Steuern


Soweit ich das sehe stehen die Gründungen der “Bad Banks” FMS Wertmanagement (HRE) und Ersten Abwicklungsanstalt (WestLB) auf tönernden Füßen, weil die zwingend erforderliche Neubewertung der Vermögensgegenstände nicht durchgeführt wurde. Daher haben Soffin & Co die Tür ganz weit aufgerissen für eine Rückabwicklung dieser beiden Deals. Jetzt muss sich nur noch jemand finden der sich da durchklagt.

Finanztransaktionssteuer
Die Finanztransaktionssteuer ist der große Aufmacher der Attac (Diese illusionorischen Weltverbesserer). Eigentlich war es mal nur so ein Gedankenexperiment von Herrn Tobin, der seine Idee aber im Nachhinein wohl eher abstrus hielt. Auf jedenfall kann sich Tobin nicht mehr zur Finanztransaktionssteuer äußern, weil er tot ist. Nach Meinung der ”Marktradikalen” sind Finanztransaktionssteuern Handelsbarrieren, und Handelsbarrieren sind Gift. Das zweite Gegenargument ist, dass eine Finanztransaktionssteuern die Transaktionskosten leicht erhöhen und somit knapp kalkulierte Arbitragegeschäfte unrentabel machen. Da diese Transaktionen dann entfallen sinkt das messbare Handelsvolumen/Marktliquidität, was tendenziell die messbare Volatilität/Marktpreisrisiko erhöht. Jedoch denke ich dass der FX-Markt noch als “liquide” gelten kann, wenn nur die Hälfte, ein Drittel, … des Handelsvolumen da ist. Ok, Instituten wie die Deutsche Bank würde es mit ihren Marktanteil von >20% am weltweiten Handel mit (redundanten) FX-Kontrakten garnicht gefallen (Sales runter, Vola rauf = SuperGAU). Abgesehen von den Interessen der Absatzchancen von Geschäftsbanken, brauchen Import/Export-Firmen maximal (redunanten) FX-Kontrakte um ihr Gaschäft zu hedgen – Und nicht das 10-fache. Warum es X-fach soviele (redundanten) FX-Kontrakte wie Import/Export/FDI selbst gibt, liegt eigentlich nur daran, weil Geschäftsbanken die geschriebenen FX-Kontrakte selbst wieder mit (redunanten) FX-Kontrakte bis zum Abwinken hedgen. Das ist dann auch das, was Bankenbosse damit meinen, wenn sie sich vor die Presse stellen und verlauten, dass mit einer Finanztransaktionssteuer alle diese schönen FX-Kontrakte dann nicht mehr billig sein werden – Und das sei dann super schlimm, gerade für die deutsche Exportwirtschaft (=Ein Panik-Button, wo jeder bitte schön anspringen solle).

Bankenabgabe
Die Bankenabgabe ist noch so ein Leck, wo sich Parasit Fiskus gerne drankletten würde. Erstens, kommen dabei nur Peanuts raus, was vielleicht reicht, um eine neue Hallo-X-Mrd-im-Bundestag-wie-sollen-wir-dich-ausgeben-Debatte anstoßen kann – Natürlich nur für voll sinnvolle Dinge, wie immer… haha … Zweitens, die Wirkung einer Bankenabgabe ist redundant! Es gibt nämlich schon Mittel wie die Mindestreservequote und Eigenkapitalanforderung an Banken im Besonderen. Andere “Wörter”, gleiche Wirkung. Aber Politiker sind einfach zu doof, um Folge-Ursache bzw. Kausalitäten zu erkennen (Ein anderes Wort, dann muss es ja auch etwas anderes sein). Es fehlt nur noch die EZB und Bundesbank, die endlich mal wahrnimmt, dass es ihre Aufgabe ist.

Wer bezahlt denn nun die Finanzkrise?
Das kann man am besten beantworten, wenn man sich fragt, wer (Geldansprüche) verloren hätte, wenn die Bundesregierung keine (Staats-)Banken gerettet bzw. (Geschäfts-)Banken verstaatlicht hätte. Antwort: Erstmal die Institutionellen. Folgefrage: Wer ist das? Oder besser: Für wen verwalten die das Geld? Antwort: Für Firmen bei denen Sie arbeiten, oder Ihnen gehören, Sie selbst in ihren dann schrottigen Vorsorgeprodukten, für mich, für eigentlich jeden Deppen in diesem Land. Zum großen Teil hätten also diejenigen verloren, die auch Steuern zahlen müssen, um z.B. die Staatsschulden zu bedienen. Sie sehen: Unter’m Strich hätten wir so oder so verloren.

In Ländern mit alternder Bevölkerung wie Deutschland werden mehr und mehr Rentner-in-spe existieren die heute und in der Vergangenheit ihr Erspartes in diverse Produkte von Fondsgesellschaften gepumpt haben. Solche Fondsgesellschaften sind nicht unbedingt auf die üblich verdächtigen Anbieter von Publikumsfonds beschränkt. Wo werden denn die Betriebsrenten, Versicherungsbeiträge, usw reingepumpt? Am Ende landet es so oder so in Corporate Bonds/Mezz/Equity und Sovereign Bonds – Direkt (z.B. Bundesfinanzagentur, Aktien/Anleihen), oder indirekt (z.B. Publikumsfonds, Verbriefungen), oder noch indirekter (z.B. ETFs, Swaps). Eigentlich kann man Sovereign Bonds wegschmeißen, weil man nach Abzug der Inflation ca. auf 0 kommt (Außer vielleicht eben Griechenland & Co.; Außerdem sollte jeder der von Sovereigns als Anlage schwärmt aber gleichzeitig im Bund der Steuerzahler ist sich wegen Schizophrenie in Behandlung geben). Mit 0 wird wohl bei keinen Rentner-in-spe der Wohlfühl-Lebensabend wie erhofft. Und wenn dann erstmal das “in-spe” nach und nach zur Realität wird, dann schwenken die ganzen Vorsorge-Fonds von Thesaurisierung auf Auszahlung um. Ob diese Auszahlungen dann Zinsen oder Dividenden ist herzlich egal, denn Hauptsache die privaten Renten können gezahlt werden.

Wir kommen zu denn Punkt wo sich Firmen fragen sollten, wer von demographisschen Standpunkt aus finanzieren soll? Können Firmen in Zukunft den Ruf nach höheren Dividenden und Kupons folgen? Und gibt das ROA überhaupt her?

