Unternehmen


Dirk Elsner (Blicklog) hat einen schönen Artikel über Kreditsicherheiten geschrieben: Collateral Management für Unternehmen: Kreditsicherheiten geschickter verwalten

Klar ist das ein Beratungsangebot, aber ich denke, dass es sogar sinnvoll ist. Die deutsche KMU-Landschaft ist nicht selten hoch-geleveraged. Das hat zum einen steuerliche Gründe, aber vor allem ist die BRD ein Industrieland und so Anschaffung, Instandsetzung, usw. von Maschinen ist nicht gerade etwas was man mit Eigenkapital wuppt. Ob die Hausbank einen Refinanzierungskredit gewährt, und vor allem mit wieviel Neuverhandlung der Sicherheiten, hängt nicht zu letzt von der allgemeinen konjunkturellen Lage (wo Banken eher mit vielen Kreditausfällen konfrontiert sind), wieviel Geld Banken schöpfen können (was abhängig von ihrer eigenen Eigenkapitalsituation ist), und ob sich Refinanzierungsbedarf vieler Unternehmen zeitlich klumpt (Siehe Noch 1000 Tage…, oder direkt wie man einen Elefanten schluckt).

Alleine was die Bewertung von Schulden angeht (aus Sicht von Banken, Investoren, etc), ist der Unterschied zwischen “secured debt” und “unsecured debt” ein Unterschied wie zwischen Himmel und Hölle – Im Konjunktuabschwung ist ein “unsecured” ein echtes “No-Go”. Im Konjunkturabschwung ist jede Firmenbilanz übel, aber die Abwertung von Einzelassets die als Sicherheit dienen oft wahrhaftes Massaker (Da passt dann die Sicherheit nicht mehr zum erforderlichen Nominal). Ein ordentliches “Collateral Management” impliziert, dass eine Firma in “guten Zeiten” ihre Bilanzaktiva operativ auch soweit lecker macht, dass die initial gegeben Sicherheiten der Einzelkredite nun durch die Bilanzaktiva abgedeckt werden. Wie im Artikel von Dirk Elsner gesagt, (ich sage es mal mit meinen Worten), ist man schön doof wenn man die einzelnen Sicherheiten nicht auf die Firmenbilanz drauflegt. Die Folge ist natürlich, dass der Kreditgeber nicht mehr darauf achten muss ob der Wert einer Lagerhalle stimmt (Beispiel), sondern das eigentliche Geschäft der Firma insgesamt toll ist (Und auch ob die Firmeninhaber nicht von den Reserven der Firma sich einen Lenz machen). Eine Firma vermeidet dann die Krisen-Situation, wie “Eigentlich ist ihr Geschäft trotz Krise ganz super und zukunftsträchtig, aber sie sind jetzt pleite, weil ihre Lagerhalle nur noch den halben (virtuellen) Marktwert hat und wir ihnen darum keine Refinanzierung anbieten können”.

Das Tool “Collateral Management” (was Dirk Elsner offensichtlich als Dienstleistung anbietet) halte ich für sehr essentiell für die betriebswirtschaftliche Führung von Unternehmen. So essentiell wie eine ordentliche Liquiditätsplanung, was auch nicht so selbstverständlich bei der einen oder anderen Firma ist (Selbst wenn ein Insolvenzfall unvermeidbar ist, muss ja sich nicht bei Konstruktion darauf anlegen sich die Steuer-Cops ins Haus zu holen oder sich mit der Deutschen Rentenversicherung vor Gericht auseinander zu setzen). Mit essentiell meine ich: Wie viel Bankrottrisiko wegen eines so oder so unabwendbaren irgendwann kommenden Konjunktuabschwungs wollen Sie haben, lieber CFO, lieber Geschäftsführer, lieber Gesellschafter?

Mit Freude nahm ich zur Kenntnis was Blicklog über die McKinsey-Studie für Asset Management Firmen geschrieben hat: “Banalitäten” (finews.ch, McKinsey’s “Global Asset Management Survey 2010″). Die Unternehmensberatung McKinsey gehört zu den ganz GROßEN – Darum BIG-X. In Deutschland gibt es da noch Roland Berger und Dröge, international ist da noch BCG.

Diese Studie “Global Asset Management Survey 2010″ ist nur eine Demonstration wie standardisiert das Dienstleistungsangebot von McKinsey ist. Und die andere BIG-X sind da keineswegs besser. An McKinsey ist schön wie das MECE (“Pyramid Principle”) beim Textverfassen angewendet und natürlich wie toll die Meckis Diagramme malen können – Die Verpackung stimmt! An einer schicken Verpackung ist nichts auszusetzen. Jedoch ist auch der Inhalt standardisiert. Immer wieder tauchen unterschwellig wieder Tote wie Porter’s MBV-Denke zum Vorschein, oder unrelevantes Buzzword-Creation und viele andere MBA-Fads finden ihren Platz in Text und “Malereien”. Man hat den Eindruck, dass sich das “Core Product” von McKinsey sich seit den 80er Jahren nicht verändert hat. Ein McKinsey-Dienstleistungsprodukt ist wie ein Burger von McDonalds. Man hat immer dieselbe Verpackung (d.h. rote Pappschachteln, dasgleiche Interior im Restaurant) aber man bekommt immer Fleischbrötchen mit Fritten und ein Getränk, was inkrementell um anderes Gemüse, Käsesorten, Fleischsorten varriert wird. Ja McDonalds hat sich irgendwann man durchgerungen inkrementelle Produktvarianten anzubieten. Den “Trend” hat McKinsey natürlich auch mitgemacht. Jedoch ist eine Produktvariante noch immer hoch standardisiert. Es ist sicherlich nicht “maßgeschneidert”. Komisch ist nur dass die BIG-X Preise verlangen wie bei “maßgeschneiderten Produkten” aber nur eine “Produktvariante” anbieten.

Die BIG-X sind in ihrem Produktangebot “time lagging” – Sowie alle Großkonzerne (Ein schönes Beispiel ist IBM: Die hatte zwar mal eine riesen Forschungsabteilung die drei Nobelpreisträger hervorbrachte, aber die hatten so einen riesen “technology gap” in der Organisationsstruktur, dass sie damit kein Geschäft machen konnten). Die Produktpalette wird erst angepasst, wenn es “bombensicher” ist. Die Produktpalette muss auch qualitativ nicht toll sein, den Kundenbedürfnissen entsprechen usw. Die Organisationselemente (=Mitarbeiter) dieser BIG-X sind in diesem Arbeitsumfeld auch nicht in der Lage neue, radikale Produktideen zu kreieren – Es wird eh nicht umgesetzt. Jedoch sind gerade in Umbruchzeiten bzw. nach Strukturbrüchen im Wirtschaftssystem neue, radikale Ideen ein Hauptgrund für Firmenkunden sich externe Berater zu holen. Eines ist garantiert: Mit Beratern die zwar gut sind existierende Dienstleitungsangebote zu präsentieren (=Die “Auswendiglerner” mit ihren Super-Einser auf ihren “Auswendiglerner-Abschlusszeugnis”) kommt man nicht weit. Also genau das was BIG-X Berater tun.

Firmen die wirklich ein Arsenal neuer, krasser, radikaler Ideen sehen wollen, müssen sich vor allem krasse Leute als Berater beschaffen. Und keine “großen Marken” mit ihren McDonaldisierten Dienstleistungen.

Ich wollte schon immer mal einen Artikel über die Studiengangswahl in der schönen neuen Bachelor/Master-Welt schreiben.

These 1) Drei bis vier Jahre sind zu wenig um “interdisziplinär” zu studieren
Unter “interdisziplinär” meine ich diese grandiosen “Mische ein bisschen A mit ein bisschen B und dann bist du ein AB”. Dabei lernt ein Studierender nur “ein bisschen”. Es ist schlicht ineffizient. Eine bessere Strategie ist erstmal A intensiv 3 Jahre zu lernen, und logischerweise die ganzen B, C, D, E,… Wissensbereiche links liegen zu lassen. Natürlich sollte einem Studierende bewusst sein, dass die B, C, D, E,… auch irgendwie wichtig oder interessant sein KÖNNTEN, mehr aber auch nicht denn ein Tag hat leider nur 24 Stunden (Merkregel: Zeit ist eine begrenzte Ressource; Merkeregel: Man maximal lernt nur soviel wie man Zeit dafür hat).

Beispiele:
- Anstatt “Internationales pipapo Management” zu studieren, nimm lieber den allgemeinen BWL-Studienplatz.
- Anstatt “Systems Engineering” oder “Mechatronics”, entscheide dich lieber zwischen Informatik, Elektrotechnik ODER Maschinenbau.

