Heute habe ich schon wieder über das Basel III Wort “Highly Liquid Assets” lachen müssen als ich über griechische Staatsanleihen nachdachte. Die Liquidität dieser Papiere errinnert mich eher an Pennystocks.
Egal. Es ist schon beachtlich wie EU-Politiker einen griechischen Default basteln wollen, aber ohne “D” Rating zu kassieren. Das Problem an einen “D” ist, dass ein “D” nicht wegdiskutierbar ist. Über “A”, “B” und “C” Buchstaben kann man sich ja noch streiten, aber die “D”s sind klar definierte Ereignisse/Events.
Das mag Politikern intuitiv nicht so ganz klar sein. Politik ist ja auch über normatives Zeug, was man anderen Menschen mal so mal so verkaufen kann. Bei Finanzkontrakten (wie Schuldtitel) sind die vereinbahrten Geldzahlungen und sonstige Bedingungen explizit niedergeschrieben ==> Ja oder Nein. “Vielleicht”, “Ein bisschen”, etc gibt es da nicht. Verbindliche Kontrakte sind wohl genau das was Politiker an Finanzmärkten hassen. Insbesondere wohl dass Investoren, Heuschrecken, Spekulanten, Anleger, etc. auf die Erfüllung von Kontrakten pochen. Finanzkontrakte können anscheinend nicht so schön gebrochen wie etwas Wahlkammpfversprechen.
Politiker sind unbeliebt, weil sie Versprechen brechen. Und Finanzmarktakteure sind unbeliebt, weil sie Versprochenes einfordern.
Genug geschwafelt. Ich denke, dass ein Staat der bei einem CCC Rating angekommen ist anfangen sollte seine Situation zu akzeptieren und mal was neues ausprobieren sollte. Ich bin für die Staatsaktien-Lösung bzw. der Tranchierungslösung bzw. Einführung einer Rangigkeit.
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#Rangigkeiten
#1 Erstrangige Staatsanleihen
#1.a Besicherung: Keine
#1.b Besicherung: Staatsbeteiligungen
#1.c Besicherung: Bürgschaften von AAA/AA EU-Ländern
#1.a-c.FIX Kupon: Fixer Kupon (klassische Staatsanleihe)
#1.a-c.FLT Kupon: Floating Rate (Inflation Linked oder EURIBOR+X)
#1.a-c.FIX-FLT.A Bedingungen: Keine
#1.a-c.FIX-FLT.B Bedingungen: Verstoß gegen 3% Neuverschuldungsgrenze
#1.a-c.FIX-FLT.C Bedingungen: Verstoß gegen 60% Verschuldungsgrenze
#1.a-c.FIX-FLT.D Bedingungen: …
Was?
Rangigkeit: #1 sind ausschließlich neue Schuldtitel die in nächster Zeit auf dem Primärmarkt emittiert werden. Diese sollte dieselben Fälligkeitstermine wie die existierenden, bereits emittierten Staatsanleihen. Die #1 werden immer zuerst bedient!
Besicherung: Sollte die griechische Staatskasse am Fälligkeitstermin leer sein, müssen die Bürgen zahlen (#1.a) oder die hinterlegten Assets werden liquidiert (#1.b).
Kreditbedingungen: … machen nur Sinn wenn man Staatsaktien hat (Siehe #3).
Rating: Im Falle von #1.c wäre es dasselbe Rating wie EU-Land, das für #1.c bürgt. Bei #1.b kommt es auf das Collateralization Ratio an. Und am Ende ist ja alles erstrangig, was doch mindestens ein “A” ergeben sollte.
Primärmarkt: Das Zeug sollte man locker an den Mann kriegen.
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#2 Nachrangige Staatsanleihen
#2.a-c Siehe #1.a-c
#2.a-c.FIX-FLT Siehe #1.a-c.FIX-FLT
Was?
Rangigkeit: Bei #2 handelt sich um die existierenden griechischen Schulden, die zu allen neuen Schuldtiteln nachrangig gestellt werden. Da nur #1 rangige Titel erstmal neu emittiert werden, werden Zins- und Schuldtilgungen erst dann durchgeführt, wenn die #1 rangigen Titel alle bedient wurden.
Besicherung: Im Falle von #2.b muss beachtet werden, dass ein Assets nur einmal als Sicherheit hinterlegt werden darf!
Kreditbedingungen: Es gibt für #2 keine Kreditbedingungen. Es handelt sich eigentlich um “klassische Staatsanleihen”.
Rating: Würde bei Griechenland erstmal bei “CCC” bleiben. (Aber wohl nicht “D” werden solange sie noch bedient werden und es noch nachrangigere Staatsaktien gibt)
Primärmarkt: Tot ist er eben so oder so…
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#3 Staatsaktien
#3.c.FLT Kupon: EURIBOR+X, BIP+X, etc. (Irgendetwas variables)
#3.c.FLT.B-Z Bedingungen: Kuponzahlung wird solange ausgesetzt, bis die Kreditbedingungen #1.c.FLT.B-Z wieder erfüllt werden.
Was?
Laufzeit: Staatsaktien habe keinen Fälligkeitstermin, d.h. laufen unendlich.
Rangigkeit: Griechenland kann die Staatsaktien wieder am Sekundärmarkt zurückkaufen. Aber alle neu emittierten Staatsaktien werden den existierenden Staatsaktien nachrangig behandelt!
Kreditbedingungen: Zum Beispiel kann die Situation entstehen, dass bei (kleinen) Verstoß gegen #1.c.FLT.B-Z es ausreicht nur die neueren Staatsaktien nicht zu bedienen. Am Ende kann die Performance der Staatsaktien über die Kreditbedingungen der erstrangigen Schulden an die “Haushaltsdisziplin” von Griechenland gekoppelt werden.
Rating: Staatsaktien haben kein Rating! (Rating=NR)
Primärmarkt: Wenn das Preisschild stimmt wäre das interessant für “die bösen Zocker”. Aber einmal emittiert könnte Griechendland seine Staatsaktien auch direkt als Zahlungsmittel einsetzen (z.B. Bezahlung seiner Beamten), oder an neue #2 Primärmarktinvestoren mit politischen Motiven als Kompensation geben (z.B. EU-Unterstützungsländer, IWF, etc.), oder auch lustige Staatsaktien-Optionen für die griechische Regierungsmitglieder ausgeben, oder…
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Wie der schlaue Leser erkannt, kann der obige Vorschlag auch so interpretiert werden, dass Griechendland in einen 300 Mrd CDO umgewandelt wird.
Tranchierung ist nicht so böse wie alle denken (Faktisch jede Firma auf dieser Welt hat eine Kapitalstruktur und kommt damit klar). Und im Gegensatz zu diesen irrwitzigen EuroStat-Beschiss von GS/Griechland wäre obiger Vorschlag eine “kleine Revolution” des Staatsanleihenmarktes.