Das Jahr ist bald zu Ende und ich räume meinen PC auf, d.h. es wird der Schreibschrott gelöscht, der keiner “wirtschaftlichen Verwertung” oder sonst irgendeinen Zweck hat außer Bytes auf meinen PC zu belegen oder einfach den Information Overflow steigert. Löschen, Löschen, Löschen. Vergessen, Vergessen, Vergessen ist eine wichtige Form des Lernen. Ich habe dabei etwas gefunden, was ich hiermit ins Netz stellen, und somit meinen Beitrag zum Information Overflow des Internets leiste ;)

Gestern habe ich schon etwas über den Zusammenhang von Kreativität und Volkswirtschaftlicher Entwicklung geschrieben. Ich denke, dass man das dann in den Schumpeter-Ecke abheften kann, wenn man auf abheften steht. Also hier geht es los:

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Kreativität und Konjunkturzyklen

Ich denke, dass es irgendwo Grenzen gibt inwiefern Medien bzw. die öffentliche Meinungsbildung eine Wirtschaftserholung herbeireden können.

Es wird, bzw. ist bereits im Gange, zu inputorientierter Effizienzsteigerungen mit der Brechstange kommen (und nicht Toyota-like tröpfchenweise), d.h. Kosten runter um mehr/gleichviel/weniger zu erstellen, und das bleibt dann erstmal so. Das Ergebnis ist eine Volkswirtschaft die zwar genauso viel Output wie vorher erstellen kann (nicht muss), aber mehr Ressourcen, insb. Arbeitskräfte, ungenutzt verfügbar sind (Anzumerken ist, ob diese nun Transferzahlungen erhalten oder nicht ist für die Nachfrageseite neutral; Ist wichtig, aber hier mal uninteressant; Ebenso ist egal ob plötzlich die Humanressourcen frei werden wie in den USA, oder über ein etwas längeres Zeitintervall; usw usw usw; Die Medien können so oder so nur Symptome erkennen, die sich vornehmlich auf das dynamische Einstellen von Gleichgewichtszuständen beziehen).

Am Ende der Geschichte stehen viele ungenutzte Inputs insb. in Form von Menschen auf der einen Seite, und auf der anderen Seite, dass Leistungserstellungsprozesse mehr oder weniger genauso viel Outputs erzeugen können wie vorher. Das ist eine der beiden Spielarten, die Marktgläubige (Betonung liegt auf Glaube) als Effizienzsteigerung bezeichnen, und irgendwelche Weltverbesserer (Das ist eine andere Religion mit denselben Gott) als Argument für das Scheitern des Kapitalismus gerne instrumentalisieren, und am Ende das Offensichtliche garnicht sehen. Eine Rezession wird nur dann überwunden, inkl. einer möglichen Stagnation, wenn es gelingt komplett neue Arten, Formen, etc von Outputs aus dem Nichts zu erfinden.

Die Politik, Zentralbanken, Geschäftsbanken, etc, sind offensichtlich der falsche Ansprechpartner für das Erfinden neuer Outputarten. Das soll garkein Vorwurf sein, oder so. Also meiner Meinung nach werden Indizien für eine wirtschaftliche Erholung eher in Design- und Technik-Zeitschriften zu lesen sein, als in den Zahlenwerken von Statistikämtern oder panischen Auf und Ab der Tageszeitungen.

Also die kommende (echte) wirtschaftliche Erholung hat mehr mit Ungewissheit zu tun als mit Unsicherheit (siehe Entscheidungstheorie, was ich damit meine). Ich glaube, dass was ich hier geschrieben habe in die Schublade der Innovationsökonomik oder Technologiepolitik gehört, wobei ich mir über das epistimologische garnicht so genau weiß. Ich gehe aber davon aus, dass neue Output-arten (logischerweise) erst erfunden werden müssen (extrem ungewiss) oder aus einer verstaubten Schublade eines kreativen Menschen gezogen werden müssen, um im Anschluss von Kaufmänner hinsichtlich der Outputmenge BIG-skaliert werden (BIG BIG BIG…), um überhaupt für irgendeine Statistik messbar zu sein und somit aus dieser Sicht erst existent wird. Dies impliziert Irrationalität und begrenzte Informationsverfügbar der Masse vorraus, und ist somit eine realitätsnahe Theorie. Die Symptome bzw. Nebenwirkungen entsprechen, die einer wirtschaftlichen Erholung, z.B. Menschen sind begeistert, rennen zu Messen um das Neue zu sehen, kaufen es, irgendwer produziert ist, stellt Leute ein, die neue Output-art wird Lebensqualitätsteigernd empfunden, Statistiker überlegen sich den Warenkorb zu ändern, der Fiskus freut sich wieder, Zeitschriften berichten über das neue Spielzeug, schlaue Tüftler, und mutige Manager mit Macherqualitäten, usw usw usw.

