Wie jeder mitbekommen hat ist eine Stelle Bundesbankvorstand nun vakant. Das letzte was die Bundesbank nun braucht ist ein weiteren Frühstücksdirektor, der den Status des “verdienten Mitarbeiter” sich irgendwie irgendwann mal erworben hat und sich für ein “Weglob”-Verfahren empfahl. Es wäre zu wünschen wenn die Parteien sich ein stink-normales Bewerbungsverfahren einigen würden, wo dann auch fachliche Qualifikationen über
- allg. Makroökonomie,
- Geldpolitik,
- Finanzwissenschaften
ausschlaggebend wären.

Schon bei der letzte Berufung bzw. Weblobung gab es Kritik
Die Kompetenz in der Bundesbank schwindet

Natürlich werden schon Namen genhandelt (Jörg Asmussen, Jens Weidmann, Beatrice Weder di Mauro)
Wer Sarrazins Nachfolger werden könnte

Ich glaube die SPD wäre am Drücker. Wenn es nach dem alten “Weblob-Spielchen” geht, aber auch etwas Kompetenz geheuchelt werden soll, dann ist Jörg Asmussen die Nr.1. Im Punkt internationale Erfahrung hätte der eher CDU-nahe (=Adjutant von Merkel) Jens Weidmann ein Pünktchen mehr. Wenn es um die fachliche Kompetenz geht, dann fliegen beide gegen Beatrice Weder di Mauro aus dem Rennen, weil die ist immerhin VWL-Professorin und kann mit Sachverständigenrats-Erfahrung auch eine gewisse “Kommunikationsfähigkeit mit Politikern” unterstellt werden.

Aber wie gesagt, es ist schon bemerkenswert, dass der Kreis auf drei Kandidaten schon vorab medial eingegrenzt wird. Das liegt vor allem an dem Weglob-Berufungsverfahren, was per Konstruktion Bock-Mist ist. Man sollte auch paar Dinge anführen, die vielleicht gar nicht so blöde Zusatzqualifikationen wären (neben den ganze VWL-Sachen a la Geldpolitik usw):

- Wissen über Kreditprodukte und -risiken
- Wissen über Währungshandel

Ich denke dass es weltweit ohne wenige Eier-legende-Wollmilch-Sau-Kandidaten existieren (z.B. Geldpolitik, Finanzwissenschaften, Außenhandel, Kreditrisiken, Währungshandel, etc.) die auch noch eine gewisse Loyalität mitbringen (d.h. bist der Bundesbank verpflichtet, oder ein eher ein Parteisoldat oder gar ein “Drühtür”-Heuchler?). Eigentlich wäre der Super-Kandidat ein ehemaliger quantatitativer Makro-Hedge-Fonds-Manager der irgenwann von Selbstzweifeln gepackt über sein tun erfasst wurde und dann Professor an einer staatlichen Universität wurde und auf Drittmittelgeld-Hörigkeit pfeift. Tja, so ein Mensch ist mir aber nicht bekannt…

Die Bundesbank hat die Rente mit 69 ins Rennen geworfen – Als reines fiktives Gedankenspiel natürlich. Die Zahl ist doch aus Marketing-Sicht doch garnicht schlimm. Bis 69.99 ist doch noch Platz! Schlimmer würde sich doch eine Zahl 7x.xx anhören.

Mensch, gerade habe mich mir Steinbrück auf Phönix angeguckt, und muss jetzt ganz schnell meinen Mittagsimbiss runterschlingen. Wir wissen alle: Ein Job prägt einen Menschen. Auch Politiker werden durch ihren konkreten Job geprägt. Und so ein Finanzminister hat es dann richtig schwer, denn das Spiel läuft so:

- Es gibt rund ein Dutzend Minister, deren vorangige Aufgabe ist: Staatsknete ausgeben (bzw. weniger Steuern/Abgaben festschreiben)
- Es gibt einen Finanzminister, dessen Aufgabe es ist, diese Staatsknete tatsächlich einzusammeln.