Entscheide Dich lieber Studieninteressierter. Gerade in dieser ECTS-Welt, kann man nicht alles gleichzeitig und dabei auch nocht “gut” machen (Merkregel: Wenn alles gleich wichtig sei, dann sei alles unwichtig). Natürlich gibt es Aussnahmen, aber “Bist du wirklich so außerordentlich begabt?” (Merkregel: Traum/Wunsch und Wirklichkeit sind nicht dasselbe)

These 2) Bei Formalwissenschaften ist es umgekehrt
Die Formalwissenschaften wie Mathematik und Philosophie stellen Aussnahmen der These (1) dar, weil die per se keine konkreten “praktischen” Anwendungsgebiete inne haben.

Beispiel:
- Ein Bachelor Technomathematik (Applied Math) sozusagen die Harcore-Version eines Ingenieur-Bachelor. Während die meisten Ingenieur-Bachelor extrem aufgeweichte Versionen eines Halben-Diploms sind und üppig mit “noch praktischeren” Sinnfreiheiten verwässert wurden, ist Technomathe einfach nur ein Mathe-Bachelor, wo man zunehmend knobblige Probleme aus der Technikwelt aufgetischt bekommt.

These 3) Das Studium von Basiswissenschaften ist immer besser um später nicht ständig umzulernen
Sie kennen bestimmt solche Arroganz-Witze die beginnen wie “Physiker wissen immer alles besser…”. Das stimmt sogar (bis auf das “immer”). Es ist oft leicht vom Abstrakten auf das Konkrete zu schließen, als umgekehrt im Konkreten das Abstrakte zu finden (Wenn man das Abstrakte nicht gelernt hat).

Beispiel:

- Im Maschinenbau ist es einfacher mit Konstruktionssystematiken zu arbeiten, wenn man auch wirklich weiß wie und warum Wirkprinzipien funktionieren (Im Diplom war es zeitlich möglich einen kleinen Teil der Wirkprinzipien zu lernen, im Bachelor… vergiss es vielleicht zwei oder drei). Das mit den Wirkprinzipien lernt man intensiv in einem Physik- und/oder Chemie-Studium. Ergo, wenn du wirklich ein “Hardcore-Super-Ingenieur” werden willst, dann studiere lieber erstmal 3 bis 4 Jahre Physik oder Chemie und mach danach einen Maschinenbau-Master mit Fokus auf Produktentwicklung.

- Sie wollen BWL mit Personalzeugs machen? Warum setzen Sie sich dann in Frontalvorlesungen und quälen sich durch oberflächige Rechnungswesen-Einführungskurse? Studieren Sie doch direkt Psychologie und nehmen später als Hauptfach Organisationspsychologie. Da lernen Sie es richtig.

These 4) Wenn Sie nach Praxis schreien, dann beginnen Sie gefälligst auch damit
Die Bachelor-/Master-Welt bietet vor allem Möglichkeiten für solche die sich später sowohl mit “Praxiserfahrung” als auch “akademischen Titeln” schmücken wollen (Das ist etwas negativ von der Tonlage her). Wenn Sie Kaufmann/-frau “für die Welt da draußen” sein wollen (Ich definere “drinnen” als den Elfenbeinturm), dann müssen Sie irgendwann mal Buchhaltung, Bilanzen, Kostencontrolling, und gewisse Teile des Steuer-, Handels- und Zivilrecht im Schlaf können. Glauben Sie etwa sowas lernt man an der Uni? An der Uni können Sie hier nur etwas “hinzulernen”, also zu dem was Sie bereits können und bereits wissen was Sie sich konkret aus der Uni an Wissen rausziehen wollen. So könnte man sowas angehen:

Schritt 1) Mache nach der 10. Klasse ein Fachabi mit einjährigen Fachpraktikum dort wo man nichts anderes als Buchhaltung, Bilanzen und vielleicht auch ein bisschen Controlling lernen kann (Natürlich für super wenig Geld, weil man ja noch Nix kann). Steuerberatungen v.a. mit Firmen als Mandate sind dafür exzellent, weil Sie dort richtig viele unterschiedliche “Übungsaufgaben” verpasst bekommen und vielleicht einen ersten Einblick in Gesellschaftsrecht und Steuern bekommen.

Schritt 1b) Falls Sie Schritt 1 so dermaßen toll fanden, macht aus berufstaktischen Gründen es auch Sinn eine verkürzte Ausbildung hinterher zu schieben, z.B. echte Teilzeitjob neben dem Studium. Beachte, dass damit ein Bafög-Anspruch in Schritt 2 i.d.R. verpufft.

Schritt 2) Gehe an eine FH und mache Allgemeine BWL. Hauptfächer in Finanz, Rechnungswesen, Handelsrecht, Steuerlehre, etc. ergeben sich von alleine (Siehe Schritt 1). Wichtig ist aber auch das Allgemeine BWL-Zeug ernst zu nehmen (z.B. Produktion, Organisation, Sales, etc.). Merkregel: Sei nie deprimiert, wenn du dich unterfordert fühlst, oder der Prof nicht mit jeden “zu praktischen” Sonderfall vertraut ist.

Schritt 3) Gehe arbeiten. Ein Allgemeiner-BWL Master nach einem BWL-Bachelor ist sehr sinnfrei, eine reine Zeitverschwendung. Wenn man unter “Titel-Hörigkeit” leidet, Selbst Schuld. Anders ist es natürlich, wenn man wirklich einen speziellen Master hinterschiebt, z.B. LL.M. oder sowas. Um hyper-spezielle Vorbereitungs-WP/Steuer-Master zu machen muss man eh Schritt 3 in eindeutigen Berufszweig ein Zeit lang ausgeübt haben.

Ähnliches kann man auch für technische Ausbildungen skizzieren, aber das sehr verbreitet, sodass man dazu nichts sagen braucht. Der Unterschied zum kaufmännischen Zweig ist, dass nach ein, zwei Jahren in Schritt 3 ganz unbedingt ein spezieller Ingenieur-Master hinterhergeschoben werden sollte. Für Ingenieure die mehr Manager spielen wollen, sind spezielle Master im Patentrecht, Innovationsmanagement, etc. interessant. Es wäre auch schlauer vom Arbeitgeber einen Ingenieur-Master “finanziell” zu unterstützen, oder irgendwie Teilzeit-Master mit lokalen Unis zu arrangieren. Sowas gibt es auf jedenfall schon. Es wäre nur schlauer solche Perspektiven bereits den heutigen Studienanfängern aufzuzeigen, damit diese Ihren Lernprozess nicht mit Ignorieren der These 1 und 3 versauen (Davon hätten beide Seiten nichts gewonnen).

International Monetary Fund = USA’s Monetary Fund?
Erstaunlich mit welchen Selbstverständnis die USA den IMF für sich beanspruchen. Da sind Phrasen zu hören wie “Warum sollen wir (=USA) uns Geld von den Chinesen leihen, um den Griechen einen bailout zu schenken”. Gut das wir die Hoheitsansprüche beim IMF mal klipp und klar geklärt hätten. Daher sollten die USA auch nix dagegen haben wenn die EU-Staaten aus dem IMF austreten, also dem IMF kein Geld mehr geben. Wieso auch? Die USA sollten dann auch bitte schön den großkotzigen Anspruch “International” aus dem Name des IMF streichen und das ganze Ding “US-Dollar Fund” (USF) nennen.

Wachstum sei die Lösung aller Probleme
Wachstum ist die große Ausrede der Staatsschuldenmacher, um heutige Schuldenmacherei mit den eventuellen Aussichten zu rechtfertigen. Ich kann nur immer wieder betonen wie beschränkt ich es finde dass Politiker darüber diskutieren wieviel Neuverschuldung tragbar sei unter ihren grandiosen Annahmen eines überoptimistischen Wachstum – Alice im Wunderland? Vielleicht sind unsere EU-Politiker einfach nur auf LSD? Vielleicht sollte den Halben-Keynesianern mal gesagt werden, dass Keynes aus einer ausgeglichenen fiskalischen Lage mit super wenigen Staatsschulden heraus argumentiert hatte. Fakt ist aber, dass die meisten europäischen Staaten seit Jahrzehnten zu keiner Zeit die Neuverschuldung ihrer Anti-Rezessions-Programme zurückgezahlt haben, und sich somit eine Staatsschuldenspirale buchsiert haben – Der halbe Keynes funktioniert nicht. In der Ökonomie geht es vor allem um begrenzte Ressourcen, aber in der Politik um die unendlichen Versprechen – Das ist inkompatibel. Die Optionen sind sehr simpel: (1) Es gibt einen echten Einschnitt, eine Umkehr, oder (2) das Staatshaushaltsproblem wird verschoben und somit in Zukunft verstärkt. Leider sind Politiker in ihrem Alice-im-Wunderland-LSD-Rausch-der unendlichen-Versprechen nur geistig in der Lage sich für (2) zu entscheiden.

