Die deutschen Politiker sind wirklich gut im meckern:
- (Imaginäre) Spekulanten trieben Griechland in den Bankrott,
- die gierigen Banken geben den Unternehmen keine Kredite,
und so weiter.

Jedoch ist ein Hauptgrund warum Unternehmen und fast-junk-bond-like-naja Staaten wie Grieechenland ihre (existierenden) Schulden nicht refinanzieren können, dass (relativ gesehen) sicherere Investitionsmöglichkeiten von Staaten wie Deutschland verstärkt geschaffen wurden und werden: Durch die ausufernende Neuverschuldung. Letztes Jahr 80 Mrd Euros. Das ist schon mal das Doppelte wie wie vor garnicht alzu langer Zeit.

Natürlich ist der Deutsche Staatshaushalt nicht der einzige, der das Angebot dieser Investitionsmöglichkeiten erweitert bzw. hat, z.B. die Neuschulden der USA, Japan, und auch Frankreich um nur einige zu nennen, kommen mit dem deutschen Staatshaushalt auf eine ziemlich hohe astronomische Summe, und zwar per annum.

In der Fachsprache wird das Crowding-Out-Effekt genannt, d.h. Staaten erhöhen ihre Neuverschuldung, Investoren kaufen diese Staatsschulden, aber dafür nicht die Schulden von Unternehmen (Tarahh crowding-out). Gerade im Euroraum ist es so, dass die Zentralbank – ECB – nicht die Staatsschulden in ihre Bilanz nimmt, bzw. das auf garkeinen Fall will (Warum? Genauso funktioniert Inflation im engeren Sinne, und kann der Beginn einer Abwärtsspirale in die Hyperinflation sein, z.B. Argentinien). Also konkurrieren Staaten um eine Finanzierung durch Kapitalgeber auf Finanzmärkten, gegen andere Entities, z.B. Unternehmen und auch andere Staaten.

Ich finde es daher hochhgradig scheinheilig, einerseits zu erfahren mit welchen unverschämten Wunschvorstellungen die Bundesministerien sich für den nächsten Bundeshaushalt positionieren, und die “Jünger” ihrer Parteien gegen den Schlendrian anderer Staaten wettern, und mit den Finger auf Banken, Investoren und (imaginären) Spekulanten zeigen die Unternehmen nur unter härteren Auflagen Kredite gewähren wollen. Die härteren Auflagen für Kredite sind getrieben durch das Angebot von Investitionsmöglichkeiten, sie sind zum großen Teil getrieben durch die ausuferende Neuverschuldung der BRD.

Zusatz: Es macht auch keinen Sinn, dass die BRD riesen Fonds auflegt, die die BRD ja auch durch Kapitalgeber finanziert, die dann Unternehmen, Banken andere Staaten Kredite gewährt, die sie nicht von Kapitalgebern bekommen, weil die ja ihr Geld bereits den lustigen BRD-Fonds gegeben haben. Der neue geplante EWF macht daher nur Sinn, wenn es nicht eine reine Geldbeschaffungsmaßnahme ist, sondern vor allem den Zweck verfolgt, Staatshaushalte zu restrukturieren, und zwar radikal (was im Falle eines Fast-/Bankrotts garnicht anders geht).

Vorhin war auf dem Handelsblatt zu lesen: Brüderle lässt Opel nach GM-Entscheidung fallen. Dort steht geschrieben:

Es sei den USA schwer vermittelbar, wenn Berlin die Hilfen, die dem Magna-Sberbank-Konsortium in Aussicht gestellt
worden seien, GM nicht zur Verfügung stelle.
“Der simple Satz: ,Wir geben euch nicht, was wir den Russen gegeben hätten’, ist schwer auszusprechen. Wir müssten den Amerikanern verweigern, was wir den Russen gegeben hätten”, sagte Fuchs (CDU).