Der Finanzminister ist immer der Doofe, weil er für ALLES die Schuld hat:

- Wenn er die Staatsknete nicht rausrückt, dann sei er ein Blockierer aus Sicht der anderen Minister und Verräter aus Sicht seiner Partei.
- Wenn “Einnahmen < Ausgaben", ist er Schuld, dass sich die Staatsschulden erhöhen

Was passiert mit so einem frisch gebackenen Finanzminister? Entweder er bleibt genauso irrational wie vorher und fliegt, z.B. Herr L. aus dem Saarland, oder erkennt, dass er nun in einer Falle sitzt und versucht diesen zuvor genannten Spagat (Schuldenmacher vs. Regenmacher) irgendwie hinzubekommen ohne sich die Leisten zu brechen.

Ich fand es ziemlich ehrlich, fast mit Rückgrat, wie der Herr S. eben in Pressekonferenz die Schlagzeilen-gierig kreativen Journalisten weggeblockt hat – Das war sogar lustig, denn auch wenn die Leiste schon weh tut, sollte man seinen Humor nicht verlieren. Was war denn nun ehrlich daran? Herr S., weiß einfach nicht was das Ergebnis der Bundestagswahl sein wird, und wer mit welchen Interessen dann irgendeinen Koalitionsvertrag aushandeln wird. Ich kann auch irgendwie nachvollziehen, dass ein Finanzminister eben ganz andere Sorgen hat, als sich mit Quadratur von tagespolitischen Luftnummer – den Wahlkampf-Scharmünzel – zu beschäftigen. Das ist vom Timing eben ziemlich dumm gelaufen.

Was sollen aber die Journalisten nun in ihren Schlagzeilen schreiben? Das kann ich auch nachvollziehen, weil der Chefredaktur ziemlich mies gelaunt wird, wenn da so ein Journalist ohne Story zurück kommt. Stichwort: Arbeitsplatzsicherheit ;) Der Herr S. hat ja Andeutungen gemacht, die blöderweise "Denken" erfordern, um daraus eine Geschichte zu machen.

Pulverfass Anleihenmarkt
Offensichtlich hat die BRD ein Defizitproblem. Herr S. betonte, dass die BRD noch ganz gut in Relation zu anderen Staaten stehen, wie UK, Lettland, usw usw und so fort. Für Staaten wie die USA ist es sogar eine Herrausforderung (das ist das nette Wort für "Problem") ihre Staatsanleihen im weltweiten Kapitalmarkt zu platzieren. Vor kurzem hat auch die BRD ein paar ihrer – relativ guten – Bonds platziert. Naja, es wäre jetzt übertrieben zu sagen, dass eine Überzeichnung von 1,7 für inflationsgeschützte 10-jährige Bunds, und 1,4 für ne normale 5-jährige ganz toll wären…. Hust…
Was passiert, wenn die Quote unter 1 fällt? Die EZB müsste es schlucken = Money Printing Operations! Masterfrage: Wie gut können die anderen Eurozonen-Mitglieder, UK, usw. ihre Bonds platzieren? Wenn jetzt die BRD als relativ guter Schuldner noch zusätzliche Bonds platziert, welche Probleme bekommen die weniger guten Schuldnerländern? Welche Probleme werden die Zentralbanken bekommen? Herr S. hat das was von “weltweiter Inflation” gemurmelt… und wenn die BRD einen Ego-Trip macht, kann sie davon der Auslöser sein. Der Herr S. hat dahingehend auch einen Hinweis geliefert, dass die BRD nicht gerade profitiert, wenn ihre Haupt-Handelspartner Herrausforderungen meistern müssen. Wenn die Medien nicht andauernd das hohle Gequatsche des Herrn Krugman auf seinen dämlichen Blog verfolgen würde, sondern sich tatsächlich mal reinziehen für welche Außenhandelstheorie dieser Herr K. den Nobelpreis eigentlich bekommen hat, dann weiß man diesen Hinweis hinsichtlich der Folgen zu deuten.

Also zu den NEUverschuldungen:
- Die BRD muss jetzt schon richtig heftig Risikoprämien drauflegen, und es wird nicht besser mit mehr NEUverschuldung
- Die BRD kann ein Crowding-Out der anderen Staaten verursachen, was zu “außenpolitischen Spannungen” führen kann.

