Wirtschaft


Irgendwie war ich überrascht, dass mein Blogeintrag “Kabel Deutschland Börsengang (Warnung, die piken)” – was lediglich als Lesenhinweis für das Börsenkommentar von Herrn Mark Böschen in der WIWO gedacht war – seit über zwei Wochen immer ganz oben in meiner Tageesstatistik auftaucht (Vielleicht liegt das an der Verlinkung). Darum habe ich mich genötigt gefühlt dort ein Update als Kommentar reinzuschreiben.

Ich hoffe, dass sich vielleicht der eine oder andere Aktionär in spe von Kabel Deutschland ein paar Infos für seinen/ihren “Prozess der Erwartungsbildung” (um es geschwollen zu sagen) da rausziehen konnten (Und ich will mich hier nicht wiederholen. Ach doch: Kabel Deutschland kann als Speculative Borrower eingeordnet werden).

Here we go…

Warum der Kabel-Deutschland Börsengang klappen wird?!

Antwort:
(1) Weil zu viel Geld da ist!
(2) Weil Providence & Co. Kabel nicht zu jeden Preis verkaufen müssen.

Das mit (2) ist ganz einfach: “Jump into the shoes” of other! (Folie 33. Was ist Wissenskomplexität?) Oder anders: Wenn ich Providence (und die anderen zwei) wäre würde ich ums verecken nicht unter Low 20 gehen – Dann würde ich es lieber behalten. Aber wegen (1) ist das nicht notwendig.

Eigentlich ist (2) eine Folge von (1). Die Finanzierung von Private Equity Firmen ist Dank der weltweiten Rettung unseres Finanzsystems inklusiven den massiven, historischen Interventionen der Zentralbank nicht in die Knie gegangen. Aber nicht nur PE Firmen profitierten davon, sondern alle die ihre Chips ihrendwo in Kapitalmärkte (Aktien und Anleihen) parken, ob Heuschrecken oder Sparplan-Leute. Es bleibt nur das Problem, dass die Assets wie vor zwei, drei Jahren begrenzt sind, aber nun noch mehr Geld diese jagt.

* (Das Folgende braucht keiner lesen, der meine Meinung zu Volkswirtschaft bereits kennt… Selbswiederholdung, Wiederholdung, Wiederholung… gähhhnnnn…. Durch die Retterei der letzen Jahren haben wir nichts erreicht, sondern nur alles aufgeschoben. Eine echter nachhaltiger Konjunkturzyklus startet mit neuen, ungewissen “Technologien” auf denen neue Geschäftsmöglichkeiten, neue Erlösquellen, neue Wohlfahrtskomponenten, neuer Nutzen entsteht, den es zu “finanzieren” gilt. Jedoch dienen alle Kapitalmaßnahmen (wie IPOs) die wir dieser Tage sehen der “Refinanzierung” des Existierenden – Wir sind noch Mitten im Ende des alten gesättigten Konjunkturzyklus… auch wenn Statistiker ein anderes Law of small Numbers singen mögen… )

Die deutschen Politiker sind wirklich gut im meckern:
- (Imaginäre) Spekulanten trieben Griechland in den Bankrott,
- die gierigen Banken geben den Unternehmen keine Kredite,
und so weiter.

Jedoch ist ein Hauptgrund warum Unternehmen und fast-junk-bond-like-naja Staaten wie Grieechenland ihre (existierenden) Schulden nicht refinanzieren können, dass (relativ gesehen) sicherere Investitionsmöglichkeiten von Staaten wie Deutschland verstärkt geschaffen wurden und werden: Durch die ausufernende Neuverschuldung. Letztes Jahr 80 Mrd Euros. Das ist schon mal das Doppelte wie wie vor garnicht alzu langer Zeit.

Natürlich ist der Deutsche Staatshaushalt nicht der einzige, der das Angebot dieser Investitionsmöglichkeiten erweitert bzw. hat, z.B. die Neuschulden der USA, Japan, und auch Frankreich um nur einige zu nennen, kommen mit dem deutschen Staatshaushalt auf eine ziemlich hohe astronomische Summe, und zwar per annum.

In der Fachsprache wird das Crowding-Out-Effekt genannt, d.h. Staaten erhöhen ihre Neuverschuldung, Investoren kaufen diese Staatsschulden, aber dafür nicht die Schulden von Unternehmen (Tarahh crowding-out). Gerade im Euroraum ist es so, dass die Zentralbank – ECB – nicht die Staatsschulden in ihre Bilanz nimmt, bzw. das auf garkeinen Fall will (Warum? Genauso funktioniert Inflation im engeren Sinne, und kann der Beginn einer Abwärtsspirale in die Hyperinflation sein, z.B. Argentinien). Also konkurrieren Staaten um eine Finanzierung durch Kapitalgeber auf Finanzmärkten, gegen andere Entities, z.B. Unternehmen und auch andere Staaten.

