Gestern lief ein interessanter Beitrag über Streubomben und inwiefern der gemeine Kleinanleger, Riestersparer, etc. deren Entwicklung und Produktion finanziert. Schauen sie selbst.

So ein kapitalgebundenes Riesterrentenprodukt basiert i.d.R. auch Dachfonds. Ich weiß, dass mind. 1 der 3 im Beitrag erwähnten Fondsgesellschaften überhaupt nicht prüfen, ob die Fonds in der die Dachfonds investiert sind wiederum in irgendwelche Firmen investiert ist, die unter anderen mit Streubomben ihr Geld verdienen. Ethik, was immer das sein mag, steht nicht auf der Agenda. Zumindestens nicht für einzelne Fondsmanager, für Dachfondsmanger schon garnicht. Der Grund dafür ist simpel: So eine Prüfung bis runter in die Einzelinvestments ist mit sehr hohen zeitlichen Aufwand verbunden. Bezahlt dafür jemand? Nö. Muss man das per Vertrag oder Gesetz tun? Nö! Also wird es auch nicht gemacht.

Zur Verteidigung muss man aber sagen, dass Thomson Reuters nur die Informationen anzeigt, die auch öffentlich gemacht wurde. Das ist aber bei Fonds nicht immer der Fall, weil es sich nur um freiwillige Angaben handelt. Es gibt keine Verpflichtung dass ein Fonds dem privaten Informationsdienstleister den aktuellen Stand des Portfolio meldet. Und letzlich ist ein Fonds hinsichtlich ihrer Investments an das verpflichtet, was im Anlagekonzept, also die Einschränkungen die im Vetrag stehen, steht. In der Vertragswelt gibt es keine Wischiwaschi-Formulierungen wie “unethische Investments sind untersagt”. Was soll denn “unethisch” sein? Ein Pazifist wird Streubomben ganz klar für “unethisch” halten. Ein religöser Fanatiker wird Dildo-Produzenten ganz klar für “unethisch” halten. Die einzige mögliche Vertragskonstruktion wäre dass in einem Gesetz eine Blacklist steht bzw. abstrakt formuliert wird, welche Investition für Fonds in Deutschland verboten sind. Also genau das wo der Herr Schäuble keinen Handlungsbedarf sieht.

Die Norweger können das. Die leisten sich für ihren Super-SWF eine Ethik-Kommission (die arbeiten auch nicht umsonst), die dann auch tatsächlich vor Ort (irgendwo auf der Welt) die Firmen begutachtet und gegebenenfalls auf eine Blacklist setzt. Hier ein Auszug:

http://www.regjeringen.no/en/dep/fin/Selected-topics/the-government-pension-fund/responsible-investments/companies-excluded-from-the-investment-u.html

Government.no / Ministry of Finance / Selected Topics / The Government Pension Fund / Responsible investments / Companies Excluded from the Investment Universe

Production of weapons that through their normal use may violate fundamental humanitarian principles

Production of cluster munitions
- Alliant Techsystems Inc (31 August 2005)
- General Dynamics corporation (31 August 2005)
- L3 Communications Holdings Inc (31 August 2005)
- Lockheed Martin Corp (31 August 2005)
- Raytheon Co. (31 August 2005)
- Poongsan Corporation (30 November 2006)
- Hanwha Corporation (31 December 2007)
- Textron Inc. (31 December 2008)

Wer A sagt muss auch B sagen. Auch im Angebot Atomwaffenhersteller. Hört hört. Schönes Beispiel EADS. Die machen nicht tolle Airbusse. Mische etwas “böses” mit etwas “guten” und schön können wir alle gut schlafen…

Production of nuclear arms
- BAE Systems Plc (31 December 2005)
- Boeing Co. (31 December 2005)
- EADS Co (31 December 2005)
- EADS Finance BV (31 December 2005)
- Finmeccanica Sp. A. (31 December 2005)
- Honeywell International Corp. (31 December 2005)
- Northrop Grumman Corp. (31 December 2005)
- Safran SA. (31 December 2005)
- Gen Corp. Inc. (31 December 2007)
- Serco Group Plc. (31 December 2007)

http://www.regjeringen.no/en/dep/fin/Selected-topics/the-government-pension-fund/responsible-investments/companies-excluded-from-the-investment-u.html

Etwas zu Ethik im Einzelhandel. Auch nichts Neues. Wo würde bloß der Schlecker landen wenn es davon Aktien gäbe.