Ich sage noch mal was zu den Anforderungen bezüglich des Entstehen dieser mystischen ungewissen neuen Outputart.

a) Analogien, z.B. die supi-Vergleiche und Metaphern von Politikern, coole Geschichten von Verkäufern, das Wecken von Emotionen durch Werbeagenturen, Bionik im Ingenieurswesen, Kulturvergleichstudien, etc. Dafür braucht man eine gute Vorstellungskraft und eine gute Portion Erfahrung. Mit dieser Form von Kreativität bekommt durchaus radikale Innovationen hin. Entlassen sie solche Leute steigt die Firma ins End Game ein.

b) Kombination, z.B. komplexe Derivatestrukturen, Variantenproduktion auf Basis von Autoplattformen, systematisches Erfinden mit TRIZ, Planung globaler Logistiknetzwerke, Entwurf von Schaltkreise, Entwicklung von Roboter, etc. Dafür braucht man viel Brainpower und auch eine gewisse Abneigung gegenüber von Übersimplifizierung. Kurz, ohne diese Leute funktioniert erstmal garnichts. Entlassen Sie diese Leute sind sie bald pleite. Ich würde sagen, dass die Anteil dieser Menschen an der Weltbevölkerung schon etwas niedriger ist.

c) Genalität. Diese Art von Kreativität wird eigentlich nie beachtet, weil geniale Menschen seltener sind als bspw. Black Swans. Es ist die Residualgröße im unteren Promillebereich von Verrückten, glücklichen Rittern mit dem Einfall ihres Lebens, etc. Diese Leute werden entweder ganz berühmt, vergessen oder nach ihrem Tod zu Legenden. Hinzukommen extrem schwierige Initierung der Wissensverbreitung (inkl. der Gefahr von Fehlkommunikation) und die Nichtplanbarkeit (ahhhhhhh…!?!!?!!).

Ich denke, dass es einfach die Masse nicht hören will, dass eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung bzw. Expansion davon anhängt ob einem c)-Typ irgendwann mal ein Einfall gekommen ist. Ohne diese c)-Typ Geschichten gibt es auch nichts Substanzielles was a)-Typen sich vorstellen oder b)-Typen neu kombinieren können, d.h. es gibt auch keine output-orientierte Effizienzsteigerung in der Volkswirtschaft.

Ich möchte hier den Marktgläubigen unter den Politikern eine kleine Nachhilfe offerieren. Wenn Sie aber nicht zu den Inkompetenten gehören, wissen Sie das folgenden eh schon, und können woanders hin weiter surfen. Zu diesem Zweck ist immer wertvoll in Erinnerung zu rufen, was in den Wirtschaftswissenschaften unter Effizienz zu verstehen ist.

Exkurs: Effizienz
Erstens, Effizienz wird nicht in Geldeinheiten gemessen (nominell), sondern in Mengeneinheiten (real), also Stück, Anzahl, etc. Das ist keine Kleinigkeit, sondern mitunter eine der größten Missverständnisse, die aufgrund von Datenverfügbarkeit und Bequemlichkeit in der empirischen Forschung mit der Praxis vermischt wurde. Auch wenn Arrows, Debreu, Koopmans, Farrel, usw. ihre Gedanken mathematisch aufschrieben, heißt das nicht, dass sie und auch die Akademiker nach ihnen, Geldeinheiten meinten, wenn sie von Effizienz redeten. (Der gewillte Leser mag insbesondere nach Namen wie Charnes, Cooper und Rhodes, oder auch direkt die Begriffe “Data Envelopment Analysis” und “Stochastic Frontier Analysis” suchen.)

Zweitens, worauf bezieht sich die reale Effizienz (um es doppelt gemoppelt nochmal zu betonen)? Auf Organisationen, einer Ansammlung von Menschen, Maschinen, Produkte, Firmen, NGOs, Institutionen, oder auch ganze Staaten, wie z.B. die BRD. Das ist jetzt kein Witz, sondern raten Sie mal wie man ordentliche Ländervergleichstudien konzipieren kann. Die methodische Vorgehensweise zur Effizienzmessung ist grob immer dasselbe und divergiert je nach Untersuchungsobjekt, Systemgrenzen und Variablenselektion.