Ich finde es daher hochhgradig scheinheilig, einerseits zu erfahren mit welchen unverschämten Wunschvorstellungen die Bundesministerien sich für den nächsten Bundeshaushalt positionieren, und die “Jünger” ihrer Parteien gegen den Schlendrian anderer Staaten wettern, und mit den Finger auf Banken, Investoren und (imaginären) Spekulanten zeigen die Unternehmen nur unter härteren Auflagen Kredite gewähren wollen. Die härteren Auflagen für Kredite sind getrieben durch das Angebot von Investitionsmöglichkeiten, sie sind zum großen Teil getrieben durch die ausuferende Neuverschuldung der BRD.

Zusatz: Es macht auch keinen Sinn, dass die BRD riesen Fonds auflegt, die die BRD ja auch durch Kapitalgeber finanziert, die dann Unternehmen, Banken andere Staaten Kredite gewährt, die sie nicht von Kapitalgebern bekommen, weil die ja ihr Geld bereits den lustigen BRD-Fonds gegeben haben. Der neue geplante EWF macht daher nur Sinn, wenn es nicht eine reine Geldbeschaffungsmaßnahme ist, sondern vor allem den Zweck verfolgt, Staatshaushalte zu restrukturieren, und zwar radikal (was im Falle eines Fast-/Bankrotts garnicht anders geht).

Ich mache es mal kurz. Die Stichprobenartigen Frage zur CEBIT “Wie läuft es?” ergab: Ganz gut.

Nachdem 2009 so eine Art Katastrophe war, scheint 2010 wieder ein normales Jahr zu werden.

Die Nachricht kam bereits im Februar im LOG.Kompass . Während Mitte 2009 die Frachtraten übelst im Keller lagen (Siehe “Charterraten im Keller – Warum nicht Futures verkaufen?“), haben Logistikunternehmen ihre Transportkapazitäten radikal geslashed. Es macht ja auch keinen Sinn Transportdienstleistungen als Verlustgeschäft anzubieten. LOG.Kompass meldete im Februar 2010:

Im Lkw-Ladungsverkehr erreichten die Preise laut Transport Market Monitor von Cap Gemini und Transporeon bereits im dritten Quartal 2009 ein Niveau von 97 Prozent im Vergleich zu Oktober 2008, den Monat bevor der Transportmarkt einbrach. Noch dramatischer ist die Preisentwicklung in der Containerschifffahrt – vor allem auf der Rennstrecke zwischen Asien und Europa…. Ein Standardcontainer aus Hongkong nach Europa kostet derzeit 25.000 US-Dollar, noch im Juli werden noch 500 US-Dollar ausgerufen. Die Luftfracht hinkt hinterher… noch um 40 Prozent unter Vorjahresniveau…

Die Begründung liegt klar auf der Mengenseite:

Die Verteuerung bei den Frachtraten hat weniger mit der Erholung der Mengen zu tun, als mit der gezielten Reduzierung von Kapazitäten. Vor allem den Reedern gelang es, ihren Preiskrieg zu stoppen und ganz gezielt Kapazitäten aus dem Markt zu nehmen. Mittlerweile bleiben in Asien sogar Ladungen in den Häfen liegen… Im LKW-Verkehr wurden alleine in Deutschland rund 80.000 Lastzüge abgestellt und bei der Deutschen Bahn 35.000 Wagons.

Die von vielen Ökonomen seit Krisenbeginn angeprangerten Überkapazitäten in der Produktion (z.B. Automobilherstellung) wurden in der Logistikbranche mittlerweile antizipiert. Sprich die Transporteure interessiert es wenig wieviel Produktionskapazitäten in der Produktion existieren, sondern die tatsächlichen Produktionsmengen. Daher frage mich wie es um die Produktionsauslastung des produzierenden Gewerbes bestellt ist (Kann man äquivalent zu den Stückkosten sehen). Bei der asiatischen Produktion mache ich mir da keine Gedanken, weil die ähnlich wie die Logistikbranche ziemlich knallhart kosten-orientiert sind (In China wurden schon zu Beginn der Weltwirtschaftskrise im Pearl Delta die Fabriken dicht gemacht als die Aufträge wegfielen). Für deutsche Betriebe mit ihren Abrwackprämien-, Kurzarbeitergeld, usw. konjunkturprogramm-gestützen-Produktionskapazitäts-aufrechterhaltenen Maßnahmen stellt sich die Frage inwiefern 2010 neue zusätzliche Aufträge reingeholt werden. Anonsten wird die Wettbewerbsluft dünn.