Die Politiker schickten sich mit ihren doofen Riestern und Rürupen an den Baum mit den goldenen Früchten gefunden zu haben, weil sie merkten, dass das Adenauer-Märchen rechnerisch nicht aufgeht. Jedoch ist nur das Problem verschoben wurden:
- Die Überalterung der Bevölkerung,
- Die Nicht-Undlichkeit des Wirtschaftswachstum

Ich will die Konsequenzen nicht beim Namen nennen (um hier nicht als Miesepeter im Internet zu stehen). Witzig wird es nicht… in dieser bösen “2030 Vision”.

So richte hier einen Countdown ein. Es kann am Ende gut, aber auch böse ausgehen – für die Volkswirtschaft, insb. in Europa hinsichtlich der Intensität, und hinsichtlich des Volumens für Nordamerika.

Lesehinweis: One Bite at a Time

“The Elephant is Large”

Die Debatte ob sich eine Regierung zum Hehler macht wenn sie Steuerbetrüger überführen will ist schon so ein Ding. Klar Datenschutz, Bankgeheimnis, Schrottsteuersystem und so weiter, Stimmt ja auch.

Datenschutz. Das gehört zu einer Demokratie dazu, dass der Staat nicht alles über seine Bürger wissen muss, um dies für “sonstige Zwecke” zu missbrauchen oder dies auch anzudrohen. Wir leben weder in Nazi-Deutschland noch in der DDR.

Das Bankgeheimnis geht natürlich damit einher, dass ein Bürger auch brav ehrlich seine Steuern zahlt – Egal ob er das Steuersystem gut oder schlecht findet. Das nehmen die meisten Menschen aus den gewissen Alpenrepubliken als selbstverständlich an. Aber tun das auch die deutschen Kunden?

Ja unser Steuersystem ist genauso bescheiden wie unsere Politiker. Jedoch legitimiert das nicht eine Art Selbstjustiz seine Steuern nicht zu zahlen – Das ist ein falsches Ungerechtigsgefühl, liebe Steuerbetrüger.

Nur diejenigen die kaufmännisch zu doof sind haben es nötig den Fiskus zu bescheißen.

Der sovereign debt fraudster Griechenland hat diese Woche ganz schön den Euro in den Keller gezogen. Wir sind mittlerweile beim Greece/Germany Spread bei über 400 bp angelangt (d.h. die Differenz der Yields der 10-jährigen griechischen Staatsanleihe im Vergleich zur deutschen Staatsanleihe). Es ist vielleicht Zeit sich über Szenarien Gedanken zu machen.

Situation:

- Griechenland muss seine Staatsausgaben drosseln

- Griechenland fällt dies innenpolitisch sehr schwer (Siehe Riots, usw)

- Die anderen Euroländer wollen sich nicht erpressen lassen (d.h. Griechenland einen Bailout schenken).

- Die anderen Euroländer wollen den Euro nicht platzen lassen (d.h. Griechenland aus den Euro aussteigen lassen).

Euro vs Drachmen

- Griechenland wird mit dem Drachmen nur unter noch größeren Diskont sich Devisen beschaffen können (==> Spread würde richtig explodieren)

- Griechenland würde Gelddrucken (==> Hyperinflation, Alle Griechen verarmen)

- Mit Euros kann Griechenland sich nicht aus den Staatsschulden rausinflationieren.

==> Griechenland behält den Euro, weil es ein Eigeninteresse hat, aber nicht weil es die anderen Euroländer fiskalisch kratzen würde. Die Kaufkraft des Euros würde sich nicht ändern, nur weil Griechenland nicht seine Zinsen und Schulden tilgt.

Situation #2

- Kaum jemand will Griechenland Geld leihen

- Wenn jemand Griechenland Geld leiht, dann richtig teuer (Siehe Spreads)

- Griechenland wird das nicht bezahlen wollen

- Griechenland muss es aber bezahlen, um seine existierenden Schulden zu refinanzieren

- Darum will Griechenland einen niedrigeren Spread

==> Die Falle: Zu spät Griechenland!

Insolvenzfall #1 – Liquidation

- Kann sich ein Staat liquidieren? Jein!

- Nein, weil irgendetwas vom Staat übrig bleiben muss. Quasi das Backoffice…

- Ja, wenn es Assets hat. Sprich irgendetwas privatisieren kann.

Insolvenzfall #2 – Sanierung
Eine Staatspleite wird i.d.R. mit Hilfe des IMF als Kreditgeber abgewickelt. Das kann man mit dem Chapter 11 vergleichen.

- Griechenland muss einen Sanierungsplan für seinen Staatshaushalt vorlegen (unter Beratung des IMF)

- Der IMF vergibt quasi einen DIP-Loan an Griechenland, d.h. einen Sanierungskredit der am Sanierungsplan geknüpft ist und Super-Senior ist (==> Der drohende Super-Senior Status ist in diesem Fall mit ein Grund, warum Spreads auf die dann plötzlich untergeordneten Kredite anziehen).

- Griechenland ist dann zwar Debtor in Possession (DIP), aber wird sein “Possession” wie im Sanierungsplan angegeben privatisieren müssen bzw. einen Debt-for-Equity-Swap durchführen müssen (==> De Facto hat der DIP-Kredit-Geber das Sagen)

==> Innenpolitik: Die Griechen werden den IMF mehr hassen als Ihre Regierung.

==> Nachteil: Der IMF darf nicht Euroländer retten, weil sonst die ECB untergraben wird (Ist EU-Recht).

Insolvenzfall #3 – Bailout
Die anderen Euroländer räumen Griechenland eine üppige Kreditlinie ein mit schwammigen Bedingungen, wie unter Politikern üblich.

- Griechenland kann seine Neuverschuldung finanzieren, Zinsen tilgen und alte Schulden refinanzieren.

- Griechenland muss keine Einschnitte auf der Ausgabenseite vornehmen bzw. “so weiter machen wie bisher”

==> Innenpolitk: Die Bevölkerung wird “Konjunkturprogramme” fordern.

Fazit
Mit einer Sanierung a la IMF fährt Griechenland und die anderen Euroländer egentlich am besten. Die Griechen können alle Schlechtigkeiten auf den IMF zurückführen. Die Euroländer (die ja den IMF mitfinanzieren) brauchen sich auf keine innereuropäischen Blabla-Streitereien einlassen, die gar zu einer “anti-europäischen Stimmung” führen könnten. Problem ist, dass der IMF nicht Euroländer retten darf, weil dann die ECB ausgebootet wird, die darf aber widerum nach EU-Recht keine Extrawurst für einzelne Länder kochen ==> Ein Konstruktionsfehler des Euros?

