimen zu lassen, der durch Symptome wie Schuldzuweisungen, Streitereien, Beledigungen, Abwertungen, und vieles mehr begleitet wird , was sich natürlich selbstverstärkt. Die beidseitigen Wissensunterschiede zwischen Entscheider und Ideengeber sind zu groß, dass mögliche Projekt-Ungewissheiten für eine mögliche Implementierung garnicht erst identifiziert werden, der Koordinationsbedarf explodiert, der Fokus auf die eigentliche Arbeit verschwindet. Das Gesamtergebnis strebt gegen Null.
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Nachtrag zur ”Wirtschaftskrise”:
Mitarbeiter sind durch die nicht so dolle Wirtschaftslage seit einiger Zeit verunsichert, manchmal auch verängstigt. Daher wollen diese sich auch nicht ”blöd anstellen” oder gar ”auffallen” (duck and cover!). Blöderweise ist ”Abwarten und Teetrinken” in der Hoffnung, dass sich aus heiterem Himmel (durch einen ”Gott”) die wirtschaftliche Lage verbessert nichts weiter als Starre und Untätigkeit oder auch das Warten auf den Tod des Unternehmens. Also keine Option für Führungskräfte (Untätigkeit und Führung ist ein Widerspruch in sich!). Es wäre daher sinnvoll für (selbsternannte) Führungskräfte (oder solche die einen “Manager”-Titel auf der Visitenkarte stehen haben) sich über den oben genannten Teil “Dysfunktionale Prozesse” Gedanken zu machen: Liebe Manager ihr braucht die Ideen der Mitarbeiter, sonst wird das Nix mit dem “gestärkt aus der Krise kommen”! Gerade blöde, nicht offensichtliche, eigenartige, abgefahrende, unkonventionelle, komische, … Alternativen (also Ideen) sind gefragt: 1) mag es neue Geschäftsmöglichkeiten aaufzudecken, 2) mag es bei den Mitarbeiter beruhigen, weil sie sehen, dass was passiert bzw. dass es Hoffnung gibt, 3) Mitarbeiter bekommen das Gefühl gebraucht zu werden.