So richte hier einen Countdown ein. Es kann am Ende gut, aber auch böse ausgehen – für die Volkswirtschaft, insb. in Europa hinsichtlich der Intensität, und hinsichtlich des Volumens für Nordamerika.

Lesehinweis: One Bite at a Time

“The Elephant is Large”

Ein kleines Fundstück mit den schlimmsten Finanzverbrechern dieses Jahrzehnts von Geraint Anderson (The top 10 financial rogues of the Noughties)

10) Dennis Kowalski (Tyco; Industrie; Veruntreuung) currently serving 8 to 24 years in a New York prison mainly as a result of receiving $81m in purportedly unauthorized bonuses whilst he was CEO of US conglomerate Tyco. He admitted at his trial that his $100m annual pay package was ‘almost embarrassingly big.’ This fat, bald fraudster became a poster boy for early noughties excess after it emerged that he’d spent $6000 on a shower curtain!

9) Elliot Spitzer (Politik; Gefallener Moralapostel) this former New York state attorney became the scourge of bankers as a result of his attempts to clean up Wall Street in the early noughties. However, his Mr Clean image was tarnished irreparably in 2008 after he was exposed as a regular customer of a prostitute ring. Gets a place for sheer hypocrisy.

8. Adam Applegarth (Northern Rock; Bank; Größenwahnsinn) Mr Applegarth’s reckless risk-taking resulted in the first run on a British bank (Northern Rock) for over a century and played a significant role in worsening Britain’s credit crunch. He’s more of a dullard than a crook but any sympathy may be offset by the over £1m payoff he received after his fall.

7) Conrad Black (Hollinger International; Medien; Veruuntreung) Baron Black of Crosshabour was once the third biggest newspaper magnate in the world. He was convicted of diverting funds for personal benefit from his company Hollinger International and is now serving a 6½ year sentence. He and his wife Amiel’s extraordinary notorious extravagance were neatly summed up by an infamous picture of them dressed as Cardinal Richelieu and Marie Antoinette.

6) Bernie Ebbers (Worldcom; Telekommunikation; Bilanzbetrug) this bearded, born-again Christian ex-bouncer was a good old boy who built up a telecoms company worth $180bn. He turned many of the locals from his town of Brookhaven, Mississippi into millionaires but when the tech boom fizzled out he decided to cook the books and got his company into a right stew. Worldcom went bankrupt and Bernie’s doing 25 years.

5) Fred ‘The Shred’ Goodwin (Royal Bank of Scotland; Bank; Größenwahnsinn) Sir Frederick Goodwin is one of the least popular bankers around … and that’s really saying something! His extraordinary mismanagement of Royal Bank of Scotland was only rivalled by his willingness to sack employees and his seemingly boundless megalomania. After his bank was nationalized Goodwin cemented his bogeyman status by accepting a £700K annual pension.

4) Jerome Kerviel (Societe Generale; Eigenhandel; Fehlspekulation) This geeky 32 year old rogue trader almost destroyed one of France’s major banks, Societe Generale, after he allegedly lost €4.9bn in early 2008 (over six times our own Nick Leeson’s efforts of 1995.) Ironically, this ex-banker has become something of a hero to anti-capitalist French groups.

3) Jeffrey Skilling/Andy Fastow (Enron; Energy; Bilanzbetrug) – these two crazy guys created the house of cards that was Enron. Through accounting trickery they pretended Enron made profits when in fact it was a heavily-indebted illusion that fell apart in 2001. They are serving 24 and 6 years respectively though their boss, Ken Lay, died before his sentencing.

2) Dick Fuld (Lehman Brothers; Bank; Größenwahnsinn) – this pit-bull of a man oversaw the destruction of Lehman Brothers and, in so doing, ensured that the world entered the worst financial crisis since The Great Depression. His unwillingness to listen to others, bombastic manner (he once publically declared he’d eat the still beating heart of hedge fund managers that dared short his stock!) and sheer bloody mindedness are legendary.

1) Bernie Madoff (Bernard L. Madoff Investment Securities LLC; Vermögensverwaltung; Schnellballsystem) – A late entrant, but without doubt the king of the crop! The renowned investor Warren Buffet famously said ‘you only find out who’s swimming naked when the tide goes out’ and that is exactly what happened to Bernie as the financial crisis took hold. His Ponzi scheme may have cost investors $65bn and is now officially the biggest ever fraud. In June 2009 this former pillar of New York society was sentenced to 150 years in prison.

Ich lasse das mal so stehen. Man kann sicherlich noch einige weitere aufzählen oder eine Country-List “Germany” aufmachen. Naja, schon allein unsere Pleite-Landesbanken würde einige Plätze in der Top-10-Germany-Liste einnehmen. Vielleicht sollte man das dann in “Millionenbeträge” und “Millardenbeträge” aufteilen… (in Bearbeitung)

ACHTUNG: DIESER BEITRAG WIRD AB HIER LAUFEND AKTUALISIERT!!!

