In letzter Zeit lese ich wieder die grandiosen Ausführungen wieviele Derivate auf Derivate mit Entfernungsmaßstab zur “Realwirtschaft” in Ordnung seien (Das muss wohl von “Ordnung”spolitiker kommen). In der Wiwo für den 1.März steht auf Seite 100/101:
Wer etwa ein Portfolio aus Leasingforderungen von BMW kauft, weiß ziemlich genau, in was er investiert. Doch an dieser Stelle sollte Schluss sein. Ein Aufschüren solcher gebündelten Schulden und eine nochmalige Verbriefung sollten, ebenso wie der Kauf oder Verkauf eines Derivates auf das BMW-Leasing Portfolio, verboten sein.
Natürlich kann BMW der Investorenschaft Anteile des Leasingsportfolios anbieten. Aber warum soll den Investoren vorgeschrieben sein, welche anderen Vermögensgegenstände auch besitzen darf. Also dürfte ich, wenn ich Anteile an einem BMW-Leasingportfolio halte, keine Aktien oder Anteile von .. sagen wir mal Kali+Salz… oder Bundesobligationen… oder… besitzen? Hmm, welche Investoren sollen dann bitteschön Anteile an einem BMW-Leasingportfolio halten wollen? Also Pensionskassen fallen schonmal weg, … Banken und Versicherungen so oder so…? Eigentlich darf garkein Institutioneller Investor ein Anteil an einem BMW-Leasingportfolio halten, weil ein Institutioneller Investor i.d.R. ein Rechtskonstruktukt ist, dass nicht 100% Eigenkapital auf der Passiva stehen hat (Das zum Stichwort “Verbriefung”; Gehe zurück in den Vorschulkindergarten und wiederhole “Unternehmensfinanzierung”). Dann bin ich mal gespannt wie die BMW Bank alle Anteile an ihren Leasing-Portfolios direkt an Kleinanleger verscherbeln will. Natürlich könnte die BMW Bank, da sie ja selbst eine Bank ist, die ganzen Leasingverträge direkt auf ihre Aktiva stellen, was ja auf dasselbe hinausläuft wenn Kleinanleger ihre Ersparnisse bei der BMW Bank auf die Passiva einlegen. Liebe WIWO seit doch bitte konsequent, warum soll die BMW Bank überhaupt Car Loans ABS verticken dürfen? So ein “Alles verbieten… außer…” Argument ist doch Käse.
Es geht weiter:
Derivate dürften nur an Käufer gehen, die realwirtschaftliche Risiken absichern wollen. RWE dürfte etwa die Entwicklung von Kohlepreise absichern, die Lufthansa den Kerosinpreis oder Thyssen-Krupp Eisenerz. Banken, die solche Verlustrisiken begeben, müssen ihre Verlustrisiken begrenzen, auf maximal die Höhe ihres Eigenkapitals.
Bei der Wiwo hat noch niemand etwas davon gehört, was Writing ist, und das man sowas selbst absichert? Wenn man Short auf ein Derivat geht (Zum Beispiel verkauft eine Bank ein Derivat an RWE, Lufthansa, Thyssen-Krupp, etc), dann versucht ein Emittent dem etwas an seiner Going Concern Annahme liegt, eine Long Position mit ähnlicher/spiegelbildlicher Auszahlungsfunktion einzugehen (z.B. die Bank/Emittent kauft ein Derivat, das Underlying für ein Covered, etc). Da Banken nicht gerade dafür bekannt sind Lagerkapazitäten für Kohle, Kerosin oder Eisenerz zu betreiben (den Underlying), kommen solche Long-Positionen wohl nicht als Hedge für die Bank in Frage – Es geht dann vielmehr in Richtung Long-Positionen auf Derivate. Wenn aber nun keine Derivate an Banken verkauft werden dürfen, z.B. ein Long-Call auf Kerosin, dann werden sich RWE, Lufthansa und Thysen-Krupp auf andere Gegenparteien konzentrieren müssen, z.B. direkt bei Rio Tinto, Exxon, etc. Ob für RWE, Lufthansa und Thyssen-Krupp, etc. die Transaktionskosten dadurch sinken bezweifel ich einfach mal. Vielmehr wird es “lukrativer” die Schwankungen/Risiken der Einkaufspreise nicht abzusichern, sodass das unternehmerische Risiko steigt. Das muss normativ nicht verkehrt sein (Ein kleines bisschen Streicheln für die Ordnungspolitik). Nur weiß ich nicht ob die Mehrheit der sicherheitssüchtigen Menschen in der westlichen Welt unternehmerisches Risiko noch psychisch verkraften (Habe ich schon erwähnt das ich mit der Wirtschaftsreligion der Schumpeter’ianer sympatisiere? Ist eine relativ kleine Sekte).