BP’s Super GAU
Eines bin ich mir gewiss: Es gibt eine Super-Case-Study für MBA-Programme zum Thema Strategische, Change, oder Crisis Management (wie auch immer der Kurs tituliert wird). Die BP Öl-Katastrophe hat wohl alle Rekorde im Fettnäppchen-Reintreten gebrochen. Es zeigt vor allem, dass es technisch unmöglich durch Zauberei alle möglichen Vorrichtungen in wenigen Tagen zu entwickeln, zu produzieren und auch noch zum Einsatz zu bringen. Das ist für jeden Ingenieur Common Sense, aber manche Manager sollen ja technisch so inkompetent sein, dass sie glauben alle möglichen technischen Lösungen “Off-the-shelf” in Rekordzeit zum Einsatz zu bringen. Es ist schon sehr traurig, dass “Contigency Planning” im strategischen Management allenfalls sich auf Entwicklung PR-tauglicher Ausreden für den Notfall beschränken. Eine andere Schlußfolgerung ist aus der Hilflosigkeit des Großkonzern BP nicht ersichtlich. Ich halte es für absolut bescheuert den Leiter einer technischen Abteilung des BP Konzerns als Sündebock zu feuern: Es ist die unendliche Kurzsichtigkeit und das mangelnde Wissen über technische Entwicklungsprozesse des BP-Vorstandes selbst, die diesen Konzern in diese Krisensituation gebracht hat – Ohne Senior Management Committment geht in großen Organisationen so gut wie garnichts. Gerade Investoren sollten sich fragen, ob dieser Schlag “technisch-inkompetenter-kurzsichtiger-Manager” der richtige Typ ist, um mögliche horrende finanziell wirksame Ausfälle in der Bottom-Line zu verhindern.

In Ländern mit alternder Bevölkerung wie Deutschland werden mehr und mehr Rentner-in-spe existieren die heute und in der Vergangenheit ihr Erspartes in diverse Produkte von Fondsgesellschaften gepumpt haben. Solche Fondsgesellschaften sind nicht unbedingt auf die üblich verdächtigen Anbieter von Publikumsfonds beschränkt. Wo werden denn die Betriebsrenten, Versicherungsbeiträge, usw reingepumpt? Am Ende landet es so oder so in Corporate Bonds/Mezz/Equity und Sovereign Bonds – Direkt (z.B. Bundesfinanzagentur, Aktien/Anleihen), oder indirekt (z.B. Publikumsfonds, Verbriefungen), oder noch indirekter (z.B. ETFs, Swaps). Eigentlich kann man Sovereign Bonds wegschmeißen, weil man nach Abzug der Inflation ca. auf 0 kommt (Außer vielleicht eben Griechenland & Co.; Außerdem sollte jeder der von Sovereigns als Anlage schwärmt aber gleichzeitig im Bund der Steuerzahler ist sich wegen Schizophrenie in Behandlung geben). Mit 0 wird wohl bei keinen Rentner-in-spe der Wohlfühl-Lebensabend wie erhofft. Und wenn dann erstmal das “in-spe” nach und nach zur Realität wird, dann schwenken die ganzen Vorsorge-Fonds von Thesaurisierung auf Auszahlung um. Ob diese Auszahlungen dann Zinsen oder Dividenden ist herzlich egal, denn Hauptsache die privaten Renten können gezahlt werden.

Wir kommen zu denn Punkt wo sich Firmen fragen sollten, wer von demographisschen Standpunkt aus finanzieren soll? Können Firmen in Zukunft den Ruf nach höheren Dividenden und Kupons folgen? Und gibt das ROA überhaupt her?

Die Politiker schickten sich mit ihren doofen Riestern und Rürupen an den Baum mit den goldenen Früchten gefunden zu haben, weil sie merkten, dass das Adenauer-Märchen rechnerisch nicht aufgeht. Jedoch ist nur das Problem verschoben wurden:
- Die Überalterung der Bevölkerung,
- Die Nicht-Undlichkeit des Wirtschaftswachstum

Ich will die Konsequenzen nicht beim Namen nennen (um hier nicht als Miesepeter im Internet zu stehen). Witzig wird es nicht… in dieser bösen “2030 Vision”.

Irgendwie war ich überrascht, dass mein Blogeintrag “Kabel Deutschland Börsengang (Warnung, die piken)” – was lediglich als Lesenhinweis für das Börsenkommentar von Herrn Mark Böschen in der WIWO gedacht war – seit über zwei Wochen immer ganz oben in meiner Tageesstatistik auftaucht (Vielleicht liegt das an der Verlinkung). Darum habe ich mich genötigt gefühlt dort ein Update als Kommentar reinzuschreiben.

Ich hoffe, dass sich vielleicht der eine oder andere Aktionär in spe von Kabel Deutschland ein paar Infos für seinen/ihren “Prozess der Erwartungsbildung” (um es geschwollen zu sagen) da rausziehen konnten (Und ich will mich hier nicht wiederholen. Ach doch: Kabel Deutschland kann als Speculative Borrower eingeordnet werden).

Here we go…

Warum der Kabel-Deutschland Börsengang klappen wird?!

Antwort:
(1) Weil zu viel Geld da ist!
(2) Weil Providence & Co. Kabel nicht zu jeden Preis verkaufen müssen.

Das mit (2) ist ganz einfach: “Jump into the shoes” of other! (Folie 33. Was ist Wissenskomplexität?) Oder anders: Wenn ich Providence (und die anderen zwei) wäre würde ich ums verecken nicht unter Low 20 gehen – Dann würde ich es lieber behalten. Aber wegen (1) ist das nicht notwendig.

Eigentlich ist (2) eine Folge von (1). Die Finanzierung von Private Equity Firmen ist Dank der weltweiten Rettung unseres Finanzsystems inklusiven den massiven, historischen Interventionen der Zentralbank nicht in die Knie gegangen. Aber nicht nur PE Firmen profitierten davon, sondern alle die ihre Chips ihrendwo in Kapitalmärkte (Aktien und Anleihen) parken, ob Heuschrecken oder Sparplan-Leute. Es bleibt nur das Problem, dass die Assets wie vor zwei, drei Jahren begrenzt sind, aber nun noch mehr Geld diese jagt.

* (Das Folgende braucht keiner lesen, der meine Meinung zu Volkswirtschaft bereits kennt… Selbswiederholdung, Wiederholdung, Wiederholung… gähhhnnnn…. Durch die Retterei der letzen Jahren haben wir nichts erreicht, sondern nur alles aufgeschoben. Eine echter nachhaltiger Konjunkturzyklus startet mit neuen, ungewissen “Technologien” auf denen neue Geschäftsmöglichkeiten, neue Erlösquellen, neue Wohlfahrtskomponenten, neuer Nutzen entsteht, den es zu “finanzieren” gilt. Jedoch dienen alle Kapitalmaßnahmen (wie IPOs) die wir dieser Tage sehen der “Refinanzierung” des Existierenden – Wir sind noch Mitten im Ende des alten gesättigten Konjunkturzyklus… auch wenn Statistiker ein anderes Law of small Numbers singen mögen… )

Die deutschen Politiker sind wirklich gut im meckern:
- (Imaginäre) Spekulanten trieben Griechland in den Bankrott,
- die gierigen Banken geben den Unternehmen keine Kredite,
und so weiter.

Jedoch ist ein Hauptgrund warum Unternehmen und fast-junk-bond-like-naja Staaten wie Grieechenland ihre (existierenden) Schulden nicht refinanzieren können, dass (relativ gesehen) sicherere Investitionsmöglichkeiten von Staaten wie Deutschland verstärkt geschaffen wurden und werden: Durch die ausufernende Neuverschuldung. Letztes Jahr 80 Mrd Euros. Das ist schon mal das Doppelte wie wie vor garnicht alzu langer Zeit.

Natürlich ist der Deutsche Staatshaushalt nicht der einzige, der das Angebot dieser Investitionsmöglichkeiten erweitert bzw. hat, z.B. die Neuschulden der USA, Japan, und auch Frankreich um nur einige zu nennen, kommen mit dem deutschen Staatshaushalt auf eine ziemlich hohe astronomische Summe, und zwar per annum.

In der Fachsprache wird das Crowding-Out-Effekt genannt, d.h. Staaten erhöhen ihre Neuverschuldung, Investoren kaufen diese Staatsschulden, aber dafür nicht die Schulden von Unternehmen (Tarahh crowding-out). Gerade im Euroraum ist es so, dass die Zentralbank – ECB – nicht die Staatsschulden in ihre Bilanz nimmt, bzw. das auf garkeinen Fall will (Warum? Genauso funktioniert Inflation im engeren Sinne, und kann der Beginn einer Abwärtsspirale in die Hyperinflation sein, z.B. Argentinien). Also konkurrieren Staaten um eine Finanzierung durch Kapitalgeber auf Finanzmärkten, gegen andere Entities, z.B. Unternehmen und auch andere Staaten.