Germany: x-Millarden

1. Georg Funke, Reinhard Grzesik (Hypo Real Estate; Veruntreuung; ca. Euro 200 Mrd) Die Hypo Real Estate wurde 2002/03 sozusagen als “Bad Bank”der Hypovereinsbank ausgegliedert. Dennoch vollbrachte es Funke 2007 auch noch, die nun irische, Depfa zu kaufen, und diese nicht von den deutschen Finanzaufsichten (Bafin, Bundesbank) prüfen zu lassen. Die hätten nämlich herausgefunden dass das Zinsstrukturkurvensurfen der Depfa gegen die DerivateV und SolvV verstösst. Versenken via Corporate Strategy vom Feinsten. Achso, Reinhard Grzesik war Finanzvorstand der Depfa bis Mitte 2007 und wechselte dann zur IKB …

2. Hans Berger, Dirk Jens Nonnenmacher (HSH Nordbank; Veruntreuung, ca. Euro 100 Mrd),

3. Stefan Jentzsch (Alllianz/Dresdner Bank; Veruntreuung; ca. 40 Mrd.) Hätte die Allianz nicht die Dresdner an die Commerzbank vertickt, hätte die Allianz-Tochter Dresdner Bank laut Hören-Sagen zum 31.12.08 ein negatives Eigenkapital von rund 40 Mrd ausgewiesen. Dresdner Kleinwort aus London lässt grüßen! Tja dann wäre es knapp um die Versicherungsprodukte der Allianz geworden, und das Geschrei groß. Es ist eine PR/politische Meisterleistung, dass das ganze schlechte Image die Commerzbank abbekam, was dann auch wohl der Deal zwischen München, Frankfurt und Berlin war.

4. Herbert Süß, Stefan Leusder (Sachsen LB; Veruntreuung; ca. 30 Mrd.) haben über die hauseigenen irischen Zweckgesellschaften Ormond Quay und Georges Quay rund 30 Mrd. versenkt. Diese Belastung wurde über das übliche Gekungel in Soffin und in die LBBW reingeladen.

5. Stefan Ortseifen, Markus Guthoff, Frank Braunsfeld, Volker Doberanzke (IKB; Börsenmanipulation und Veruntreuung; ca 20 Mrd) Ortseifen hat sich zum einem selbstbereichert indem er die Spesenabrechnung zu großzügig für sich auslegte – Hat sich für ein paar Millionen seine Vorstandsvilla ausbauen lassen. Andererseits hat sich Ortsseifen durch falsche Ad-Hoc Mitteilungen gegen das WpHG und AktienG strafbar gemacht, im Zusammenhang mit Versenken der IKB. Der IKB-Vorstand wollte via ihren irischen IKB Zweckgesellschaften Rhineland Funding Capital, Rhinebridge und Havenrock am Großen Rad der Subprime-ABS drehen, was in die Hose ging. Mitte 2007 übernahm dann der Depfa-Hütchenspieler Reinhard Grzesik das Ruder bei den Pleite-Conduits.

6. Wendelin Wiedeking und Holger Härter (Porsche; Verdacht auf Insiderhandel und Kursmanipulation mit Schaden von ca. 10 Mrd; Verdacht auf Selbsbereicherung ca. über 100 Mio). Über die Buchgewinne aus den Derivategeschäfte mit VW-Aktien gekoppelt mit M&A-Pläne und falscher Informationspolitik, haben die Ex-Porsche-Vorstände sich super-dupi “Performance-Vergütung” von geschätzten ca. über 100 Mio abzgl des Autogeschäfts einverleibt. Klar lief das Geschäft mit den Autos auch toll, aber nicht so toll wie mit – dem per “fachlicher” Definition – Insiderhandel bzw. “großzügiger Auslegung von Informationspflichten” (Disclaimer: Ob die “rechtliche” Definition hier auch zutrifft muss noch das Gericht herausfinden). Der Schaden für Marktteilnehmer auf VW-Aktien beläuft sich auf ca. 10 Mrd.
- Krach um Wiedekings Gehalt (Stuttgarter Zeitung, 29. Mai 2009)
- US-Milliardenklage lässt Porsche-Aktie absacken (FTD, 25 Jan 2010)

7. Werner Schmidt (Bayern LB; Verdacht Insider-Handel und Veruuntreung; Schaden ca. 3,7 Mrd). Wegen des Kaufs der österreichischen Group Alpe Adria zieht die Staatsanwaltschaft die Schlinge zunehmend fester zusammen:
- Ermittlung gegen ex Vorstandschef der Bayern LB (Finanznews, 25. Okt 2009)
- Staatsanwälte weiten Ermittlungen aus (Manager Magazin, 13 Jan 2010)