Ich diese Hinweise sollten genügen, um ungefähr eine Vorstellung zu bekommen, wo aktuell die Grenzen für fremdkapitalfinanzierte Wahlversprechen kurz- und mittelfristig liegen – Die BRD tanzt eben auf dieser Grenze. Und, an den Thema mit den Crowding-Out bezüglich der Unternehmensfinanzierung (das staatliche Beitrag zur “Kreditklemme”), da sind die Staaten dieser Welt schon längst drüber hinaus geschossen – Das war Thema war bereits Ende 2008 abgehakt…. Gestern standen wir vor dem Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter…

Prioritäten setzen
Herr S. hat bezüglich der Koalitionsverhandlungen, zwischen den Parten ??? und ??? oder ??? oder … nicht weiter gesagt, dass diese irgendwie Prioritäten setzen sollen. Diese Floskel ist aus dem MBA-Slang bekannt: Was ist wichtig, was ist unwichtig, und Unwichtiges fliegt raus! Also es wird Verlierer geben, womit Politiker i.d.R. sich keine Freunde machen (von denen haben sie eh kaum welche). Der große Zaubertrick, namens NEUverschuldung ist aus o.g. keine echte Option. Ebenfalls ist so MwSt-Trick wie in 2005, oder auch etwas ähnliches, auch sehr kritisch. Formal sieht die Nebenbedingung so aus:

Einnahmen_{t} >= Ausgaben_{t}

Daneben ist folgender Effekt unterwegs:

Einnahmen_{t} < Einnahmen_{t-1}

Das ist quasi Neuland für die Politik, weil es keinen Weg drumherum geht irgendwo "Prioritäten zu setzen". Ich möchte mal so ein paar der größeren Tabuthemen in den Raum stellen bei denen es 10^6 Wählerstimmeneinheiten geht:
- Verwaltungskosten wirklich senken!… heißt Parteigenossen feuern…
- Renteneintrittsalter weiter erhöhen! … heißt bitter-böses Blut bei sehr vielen kleinen Leute…
-
Das sind die wahrlich aufgeschobenen Themen, die richtig ins Geld gehen, also 10^10 Euro-Einheiten! Natürlich können Tabu-Themen auch ganz simpel in Peanuts-Themen, wie die folgenden verwandeln:
- Tafelsilber verkaufen! … mit viel Discount zur Zeit, und macht oft kaum Sinn…
- Subventionen streichen! … kann Arbeitsplätze kosten…
-
Ja das sind die Luftnummern, Wahlkampf- und Sommerloch-Themen! Und liebe Journalisten, Sie können froh sein, wenn sie schon kleinere Schlagzeilen vor die Füße geworfen bekommen.

Das Hauptproblem ist ja eigentlich nur, dass der Großteil der Bevölkerung in einer Art Traumschloss gefangen ist, wo aus jeder Ecke die verlockensten Aussagen rauspfeifen. Das ist einfach das Ergebnis jahrzehntelanger medial-aufgepumpter Parteienwerbung, die für jede Lebenslage den perfekten Slogan produzierte. Die Masse der Menschheit ist einfach, mal mehr oder weniger, manipulierbar – Und wie soll man nun die Wahrheit vermitteln, ohne dass Tausende Leute, hier und mal da, gleich ausflippen? Viel Spass liebe Journalisten!

Naja, die Wahlsieger der Bundestagswahl sind wohl kaum zu beneiden…

Ich muss mal für unsere Beamten aus der Bafin und Bundesbank ein gutes Wort einlegen. Beides sind Exekutiven des Staats, die nur soweit einschreiten dürfen wie die Legislative Handlungsvollmachten einräumt. Selbst wenn die Bankenaufsichten die “Kacke dampfen” sehen oder in den Aktenbergen Zeitbomben finden, kann es sein dass sie nicht einschreiten dürfen.
Wenn dann erst mal die ahnungslosen CEOs sich bei ahnungslosen Politiker beschweren, will kein Beamter in der Schusslinie stehen oder sich gar von Medien erschlagen lassen. Das Ergebnis ist eh dass das Memo über die dringliche Angelegenheit unter den Tisch fällt.
Man muss sich merken dass Bankenaufsichten kein Ersatz für Denken in Banken darstellt.

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