Update #1 – Wie kann Berlin Griechenland helfen?
Per Überweisung sicherlich nicht. Aber angeenommen, was würde passieren, wie die BRD ankündigt (und es auch tatsächlich tut) und anstatt 60 Mrd (oder sonst wie viel) keine neuen Schulden aufnimmt, Nein, sogar noch mal ein paar Millarden vorzeitig tilgt? (Prepayment!) Dann werden sich einige Investoren nach neuen Anlagemöglichkeiten umsehen müssen, sodass dann auch Griechenland profitieren kann.
Aus einem anderen Blickwinkel kann man dem Monster-Spread von Griechenland auch etwas Gutes abgewinnen: Wird es anscheinend lukratkiver, renditereicher, risikoärmer wieder in Firmen zu investieren? Da floss im letzten Jahr trotz des ganzen Geschwafel über Kreditklemmen ziemlich viel über Schuldscheine rein.

So selber Schuld CDU/CSU/FDP. Wir haben alle gehofft, dass nun Politiker in die Regierung kommen, die elementare Grundrechenarten, wie Addition und Subtraktion, können. Mehr muss man im Rechnungswesen bzw. der Haushaltsführung nicht können. Aber irgendwie war das wohl nur so eine Hoffnung – Desperado!

Habe noch eine hübsche Homepage gefunden, wo eigentlich die meisten Infos zur Staatsverschuldung kurz und knapp angesprochen werden: http://www.staatsverschuldung.de

Die BRD hat als Ganzes enorme Schulden, und es gibt für die Schulden nur eine Rchtung: Up Up Up! und das Problem wird durch die zusätzlichen Zinsverpflichtungen nicht kleiner. Die Schuldenbremse wird nicht dazu führen das ein Finanzminister in Zukunft an Beliebtheit gewinnen wird: Es werden unbequeme, unpopuläre Entscheidungen auf der Staatsausgabenseiten zwangsläufig getroffen werden. Und hier kommt Wolfgang Schäuble ins Spiel.

(1) Wolfgang Schäuble ist nicht der beliebteste Politiker im großen Berliner Theater. Nein, ich würde sogar sagen, dass weite Teile der Bevölkerung diesen Mensch sogar hassen, auf ihn spucken oder mit Schuhen nach ihn werfen würden – Natürlich nur bildlich.
(2) Hinzu kommt, dass Schäuble bereits relativ alt ist und sich wohl keine Sorgen um seine Politiker-Karriere machen dürfte – Die hat er nämlich schon hinter sich.
(3) Wolfgang Schäuble hat dieses “dominante” und zwar jeden Kritiker in Grund und Boden zu reden – Ein Killer.

Das sind genau die Eigenschaften, die jemand mitbringen muss um (unvermeidbar) unpopuläre Entscheidungen auf seine Kappe zu laden, und gleichzeitig auch den potentiellen Imageschaden seiner Partei auf sich zu lenken.
(1) Schäuble ist bereits unpopulär.
(2) Schäuble ist keinem “Karriere-Risiko” ausgesetzt
(3) Schäuble ist durchsetzungsfähig/mächtig.

Man muss sich dann auch mal die Alternativen angucken, am Beispiel Guttenberg:
(1) Ein Guttenberg würde sich gnadenlos verheizen als Finanzminster.
(2) Seine Politiker-Karriere wäre wohl nach einer Legislaturperiode beendet,
(3) Politisch ist er noch ein “kleiner Junge”, der gegenüber ein Dutzend Minister “klein beigeben” würde.

Dieses beispielhafte Kontinuum sollte bereits verdeutlichen, was die Personalentscheidung “Schäuble” für Konsequenzen andeuten könnte: Schäuble ist der designierte Sündenbock für die Einschnitte bei Staatsausgaben… die kommen werden…

Und das letzte ist dann die Aussage dieses Blogeintrags:
- Die Wahlversprechen von CDU/CSU/FDP waren Lügen, abstruse Wunschvorstellungen dessen Unmöglichkeit A Priori bekannt waren.
- Die Koalition von CDU/CSU/FDP versucht bereits die Schalter so zu legen, dass ihre eigene Wählerklientel das Blamestorming auf wenige designierte Personen lenkt und nicht auf die Parteien selbst.

… so ist das, wenn immer Hurra schreit, wenn jemand schreit “im Himmel ist Jahrmarkt”. Die Deutschen haben die Katze im Sack gewählt, in der Hoffnung dass Probleme verschwinden indem man die Augen zumacht…

Gestern habe ich ZDF geguckt, und da lief “Trittin vs Westerwelle” (grün, gelb), wo ich doch den krassen Niveauunterschied im direkten Vergleich zu dem oberflächlichen Geplätscher von “Merkel vs Steinmeier” (schwarz, rot) hörte.

Eben lief auf dem ZDF “Wagenknecht vs Niebel” (rosa, gelb). Mir ist vor allem eines aufgefallen, dass was mir vor vielen Jahren bei der SPD nicht gefiel – Dieses Herumargumentieren und Herumdoktorn an SYMPTOMEN – bei der Frau Wagenknecht in sehr starker Art und Weise zu Tage trat. Ich finde das ja schön, dass es Leute wie die Wagenknecht gibt, die Symptome erkennen (und nicht abgehoben vom hohen Ross runter gucken). Aber wirklich nicht: Probleme werden nicht gelöst indem das Gegenteil eines unerfreulichen Symptoms in ein Gesetz schreibt (Man schießt keine Rakete in das Weltall, indem man die Gravitation beschimpft und befielt sie solle sich umkehren).

Vorab es sind da ein paar Begriffsfehler drin weil fachlich für mich Steuerrecht etwas von einem ganz ganz weiten Stern ist. Ein Kumpel (ein Hüter des Steuerrechts gegenüber dem Staat) hat mir dann nochmal ausdrücklich gesagt das die ganz große Umverteilung, Geschenkerei, Subvention, usw in der Spanne zwischen Brutto und zu versteuernden Einkommen stattfindet (Hier kommen die “Steueroptimierer” ins Spiel). Genau das habe ich in der ersten Version dieses Blogeintrags fälschlicherweise gleichgesetzt, sodass ggf in den Grafiken das Wort “Bruttoeinkommen” durch “zu versteuernden Einkommen” zu ersetzen ist (Das ist dieses Verspiel wie bei der Handels- vs Steuerbilanz). Da kommt es immer darauf an zu welcher Klientel mit welchen eingebauten systematischen und legislaturabhängigen Geschenkeempfangsgerät man gehört, wenn man konkret wissen will was “Netto” nun Sache ist. Ich mache es mir bequem weil ich die ganzen unstetigen staatlichen Tradeoffs garnicht erst angucke (“Flickenschusterei”).
Das würde ein bißchen den Rahmen der folgenden Ausführungen sprengen und wäre an dieser Stelle des Entwicklungsprozess nicht wichtig (Flickenteppich zurecht basteln geht immer noch).