8. Friedhelm Breuers (West LB), Rogue Trading, ca. Euro 600 Mio verspekuliert.

9. Helmut Kiener (Verdacht auf Veruuntreung; Scaden ca. USD 400 Mio). Ist quasi der Deutsche Madoff, aber mit einem noch ausgeklügelteren Schneeballsystem. Man muss “groß bescheißen”. Darüber kann Herr Kiener bestimmt ein Buch im Knast schreiben und dann die Filmrechte verticken…
- Wie das System Kiener funktionierte (Handelsblatt, 29 Okt 2009)
- Homepage von Helmut Kiener / K1 Hedge Fund
- K1 Hedge Fund Manager Helmut Kiener Held Under Arrest (Bloomberg, 29 Okt 2009)
- Today In Handcuffs: Helmut Kiener Come On Down! (Dealbreaker, 29 Okt 2009)
- Liechtenstein Minister Was Director at Sales Arm of Kiener’s K1 (Bloomberg, 1 Dez 2009)
- JPMorgan, BNP Paribas Sue K1 Invest, Alleging Fraud (Bloomberg, 24 Dez 2009)

10. Heinrich v. Pierer (Siemens), Bestechung bzw. “Schwarze Kassen” bzw. “Schmiergeldaffäre”, über Euro 420 Millionen

11. Middelhoff (Arcandor/Esch-Fonds; Veruuntreung; ca. 20 Mio)

Background: Bilanzbetrug von Enron
Das Economic Cow Model sagt eigentlich alles was Enron, Jeffrey Skilling und Andy Fastow, gemacht haben:

Enron Venture Capitalism
You have two cows. You sell three of them to your publicly listed company, using letters of credit opened by your brother-in-law at the bank, then execute a debt/equity swap with an associated general offer so that you get all four cows back, with a tax exemption for five cows. The milk rights of the six cows are transferred via an intermediary to a Cayman Island Company secretly owned by the majority shareholder who sells the rights to all seven cows back to your listed company. The annual report says the company owns eight cows, with an option on one more. You sell one cow to buy a new president of the United States, leaving you with nine cows. No balance sheet provided with the release. The public then buys your bull.

Background: Zinsstrukturrisko
Eigentlich weiß es jeder, der jemals an der Oberfläche der Bankelehre gekratzt hat: Mit Kurz Lang finanzieren ist gefährlich. Leider haben es doch ein paar bankenvorstände (HRE, IKB) wohl vergessen. Das ist so als ob ein Handwerker vergisst womit man einen Nagel in die Wand haut. Es steht sogar in diversen Verordnungen drin, z.B. Solvenzverordnung § 316 Abs 3 und Derivateverordnung § 12 Abs 3,

Zinsstrukturrisiken entstehen durch die nicht gleichförmige Entwicklung kurzfristiger und langfristiger Zinssätze. Bei der Bestimmung der Zinsstrukturrisiken ist eine dem Umfang und der Struktur des Geschäfts des Instituts angemessene Anzahl und Verteilung von zeitmäßig bestimmten Zinsrisikozonen zu unterscheiden. Die Anzahl der Zinsrisikozonen muss in den entwickelten Märkten mindestens sechs betragen. Spreadrisiken im Sinne der nicht gleichförmigen Entwicklung der Zinssätze verschiedener Klassen von auf die gleiche Währung lautenden zinsbezogenen Finanzinstrumenten sind ebenfalls in angemessener Weise zu berücksichtigen, unabhängig von der Zuordnung zum allgemeinen oder besonderen Kursrisiko.

Die Bilanzrechtsgelehrten und Banken streiten sich noch immer was Mezzanine nun eigentlich sein soll (So das habe ich nun davon, wenn ich immer die Nachrichten auf dem Handy lese und auf dem Computer bloggen…Also kein Link…). Ein Grund der Verwirrung ist, dass jedem während seiner Lehre, Studium, etc. eingeredet wird, dass es nur Schulden (debt) ODER Eigenkapital (equity) gäbe. Also Rangigkeit 1 und 2. Punkt, Aus, Ende! Aber so sieht es grob in Wirklichkeit aus:

Rangigkeit#
1 Senior Schulden
2 Mezzanine
3 Eigenkapital

Eigentlich ist die Namensgebund egal, wobei Rang 1 i.d.R. “Senior” heißt also “Das Fremdkapital” wie aus dem Lehrbuch ist, und den letzten Rang das Eigenkapital ist. Dazwischen kann man belieben soviele Wertpapiere/Instrumente/Finanzierungskontrakte/etc. reinbasteln wie man dafür Investoren findet.