Ich finde es daher hochhgradig scheinheilig, einerseits zu erfahren mit welchen unverschämten Wunschvorstellungen die Bundesministerien sich für den nächsten Bundeshaushalt positionieren, und die “Jünger” ihrer Parteien gegen den Schlendrian anderer Staaten wettern, und mit den Finger auf Banken, Investoren und (imaginären) Spekulanten zeigen die Unternehmen nur unter härteren Auflagen Kredite gewähren wollen. Die härteren Auflagen für Kredite sind getrieben durch das Angebot von Investitionsmöglichkeiten, sie sind zum großen Teil getrieben durch die ausuferende Neuverschuldung der BRD.

Zusatz: Es macht auch keinen Sinn, dass die BRD riesen Fonds auflegt, die die BRD ja auch durch Kapitalgeber finanziert, die dann Unternehmen, Banken andere Staaten Kredite gewährt, die sie nicht von Kapitalgebern bekommen, weil die ja ihr Geld bereits den lustigen BRD-Fonds gegeben haben. Der neue geplante EWF macht daher nur Sinn, wenn es nicht eine reine Geldbeschaffungsmaßnahme ist, sondern vor allem den Zweck verfolgt, Staatshaushalte zu restrukturieren, und zwar radikal (was im Falle eines Fast-/Bankrotts garnicht anders geht).

Die Nachricht kam bereits im Februar im LOG.Kompass . Während Mitte 2009 die Frachtraten übelst im Keller lagen (Siehe “Charterraten im Keller – Warum nicht Futures verkaufen?“), haben Logistikunternehmen ihre Transportkapazitäten radikal geslashed. Es macht ja auch keinen Sinn Transportdienstleistungen als Verlustgeschäft anzubieten. LOG.Kompass meldete im Februar 2010:

Im Lkw-Ladungsverkehr erreichten die Preise laut Transport Market Monitor von Cap Gemini und Transporeon bereits im dritten Quartal 2009 ein Niveau von 97 Prozent im Vergleich zu Oktober 2008, den Monat bevor der Transportmarkt einbrach. Noch dramatischer ist die Preisentwicklung in der Containerschifffahrt – vor allem auf der Rennstrecke zwischen Asien und Europa…. Ein Standardcontainer aus Hongkong nach Europa kostet derzeit 25.000 US-Dollar, noch im Juli werden noch 500 US-Dollar ausgerufen. Die Luftfracht hinkt hinterher… noch um 40 Prozent unter Vorjahresniveau…

Die Begründung liegt klar auf der Mengenseite:

Die Verteuerung bei den Frachtraten hat weniger mit der Erholung der Mengen zu tun, als mit der gezielten Reduzierung von Kapazitäten. Vor allem den Reedern gelang es, ihren Preiskrieg zu stoppen und ganz gezielt Kapazitäten aus dem Markt zu nehmen. Mittlerweile bleiben in Asien sogar Ladungen in den Häfen liegen… Im LKW-Verkehr wurden alleine in Deutschland rund 80.000 Lastzüge abgestellt und bei der Deutschen Bahn 35.000 Wagons.

Die von vielen Ökonomen seit Krisenbeginn angeprangerten Überkapazitäten in der Produktion (z.B. Automobilherstellung) wurden in der Logistikbranche mittlerweile antizipiert. Sprich die Transporteure interessiert es wenig wieviel Produktionskapazitäten in der Produktion existieren, sondern die tatsächlichen Produktionsmengen. Daher frage mich wie es um die Produktionsauslastung des produzierenden Gewerbes bestellt ist (Kann man äquivalent zu den Stückkosten sehen). Bei der asiatischen Produktion mache ich mir da keine Gedanken, weil die ähnlich wie die Logistikbranche ziemlich knallhart kosten-orientiert sind (In China wurden schon zu Beginn der Weltwirtschaftskrise im Pearl Delta die Fabriken dicht gemacht als die Aufträge wegfielen). Für deutsche Betriebe mit ihren Abrwackprämien-, Kurzarbeitergeld, usw. konjunkturprogramm-gestützen-Produktionskapazitäts-aufrechterhaltenen Maßnahmen stellt sich die Frage inwiefern 2010 neue zusätzliche Aufträge reingeholt werden. Anonsten wird die Wettbewerbsluft dünn.

Offensichtlich lese ich gerade die WIWO für den 1.März. Dort steht ein sehr guter Hinweis von Mark Böschen auf Seite 106 bezüglich des geplanten Börsengang von Kabel Deutschland.

Der Hinweis ist Ernst zu nehmen. Kabel Deutschland pikt tatsächlich. Selbst für diese Investoren-der-Heuschrecke sind solche PIK-Mezz ziemlich weit unten auf der Begehrlichkeitsskala angesiedelt, also bei den ärgerlichen Dingen, die man nicht haben muss. Hier ist Ärgerlich, wie pikende Mezz wie die Kabel Deutschland, der kleine Bruder von Scheiße (z.B. der Totalausfall zu 0 eines besicherten Kredit). So welche pikenen Mezz bieten so ein bisschen den Hauch von Thrill im so langweiligen Fixed Income Geschäft. Aber zu viel Thrill braucht man auch nicht – Insbesondere wenn man merkt, dass da nix übrig bleibt …

Also: NICHT ZEICHNEN.

WIEDERHOLE: NICHT ZEICHNEN!!!

Daher möchte ich dem Statement

… Es entsteht der Eindruck: Providence spielt Pik, um Aktienkäufer aufs Kreuz zu legen…

von Herrn Böschen hinzufügen

… Es entsteht der Eindruck, dass Providence auch seine eigenen Investoren (aka “Hedge Funds”) aufs Kreuz legen will …

Ich kann nur jeden Insti, Aktienfonds, oder Kleinanleger nur dringend davon abraten Kabel Deutschland Aktien zu zeichnen, solange Providence die Emissionserlöse nicht mindestens zur Tilgung der PIK-Mezz verwendet.

Die besagten PIK Notes betreffen die Holding-Struktur von Kabel Deutschland mit dem gleichen Namen, die nur ein Finanzierungsvehikel ist (wie hier auf Seite 98 zu entnehmen ist). Wenn man das mit der Bilanz der GmbH (31.12.2009) vergleicht fällt einem sofort die Differenz bei Non-Current Financial Liabilities (langfristige Schulden, hier die nachrangigen) und den Accumulated Deficit (Bilanzverlust) auf. Das müssten dann die PIK-Notes zum 31-12.2009 sein, was ca. 696 Mio sind (mit groben Blick auf den EURIBOR seit 2006 mit .04 .03 .02 .01 plus 700bp kommt man auf 689Mio; Also passt). Unterstellt man Niedrigzins-Szenario mit .01 .02 .02 .02 .02*(1/2) kommt auf 1.05 Mrd fällig in 2014.

Angenommen die Holding verkauft die GmbH via IPO, dann ist klar dass die PIK-Notes bei Providence kleben bleibt. Jedoch stehen dann immer noch

0.50 Mrd kurzfristige Verbindlichkeiten,
0.65 Bonds
1.15 Term Loan A
0.53 Term Loan C
0.34 Plus ein bisschen hier und da
____
3.17 Mrd Schulden

gerade mal 2.19 Assets gegenüber. Das nenne ich mal undercollaterized. Da kurzfristige Verbindlichkeiten immer zuerst eingefordert werden ziehen wir die 0.5 Mrd mal ab, ebenso wie sonstige Rechnungen zur Finanzierung über 0.34 Mrd, so bleiben noch 1.35 Mrd als Collateral. Das macht dann ein OC von 207% für die Bonds, bereits unter Wasser mit 75% für Term Loan A, und erschreckenden 58% für Term Loan C.

Aber Providence scheint aber mit der Holding-GmbH einer IPO zu machen. Den Fall dass die Holding-GmbH inklusive den PIK-Notes mit einem best-case Erwartungswert von 1 Mrd einen IPO machen soll, will ich garnicht ausrechnen.

Und dann will Providence kein Groschen nach dem IPO in Kabel Deutschland lassen, oder einen Kredit A und/oder C, oder die PIKs tilgen? Ich weiß nicht wie sich Providence zurecht rechnen will. Da braucht Kabel Deutschland wohl ein Fantasiewachstum bei den Assets (Darum braucht Providence wohl auch die Fantasiewelt “Börse”). Mir kommt das vor wie Beschiss. Erst werden Gerüchte verbreitet, dass “irgendwer” bereit sei 5,5 Mrd locker zu machen, dann watscht Providence ab mit der Begründung beim IPO würde man mehr bekommen, und schließlich sollen 1 Mrd für 40% Anteile eingenommen werden? An dieser PR-Masche ist auf jedenfall etwas faul.