Serious or systematic human rights violations
- Wal-Mart Stores Inc. (31 May 2006)
- Wal-Mart de Mexico SA de CV (31 May 2006)

http://www.regjeringen.no/en/dep/fin/Selected-topics/the-government-pension-fund/responsible-investments/companies-excluded-from-the-investment-u.html

Für die Ökos gibt es auch etwas. Wissen Sie wo höchstwahrscheinlich das Palladium in ihrem Autokatalysator herkommt (als zweitgrößte Mine für Platin ist das daselbe Ding)? Von Norilsk Nickel die Synonym für “verschmutzt” sind wie Tempo für Taschentuch.

Severe environmental damages
- Freeport McMoRan Copper & Gold Inc. (31 May 2006)
- Vedanta Resources Plc. (31 October 2007)
- Sterlite Industries Ltd. (31 October 2007)
- Madras Aluminium Company (31 October 2007)
- Rio Tinto Ltd. (30 June 2008)
- Rio Tinto Plc. (30 June 2008)
- Barrick Gold Corp (30 November 2008)
- Norilsk Nickel (31 October 2009)

http://www.regjeringen.no/en/dep/fin/Selected-topics/the-government-pension-fund/responsible-investments/companies-excluded-from-the-investment-u.html

Die ganze Tabakhersteller lasse ich mal weg.

Ahh hier auf Ethical Investing findet man die Grundregeln für eine totsichere Anlagestrategie,… wenn dieses “avoid” einfach mal weglässt

  • Causing Illness, Disease & Death
  • Destroying or Damaging the Environment
  • Treating Honest People with Disrespect

Stecke dein Geld in etwas krankmachendes/totbringendes, was die Natur ausraubt oder was Menschen wie Dreck behandelt… Am besten alle drei Sachen zusammen. Und schon wird aus der norwegischen Blacklist der Anfang einer tollen Short-List. Aber Vorsicht. Man kann nicht einfach jede dahergelaufende Möchtegern-Bösewicht-Firmen herauspicken. Man braucht auch solche, die wirklich gut ihre Hausaufgaben machen, z.B. mit vielen Leuten eine “Geber-Nehmer”-Beziehung aufbauen und pflegen können, irgendwie seine Interessen durchsetzen, für “Sicherheit” sorgen können, sich möglichst alles subventionieren lassen, Angebote unterbreiten die niemand ablehnen kann, sich aktiv einbringen in die Gestaltung von Normen, Standards, Richtlinien, Gesetzen, eine gutes Gespür für die Lenkung der öffentlichen Meinung haben …

Die Rückgabe von Fondsanteilen sind immer ein Problem, wenn die verbrieften Vermögensgegenstände nicht ohne Weiteres liquidiert werden können. Immobilien sind da ein Paradebeispiel.

Wäre es nicht schlauer Total Return Swaps auf die Mieteinahmen zu verkaufen anstatt Fondsanteile auf einen Pool von Immobilienobjekten selbst? Der Investor muss die lfd Betriebskosten der Immobilien und die sonstigen Kosten zahlen und bekommt dafür die Mieteinnahmen. Man kommt dann ganz drumherum den Bilanzwerten der Immobilien auf Investorenebene große Bedeutung zu schenken.

Um die Geschichte mit den Betriebskosten wegzubekommen wird der TRS mit Mietausfallversicherungen im Verhältnis Betriebskosten/Mieteinahme je Objekt gekoppelt (Ich nenne es mal TRS-DS).

Das hilft aber nix weil der TRS-DS noch immer Auszahlungen von 0 erzeugen kann, die keiner abkaufen würde. Es scheint ein ungelöstes Problem zu sein, dass ein totes Pferd manchmal noch nicht mal ein Metzger kaufen will.