Durch die Rangigkeit beantwortet sich von alleine welches Finanzierungsinstrument wann ausfällt, Prügel einsteckt, Verluste schlucken muss, etc.

Pleitefälle

Im Fall einer Pleite (bankcruptcy) wird ganz klassisch das Eigenkapital (letzter Rang) negativ. D.h. die Gesellschafter, Aktionäre, etc. verlieren alles. Da das Eigenkapital nun weg ist, wird automatisch das nächste Finanzierungsinstrument zum Puffer für die verbleibenden Verluste (also der vorletzte Rang), was i.d.R. irgendeine Mezzanine-Ding, Hybridanleihe, etc. ist. Was können die Investoren dieses Instruments mit vorletzten Rang machen?

- Option a) Tue nichts, es kommen trotzdem keine Zinszahlungen rein, vorher auch. Also der Wert des Kontrakts bleibt im Keller, und im Liquidationsfall bleibt trotzdem nix übrig, wegen der Rangigkeit.

- Option b) Mach mit bei der Restrukturierung, mache einen Debt-for-Equity-Swap, also tausche die Mezzanine-Anteile in Equity um, also realsiere die Verluste bilanziell, aber bekomme dafür Stimmrechte, darfst nun auch den Manager einsetzen/feuern, und das Insolvenzverfahren ist erstmal vorbei.

Natürlich gibt es gewissen “Druck” seitens der Senior auf die Mezzanine-Halter, weil die Senior-Halter auf den Off-Knopf drüggen können, also die Liquidation forcieren können (Option a). Lustig wird es erst, wenn ein Investoren oder mehrere verzahnte Investoren die Interessen von Senior als auch Mezzanine vertreten…

Was mir gerade bei den Banken auffiel war, dass beide Optionen für sie selbst keine Optionen sind. Ganz eigennützig würde das cooler sein:

- Option c) Wir tun nix, und bekommen einen Soffin-Puffer als Ersatz, der dann auch nix mit uns zu tun hat.

Jeder Mensch würde sagen, dass c) vollkommen bescheuert ist, wie aus einer Komodie, aber es ist die Realität (Lesetipp: Risikoanreize aus der impliziten Bestandsgarantie für Finanzinstitute (Blicklog)). Was würde passieren, wenn a) und b) zum Zuge kommen, wie sich eigentlich per Vertrag vorgesehen ist? Die ganzen Banken, Versicherungen, große Firmen, die irgendwie Investoren an Mezzanine bei einer Ausfallfirma sind, können ca. 99% Bilanzwert abschreiben im Falle von b (aber Ausblick auf Besserungen) oder im Fall von a (ohne Ausblick auf Besserung). Wenn Investoren dadurch pleite gehen, ist das widerum ein Eingeständnis, dass diese Investoren selbst viel zu wenig Eigenkapital in den letzten Jahren aufbauten. Ich denke mal dass es auch so ist…

Distressed Securities Spekulation
Noch ein paar Hinweise zu Distressed Securities Strategien: Wenn eine Firma im Default geht, dann wird das Mezzanine i.d.R. ziemlich rasch auf 1% bis 15% runterbewertet, auch wenn die Senior noch bei 50% Recovery liegt. Bei einer Liquiditation oder einem Restructuring könnte aus dem Mezzanine tatsächlich 0,0001% werden (Also eine Firma mit richtig vielen Stillen Reserven in der Bilanz, fällt mir wirklich nicht ein). Wenn man die Mezzanine nun irgendwo für 1% zu kaufen sieht, dann kann man “Sekt-oder-Selters” spekulieren!

- Szenario 1) Man verliert seinen Einsatz komplett durch eine Liquidation (Totalverlust), oder wird durch ein Reststrucuring der Liability-Seite neuer Teileigentümer von quasi-wertloser Equity mit Hoffnung wird (De Facto Totalverlust, aber wenigstens die Firma gerettet, “moralischer Mehrwert”).

- Szenario 2) Es gibt ja noch sowas wie “Management-Können”, also irgendein Macher oder Mitarbeiter das Default-Unternehmen noch operativ retten (z.B. eine vergessene, billig implementierbare Geschäftsidee umsetzen, einen Kunden überzeugen, irgendwoher einer neuen Eigentümer mit Geld reinbringen, schnell und schmerzhaft Kosten senken, etc.). Hier kann es sein, dass das Unternehmen den Default-Status wieder verlässt, auf der Liability-Seite alles beim alten bleibt und man wesentlich mehr als 1% für das Mezzanine zurückbekommt.

