… Fortsetzung der Serie “Dollar Absturz“…

Der Standard titelte Iran ersetzt Dollar durch Euro, der iranische englisch-sprachige Staatssender ebenfalls Iran replaces Dollar with Euro in FX, bei Reuters hört sich das so an Iran shifts to euro from dlr in calculating fund value, oder bei Bloomberg Iran Aims to Shift Forex Reserves From Dollar to Euro. In den deutschen Mainstream-Medien (z.B. Spiegel, Handellsblatt, usw) existiert dieses Thema nicht (Die beschäftigen sich lieber mit alltäglichen Atom-Drohungen und rethorischen Klogriffe des Diktator Ahmadinedschad). Ja gut Handelsboykott gegen Iran ist da schon näher dran am Thema: Warum sollte man US Dollar haben wollen, wenn man sich davon eh nicts kaufen “darf”? Egal, Iran preist nun in EUROs und nicht mehr in USD. Das ist gefährlich,… für die USA! Das riecht nach Krieg!!!. Dazu ein älterer Artikel vom 27 Okt 2007 “The Real Reasons Why Iran is the Next Target:The Emerging Euro-denominated International Oil Marker“, den ich mal eben gefunden habe.

Der Propaganda-Trick läuft ganz einfach: Rede über einen mittelfristigen Zeitraum der Bevölkerung ein, dass der Iran gefährlich ist (Atombomben) und total irre Terroristen (Antisemitismus) sind. Das erzeugt dann dieses “Saddam Raus”-Gefühl, eine Legitimation um andere Staaten in die Steinzeit zu bomben. Nichtzuletzt brauchen ja selbst die Soldaten, die als Kanonenfutter in Kriege geschickt werden, eine Art moralischen Grund, z.B. sie würde für Freiheit oder sowas kämpfen – Da kann man nicht einfach sagen: Hey Jungs wir bomben da alles dicht, ihr geht da vielleicht drauf, damit wir Fat Cats ordentlich Öl-Millarden scheffeln können – Da braucht man eine Herzblut-Tränen-Weichklopf-Story…

Es darf nur niemand bemerken, v.a. nicht die breite Bevölkerungen der Bündnisstaaten (z.B. NATO-Länder), dass unser kranker American Colossus von eigenen binnenwirtschaftlichen, innenpolitischen Problemen ablenken will, oder gar seine “offiziell nicht-existierende” Machtstellung als Weltherrscher erhalten will. Dazu noch ein allgemeiner Artikel zur kranken US-Wirtschaft: Finanzpolitische Hintergründe der aktuellen Geopolitik.

Nun wurde verkündet dass Exporte sich vielleicht anfangen zu stabilisieren. Gut, rund ein Fünftel weniger wie in der Boomphase, ist jetzt kein abwegiges Drama. Nur hat sich der Euro gegenüber den US-Dollar als doch ziemlich viel stärker erwiesen. Obwohl der US-Dollar gegenüber fast allen Währungen richtig Federn ließ. Ich kann mich irgendwie daran erinnern dass FX-Derivate so ein richtiger Kassenschlager bei deutschen Unternehmen in den letzten Jahren wurde. Nicht von ungefähr ist die Deutsche Bank der größte Anbieter von Devisenkontrakten weltweit. Ein nicht kleiner Teil der ungefähr eine Billionen großen Bilanzpositionen für Derivate in den Bücher der Deutschen Bank wird damit wohl etwas mit FX-Derivaten zu tun haben. Klar die Menschen flippen dieser Tage aus wenn man etwas von Derivaten erzählt. Wenn man FX mit echten unterliegenden Güterströmen macht ist das aber eine nette Dienstleistung zur Kalkulation von Import/Export-Geschäften. Natürlich braucht man auch eine Gegenposition die dann entgegengesetzte Güterströme sind oder – wie attac gerne betont – Spekulanten. Egal, aber welche Wirkung ergibt sich wenn so eine Import/Export Firma, Abteilung usw einen Teil des Währungsrisko los werden kann, dann nimmt man den einen oder anderen Auftrag doch an oder überzeugt einen ausländischen Geschäftspartner damit doch den Handschlag zu machen. Das ist in der (statischen) so nicht vorgesehen wo nach einem Regimewechsel im Wechselkurs – z.B. nach einer Notenbankintervention – auch mit leichten Zeitverzug die internationalen Guterströme wie gewünscht zu ändern haben. Dieser gewünschte Effekt erfährt mit signifkant großen Einsatz von FX-Derivaten eine zusätzliche Verzögerung mindestens um die durchschnittlichen Kontraktlaufzeiten. Folglich kann es durchaus sein dass geldpolitische Maßnahmen fast garkeinen kurz bis mittelfristigen Effekt auf den Außenhandel hat. In anderen Worten, nur aufgrund eines schwachen Dollars wird die USA nicht ihre Außenhandelsbilanz in eine andere Richtung drehen können.

Die USA wird die Notenpresse anwerfen und ihre Staatschulden weginflationieren. Jedoch wird Europa nicht so easy mitziehen können wie früher. Welchen Mitgliedstaat der Euro Zone soll denn die EZB wieviele neue Staatsschulden abkaufen? Früher . . . da war alles einfacher . . . Stimmt sogar. Dazu kommt dass in Westeuropa die Einwohner ziemlich verlustaversiv auf Inflation reagieren. Und wie war das nochmal mit der 3% Regel?
Die PPP wird den Dollar sowie das Pfund ziemlich gegenüber den Euro in den Keller rauschen lassen. Daneben wird der chinesische Renminbi wohl seine Unterbewertung nicht mehr halten können.
Wer wird in den nächsten Jahren oben stehen? Diejenigen Staaten die mit ihren geliehenen oder auch gedruckten Geld vielen Menschen dazu bewegen wertschöpfenden Sachen zu machen. USA und UK haben das nach Jahren von Offshoring verlernt. Die USA können noch ganz toll Bomben bauen aber keine zivilen Produkte mehr. Abgesehen davon ist deren technische Forschungskompetenz von Brain Drain anderer Länder abhängig was seit 9/11 nicht mehr so üppig fließt.
Was soll das Alte Europa und Asien von denen kaufen was sie nicht schon alleine hinbekommen? Das kommende Währungsmasaker wird nur feststellen dass die Anglo-Amerikaner ärmer sind als sie immer von sich behaupten.

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