Achso, die zweite Seite der Münze. Nun braucht man die Gegenseite des TRS (Der DS-Teil des TRS ist hier unwichtig). Es gebe nun ein “Growth Investor”, der ausschließlich auf die Wertsteigerung der Immobilie setzt. Der gibt über den TRS seine Mieteinnahmen weg und bekommt dafür die Betriebskosten bezahlt. Dieser Claim ist dann mit den Fondsanteilen gekoppelt (Fonds-TRS). Und einer Asian Floating Strike Put Option mit irgendeinen Immobilienindex als Strike (Fonds-TRS-AFSPO) von irgendeiner Investmentbank – Wegen dem Rücknahmeproblem. Der Fonds-TRS-AFSPO “Growth Investor” braucht sich nicht mehr Gedanken machen ob Betriebskosten explodieren oder Mieteinnahmen stimmen, sondern nur dass Buchwert passt oder entzückende Verkaufserlöse erzielt werden.

So nun wurden die Immobilienrisiken schön zerschnippelt und jede Spezies von Investor kann sein Lieblingsstückchen nehmen. Sieht hübsch aus, darf nur das Nitro “Mietausfallversicherungen” nicht hochgehen. Inwiefern Investmentbanken Kröten schlucken müssten hängt davon ab wie lagging der Index ist der als Floating Strike genommen wird.

Benchmarking, zu Deutsch “Vergleich”, war schon immer so ein Messkonzept, was ich ganz toll aber gleichzeitig eigenartig fand. Solange jemand oder etwas “besser” macht (je nachdem was wir betrachten) als der Durchschnitt aller Alternativen (z.B. Wettbewerber, Produkte, Produktionsprozesse, Vermögensverwaltung, usw.) ist alles ganz toll. Wenn die Konkurrenz ganz stark ist, die Produkt mega super, die Produktions voll effizient, usw., dann mag Benchmarking motivierend wirken noch besser zu werden (Ok, das kann dann zu Dingen wie Profitgier, realitätsfremden Entscheidungen, usw. führen) oder zumindest diejenigen Alternativen rauszusortieren, die nicht mithalten können (z.B. Verdrängungswettbewerb, Survival of the Fittest, Marktbereinigung, etc.).

Die Trägheit der Überlebenden
Genau bei letzteren entsteht ein Problem: Es verschwinden Alternativen, sodass diejenigen die übrig bleiben (Suvivor) aus relativer Sicht, also aus Sicht einer Benchmarking-Messung, “besser” werden ohnen einen Finger zu rühren – Wow man wird “besser” ohne etwas dafür zu leisten!!! Ein Traum, der Wirklichkeit wird, dank Benchmarking… falls man überlebt! (Ich glaube Organisationsforscher nennen das dann die Trägheit der Organisation, was dann folgt. Die Organisation wurde erfolgreich, und dann fett und faul, und immer noch “relativ” erfolgreich)

Not mit Elend vergleichen
Als zweites, kann man mit Benchmarking Schwachsinn schön reden. Denn wenn alle Produkte Mist sind, aber “unserer” Produkt einfach das am wenigsten schlechteste Produkt ist, dann ändert es nichts an der Situation, dass das Produkt Mist ist. Somit kann beim Benchmarking auch schlechtes Produkt ein Erfolg sein, was vollkommen absurd ist.