Zurück zum Thema
Für mich ist der Fall mit den Banken und ihren Hybridanleihen/Mezzanine ganz klar. Diejenige Mezzanine, die man sich auf Eigenkapital nach Basel II anrechnen lies, für die werde ein “Mezzanine-to-Equity-Swap” durchgeführt, wenn das Instrument der nächstuntere Rangigkeit platzt (also per Ringschluss das Equity-Instrument einen negativen Wert aufweist).

Ich habe schon immer gewusst… Diese ganzen hochnäsigen BWL/VWL sind Egoisten! Das zeigte nun ein Working Paper von Yoram Bauman und Elaina Rose von der Uni Washington, natürlich vom Department of Economics :)

Abstrakt:

A substantial body of research suggests that economists are less generous than other professionals and that economics students are less generous than other students. We address this question using administrative data on donations to social programs by students at the University of Washington. Our data set allows us to track student donations and economics training over time in order to distinguish selection effects from indoctrination effects. We find that economics majors are less likely to donate than other students and that there is an indoctrination effect for non-majors but not for majors. Women majors and non-majors are less likely to contribute than comparable men.

Zum Runterladen als PDF hier drauf klicken

Um ein schlechter Mensch zu werden, braucht man je nach bereits existierenden Vorwissen/Talent, nur ein paar Kurse in BWL/VWL belegen…

Das Jahr ist bald zu Ende und ich räume meinen PC auf, d.h. es wird der Schreibschrott gelöscht, der keiner “wirtschaftlichen Verwertung” oder sonst irgendeinen Zweck hat außer Bytes auf meinen PC zu belegen oder einfach den Information Overflow steigert. Löschen, Löschen, Löschen. Vergessen, Vergessen, Vergessen ist eine wichtige Form des Lernen. Ich habe dabei etwas gefunden, was ich hiermit ins Netz stellen, und somit meinen Beitrag zum Information Overflow des Internets leiste ;)

Gestern habe ich schon etwas über den Zusammenhang von Kreativität und Volkswirtschaftlicher Entwicklung geschrieben. Ich denke, dass man das dann in den Schumpeter-Ecke abheften kann, wenn man auf abheften steht. Also hier geht es los:

_______________________________________________________
Kreativität und Konjunkturzyklen

Ich denke, dass es irgendwo Grenzen gibt inwiefern Medien bzw. die öffentliche Meinungsbildung eine Wirtschaftserholung herbeireden können.

Es wird, bzw. ist bereits im Gange, zu inputorientierter Effizienzsteigerungen mit der Brechstange kommen (und nicht Toyota-like tröpfchenweise), d.h. Kosten runter um mehr/gleichviel/weniger zu erstellen, und das bleibt dann erstmal so. Das Ergebnis ist eine Volkswirtschaft die zwar genauso viel Output wie vorher erstellen kann (nicht muss), aber mehr Ressourcen, insb. Arbeitskräfte, ungenutzt verfügbar sind (Anzumerken ist, ob diese nun Transferzahlungen erhalten oder nicht ist für die Nachfrageseite neutral; Ist wichtig, aber hier mal uninteressant; Ebenso ist egal ob plötzlich die Humanressourcen frei werden wie in den USA, oder über ein etwas längeres Zeitintervall; usw usw usw; Die Medien können so oder so nur Symptome erkennen, die sich vornehmlich auf das dynamische Einstellen von Gleichgewichtszuständen beziehen).

Am Ende der Geschichte stehen viele ungenutzte Inputs insb. in Form von Menschen auf der einen Seite, und auf der anderen Seite, dass Leistungserstellungsprozesse mehr oder weniger genauso viel Outputs erzeugen können wie vorher. Das ist eine der beiden Spielarten, die Marktgläubige (Betonung liegt auf Glaube) als Effizienzsteigerung bezeichnen, und irgendwelche Weltverbesserer (Das ist eine andere Religion mit denselben Gott) als Argument für das Scheitern des Kapitalismus gerne instrumentalisieren, und am Ende das Offensichtliche garnicht sehen. Eine Rezession wird nur dann überwunden, inkl. einer möglichen Stagnation, wenn es gelingt komplett neue Arten, Formen, etc von Outputs aus dem Nichts zu erfinden.

Die Politik, Zentralbanken, Geschäftsbanken, etc, sind offensichtlich der falsche Ansprechpartner für das Erfinden neuer Outputarten. Das soll garkein Vorwurf sein, oder so. Also meiner Meinung nach werden Indizien für eine wirtschaftliche Erholung eher in Design- und Technik-Zeitschriften zu lesen sein, als in den Zahlenwerken von Statistikämtern oder panischen Auf und Ab der Tageszeitungen.