Drittens, warum sind die Variablen im ökonomischen Effizienzbegriff keine Geldeinheiten? Ganz einfach, Effizienz bezieht sich auf Wertschöpfung und nicht auf die Geldschöpfung. Warum sollte mit nicht zu unterschätzender Mühe versucht werden die unsichere (Einheits-)Inflationserwartung wieder aus rauszurechnen? Sie werden bei der nachträglichen Separierung von Wert- und Geldschöpfung immer vor dem methodischen Problem stehen implizit oder mit Absicht zu Gunsten einer Zielgruppe eine Verzerrung bzw. Verfälschung zu erzeugen. Wenn Sie den Unterschied zwischen Wert- und Geldschöpfung nicht verstehen, dann laufen Sie Gefahr der Geldillusion zu unterliegen. Wenn Sie Geldillusion als Wohlstandszuwachs propagieren, dann ist das Veräpplung. Ein schönes Beispiel für Veräppeln ist die US-Wirtschaft seit Mitte der 90er. Wohlstand in Geldeinheiten zu messen ist allenfalls eine Approximation unter Annahmen, aber kein Faktum.

Die nomielle Betrachtung über Geld als Recheneinheit und die Effizienz von Organisationen hängen wie Pech und Schwefel miteinander zusammen, weil wir in keiner Tauschwirtschaft leben, sondern die finanzielle Ressourcen in Geldeinheiten als Mechanismus zur Ressourcenallokation verwendet werden. Jedoch sind Profitabilität und Effizienz zwei strikt getrennt zu betrachtende Messungen. Tätowieren sie das meinetwegen auf ihre Handinnenflächen, damit Sie es nicht vergessen.

Der Irrglaube der Besitztumsdoktrien
Ok, das war jetzt wieder ein bisschen lang, aber es ist eine der Hauptbestandteile des Missverständnisses, dem vor allem marktgläubige Politiker aus gesetzt sind. Das Zerschießen der Pre-Voraufklärischen Doktrien einer “invisible hand” lasse ich hier mal weg.

Es gibt in der akademischen Spähre gibt es zwei konträhre Lehrmeinungen. Auf der einen Seite den Herrn Stiglitz, dass Privatisierungen genereller Blödsinn seien. Und andererseits, den Herrn Bhagwati, der Privatisierungen als Allheilmittel vertritt. Bhagwati hat im Hintergedanke, den ziemlich unfähigen indischen Verwaltungsapparat, der zwar auf einen tollen britische Gesetzes-Blueprint basiert, aber seit je her damit rumirrt, es umsetzen. Der Herr Stiglitz betrachtet das Ergebnis nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist, z.B. die Privatisierung der bolivianischen Wasserversorgung. Und beide haben Recht, aber reden am Kern der Sache vorbei, und zwar die Effizienz von Organisationen. Beide glauben nämlich bzw. erwecken den Anschein, dass der reine Besitztum einen Einfluss auf die Effizienz der betreffenden Organisation habe. Und das ist eine Scheinkorrelation.

Ich bemühe jetzt mal eine Popper’sche Falsifikation, wenn ich das privatisiert britischen Eisenbahnnetz als ineffizienten Misthaufen feststelle, und jeder singapuranischen Verwaltungsorganisation austelle effizienter zu arbeiten als jeder x-beliebige Multi Nationalen Konzern. Ist die Effizienz einer Organisation wirklich davon abhängig, wer den Laden besitzt, oder welcher Rechtsform dieser unterliegt? Ist die Effizienz von Organisationen nicht vielmehr von den Motiven und Hidden Agendas von Top-Down Stakeholder als auch den Akteuren innerhalb einer betrachtenden Organisation abhängig?