STEUERMODELLCHEN

In der folgenden Grafik ist der Anstieg des Steuerbetrags je 100 Euro Steigerung der zu verteuernden Einkommen (im folgenden kurz: ZVE) nach EStG 32a aufgemalt. Der rote etwas zackige Verlauf kommt durch das Runden auf Euros, was ich aber nachfolgend weglassen werde.

Anstieg des Steuerbetrags je 100 Euro ZVE Steigerung

Im vorangegangenen Blogeintrag habe ich ein anderes Modell angedeutet. Wenn man darin nun anstatt 3, 4 oder 5 Tarifklassen ganz viele Tarifklassen nimmt, z.B. 10000 Klassen, dann kommt das folgende dabei raus (Annahme: Ab 6000 Euros steigt der Steuertarif linear von 10% auf 50% bis 60000 Euros! Aber Achtung nicht wie in EStF 32a, sondern wie hier).

staffel

Nun modifiziere mein Steuermodellchen ein bisschen (folgendes Bildchen; ich ergänze die Formel später irgendwann noch).
staffel2

In obigen Grafiken wurde ein absoluter Anstieg des ZVE angenommen (100 Euros). Nun wird das ganze prozentual betrachtet (hier +1%). Die folgende Grafik zeigt wieviel vom ZVE-Anstieg übrig bleibt. Der blaue Verlauf ist das aktuelle EStG 32a. Die rote Linie ist neue Steuermodellchen (siehe Grafik vorher).

Beim EStG 32a gibt es 2 1/2komische Dips. Der erste Dip ist, wenn man plötzlich diese 7xxx Euros überschreitet und plötzlich Steuern blechen soll. Richtig hoffungslos wird es wenn das Gehalt dann in Richtung Dip 12xxx ansteigt. Kein Wunder dass es so viel Schwarzarbeit gibt (Das ist ein generelles Problem beim Eintritt in den Steuerbereich, den ich auch nicht lösen kann). Wenn man dann in Richtung 2xxx ZVE pro Monat geht lohnen sich diese ZVE-steigerungen wieder. Aber danach wird man bis zum Dip bei 5xxxx Euros nicht wirklich glücklich – Da greift sich der Staat ordentlich und immer mehr von ZVE-steigergungen ab. Darüber hinaus bekommt wieder mehr von den ZVE-steigerungen ab, was dann sofort Neider auf den Plan wirft die vermeidlich “Reiche” besteuern wollen.

Beim neuen Steuermodellvorschlag (rote Linie) werden diese Effekte abgemildert. Selbst wenn ich die rote Linie auf das 8×10^3 runterziehe, wird diese extremen Dips wie in EStG weniger. Wenn nun aus der steuerfreien Zone rauskommt, lohnt sich jede ZVE-steigerung sofort. Und dieser Effekt dass mit steigenden “Mittelschichts”einkommen der Staat sich stärker (parasitär) an ZVE-steigerungen bedient wird kaum noch wahrnehmbar.

prozent

AUSBLICK

- Ok, eine Sache habe ich noch nicht betrachtet: Kann der Staat damit überhaupt genug Steuergeld zusammen sammeln? Das weiß ich nicht, könnte es aber ausrechen. Dafür bräuchte ich den entsprechenden Datensatz vom Fiskus.

Modellierung

- Mein Kumpel (Such Dir mal einen kurzen Fakename!) meinte man konnte einen negativen Einkommenssteuertarif basteln. Das wäre dann ein Offset zu Sozialleistungen in der bisher steuerfreien Zone. Der Vorteil wäre das man den diesen Jump beim Eintrittssteuertarif besser wegglätten könnte.

- Ich dachte noch darüber nach die Transferzahlungen (und einige sonstige Geschenke) als negative Einkommensbestandteile zu modellieren.

Klar dafür gibt es viele schöne Pop-Polito-Schlagwörter. Aber wir machen hier keine Marketing-Wortkreationsübung.

So nun ist die FDP dran, die ihre Aussagen in Wahlprüfsteine verpackt.

Mindestlohn
Die FDP sagt Nein zum Mindestlohn, will aber Mindesteinkommen (Buzz: “liberales Bürgergeld”).

Ist das nicht dasselbe wie die aktuelle wie die subventionierten 1 Euro Jobs? Folglich sagt die FDP, dass sie garnichts ändern will, aber lediglich zwei neue Schlagwörter dafür bereit hält (aka “Mindesteinkommen”, “liberales Bürgergeld”).

Einkommensgrenze
Die FDP will die Einkommensgrenze von 400 Euros auf 600 Euros erhöhen.

Ja, das ist ein ganz netter Vorschlag. Faktisch ist das eine Steuersenkung auf 0% im ganz unteren Einkommensbereich. Jedoch wird damit noch immer nicht das systematisch Problem mit den Schwellenwerten in der Ermittlung von Steuertarifen behoben, die in Interaktion mit anderen Gesetzen zu abstrusen Situationen führen. Beispielsweise nimmt der Staat an, dass jeder Einwohner bundesweit ca. 840 Euros pro Monat benötigt um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, und setzt dies unter Umständen als fiktives (nicht-existierendes) Einkommen an.

Das Problem der Einkommensgrenzen, sind die -grenzen selbst. Es wird zu chaotischen Systemverhalten, was nur durch dieses ständige Rumbasteln an Grenzwerten geflickt wird. Politiker erschaffen sich durch Rumspielen an Grenzwerten die zukünftige Aufgabe wieder an Grenzwerten rumzuspielen.

Rente
Die FDP will die private Rentenversicherung fördern.

Ich dachte auch lange Zeit, dass eine private Vorsorge ganz toll sei. Es ist auch ganz gut zu Sparen. Aber es ist Schwachsinn das mit Versicherungsprodukten auf Teufel komm’ raus zu tun. Erstens, es ist unrentabel ob mit oder ohne Steuerabzug, staatliche Förderung oder sonst welche Bonbons. Zweitens, fixe Einzahlungsversprechen mindern das verfügbare Einkommen, und sind praktisch kaum der Bruttoeinkommenssituation anzupassen. Dies ist eine gewisse Rückständigkeit und Egoismus der Entwickler von Finanzprodukten. Drittens, es macht makroökonomisch garkeinen Sinn, es geht aus der Helikopterperspektive auf das Gleich hinaus. Jedoch ist der Staat selbst Schuld am Misstrauen der Einwohner gegenüber dem Rentensystem, weil sie ihre fiktive Währung “Rentenpunkte” willkürlich inflationieren kann. Andererseits ist das Ausfallrisiko beim staatlichen Rentensystem faktisch Null (außer der Staat selbst fällt aus, was dann das private Rentensystem ebenfalls abstürzen lässt).