Also die kommende (echte) wirtschaftliche Erholung hat mehr mit Ungewissheit zu tun als mit Unsicherheit (siehe Entscheidungstheorie, was ich damit meine). Ich glaube, dass was ich hier geschrieben habe in die Schublade der Innovationsökonomik oder Technologiepolitik gehört, wobei ich mir über das epistimologische garnicht so genau weiß. Ich gehe aber davon aus, dass neue Output-arten (logischerweise) erst erfunden werden müssen (extrem ungewiss) oder aus einer verstaubten Schublade eines kreativen Menschen gezogen werden müssen, um im Anschluss von Kaufmänner hinsichtlich der Outputmenge BIG-skaliert werden (BIG BIG BIG…), um überhaupt für irgendeine Statistik messbar zu sein und somit aus dieser Sicht erst existent wird. Dies impliziert Irrationalität und begrenzte Informationsverfügbar der Masse vorraus, und ist somit eine realitätsnahe Theorie. Die Symptome bzw. Nebenwirkungen entsprechen, die einer wirtschaftlichen Erholung, z.B. Menschen sind begeistert, rennen zu Messen um das Neue zu sehen, kaufen es, irgendwer produziert ist, stellt Leute ein, die neue Output-art wird Lebensqualitätsteigernd empfunden, Statistiker überlegen sich den Warenkorb zu ändern, der Fiskus freut sich wieder, Zeitschriften berichten über das neue Spielzeug, schlaue Tüftler, und mutige Manager mit Macherqualitäten, usw usw usw.

Ich sage noch mal was zu den Anforderungen bezüglich des Entstehen dieser mystischen ungewissen neuen Outputart.

a) Analogien, z.B. die supi-Vergleiche und Metaphern von Politikern, coole Geschichten von Verkäufern, das Wecken von Emotionen durch Werbeagenturen, Bionik im Ingenieurswesen, Kulturvergleichstudien, etc. Dafür braucht man eine gute Vorstellungskraft und eine gute Portion Erfahrung. Mit dieser Form von Kreativität bekommt durchaus radikale Innovationen hin. Entlassen sie solche Leute steigt die Firma ins End Game ein.

b) Kombination, z.B. komplexe Derivatestrukturen, Variantenproduktion auf Basis von Autoplattformen, systematisches Erfinden mit TRIZ, Planung globaler Logistiknetzwerke, Entwurf von Schaltkreise, Entwicklung von Roboter, etc. Dafür braucht man viel Brainpower und auch eine gewisse Abneigung gegenüber von Übersimplifizierung. Kurz, ohne diese Leute funktioniert erstmal garnichts. Entlassen Sie diese Leute sind sie bald pleite. Ich würde sagen, dass die Anteil dieser Menschen an der Weltbevölkerung schon etwas niedriger ist.

c) Genalität. Diese Art von Kreativität wird eigentlich nie beachtet, weil geniale Menschen seltener sind als bspw. Black Swans. Es ist die Residualgröße im unteren Promillebereich von Verrückten, glücklichen Rittern mit dem Einfall ihres Lebens, etc. Diese Leute werden entweder ganz berühmt, vergessen oder nach ihrem Tod zu Legenden. Hinzukommen extrem schwierige Initierung der Wissensverbreitung (inkl. der Gefahr von Fehlkommunikation) und die Nichtplanbarkeit (ahhhhhhh…!?!!?!!).

Ich denke, dass es einfach die Masse nicht hören will, dass eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung bzw. Expansion davon anhängt ob einem c)-Typ irgendwann mal ein Einfall gekommen ist. Ohne diese c)-Typ Geschichten gibt es auch nichts Substanzielles was a)-Typen sich vorstellen oder b)-Typen neu kombinieren können, d.h. es gibt auch keine output-orientierte Effizienzsteigerung in der Volkswirtschaft.

Die Kreativität von Menschen basiert vor allem auf Analogien und Kombinationen. Also das was man bereits kennt mit kleinen bis großen Abwandlungen. Da nehme ich mich nicht aus was in den ganzen Einträgen dokumentiert ist – Hier steht Nichts Neues, auch nicht in diesem Eintrag.

Dieses Ende eines Konjunkturzyklus ist durch Supply>Demand gekennzeichnet. Manche sagen Überproduktion dazu. Jedoch gibt es nicht wirklich einen Grund etwas zu kaufen was man bereits hat. Also keinen neuen zusätzlichen Nutzen bringt der den Lebensstandard verbessert (Wohlstand steigert).

Es fehlt der Knaller, das Neue, das gute Unbekannte, um das Weltwirtschaft-”wachstum” sich selbst aus der Gosse zu ziehen. Leider kommen Menschen nur selten über Analogien und Kombinationen hinaus, um etwas wirklich Neues (nützliches/sinnvolles) sich auszudenken…

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