Aber warum reitet keiner auf dieser Argumentationslinie herum, warum werden grobe Schubladen aufgezogen und falsche Stereotypen propagiert? Ganz einfach, weil Motive oder Hidden Agendas eine Absicht unterstellen die Effizienz einer Organisation zum eigenen Vorteil ausgebeutet zu haben, oder zumindestens als Statisten durch eigenes Wegsehen oder auch Inkompetenz trotzdem persönlich profitiert zu haben. Dass Begriffe wie Verantwortung lediglich ein Traum, Wunsch, Idealbild, Fiktion, PR-Image, Lippenbekenntnis, etc. von Menschen darstellt, ist der Umkehrschluss dass tatsächlich nur “die Dummen” gewillt sind verantwortlich im Sinne persönlicher Risiken zu sein, sodass aus einem Singular ein stereotypisches Plural wird. Darum entstand auch die Entwicklung in der BRD, dass Parteien (plural) zur Wahl stehen, aber faktisch keine Einzelpersonen (singular). Aus Parteien wird schnell “die Politik”, die als großer Teppich ausreichend Platz für Leute findet ohne wirkliche persönliche Risiken alle ihre Hidden Agendas immer und immer wieder durchzuziehen, oder zumindestens davon persönlich zu profitieren. In anderen Worten, es ist peinlich für die Akteure die Ursachen zu finden, sodass es auch für Kritiker angenehmer ist, das populistische Gut-Böse-Theater zu spielen.

Die staatliche Ineffizienz in Geldeinheiten
Ich habe halbwegs ausführlich dargelegt, dass Profitabilität und Effizienz nicht dasselbe ist. Dies sollte darauf vorbereiten auf die Richtung einer Kausalität: Eine profitable Firma, muss nicht effizient sein. Aber die organisatorische ineffiziente Firma kann zur Insolvenz führen. Desweiteren kommt in Falle von Staaten der Umstand hinzu, dass es sehr sinnfrei ist von Profitabilität zu sprechen, was nichts daran ändert, dass Staatshaushalte in Geldeinheiten rechnen. Das ist witzige bei Staatshaushalten ist, dass sie ihre Einnahmen selbst festlegen können durch Steuer, Abgaben, den Verkauf sonstiger Rechte, oder auch dem “Tafelsilber”.

Häufiger Gegenstand von politischen Debatten in der BRD sind Transferzahlungen, wie Renten, Hartz4, Gesundheitszuschüsse, etc. Es wird der Anschein erweckt, dass lediglich die Höhe von Steuertarifen, neuer Steuerklassen und Abgaben mit der Höhe diverser Transferzahlungen abgewägt werden müsste und alles sei wunderbar. Dem Anschein nach erfolgt Umverteilung komplett “reibungsfrei”, als ob ein Bandarbeiter direkt seine Steuern und Abgaben direkt seinen arbeitslosen Nachbarn in die Hand drücken würde, usw. Nein, das Umverteilen erledigen die Millionen von Beamten und Angestellten in ihren Arbeitsagenturen, Krankenkassen, Rentenkassen, usw usw usw., also die o.g. Statisten. Das hört sich gemein an, weil denen auch nicht wirklich kar ist (unter der Annahme der Inkompetenz), oder auch nicht (Weggucken), dass von denjenigen mit der Hidden Agenda gekauft wurden, und zwar auf Lebenszeit. Wenn Gegenstand die Effizienz des Staates adressiert wird, dann sind die Untersuchungsobjekte die Verwaltungsorganisationen. Aber bis auf das eine oder populistische Murren in der Boulevard-ZEITUNG erscheint es mir so, als ob jeder Versuch hier Klarheit durch Effizienzmessung zu schaffen auf taube Ohren stösst. Diese Taktik “der Politik” ist schlau, weil ohne Beweis keine Konsequenzen für die gekauften Partei-Untertanen in ihrem bequemen Verwaltungsbüros – Dezentes Klatschen ist garantiert. Da reicht es doch tatsächlich Punchingball aus in medial wirksamen Diätendebatten über Peanuts zu reden, um die gemeinen Wähler abzulenken.