So jetzt mal ganz billig nachrechnen. Kabel macht 630 Mio Gewinn unterm großen Strich, aber die PIKs fehlen. Gehen wir wie oben von einem Niedrigzins-EURIBOR-Szenario aus fehlen für 2010 bis 2014 jeweils ca. 100 Mio an Zinsaufwendungen in der GuV, macht also 530 Mio adjustierten Gewinn. Aber Durschnittbilden ist eher ungeeignet mit den thesauriserenden PIKs, es sieht dann so aus:

Jahr: Mio GuV
2010: 574.31
2011: 506.65
2012: 432.90
2013: 352.52
2014: 187.01

Nun will Providence angeblich mindestens 5,5 Mrd für Kabel haben, was im doofsimplen Annuitätmodell mit 530 Mio Durchschnittsgewinn eine Mindestrendite von 9,6% führt. Nicht adjustiert wären es 11,4%, was bereits lächerlich ist, wenn bereits die Bonds bereits über 10% Kupon (tatsächlich) auszahlen. Mit den PIKs sieht es aber so aus:

Jahr: Rendite für die neuen Aktien
2010: 10,44 %
2011: 9,21 %
2012: 7,87 %
2013: 6,41 %
2014: 3,40 %

Hmm, da ein Aktionär wesentlich mehr Risiko eingeht als Gläubiger veranschlage ich mal 20% auf die Aktien, was dann mit den grandiosen langfristigen Aussichten im Jahr 2014, dann einen Kaufpreis von 935 Mio plus 1.5 Mrd für die diskontierten Gewinne bis 2013 macht. Da es nur um 40% der Anteil geht, wäre ein fairer Emissionserlös rund 996 Mio. Ja, eigentlich soviel wie anscheinend Providence auch haben will (Wenn man dieses Meine-Erste-Unterrichtsstunde-In-Dreisatzrechnen als Maßstab für Unternehmensbewertung nimmt). Der Nachteil ist, dass hier angenommen wird, dass Kabel Deutschland ohne Probleme die PIKs in 2014 refinanzieren kann. Eine Mrd ist ziemlich viel. Und wenn dann mal wieder eine Rezession anstehen sollte, nun ja…

KURSZIEL: sehr niedrig

Der Aktionär in spe bekommt gleich zwei exotische Wetten hinzu:

- Die Inflationswette: Sollten die Blanchard-Inflationsziele erreicht werden, dann ist das Kursziel natürlich deutlich höher. Ein Blanchard-Gewinnt-Wette gefällig? (Meine Einschätzung: 50-50; Wenn die Blanchard-Wette nicht gewinnt, dann sind mehr als 1 Mrd zu refinanzieren)

- Die Nicht-Rezessions-2014-Wette: Wenn in 2014 die Sonne schön grell scheint auf den Konjunkturzyklus, dann ist eine günstige Refinanzierung der PIKs, z.B. mit echt Kupon-zahlenden Krediten, kein Problem. (Meine Einschätzung: Unwahrscheinlich; Siehe: Noch 1000 Tage…)

Wenn ich diese Risiken mit einpreisen würde, dann würde ich das jetzt alles totrechnen. Ist aber auch egal, weil ich den Dreck nicht kaufen werde. Zumindestens nicht mit dieser Kapitalstruktur, also den PIKs – Vorher braucht man sich garnicht angucken was Kabel Deutschland ist bzw. wie toll oder nicht-toll deren Assets sind. Es würde mich nicht wundern, wenn die PIK-Notes zum Teil bei Providence liegen, und Providence eben versucht die billig einzusammeln: Viel Marktwert dürften die eben nicht haben. Denn sollte die Emission der neuen First-Loss-Pieces (also den zu den PIKs subordinated Aktien) gelingen, werden die PIK-Notes eine (zweite) Kursrally hinlegen (…im OTC Markt…)

So richte hier einen Countdown ein. Es kann am Ende gut, aber auch böse ausgehen – für die Volkswirtschaft, insb. in Europa hinsichtlich der Intensität, und hinsichtlich des Volumens für Nordamerika.

Lesehinweis: One Bite at a Time

“The Elephant is Large”

Die Bilanzrechtsgelehrten und Banken streiten sich noch immer was Mezzanine nun eigentlich sein soll (So das habe ich nun davon, wenn ich immer die Nachrichten auf dem Handy lese und auf dem Computer bloggen…Also kein Link…). Ein Grund der Verwirrung ist, dass jedem während seiner Lehre, Studium, etc. eingeredet wird, dass es nur Schulden (debt) ODER Eigenkapital (equity) gäbe. Also Rangigkeit 1 und 2. Punkt, Aus, Ende! Aber so sieht es grob in Wirklichkeit aus:

Rangigkeit#
1 Senior Schulden
2 Mezzanine
3 Eigenkapital

Eigentlich ist die Namensgebund egal, wobei Rang 1 i.d.R. “Senior” heißt also “Das Fremdkapital” wie aus dem Lehrbuch ist, und den letzten Rang das Eigenkapital ist. Dazwischen kann man belieben soviele Wertpapiere/Instrumente/Finanzierungskontrakte/etc. reinbasteln wie man dafür Investoren findet.

Durch die Rangigkeit beantwortet sich von alleine welches Finanzierungsinstrument wann ausfällt, Prügel einsteckt, Verluste schlucken muss, etc.

Pleitefälle

Im Fall einer Pleite (bankcruptcy) wird ganz klassisch das Eigenkapital (letzter Rang) negativ. D.h. die Gesellschafter, Aktionäre, etc. verlieren alles. Da das Eigenkapital nun weg ist, wird automatisch das nächste Finanzierungsinstrument zum Puffer für die verbleibenden Verluste (also der vorletzte Rang), was i.d.R. irgendeine Mezzanine-Ding, Hybridanleihe, etc. ist. Was können die Investoren dieses Instruments mit vorletzten Rang machen?

- Option a) Tue nichts, es kommen trotzdem keine Zinszahlungen rein, vorher auch. Also der Wert des Kontrakts bleibt im Keller, und im Liquidationsfall bleibt trotzdem nix übrig, wegen der Rangigkeit.

- Option b) Mach mit bei der Restrukturierung, mache einen Debt-for-Equity-Swap, also tausche die Mezzanine-Anteile in Equity um, also realsiere die Verluste bilanziell, aber bekomme dafür Stimmrechte, darfst nun auch den Manager einsetzen/feuern, und das Insolvenzverfahren ist erstmal vorbei.

Natürlich gibt es gewissen “Druck” seitens der Senior auf die Mezzanine-Halter, weil die Senior-Halter auf den Off-Knopf drüggen können, also die Liquidation forcieren können (Option a). Lustig wird es erst, wenn ein Investoren oder mehrere verzahnte Investoren die Interessen von Senior als auch Mezzanine vertreten…

Was mir gerade bei den Banken auffiel war, dass beide Optionen für sie selbst keine Optionen sind. Ganz eigennützig würde das cooler sein:

- Option c) Wir tun nix, und bekommen einen Soffin-Puffer als Ersatz, der dann auch nix mit uns zu tun hat.

Jeder Mensch würde sagen, dass c) vollkommen bescheuert ist, wie aus einer Komodie, aber es ist die Realität (Lesetipp: Risikoanreize aus der impliziten Bestandsgarantie für Finanzinstitute (Blicklog)). Was würde passieren, wenn a) und b) zum Zuge kommen, wie sich eigentlich per Vertrag vorgesehen ist? Die ganzen Banken, Versicherungen, große Firmen, die irgendwie Investoren an Mezzanine bei einer Ausfallfirma sind, können ca. 99% Bilanzwert abschreiben im Falle von b (aber Ausblick auf Besserungen) oder im Fall von a (ohne Ausblick auf Besserung). Wenn Investoren dadurch pleite gehen, ist das widerum ein Eingeständnis, dass diese Investoren selbst viel zu wenig Eigenkapital in den letzten Jahren aufbauten. Ich denke mal dass es auch so ist…

Distressed Securities Spekulation
Noch ein paar Hinweise zu Distressed Securities Strategien: Wenn eine Firma im Default geht, dann wird das Mezzanine i.d.R. ziemlich rasch auf 1% bis 15% runterbewertet, auch wenn die Senior noch bei 50% Recovery liegt. Bei einer Liquiditation oder einem Restructuring könnte aus dem Mezzanine tatsächlich 0,0001% werden (Also eine Firma mit richtig vielen Stillen Reserven in der Bilanz, fällt mir wirklich nicht ein). Wenn man die Mezzanine nun irgendwo für 1% zu kaufen sieht, dann kann man “Sekt-oder-Selters” spekulieren!

- Szenario 1) Man verliert seinen Einsatz komplett durch eine Liquidation (Totalverlust), oder wird durch ein Reststrucuring der Liability-Seite neuer Teileigentümer von quasi-wertloser Equity mit Hoffnung wird (De Facto Totalverlust, aber wenigstens die Firma gerettet, “moralischer Mehrwert”).