Benchmarking und Vergütung
Warum ich das erzähle? Vor einigen Jahren ereignete sich, dass ich mich auf die (Irr-)Fahrt Finanzwirtschaft einließ. Einer der ersten Dinge die mir eingeflöst wurde war die Portfoliooptimierung, wo man gesagt bekommt, dass man irgendwelche Indizies als “Benchmark”, also als Vergleichsalternative, zu benutzen hat – Die Menge der Zuhörer war entzückt. Und irgendwie plausibel erscheint es ja auch auf dem ersten Blick. Insbesondere die Doktrin, dass ein “guter” Fondsmanager den “Benchmark schlägt”, und folglich entsprechend entlohnt wird. “Besser als der Markt”, “Besser als erwartet”, … ist nicht nur der Jargon von Spekulanten, Analysten, Finanzinstitutionen, sondern auch von den ganzen Denglisch-sprechenden, veramerikanisierten “Managern”, die sich als “Elite” unserer Gesellschaft selbst krönen. Jedoch fragte ich mich relativ rasch: Und was ist wenn Geld verbrannt wird? Ändert sich dann diese Tatsache nur weil alle Geld verbrannt haben oder der Vergleichsmaßstab ebenfalls abkackt? Ob dann eine Benchmarking-orientierte Vergütung Sinn macht… wohl kaum: “Wir haben gestern den Insolvenzantrag abgegeben, aber wir waren besser als der Markt. Darum haben wir ja unsere lestungsgerechte Bezahlung verdient…” Das ist in der Tat eine absurde Argumentation: Es ist Benchmarking!

Ein nettes Fundstück “The 7 Habits of Highly Suspicious Funds” von Rick Bookstaber. Es werden sieben Tipps gegeben, wie man einen schummelnen Hedge Funds a la Madoff zu identifizieren. Der Artikel zwar mehr an Institutionelle Anleger gerichtet, aber es mag vielleicht auch den einen oder anderen Kleinanleger interessieren: Wen soll ich meine Moneten anvertrauen?

1) Es muss ein Risikobewertung i.S. eines Testats durch eine unabhängigen Dritten geben!

Natürlich macht es keinen Sinn einen Sell-Side Report sich durchzulesen (d.h. der Funds-Anbieter bezahlt diesen “Dritten”).

2) Gucke immer ob Kritische Risikokennzahlen noch aktuell sind!

Man darf sich nicht von lustigen ex post Risikokennzahlen blenden lassen. Es ist darauf zu achten ob sich Verschuldungsgrad, Barmittel, Diversifikationsstrategie irgendwie über die Zeit geändert haben.

3) Zunahme in der Verwendung von Derivaten.

Mit Derivaten kann man schön erhöhten Verschuldungsgrad verstecken. Also hat der Funds plötzlich mehr Optionen, Futures und Swaps im Portfolio?

4) Geheimniskrämerei

Der Funds macht ein riesen Gehemnis bezüglich ihrer Aktivitäten? Ohh, Handelsstrategien seien richtig Betriebsgehemnis? Sie bekommen nichts konkretes sondern nur Blabla Vooodooo erzählt? Dann ist da vielleicht ein kleiner Madoff drin!

5) Viel Tamtam und Rolex-Uhren!

Der Fund hat nicht nur massig Quants, Sales-Staff und ganz viel Leute, wo keiner weiß wofür die da sind. Und davon noch richtig viel? Der Boss hat in relativer kurzer Zeit sich jede Menge neuer Hobbys, wie Golfen, Segelyachten, zweite Frauen, und vieles mehr angeschafft – Und prollt damit auch noch herum? So ein Ego wird Verluste verstecken, um sein Ego zu wahren… so lange wie es geht.

6) Rückgang des Verwaltungsvermögen

Das zu verwaltenden Vermögen (Asset under Management) hat abgenommen? Hinzu kommen Verluste, die ganz weit weg vom High Water Mark sind (nur oberhalb einer solchen absoluten Schwelle gibt es Performancevergütung). Dann sind die Anreize ziemlich groß, dass der Funds eventuell viel größere Risiken wie früher eingehen könnte, um schneller wieder an das High Water Mark kommt.

7) Nach einem Strukturbruch muss man genauer hingucken.

Das Jahr lief für viele Funds ziemlich doof, weil wir eben einen Strukturbruch erleben. Das Ding bei Strukturbrüchen ist, dass man auch nicht auf die Performance vor dem Strukturbruch gucken muss, weil das ja nicht viel darüber aussagt, ob die Performance ohne Änderung der Anlage-/Handelsstrategie möglich sein wird. Man muss auf “New Opportunities”, “New Strategies” achten, aber auch nicht unbedingt blind darauf losrennen.

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