Aber woher kommen jetzt die vielen Staatsschulden? Was hat bitteschön die Effizienz der öffentlichen Verwaltung damit zu tun, wie sehr die Bundespolitiker ihre Haushalte überschulden? Es gibt lediglich zwei grobe Möglichkeiten die Effizienz einer Organisation zu erhöhen: Erstens, sie verringern die Inputs bei konstanten Outputs, oder zweitens, sie erhöhen die Outputs bei konstanten Inputs. So nun stehen die ganzen Beamten und Angestellten auf der Gehaltsliste des Staates als Inputs, in Köpfen die auch bezahlt werden wollen, und hegen selbstverständlich die Erwartung, dass das so bleibt für den Rest ihrer Arbeitskarriere. Nun kommt das Problem, dass über die Zeit auch diese Menschen schlauer, erfahrender, und ab und zu in ihrer Arbeitsorganisation schneller werden. Huch, auf einmal nimmt hier und da das Däumchendrehen zu, aber es gibt nicht mehr zu tun!!! Die zu leistenden Outputs haben nicht im gleichen Maße zu genommen!!! Das gelte es zu ändern, da ansonsten die Daseinsberechtigung einer gewissen Anzahl von Inputs schwierig zu rechtfertigen ist bzw. wird. Dies kann zu existentiellen Ängsten bei den Statisten führen. Dies spricht sich rum “unter dem Teppich” namens “Politik”, und es wäre nur zu schlecht wenn “Parteigenossen” im Form angestellter Statisten kalte Füße bekommen. Dies ist sogar ein gemeinsames Problem der dominierenden Parteien, sodass ein implizierter Konsens herrscht, sich neue Ouputs auszudenken. Auch wenn das keinen Sinn machen sollte, oder gar eine Notwenigkeit bestünde – Denn das wird der Masse einfach solange eingredet bis genügend Leute es glauben.

Eine solche Tendenz führt unweigerlich zu Bhagwati, mit seiner Kritik korrupter, intransparanter, großer Verwaltungen, die weder durchsetzungsfähig sind noch einen wirklichen öffentlichen Zweck erfüllen. Hinzu kommt, dass das was ein Staat an Einnahmen umverteilen kann sich mindert, weil der nominelle Anteil nicht notwendiger Verwaltungstätigkeiten zunimmt (Inputs bleiben zwar konstant, aber der nominelle Geldbedarf in Form von Tarifverhandlungen dafür steigt, weil zumindest der Versuch unternommen wird Staatsschulden weg-zu-inflationieren; Das ist eine andere Geschichte), was durch mediale Gehirnwäsche nicht in den Wahrnehmungsbereich der steuer- und abgabenpflichtigen Transferempfänger rückt, sodass diese widerum fordern die irgenwie Transferleistungen zu erhöhen sind, weil ihnen ein abstraktes schleichendes Gefühl der Ungerechtigkeit aufkommt (Was witzigerweise die PR-Künstler der “Politik” wieder instrumentalisieren können). Diese Rechnung kann nicht in Geldeinheiten aufgehen, sodass die Neuverschuldung ein angenehmer Trick ist, die eigennützige Abzweigung von Cashflows durch den representativen Agenten gegenüber den representative Principale wenigstens temporär zu vertuschen. Und weil es noch nicht genug ist kommen nun auch noch die Zinsforderungen gegenüber dem Staat hinzu. Kann sich der Principale dagegen wehren? Nein, nicht in der Ausgestaltung einer Demokratie in Form dieser Parteiendemokratie…

Cashflows außerhalb von Steuern und Abgaben
Mensch tut mir echt Leid, wenn Sie bis hier gelesen haben, dass ich zuvor einen so dermaßen großen Abschweif hingelegt habe. Nun komme ich zum “Tafelsilber”, der Privatisierung, den Debt-for-Equity Swaps.

Nehmen wir mal an Sie sind ein Kaufmann und haben einen Kumpel mit ganz vielen Staatsobligationen irgendeines Staates. Sie als Kaufmann reisen gerne herum und sehen dass im betreffenden Staat ein monopolistisches Staatsunternehmen agiert. Nun kommen Sie wieder und ihr Kumpel berichtet Ihnen dass dieser Staat ein bisschen rumzickt die Kupons zu zahlen, oder irgendwie beim Auslaufen der Anleihen nur einen niedrigeren Kupon zu zahlen, oder der Wechselkurs sich so blöd entwickelt hat, dass er die Staatsobligationen nicht mehr haben will. Hier kommt der zweite Kumpel ins Spiel der beim International Monetary Fund (IMF) arbeitet, und sich gerade mit den Problemen dieses Staats auseinandersetzt. Der ist total happy, weil mit den Staatsobligationen, dem Kaufmann, und seinem Einfluss auf die Staatsführung, ein Debt-for-Equity-Swap durchgeführt werden kann, und er sich keinen geopolitischen Kauderwelsch von seinen Chef mehr anhören muss. Das ist das Geschäftsmodell des American Colossus, auch USA genannt. Ganz simpel, der IMF-Kumpel schlägt einen günstigen Kaufpreis für den Staatsmonopolisten raus, der Kaufmann besorgt sich einen Kredit, um seinen Kumpel die Staatsobligationen abzukaufen, und das wird dann so glattgestellt, dass IMF, der Kaufmann und sein Kumpel mit einem Plus rausgehen. Alle sind Gewinner, und der betreffende Staat hat lediglich seine Besitzansprüche an ein paar physischen Assets verloren. Das ist eine saubere Privatisierung nach dem “American Way”…