- Szenario 2) Es gibt ja noch sowas wie “Management-Können”, also irgendein Macher oder Mitarbeiter das Default-Unternehmen noch operativ retten (z.B. eine vergessene, billig implementierbare Geschäftsidee umsetzen, einen Kunden überzeugen, irgendwoher einer neuen Eigentümer mit Geld reinbringen, schnell und schmerzhaft Kosten senken, etc.). Hier kann es sein, dass das Unternehmen den Default-Status wieder verlässt, auf der Liability-Seite alles beim alten bleibt und man wesentlich mehr als 1% für das Mezzanine zurückbekommt.

Zurück zum Thema
Für mich ist der Fall mit den Banken und ihren Hybridanleihen/Mezzanine ganz klar. Diejenige Mezzanine, die man sich auf Eigenkapital nach Basel II anrechnen lies, für die werde ein “Mezzanine-to-Equity-Swap” durchgeführt, wenn das Instrument der nächstuntere Rangigkeit platzt (also per Ringschluss das Equity-Instrument einen negativen Wert aufweist).

Das Jahr ist bald zu Ende und ich räume meinen PC auf, d.h. es wird der Schreibschrott gelöscht, der keiner “wirtschaftlichen Verwertung” oder sonst irgendeinen Zweck hat außer Bytes auf meinen PC zu belegen oder einfach den Information Overflow steigert. Löschen, Löschen, Löschen. Vergessen, Vergessen, Vergessen ist eine wichtige Form des Lernen. Ich habe dabei etwas gefunden, was ich hiermit ins Netz stellen, und somit meinen Beitrag zum Information Overflow des Internets leiste ;)

Gestern habe ich schon etwas über den Zusammenhang von Kreativität und Volkswirtschaftlicher Entwicklung geschrieben. Ich denke, dass man das dann in den Schumpeter-Ecke abheften kann, wenn man auf abheften steht. Also hier geht es los:

_______________________________________________________
Kreativität und Konjunkturzyklen

Ich denke, dass es irgendwo Grenzen gibt inwiefern Medien bzw. die öffentliche Meinungsbildung eine Wirtschaftserholung herbeireden können.

Es wird, bzw. ist bereits im Gange, zu inputorientierter Effizienzsteigerungen mit der Brechstange kommen (und nicht Toyota-like tröpfchenweise), d.h. Kosten runter um mehr/gleichviel/weniger zu erstellen, und das bleibt dann erstmal so. Das Ergebnis ist eine Volkswirtschaft die zwar genauso viel Output wie vorher erstellen kann (nicht muss), aber mehr Ressourcen, insb. Arbeitskräfte, ungenutzt verfügbar sind (Anzumerken ist, ob diese nun Transferzahlungen erhalten oder nicht ist für die Nachfrageseite neutral; Ist wichtig, aber hier mal uninteressant; Ebenso ist egal ob plötzlich die Humanressourcen frei werden wie in den USA, oder über ein etwas längeres Zeitintervall; usw usw usw; Die Medien können so oder so nur Symptome erkennen, die sich vornehmlich auf das dynamische Einstellen von Gleichgewichtszuständen beziehen).

Am Ende der Geschichte stehen viele ungenutzte Inputs insb. in Form von Menschen auf der einen Seite, und auf der anderen Seite, dass Leistungserstellungsprozesse mehr oder weniger genauso viel Outputs erzeugen können wie vorher. Das ist eine der beiden Spielarten, die Marktgläubige (Betonung liegt auf Glaube) als Effizienzsteigerung bezeichnen, und irgendwelche Weltverbesserer (Das ist eine andere Religion mit denselben Gott) als Argument für das Scheitern des Kapitalismus gerne instrumentalisieren, und am Ende das Offensichtliche garnicht sehen. Eine Rezession wird nur dann überwunden, inkl. einer möglichen Stagnation, wenn es gelingt komplett neue Arten, Formen, etc von Outputs aus dem Nichts zu erfinden.

Die Politik, Zentralbanken, Geschäftsbanken, etc, sind offensichtlich der falsche Ansprechpartner für das Erfinden neuer Outputarten. Das soll garkein Vorwurf sein, oder so. Also meiner Meinung nach werden Indizien für eine wirtschaftliche Erholung eher in Design- und Technik-Zeitschriften zu lesen sein, als in den Zahlenwerken von Statistikämtern oder panischen Auf und Ab der Tageszeitungen.

Also die kommende (echte) wirtschaftliche Erholung hat mehr mit Ungewissheit zu tun als mit Unsicherheit (siehe Entscheidungstheorie, was ich damit meine). Ich glaube, dass was ich hier geschrieben habe in die Schublade der Innovationsökonomik oder Technologiepolitik gehört, wobei ich mir über das epistimologische garnicht so genau weiß. Ich gehe aber davon aus, dass neue Output-arten (logischerweise) erst erfunden werden müssen (extrem ungewiss) oder aus einer verstaubten Schublade eines kreativen Menschen gezogen werden müssen, um im Anschluss von Kaufmänner hinsichtlich der Outputmenge BIG-skaliert werden (BIG BIG BIG…), um überhaupt für irgendeine Statistik messbar zu sein und somit aus dieser Sicht erst existent wird. Dies impliziert Irrationalität und begrenzte Informationsverfügbar der Masse vorraus, und ist somit eine realitätsnahe Theorie. Die Symptome bzw. Nebenwirkungen entsprechen, die einer wirtschaftlichen Erholung, z.B. Menschen sind begeistert, rennen zu Messen um das Neue zu sehen, kaufen es, irgendwer produziert ist, stellt Leute ein, die neue Output-art wird Lebensqualitätsteigernd empfunden, Statistiker überlegen sich den Warenkorb zu ändern, der Fiskus freut sich wieder, Zeitschriften berichten über das neue Spielzeug, schlaue Tüftler, und mutige Manager mit Macherqualitäten, usw usw usw.

Ich sage noch mal was zu den Anforderungen bezüglich des Entstehen dieser mystischen ungewissen neuen Outputart.

a) Analogien, z.B. die supi-Vergleiche und Metaphern von Politikern, coole Geschichten von Verkäufern, das Wecken von Emotionen durch Werbeagenturen, Bionik im Ingenieurswesen, Kulturvergleichstudien, etc. Dafür braucht man eine gute Vorstellungskraft und eine gute Portion Erfahrung. Mit dieser Form von Kreativität bekommt durchaus radikale Innovationen hin. Entlassen sie solche Leute steigt die Firma ins End Game ein.

b) Kombination, z.B. komplexe Derivatestrukturen, Variantenproduktion auf Basis von Autoplattformen, systematisches Erfinden mit TRIZ, Planung globaler Logistiknetzwerke, Entwurf von Schaltkreise, Entwicklung von Roboter, etc. Dafür braucht man viel Brainpower und auch eine gewisse Abneigung gegenüber von Übersimplifizierung. Kurz, ohne diese Leute funktioniert erstmal garnichts. Entlassen Sie diese Leute sind sie bald pleite. Ich würde sagen, dass die Anteil dieser Menschen an der Weltbevölkerung schon etwas niedriger ist.

c) Genalität. Diese Art von Kreativität wird eigentlich nie beachtet, weil geniale Menschen seltener sind als bspw. Black Swans. Es ist die Residualgröße im unteren Promillebereich von Verrückten, glücklichen Rittern mit dem Einfall ihres Lebens, etc. Diese Leute werden entweder ganz berühmt, vergessen oder nach ihrem Tod zu Legenden. Hinzukommen extrem schwierige Initierung der Wissensverbreitung (inkl. der Gefahr von Fehlkommunikation) und die Nichtplanbarkeit (ahhhhhhh…!?!!?!!).

Ich denke, dass es einfach die Masse nicht hören will, dass eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung bzw. Expansion davon anhängt ob einem c)-Typ irgendwann mal ein Einfall gekommen ist. Ohne diese c)-Typ Geschichten gibt es auch nichts Substanzielles was a)-Typen sich vorstellen oder b)-Typen neu kombinieren können, d.h. es gibt auch keine output-orientierte Effizienzsteigerung in der Volkswirtschaft.

Benchmarking, zu Deutsch “Vergleich”, war schon immer so ein Messkonzept, was ich ganz toll aber gleichzeitig eigenartig fand. Solange jemand oder etwas “besser” macht (je nachdem was wir betrachten) als der Durchschnitt aller Alternativen (z.B. Wettbewerber, Produkte, Produktionsprozesse, Vermögensverwaltung, usw.) ist alles ganz toll. Wenn die Konkurrenz ganz stark ist, die Produkt mega super, die Produktions voll effizient, usw., dann mag Benchmarking motivierend wirken noch besser zu werden (Ok, das kann dann zu Dingen wie Profitgier, realitätsfremden Entscheidungen, usw. führen) oder zumindest diejenigen Alternativen rauszusortieren, die nicht mithalten können (z.B. Verdrängungswettbewerb, Survival of the Fittest, Marktbereinigung, etc.).