Ich denke ich lasse mal weitere Ausführungen. Aber bitte: Liebe FDP sei nicht zu blind!

Renteneintrittsalter
Laut FDP soll jeder auch mit 60 Jahren in (öffentliche) Rente gehen können, mit Abschlägen.

Das ist ebenfalls kaum ein Unterschied zum Status Quo. Ich denke, dass man vor allem eine Diskussion um die Auszahlungen bzw. der Rentenhöhe haben muss, sodass das Renteneintrittsalter sich daraus ergibt. Ich denke, dass die Bundesbank in ziemlich weiser Vorraussicht schonmal ein paar Modellkalkulationen durchspielte. Die Emprörung seitens der Politik ist ganz verständlich, weil die Politik nunmal die Welt der Massenlüge ist.

Gleichstellung
Gut da hat die FDP garkeine Meinung und sagt, dass die Arbeitgeber das selbst hinbiegen sollen.

Ausbildung
Die FDP bekennt sich zur betrieblichen Ausbilung (Azubis und so).

Ebenfalls nichts Neues. Ja es stimmt die betriebliche Ausbildung ist ein so genannter “national competitive advantage” den die deutsche Wirtschaft hat. Aber ich verstehe nun nicht warum die FDP das als Wahlkampfpunkt aufschreibt?

Ausbildungspakt
Die FDP bekennt sich zum Ausbildungspakt.

Noch so eine leere Aussage. Die FDP springt auf den Zug auf in dem die CDU und SPD bereits sitzen: Hier spielen sich Politiker und Arbeitgebervertreter zu heiligen Samaritern auf. Wenn Betriebe kurzfristig nicht ausbilden, dann schaufeln die doch ihr eigenes Grab, weil dann das Angebot an Arbeitnehmer sinkt und folglich die Kopfkosten langfristig ansteigen. Langfristig planende Betriebe haben ein Eigeninteresse auszubilden. Aber nein dan kommt die Politik angekleckert, stellt sich ins Rampenlicht, und schmeißt noch ein paar Subventionen hinterher – Vollkommen überflüssige Show.

Betriebliche Weiterbildung
Die FDP möchte die betriebliche Weiterbildung nicht subventionieren.

Stimme hier zu. Die Betriebe sollte das schon aus puren Eigeninteresse machen und natürlich auch bezahlen. Firmen die das nicht raffen, verdummen und schließlich daran pleite gehen, werden dann durch schlauere Firmen verdrängt. (Ich lasse mal hier den Kapitalisten raushängen)

Erziehungsgeld
Die FDP befindet sich hier auch Kollisionskurs mit der CSU…

Ich halte das CDU/CSU Erziehungsgeld für Blödsinn. Dann hätte man aus dem Elterngeld auch gleich ein allgemeine Anhebung des Kindergeldes machen können. Viel kritischer sehe ich auch das Ehegattensplitting im Falle von Scheidungskindern.

Einkommenssteuer
Die FDP will Eingangssteuer auf 10% und Spitzensteuer auf 35% senken.

Gut das sagt die FDP schon seit Längerem. Ich denke aber, dass die ganze Steuertabelle in sich Blödsinn ist und auch der FDP-Vorschlag nicht das Problem behebt, dass Arbeitnehmer an den Schwellenwerten im Falle einer Einkommenserhöhung eine Art “Strafsteuer” wahrnehmen. Wenn man unbedingt Schwellenwerte haben will, dann sollte man es wie folgt machen (fiktives Beispiel mit fiktiven Schwellenwerten):

- Auf die ersten 0-500 Euros bezahlt man 0% Steuern,

- auf die ersten 501-5000 Euros bezahlt man 10%, z.B. für 3000 Euro bezahlt man (3000-500)x0.10= 250 Euros an den Fiskus

- auf die ersten 5001-20000 Euros bezahlt man 20%, z.B. für 19000 Euro sind es (5000-500)x0.10 + (19000-5000)x0.20 = 450+2800=3250 Euros.

- auf die ersten 20001-40000 Euros bezahlt man 30%

- auf die ersten 40001-60000 Euros bezahlt man 40%

- Für alles größer gleich 60001 Euros bezahlt man 50%, z.B. für 65000 Euros sind es (5000-500)x0.10 + (20000-5000)x0.20 + (40000-20000)x0.30 + (60000-40000)x0.40 + (65000-60000)x0.50 = 450 + 3000 + 6000 + 8000 + 2500 = 19950 Euros

Wie gesagt es ist ein fiktives Beispiel. Man müsste sich stark umgewöhnen beim Umgang mit Steuertarifen. Und man müsste das mit den Klassen und Tarifen noch so ausrechnen, dass es zu den Haushaltsaugaben passt. Der Vorteil ist, dass man bei den Schwellenwerte (Übergang von einer Klasse zur nächsten) nicht das Problem hat das plötzlich eine Einkommenssteigerung von 1 Euro Brutto, plötzlich zur Minderung des Nettoeinkommens führt.

Ich muss daher eigentliche alle Parteien kritisieren, weil andauernd sich mit dem Wort “SteuerREFORM” schmücken, aber nachwievor an der alten Struktur der Steuertabelle sich festklammern. Klar ist oben genannter Vorschlag nur einer von sehr vielen Alternativen zu unserem tollen Steuersystem.

Arbeitsgesetze
- Die FDP will Betriebsräte in Firmen ab 20 Mitarbeitern.
- Die FDP will Kündigungsschutz nur für Betriebe ab 20 Mitarbeiter.

Wenn ich jetzt Zufallszahlen ziehen und dabei eine 21 rauskommt, und ich dann dasselbe postuliere wie die FDP, bin ich dann ein politischer Feind der FDP? Wie kommt die FDP auf 20 Mitarbeiter. Ich bin echt neugierig, wie kommen Politiker auf diese ganzen Schwellenwerte?

- Die FDP will den Datenschutz ggü. den Arbeitnehmer “teilweise verbessern”

??? Heee??? Also für eine Partei die sich selbst zum Hüter der Freiheit aufschwingt, hätte ich eine weniger flapsige Antwort erwartet.

- Die FDP will die Rechte von Leiharbeitern nicht denen der Festangestellten anpassen.