Gegenüber seinen “transatlantischen Partner” im “alten Europa” reden USA natürlich nicht von “Debt-for-Equity Swaps”. Und naatürlich auch wenn so ein europäischer Staat wie die BRD, seine Schulden durch den Verkauf von Assets tilgt, odere einfach nur so die Neuverschuldung etwas verschleiern möchte, dann heißt das “Tafelsilber verkaufen”. Das hört sich zwar sehr medienwirksam an, aber man rennt nicht gleich das Haus mit der Tür ein, wie beim Bäh-Bäh-Begriff wie “Debt-for-Equity Swap”. Die BRD ist ja auch nicht so ein “rückständiges Entwicklungsland” Bla Bla Bla. Das Schöne in der BRD ist ja auch, dass “die Politik” das “Tafelsilber verkaufen”, super gut rechtfertigen kann, weil – Sie ahnen es bereits – generell alles was der Staat macht, hoffungslos ineffizient sei.

Hier kommen die Marktgläubigen unter den Politikern ins Spiel. Der Vorteil für “die Politik” ist, dass wieder schnelles Geld in den Staatshaushalt fließt, was die Ineffizienz der öffentlichen Verwaltung übertüncht, und gleichzeitig erlaubt kurzfristig das Murren der Transferempfänger abzustellen. Das freut die anderen Parteien, weil sie nun wieder Weihnachtsmanndebatten für die potentiellen Transferempfänger in den Medien führen können, und insbesondere die vermeidlich “linken”, die zusätzlich die Privatisierung als kapitalistische Schlechtigkeit hinstellen können. Die “Marktgläubigen” können sich dann wieder darüber freuen von den nutznießenden Kaufmännern zu irgendwelche Veranstaltungen eingeladen zu werden. Kurz, es gewinnen alle in “der Politik”, aber nicht der representative Principale…

Die Autoren Philippe Aghion, Diego Comin, Peter Howitt und Isabel Tecu stellen die These auf, dass eine erhöhte Sparquote Schwellenländern ermöglicht Technologietransfers initieren. Die erhöhten Spareinlagen dienen als Sicherheit für ausländische Technologiebesitzer hinsichtlich seiner Investitionstätigkeit zusammen mit einem lokalen Unternehmer. Folglich entsteht durch durch den (einseitigen) Technologietransfer eine Effizienz-/Produktivitätssteigerung in dem Schwellenland.

Siehe Interview The Unseen Link Between Savings and National Growth (hbswk) zum Arbeitspapier When Does Domestic Saving Matter for Economic Growth? (.pdf)

Für mich macht das Sinn. Der Umkehrschluss mag vielleicht auch erklären, warum manche Leute in entwickelten Ländern hoch sensibel sich bezüglich Technologietransfer reagieren. Ich denke mir immer: Was kratzt es mich wenn es den Leuten am anderen Ende der Welt besser geht? Stört mich das? Nein. Aber die Annahme des o.g. Papers ist auch dass Menschen, den es relativ “schlechter” gehe aufgrund ihrer relativ “schlechteren” Produktivität, danach streben oder es sich ersehen eine “bessere” Produktivität als vorher aufzuweisen. Und folglich dafür sogar extra etwas Sparen. Das Sparen heißt immer Konsumverzicht. Und dies mag der Grund für einen Technologietransferkritiker aus einem entwickelten Land sein, weil dieser glaubt, dass wenn andere Länder ihre relative Produktivität steigern, er bzw. die Volkswirtschaft in der er lebt, mit seiner absoluten Produktivität nachziehen müsse, was folglich auch für ihn persönlich Konsumverzicht bedeute. Aber solange das entwickelte Land nicht massiv den technologischen Anschluss verlieren sollte, ist seiner Sorge eher unbegründet. Anders sieht es aus, wenn der Technologietransferkritiker am (ungewollten) Technologietransfer selbst gewinnbringend beteiligt ist, aber lediglich versucht den lokalen Absatzmarkt des Schwellenlandes via Export/Import zu bedienen. Das ist dann eine paradoxe bis naive Weltvorstellung.

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