Ich hoffe GM spielt nicht diese Nationalistenkarte des Kalten Kriegs. So wie ich das mitbekommen habe, hat sollte die Bundesregierung lediglich eine Art Restrukturierungskredit gewähren, um Opel aus dem GM herauszulösen und zu einem anderen Investor zu transferieren. Damals war ja ungewiss ob der General Motors Konzern überhaupt überleben werde, sodass es eigentlich nur um die halbwegs geordnete Liquidation des GM Konzerns ging. Tatsache ist, dass der heutige GM-Konzern, nicht derselbe wie damals ist. GM hat sich liquidiert (Siehe Saturn, Hummer, Saab, usw.), wobei lediglich Opel im Portfolio drin blieb. Meiner Meinung nach galt das Angebot der Bundesregierung nur für die rechtliche Herauslösung von Opel/Vauxhall aus dem General Motors Konzern. Daher kann ich der Aussage nur Recht geben:

Zu der Möglichkeit einer Staatshilfe sagte Brüderle: “General Motors/Opel kann wie jedes andere Unternehmen einen Antrag stellen.”

Ist schon ein bisschen älter. Hans-Werner Sinn: Exportweltmeister – eine zweifelhafte Ehre. Natürlich ist der “Ordnungspolitischer Blog” etwas “marktradikaler” eingestellt, aber die Problemanalyse vom Gastschreiber Hans-Werner Sinn ist schon Ok.

- USA importierten Güter, und bezahlten mit ABS-Strukturen
- BRD exportiert Güter und steckten ihr Geld in ABS-Strukturen

Das ist ein ganz tolles Geschäftsmodell. Die USA konsumieren auf Pump, die BRD liefert die Güter und leiht das Geld den Amis das Geld für den Konsum. Die BRD-Politiker freuen sich, weil die Wirtschaft mehr Leistung erstellt als die Wirtschaft selber braucht. Man kann auch einfach sagen, dass die USA das Empire ist, und die BRD eine Kolonie.

Das Problem ist, dass wenn man produziert sich Effizienzsteigerungen einstellen: Mehr Output, Weniger Input. Und der Input sind bspw. Arbeitsstunden für Menschen. Wenn dann noch alle Ersparnisse (z.B. “Joe Sixpack, Sie müssen ihr Portfolio global diversifizieren…) und Devisenüberschüsse von Firmen (Siehe Landesbanken, etc.) letzlich in Investitionsprojekte irgendwo aber nicht in der BRD getätigt werden, dann werden auch keine neuen zusätzlichen Arbeitsstunden für die “überflüssigen Arbeitskräfte” im Inland generiert. Da helfen dann auch keine martktradikaalen Volldeppen mit “Jeder der Arbeit sucht findet auch welche” (was aus dem Big View ein Unmöglichkeitstheorem ist), sondern tatsächlich wie Herr Sinn sagt: Standortpolitik, damit in der BRD investiert wird … und nicht in NINJA-Kredite… Und wenn sowas Früchte tragen sollte, dann können meinetwegen marktradikale Theologen hinstellen und über Arbeitslosen herziehen wie sie wollen.

* Beachte, dass Hans-Werner Sinn ein “Jünger” der angebotsorientierten Volkswirtschafttslehre ist, und somit notorisch immer raushängen lässt, dass nachfrageorientierte Politiken immer schlecht, Blödsinn, Schwachsinn seien. Ein nachfrageorientierter Ökonomie, z.B. Bofiinger, würde das gleiche tun nur umgekehrt (Ganz witzig wenn angebots- und nachfrageorientierte VWLer in einer Talkshow sitzen ;) ). Sowelche nebensächlichen rhethorischen Stilmittel muss man dann einfach überlesen.

Jede Wette die Allianz greift zu.
1. Bunds sind noch immer die beste unter den wechselkursrisikoarmen Alternativen.
2. Die Allianz hat das nötige Kleingeld nachdem sie rechtzeitig ihre Bad-Hedge-Fonds als Dresdner verpackt an die Commerzbank verschacherten.
3. Einmal Staatschulden gemacht, bleibt das so, und schon verspricht die zukünftige Staats-Refinanzierung wieder höhere Kupons(=Steuergeld) und viel Platz für noch mehr Versicherungsangebote.

Aber einen Dämpfer gibt es schon. Der Emittent, der Staat, also Du & Ich, kann nicht nicht unendlich viele Gläubiger finden. Bei diesen Monsterpakten werden irgendwann die Vorstellungen über die Konditionen auseinander driften …

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