Die Trägheit der Überlebenden
Genau bei letzteren entsteht ein Problem: Es verschwinden Alternativen, sodass diejenigen die übrig bleiben (Suvivor) aus relativer Sicht, also aus Sicht einer Benchmarking-Messung, “besser” werden ohnen einen Finger zu rühren – Wow man wird “besser” ohne etwas dafür zu leisten!!! Ein Traum, der Wirklichkeit wird, dank Benchmarking… falls man überlebt! (Ich glaube Organisationsforscher nennen das dann die Trägheit der Organisation, was dann folgt. Die Organisation wurde erfolgreich, und dann fett und faul, und immer noch “relativ” erfolgreich)

Not mit Elend vergleichen
Als zweites, kann man mit Benchmarking Schwachsinn schön reden. Denn wenn alle Produkte Mist sind, aber “unserer” Produkt einfach das am wenigsten schlechteste Produkt ist, dann ändert es nichts an der Situation, dass das Produkt Mist ist. Somit kann beim Benchmarking auch schlechtes Produkt ein Erfolg sein, was vollkommen absurd ist.

Benchmarking und Vergütung
Warum ich das erzähle? Vor einigen Jahren ereignete sich, dass ich mich auf die (Irr-)Fahrt Finanzwirtschaft einließ. Einer der ersten Dinge die mir eingeflöst wurde war die Portfoliooptimierung, wo man gesagt bekommt, dass man irgendwelche Indizies als “Benchmark”, also als Vergleichsalternative, zu benutzen hat – Die Menge der Zuhörer war entzückt. Und irgendwie plausibel erscheint es ja auch auf dem ersten Blick. Insbesondere die Doktrin, dass ein “guter” Fondsmanager den “Benchmark schlägt”, und folglich entsprechend entlohnt wird. “Besser als der Markt”, “Besser als erwartet”, … ist nicht nur der Jargon von Spekulanten, Analysten, Finanzinstitutionen, sondern auch von den ganzen Denglisch-sprechenden, veramerikanisierten “Managern”, die sich als “Elite” unserer Gesellschaft selbst krönen. Jedoch fragte ich mich relativ rasch: Und was ist wenn Geld verbrannt wird? Ändert sich dann diese Tatsache nur weil alle Geld verbrannt haben oder der Vergleichsmaßstab ebenfalls abkackt? Ob dann eine Benchmarking-orientierte Vergütung Sinn macht… wohl kaum: “Wir haben gestern den Insolvenzantrag abgegeben, aber wir waren besser als der Markt. Darum haben wir ja unsere lestungsgerechte Bezahlung verdient…” Das ist in der Tat eine absurde Argumentation: Es ist Benchmarking!

Vorhin war auf dem Handelsblatt zu lesen: Brüderle lässt Opel nach GM-Entscheidung fallen. Dort steht geschrieben:

Es sei den USA schwer vermittelbar, wenn Berlin die Hilfen, die dem Magna-Sberbank-Konsortium in Aussicht gestellt
worden seien, GM nicht zur Verfügung stelle.
“Der simple Satz: ,Wir geben euch nicht, was wir den Russen gegeben hätten’, ist schwer auszusprechen. Wir müssten den Amerikanern verweigern, was wir den Russen gegeben hätten”, sagte Fuchs (CDU).

Ich hoffe GM spielt nicht diese Nationalistenkarte des Kalten Kriegs. So wie ich das mitbekommen habe, hat sollte die Bundesregierung lediglich eine Art Restrukturierungskredit gewähren, um Opel aus dem GM herauszulösen und zu einem anderen Investor zu transferieren. Damals war ja ungewiss ob der General Motors Konzern überhaupt überleben werde, sodass es eigentlich nur um die halbwegs geordnete Liquidation des GM Konzerns ging. Tatsache ist, dass der heutige GM-Konzern, nicht derselbe wie damals ist. GM hat sich liquidiert (Siehe Saturn, Hummer, Saab, usw.), wobei lediglich Opel im Portfolio drin blieb. Meiner Meinung nach galt das Angebot der Bundesregierung nur für die rechtliche Herauslösung von Opel/Vauxhall aus dem General Motors Konzern. Daher kann ich der Aussage nur Recht geben:

Zu der Möglichkeit einer Staatshilfe sagte Brüderle: “General Motors/Opel kann wie jedes andere Unternehmen einen Antrag stellen.”

Der Anbieter von Bibliothekssoftware SirsiDynix (Huntsville, Alabama, USA) hat in einem Schreiben “Integrated Library Systems Platform on Open Source” an seine Kunde Stellung zu Open Source genommen.

Die Aussage von SirsiDynix ist lediglich, dass Open-Source voll schlecht sei, insbesondere für “Integrated Library Systems”. Im Dokument arbeitet SirsiDynix, die folgenden Punkte ab, um zu sagen, dass Open Source da immer schlecht sei: Total cost of ownership (TCO), Opportunity costs, Software as a Service (SaaS), Features and Functions, Customization, Security, Networking, Open Formats, Necessary expertise, Testing, Integration, Community-driven, Scalability, Speed, Reliability.

[Link, pdf]
[Link, WikiLeaks]

Gefunden auf Blick Log “Enterprise 2.0: Genossenschaften made by digital natives”, was ein Gastbeitrag von Social Banking 2.0
http://lochmaier.wordpress.com/2009/10/27/enterprise-2-0-genossenschaften-made-by-digital-natives/
. Zum diskutieren dann auch bitte dorthin gehen!!!

Der Typ der im Video spricht ist Peter Kruse (nextpractice).

Ok, normalerweise tue ich das nicht, aber ich werde jetzt die BILD-ZEITUNG zitieren, wonach Ex-Arcandor-Manager Thomas Middelhoff sinngemäß meinte “Quelle-Pleite hätte vermieden werden können!“.
Die BILD-ZEITUNG schreibt treffend direkt unter der Überschrift: “.. dabei soll er maßgeblich für den Untergang des Unternehmens verantwortlich sein..” wobei ich die BILD-Zeitung korrigieren muss: “…Middelhoff ist maßgeblich…” muss es heißen.

Es hätte irgendein PR-Berater dem Herrn Middlehoff sagen sollen: “Halt’ die Fresse!” oder “Es gibt Phasen wo man einfach die Klappe halten sollte” und so weiter…

Herr Middelhoff soll gesagt haben:

Das Ende von Quelle ist ein in höchstem Maß bedauerliches Ereignis – vor allem, weil es nicht unabänderlich war

und schiebt die Schuld auf seinen Nachfolger Eick:

Als keine Staatshilfen kamen und das Planinsolvenzverfahren scheiterte, stand das Unternehmen ohne Alternative da. So rutschte es in eine ungeordnete Insolvenz.

In der BILD stellt Insolvenzverwalter Görg den Fall Quelle so dar:

Wir haben mit der Lupe nach der Substanz in diesem Unternehmen gesucht, aber wir haben nichts Nennenswertes gefunden.

Irgendwie halte ich es für unwahrscheinlich, dass Eick in seinen 7 Monaten bei Arcandor (wofür er insgesamt 15 Mio bekam) so dermaßen runterwirtschaften könnte. Zu dem diesem Lackaffen Middelhoff fällt mir nichts mehr ein, der Mann muss einer eigenen kleinen Traumwelt leben, wo er eine Art Gott spielen muss.

Ein kleines Beispiel zu den Methoden des Herrn Middelhoffs: Zwar wurde bereits vor Middelhoffs Zeit die meisten Karstadt-Warenhäuser an Oppenheim-Esch-Fonds verkauft, der diese dann an Karstadt vermietet hat, wobei Middelhoff dann die Mietpreise aushandelte – Und Middelhoff war Anteilseigner an den Esch-Fonds! Das nennt man nicht nur Interessenskonflikt, sondern “Betrug”, “Veruntreuung” oder einfach nur “kriminell” nennt, und dem Zweck der “Selbstbereicherung” diente. Ich zitiere StGB §266 S.1 (Untreue)