Ja gut, wenn die Firmen mehr (Arbeits-)Rechtsrisiken eingehen wollen (bzw. sich leisten können), dann würde die auch weniger Leiharbeiter als Festangestellte nehmen. Wenn man nur die Gesamtrechnung betrachtet “kostet” ein Leiharbeiter ungefähr genauso viel wie Festangestellte. Aber in diesem Kalkulationen sind mögliche Strafzahlungen und Transaktionskosten nicht enthalten, die mit Kündigungen einhergehen.

Börsenumsatzsteuer
Die FDP will keine Börsenumsatzsteuer.

Ehhh. Ich bin auch nicht so ein Freund der Börsenumsatzsteuer. Aber nicht wegen dieser Stellschraube selbst, sondern wegen der Institution die diesen Steuertarif festlegen will. Das Pro-Argument ist, dass man einer TEMPORÄREN Überhitzung des Börsenhandels abkühlen kann (Ein Börsenbetreiber wie die Deutsche Börse würde dies niemals tun wollen). Aber diese Steuerungsmöglichkeit von Marktmikrostrukturen gehört auf garkeinen Fall in die Hände eines Finanzministeriums bzw. irgendwelchen nicht-kompetenten, willkürlich waltenden Politiker. Wenn man wirklich versucht die Vorteile einer Börsenumsatzsteuer zu nutzen, dann sollte man dieses Instrument der (relativ unabhängigen) Bundesbank zur Verfügung stellen.

Mensch, gerade habe mich mir Steinbrück auf Phönix angeguckt, und muss jetzt ganz schnell meinen Mittagsimbiss runterschlingen. Wir wissen alle: Ein Job prägt einen Menschen. Auch Politiker werden durch ihren konkreten Job geprägt. Und so ein Finanzminister hat es dann richtig schwer, denn das Spiel läuft so:

- Es gibt rund ein Dutzend Minister, deren vorangige Aufgabe ist: Staatsknete ausgeben (bzw. weniger Steuern/Abgaben festschreiben)
- Es gibt einen Finanzminister, dessen Aufgabe es ist, diese Staatsknete tatsächlich einzusammeln.

Der Finanzminister ist immer der Doofe, weil er für ALLES die Schuld hat:

- Wenn er die Staatsknete nicht rausrückt, dann sei er ein Blockierer aus Sicht der anderen Minister und Verräter aus Sicht seiner Partei.
- Wenn “Einnahmen < Ausgaben", ist er Schuld, dass sich die Staatsschulden erhöhen

Was passiert mit so einem frisch gebackenen Finanzminister? Entweder er bleibt genauso irrational wie vorher und fliegt, z.B. Herr L. aus dem Saarland, oder erkennt, dass er nun in einer Falle sitzt und versucht diesen zuvor genannten Spagat (Schuldenmacher vs. Regenmacher) irgendwie hinzubekommen ohne sich die Leisten zu brechen.

Ich fand es ziemlich ehrlich, fast mit Rückgrat, wie der Herr S. eben in Pressekonferenz die Schlagzeilen-gierig kreativen Journalisten weggeblockt hat – Das war sogar lustig, denn auch wenn die Leiste schon weh tut, sollte man seinen Humor nicht verlieren. Was war denn nun ehrlich daran? Herr S., weiß einfach nicht was das Ergebnis der Bundestagswahl sein wird, und wer mit welchen Interessen dann irgendeinen Koalitionsvertrag aushandeln wird. Ich kann auch irgendwie nachvollziehen, dass ein Finanzminister eben ganz andere Sorgen hat, als sich mit Quadratur von tagespolitischen Luftnummer – den Wahlkampf-Scharmünzel – zu beschäftigen. Das ist vom Timing eben ziemlich dumm gelaufen.

Was sollen aber die Journalisten nun in ihren Schlagzeilen schreiben? Das kann ich auch nachvollziehen, weil der Chefredaktur ziemlich mies gelaunt wird, wenn da so ein Journalist ohne Story zurück kommt. Stichwort: Arbeitsplatzsicherheit ;) Der Herr S. hat ja Andeutungen gemacht, die blöderweise "Denken" erfordern, um daraus eine Geschichte zu machen.

Pulverfass Anleihenmarkt
Offensichtlich hat die BRD ein Defizitproblem. Herr S. betonte, dass die BRD noch ganz gut in Relation zu anderen Staaten stehen, wie UK, Lettland, usw usw und so fort. Für Staaten wie die USA ist es sogar eine Herrausforderung (das ist das nette Wort für "Problem") ihre Staatsanleihen im weltweiten Kapitalmarkt zu platzieren. Vor kurzem hat auch die BRD ein paar ihrer – relativ guten – Bonds platziert. Naja, es wäre jetzt übertrieben zu sagen, dass eine Überzeichnung von 1,7 für inflationsgeschützte 10-jährige Bunds, und 1,4 für ne normale 5-jährige ganz toll wären…. Hust…
Was passiert, wenn die Quote unter 1 fällt? Die EZB müsste es schlucken = Money Printing Operations! Masterfrage: Wie gut können die anderen Eurozonen-Mitglieder, UK, usw. ihre Bonds platzieren? Wenn jetzt die BRD als relativ guter Schuldner noch zusätzliche Bonds platziert, welche Probleme bekommen die weniger guten Schuldnerländern? Welche Probleme werden die Zentralbanken bekommen? Herr S. hat das was von “weltweiter Inflation” gemurmelt… und wenn die BRD einen Ego-Trip macht, kann sie davon der Auslöser sein. Der Herr S. hat dahingehend auch einen Hinweis geliefert, dass die BRD nicht gerade profitiert, wenn ihre Haupt-Handelspartner Herrausforderungen meistern müssen. Wenn die Medien nicht andauernd das hohle Gequatsche des Herrn Krugman auf seinen dämlichen Blog verfolgen würde, sondern sich tatsächlich mal reinziehen für welche Außenhandelstheorie dieser Herr K. den Nobelpreis eigentlich bekommen hat, dann weiß man diesen Hinweis hinsichtlich der Folgen zu deuten.

Also zu den NEUverschuldungen:
- Die BRD muss jetzt schon richtig heftig Risikoprämien drauflegen, und es wird nicht besser mit mehr NEUverschuldung
- Die BRD kann ein Crowding-Out der anderen Staaten verursachen, was zu “außenpolitischen Spannungen” führen kann.