Wer die ihm durch Gesetz, behördlichen Auftrag oder Rechtsgeschäft eingeräumte Befugnis, über fremdes Vermögen zu verfügen oder einen anderen zu verpflichten, mißbraucht oder die ihm kraft Gesetzes, behördlichen Auftrags, Rechtsgeschäfts oder eines Treueverhältnisses obliegende Pflicht, fremde Vermögensinteressen wahrzunehmen, verletzt und dadurch dem, dessen Vermögensinteressen er zu betreuen hat, Nachteil zufügt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Naja, ein Ermittlungsverfahren diesbezüglich wurde im Juni 2009 eingeleitet (Siehe bspw. Spiegel, Manager-Magazin, Süddeutsche, Tagesschau, usw.), sodass der aktuelle Vorstoss in die Medien durch Middelhoff (das ist nämlich das einzige was der Mann kann) dadurch begründet ist, dass die Staatsanwaltschaft das Insolvenzverfahren abwarten wollte. Auch klar ist dass Görg von einem Amt bestellt wurde und den “Schmutz” den er gefunden hat auch bestimmt dorthin weiterleitet.
Desweiteren wird ab jetzt wohl auch gegen Eick wegen Insolvenzverschleppung ermittelt (AktG § 92 “Vorstandspflichten bei Verlust, Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit” und InsO § 15a “Antragspflicht bei juristischen Personen und Gesellschaften ohne Rechtspersönlichkeit”). Hier ist aber zu klären ob Arcandor nicht schon vor Eick, also bereits unter Middelhoff, einen Insolvenzantrag hätte stellen müssen, was aber einen Bilanzbetrug voraussetzen müsste. In diesem Zusammenhang wäre zu klären ob insbesondere der Goodwill in der Arcandor-Bilanz “Zauberei” war… Dies würde widerum Zweifel über die Ordnungsmäßigkeit des Testats des Wirtschaftsprüfers aufkommen lassen (der auch beim Insolvenzverfahren dabei war), und der sich noch witziger auf die Auslegung des Rechnungslegungsstandards IFRS berufen kann (den “er” als Mitglied des IAS noch viel viel lustigerweise selbst mitschreibt… bzw. bezahlt).

Weitere Quellen:
Thomas Middelhoff hält die Quelle-Pleite für unnötig (WELT)
Ex-Arcandor-Chef: „Die Quelle-Pleite war nicht unabänderlich“ (Focus)
Ausverkauf bringt Webseite zum Erliegen

Die Geschichte mit den Batterien für Elektroautos ist eine sehr spannende Sache, weil Phase von Unsicherheiten bzgl. Nachfolge-Technologien nicht so häufig vorkommen… in Branchen wie Maschinenbau, Automobil, Luftfahrt, Anlagenbau, etc.

Hierzu ein Artikel im Handelsblatt: Kampf um das Herz der Elektroautos (Handelsblatt, 31.10.2009)

Mit Unsicherheiten ist die Gefahr des “Griff ins Klo” gemeint, weil Autohersteller und ihre Zuliefer sehr viel Geld in die Hand nehmen müssen: Komplett andere Plattform, Antriebstechnik, und vieles mehr inklusive der Batterie. Also kein Wunder, dass beim komplett überschuldeten Continental-VDO-Schaeffler-Firma den Entscheidern die Schweißperlen am Kopf runterlaufen. Eigentlich müsste Conti seine Pasiva umbauen, weil das exogene Ereignis eines Technologieumbruchs die Mindestrenditeforderung einer Free-Cashflow-Hypothese (d.h. Kapitalgeber setzen Renditeziele über Fremdkapital, damit das Management keine überflüssigen risikoreichen Projekte finanzieren) obsolet, nicht situationsgerecht, komplett unrealistisch macht. Gerade Conti muss sich entschulden! Wenn die Kapitalgeber (d.h. Eigen- und Fremdkapital) das nicht einsehen, dann kann die Situation entstehen, dass Conti in wichtigen Geschäftsfeldern aus dem Wettbewerb fliegt – Ergo Kapitalgeber richtig viel verlieren.

Ein Blog-Hinweis: Plug-In Germany, PHEV, BEV and V2G berichtet über die alternativen Antriebe für Autos, in der Regel mit Videos, z.B.
BMW PHEV VISION Efficient Dynamics
AUDI A2 EV Conversion
Der Elektro Mini von BMW kommt!
BMW E36 auf Elektroantrieb umgerüstet
Dodge EV

Weitere Links:
Erster Elektro-Truck ausgeliefert
Erstes serienreifes Elektroauto von Nissan
Elektroauto und Hybrid – 2 neue Nissan Prototypen
Daimler plant weitere Elektroauto-Projekte
Elektro-Peugeot Ende 2010!
Autostrom = Atomstrom
RWE bringt das DEA-Werbespot Team zurueck auf den Bildschirm
Lithium-Mangel bedroht die Auto-Revolution (Spiegel)

Zum Frühstück habe ich ein bisschen in der Brochure von http://www.nexxt.de gestöbert – Es sind Nachfolger in Blut und Fleisch für Firmen gesucht aka Unternehmensnachfolger.

Wahrscheinlich ist jede Unternehmensnachfolge ihre ganz eigene Finanz-, Steuer-, Rechts-, Organisation- und Technologie-Story. Und entsprechend hoch die Anforderungen an einen Nachfolger.

Am Ende des Tages handelt es sich um eine Transaktion – einen Unternehmensverkauf. So wird es bestimmt ein paar Menschen geben, die (a) etwas von Liquidität verstehen, (b) Aufträge ranschaffen können, (c) neue Produkt-, Design- oder Technikideen mit rein bringen, (d) gut mit Mitmenschen können. Jedoch muss ein Nachfolger Geld, Cash, Pinke-Pinke, Zaster, Kohle, Moneten, … haben um den Voreigentümer rauszukaufen.

Tja spieltheoretisch ist das interessant.
1) zu höher Preis:
1a) Alteigentümer gewinnt, Nachfolger geht pleite
1b) kein Deal, beide verlieren
2) zu niedriger Preis
2a) siehe 1b
2b) Alteigentümer rasiert, weniger finanzielle Bürden für Nachfolge.

Ich habe dazu mal ein interessantes Konstrukt gesehen. An der Außenhandelsfirma Melchers(www.melchers.com) sind immer die aktuellen 4 Geschäftsführer an der Firma zu je 22% beteiligt – so zu sagen temporär. Die Familie Melchers hält den Rest von 12% und mischt sich nicht in die Geschäfte ein. Ein solche Vereinbahrung die der alte Melchers, der letzte aktive “Kaufmann” der Familie, traf, verlässt die Grenzen der obigen Spiels: Die Nachfolger haben niedrigere finanzielle Bürden, und die Erben/Alteigentümer erzielen einen hohen Preis, langfristig.

Natürlich ist dieses Modell auf Handelsfirmen zu geschnitten. Aber man kann es sicherlich auch von der Anreizstruktur auf Produktionsbetriebe übertragen. Wichtig ist dass ein Nachfolger auf eigene Rechnung später handeln muss. Also ein Tick mehr persönliches finanzielles Risiko als ein Manager mit flexibler Vergütung übernehmen würde.

ARCANDOR wird oft mit Karstadt gleichgesetzt, sodass wichtiges Thema Karstadts Mieten sind, wie der Blog Miscellaneous economic ramblings übersichtlicht gezeigt wird. In diesem Kontext wird die Serie von Einzelhandelspleiten der jüngeren Vergangenheit Folgen für den Gewerbeimmobilienmarkt haben, wie qualitativ Duckhome auf seiner Internetseite aufzeigt.

Für den Insolvenzfall sind die Bilanzaktiva entscheidend aus denen Gläubiger ihre Recovery Rate rausschlagen müssen. Bereits vor einigen Tagen zeigte sich egghat verwundert über die Schrumpfkur des Arcandor Eigenkapitals um 1.053.238.000 Euros innerhalb von nur 6 Monaten, was er treffend kommentiert mit:

…Arcandor verbrennt das Geld ja schneller als die ganze DDR! …

Das einzige was mir zu egghat’s Blogeintrag einfiel war:

He he der Goodwill ist das was jede Firma schön versteckt… Und je länger man die Berichte nach Hinweisen suchen muss und es sich selbst aus gegeben Zahlen zurück konstruieren muss, desto eher ist da was im Busch. Aber wer versucht denn schon Bilanzen zu lesen…
Der Trick beim Goodwill ist, dass man nur viele Investitionen und Disinvestitionen ständig machen muss, und Hexhex kann man irgendwelche tollen Sachen annehmen, z.B. der Wert einer frisch gekauften Kundenliste eines Hotelressorts, und so weiter.

Die Frage bleibt, was der Zerschlagungswert von ARCANDOR sein mag. Zumindestens gab es vor dem Insolvenzantrag kein Interesse seitens strategischer Investoren Konzernteile zu kaufen, und auch nicht seitens der Gläubiger weiterhin Fremdkapital den offiziellen Arcandor Assets gegenüber zustellen. So schmeißt Udo-K im Forum wallstreet-online die Zahl 4,5 Mrd für Goodwill in 2007 in die Arena. Und bei Arcandors Bilanzsumme, würde ich das auch nicht bezahlen wollen. So würde ich mal auf einen Insolvenzkostensatz von ca. Alpha=1/3 tippen, d.h. die liquidierbaren Assets von Arcandor sind nur 2/3 von der offiziellen Bilanzsumme wert. Der gehandelte Abschlag auf Arcandor-Anleihen geht grob in diese Richtung. Mal gucken wie es kommt.

Nächste Seite »

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.