Ich diese Hinweise sollten genügen, um ungefähr eine Vorstellung zu bekommen, wo aktuell die Grenzen für fremdkapitalfinanzierte Wahlversprechen kurz- und mittelfristig liegen – Die BRD tanzt eben auf dieser Grenze. Und, an den Thema mit den Crowding-Out bezüglich der Unternehmensfinanzierung (das staatliche Beitrag zur “Kreditklemme”), da sind die Staaten dieser Welt schon längst drüber hinaus geschossen – Das war Thema war bereits Ende 2008 abgehakt…. Gestern standen wir vor dem Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter…

Prioritäten setzen
Herr S. hat bezüglich der Koalitionsverhandlungen, zwischen den Parten ??? und ??? oder ??? oder … nicht weiter gesagt, dass diese irgendwie Prioritäten setzen sollen. Diese Floskel ist aus dem MBA-Slang bekannt: Was ist wichtig, was ist unwichtig, und Unwichtiges fliegt raus! Also es wird Verlierer geben, womit Politiker i.d.R. sich keine Freunde machen (von denen haben sie eh kaum welche). Der große Zaubertrick, namens NEUverschuldung ist aus o.g. keine echte Option. Ebenfalls ist so MwSt-Trick wie in 2005, oder auch etwas ähnliches, auch sehr kritisch. Formal sieht die Nebenbedingung so aus:

Einnahmen_{t} >= Ausgaben_{t}

Daneben ist folgender Effekt unterwegs:

Einnahmen_{t} < Einnahmen_{t-1}

Das ist quasi Neuland für die Politik, weil es keinen Weg drumherum geht irgendwo "Prioritäten zu setzen". Ich möchte mal so ein paar der größeren Tabuthemen in den Raum stellen bei denen es 10^6 Wählerstimmeneinheiten geht:
- Verwaltungskosten wirklich senken!… heißt Parteigenossen feuern…
- Renteneintrittsalter weiter erhöhen! … heißt bitter-böses Blut bei sehr vielen kleinen Leute…
-
Das sind die wahrlich aufgeschobenen Themen, die richtig ins Geld gehen, also 10^10 Euro-Einheiten! Natürlich können Tabu-Themen auch ganz simpel in Peanuts-Themen, wie die folgenden verwandeln:
- Tafelsilber verkaufen! … mit viel Discount zur Zeit, und macht oft kaum Sinn…
- Subventionen streichen! … kann Arbeitsplätze kosten…
-
Ja das sind die Luftnummern, Wahlkampf- und Sommerloch-Themen! Und liebe Journalisten, Sie können froh sein, wenn sie schon kleinere Schlagzeilen vor die Füße geworfen bekommen.

Das Hauptproblem ist ja eigentlich nur, dass der Großteil der Bevölkerung in einer Art Traumschloss gefangen ist, wo aus jeder Ecke die verlockensten Aussagen rauspfeifen. Das ist einfach das Ergebnis jahrzehntelanger medial-aufgepumpter Parteienwerbung, die für jede Lebenslage den perfekten Slogan produzierte. Die Masse der Menschheit ist einfach, mal mehr oder weniger, manipulierbar – Und wie soll man nun die Wahrheit vermitteln, ohne dass Tausende Leute, hier und mal da, gleich ausflippen? Viel Spass liebe Journalisten!

Naja, die Wahlsieger der Bundestagswahl sind wohl kaum zu beneiden…

Ich habe heute morgen ein bisschen auf dem Statistical Data Warehouse der European Central Bank herumgestöbert, und mal zwei Diagramme kopiert. Da es sich um Jahresdaten handelt, sind nachfolgende Zahlenzauberereien mit Vorsicht zu genießen. Und nebenbei unterstelle ich hier mal dass mindestens 1 Zeitreihe nicht stochastisch ist – Raten Sie mal welche?

Das obere Diagramm enthält die Wirtschaftsleistung in Millionen Euros (10^6), also nominelles BIP! In der unteren Grafik sind die Schulden sind in Millarden Euros angeben (10^9).

Wenn ich mir mal das Schuldendiagramm angucken, muss ich feststellen, … ohh ist mir das peinlich … dass eine zuvor hier im Blog genannte Aussage zurücknehmen muss, wo ich behauptete, dass die BRD einmal in ihrer Geschichte Schulden getilgt hätte – Das ist falsch! Die BRD hat bisher noch NIE Schulden getilgt. Aber mit einer Neuverschuldung von gerade mal 6 bis 7 Mrd in 2000 war die BRD schon ziemlich nah dran.

Germany - Gross domestic product at market price - Current prices - ECU/euro - No adjustment

Germany - Gross domestic product at market price - Current prices - ECU/euro - No adjustment

FR. Germany - General government consolidated gross debt :- Excessive deficit procedure (based on ESA 1995) - Mrd ECU/EUR - AMECO data class: Data at current prices

FR. Germany - General government consolidated gross debt :- Excessive deficit procedure (based on ESA 1995) - Mrd ECU/EUR - AMECO data class: Data at current prices

Eine andere Sache müsste eigentlich jedem Betrachter auffallen: Die beiden Kurven sehen ziemlich ähnlich aus! Also wenn ich die Logarithmierten der Differenzen je Zeitreihe ausrechne, und die Korrelation beider ermitteln, kommt rho=0.7528 herraus. Aber wie gesagt es sind nur 17 Datenpunkte hier.

Ok, wenn ich jetzt schon mies herumrechnen, dann kommt noch ein bisschen Kointegration a la Engle/Granger, 1987, aber ohne stationär und seriös, sondern nur mit 18 Datenpunkte von 1991 bis 2008, und nur mit OLS.

z_t = \log(debt_t) - \alpha - \beta \cdot \log(gdp_t)

Für Alpha kommt -1.0624e+006 herraus was hin kommt. Für das Beta kommt 1.1152 herraus!!! Oh ho ho, das ist ganz nah bei 1. Nun schauen wir uns mal z_t an, was ja eigentlich stochastisch sein sollte (wenn genug Datenpunkte da wären). Schön, z_t schwankt schonmal um die 0, was so ein Hinweis ist, dass die Trends in log(debt_t) und log(gdp_t) sich wohl gegenseitig herrausgekürzt haben. Von den großen z_t-Werten darf man sich nicht abschrecken lassen, weil die immer noch wesentlich kleiner als das Alpha Niveau sind: Der Unterschied zwischen 10^4 vs 10^06 passt schon. Wenn im Diagramm z_t in minus geht, dann war der (positive) Trend des nom. BIP positiver als der Schuldenstand, z.B. vor der Rezession 1994, vor dem Platzen der DotCom-Blase, oder auch vor unserer aktuellen Rezession. Wenn z_t im positiven Bereich geht, dann war der (positive) Trend im Schuldstand positiver als der des nom. BIP, z.B. die Aufschwungphasen ab 1996, und ab 2003.

z_t

z_t

Aber was ist denn nun daran so schlimm? Erstens, eine starke positive Korrelation der Änderungsraten, wie phi=+3/4, heißt eigentlich nur, dass jedes mal wenn die nominelle Wirtschaftsleistung wuchs (inkl. Inflation, Geldschöpfung, & Co.) auch die Staatsschulden wuchsen. Zweitens, dem Ökonometriker wird aufgefallen sein, dass z_t eine Autokorrelation, im Intervall von Jahren, drin hat. Ergo nix mit stationär. Dieses Mean Reversion sind natürlich die Konjunkturzyklen, was denn sonst! Wenn die beiden Zeitreihen (gepfuscht mit Mean Reversion) kointegriert sind und dann auch noch so ein Beta von fast perfekten 1 rauskommt, dann ist so ein Bla Bla “…wir bauen unsere Schulden in guten Zeiten wieder ab, wenn wir uns in schlechten Zeiten verschulden…” einfach nur Bla Bla, aber nicht die Wirklichkeit.

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Update:
Noch ein kleiner Nachschlag zu dem Mean Reversion bzw. der Konjunkturzyklus-Hypothese. Wenn es nach dem z_t Residuum ginge, gab es 1996 bis 2000, und 2003 bis 2006 Aufschwungphasen. Beachtlich ist aber dass bereits 98/99 und 2005, quasi ein bis zwei Jährchen vor dem öffentlichen wahrgenommenen und auch offiziellen Beginn des Abschwung, der Schuldenstand-Trend den nom.BIP-Trend einholt! Im Grunde genommen ist, inbesondere in der Politik geführte Haushaltsdebatten a la “…die NEUverschuldung ist gesunken, darum lasst uns wieder MEHR NEUverschulden…” (Stichwort: Sozialromatik, Parteien-PR), die unter anderem mit “…die Lebenshaltungskosten des kleinen Mannes sind doch soo stark gestiegen…” (Stichwort: Demand > Supply) begründet werden, ein ziemlich guter (weicher) Leading Indikator für Rezessionen. Aber bitte hier nichts durcheinander konstruieren! Die Reaktion der Politik auf steigende Preisniveaus aufgrund eines “Demand>Supply” sind eine Folge eines Aufschwungs, aber nicht zweingend die Ursache eines Abschwungs.
Ich möchte hier garnicht, die Parteien und ihre spezifischen Interessen/Programmen zerpflücken, aber der Denkfehler liegt im Wort NEUverschuldung – Ein Sinken der Neuverschuldung ist nicht (ISNOT) dasselbe wie Schuldtilgung, wie es beispielsweise das Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft (StabG) seit 1967/1975 im eigentlichen Sinne impliziert. Wenn sich aber diese zyklische Inkonsistenz in der Haushaltspolitik fortsetzt, bleibe ich dabei, dass dieser Wankelmut der Politik ein tauglicher weicher Rezessionsindikator bleibt.

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Update2:
Ich habe natürlich die Datenpunkte von einschließlich 1991 bis 2008 benutzt.

Interessant ist natürlich dass der Schuldenstand für 2009 bei 1752,659 Mrd. schon liegt, im Gegensatz zu 1641,844 Mrd in 2008. Das sind schonmal rund 100 Mrd und ein paar Zerquetschte mehr wie vorher. In der Angabe für 2010 in Höhe von 1895,415 Mrd. sind höchstwahrscheinlich (weiß ich jetzt nicht so genau) noch mal 160 Mrd drin, dessen Emissionserlöse die BRD “irgendwen” bereits fest zu gesagt hat, also das was die Bundesbank/EZB irgendwenn noch verkaufen muss im Laufe von 2009/2010. Meine Güte das ist echt noch eine Menge Holz, was noch unter die Leute gebracht werden muss.

In der “europäischen Logistik-Drehscheibe” namens Deutschland, gibt Millionen von Leuten, die ziemlich genau wissen was jetzt gemeint ist. Es gibt nicht “den einen Markt”. Wir einen Haufen kleiner Märkte die irgendwie miteinander zu einem “Netzwerk” verknüddelt sind. Zum Beispiel sind Lieferantennetzwerke jedem Industriearbeiter ein Begriff, weil sie darin arbeiten. Und wenn das Gut schick verpackt für den ultimativen Endkunden bzw. Konsumenten fertiggestellt wurde, dann redet man vom Distributionsnetzwerk. Und ein Ökonom der versucht alles zu sehen, der redet dann von “Wertschopfungsnetzwerken”, was schon kongruent mit dem Begriff Economic Value Added ist.

Im Grunde genommen ist es so, dass alles was nicht (ISNOT) ein Märktchen ist, wo der ultimative Endkunde auf der Nachfrageseite steht, mit Konsum im eigentliche Sinne zu tun hat. Der ganze Rest davor ist Handel und Produktion. Also, Wollen Sie den Fisch als Konsument wirklich für ihre eigene Nahrungsaufnahme einsetzen, oder wollen Sie als Großhändler, Lagerist, Importeur, Kleinladen, Restaurant, etc. den Fisch günstig kaufen und mit Aufschlag für ihre logistische oder auch Veredlungs-Dienstleistung weiterverkaufen?

Diese Sache sollte klar sein! Ist es praktisch aber nicht. Sie könnten ja auch als kleiner Drogendealer ihr Dope zu einem Teil verticken, um ihren eigenen Konsum aus dieser laufenden Geschäftstätigkeit zu finanzieren. Sind Sie jetzt Konsument oder Händler? Als Kneipenwirt können Sie auch schnell zum eigenen besten Kunden werden. Schreibt sich Bäcker tatsächlich eine Rechnung für seine eigenen Morgenbrötchen? Wird ein Schuhhändler offiziell seine Schuhe von sich selbst abkaufen? Und was ist mit einem Friseur der umsonst seinen Kinder die Haare schneidet? Na, gut gesundheitsschädlichen Sachen sind verwerflich, aber die anderen Beispiele sind zumindestens Steuerbeschiss. Und war das alles jemals anders? Nein, es ist eine neumodische Kriminalisierung, weil der Staat zunehmende Probleme mit seinem Staatshaushalt hat.

Es ist schon echte Statistik-Zauberei zu versuchen alle möglichen Dienstleistuungen volkswirtschaftlich aktivieren zu lassen (für BWLer “Kapitalisierung”, “Stille Reserven aktivieren”), für Trivialitäten die es schon vorher gab, also bereits Bestandteil des Wohlstandsniveaus sind, aber in jüngerer Vergangenheit als (nominelles) “Wirtschaftswachstum” die VGR stabiliserte und darüber hinaus auch noch Steuer- und Abgabepflichtig wurden. Super! Und wann wird ein Konsument Steuern bezahlen müssen, wenn er seinen Fisch kocht?

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