Vorhin las auf dem Spiegel einen Artikel über die Deutsche Bank und ihr Engagement im US-Immobilienmarkt. Es wird versucht die Deutsche Bank in ein schlechtes Licht zu rücken. Im schlechten Licht stehen die fast immer, aber in diesem Fall ist das nicht so: Erschieße nicht den Überbringer der schlechten Nachricht! In der Rolle des Treuhänder ist ein Finanzdienstleister ein solcher Bote.
Als erstes muss man die kapieren wer was in Verbriefungstransaktionen macht:
(1) Orginator: Der will einen Haufen von Einzelkrediten los werden im Rahmen eines True Sale
(2) SPV: Ist nur ein Rechtskonstrukt, Einzelkredite auf der Aktiva, lustige Tranchen auf der Passiva.
(3) Arranger: Das ist i.d.R. eine Investment Bank die versucht ein Prospekt für das SPV zu schreiben, und ein paar Idioten … ehmm “Investoren” zu finden die die Tranchen kaufen
(4) Trustee: Das sind die Erbsenzähler, die für das SPV die Zinsen und Tilgungen einsammeln, den Wasserfall für die Tranchen berechnen, und so eine Art Monatsbilanzen erstellen.
(5) Manager: Der Portfoliomanager ist damit beauftragt Einzelkredite auf der SPV-Aktiva zu kaufen und verkaufen (während der Reinvestment Period).
Um es blöd zu sagen, in dem Artikel redet der Spiegel von der Deutschen Bank als Treuhänder (Trustee), oder einfach nur die Erbsenzähler. Ein Treuhänder ist weder diejenige Person die einst die ganzen Einzelkredite vergeben hat (=Orginator), noch diejenige Person die ein SPV gestaltet hat (=Arranger), noch diejenige Person die Einzelkredite aus dem SPV rein- und rausnimmt (=Manager). Ein Treuhänder ist einfach nur ein Erbsenzähler. Und wenn für einen Einzelkredit die Zinsen nicht gezahlt, die Sicherheiten nicht mehr da sind, usw., dann wird wird der Portfoliomanager dem Erbsenzähler sagen: Mach’ das was in den Einzelvertrag drin steht! Zum Beispiel eine Zwangsversteigerung anleihern. Ein Treuhänder mach lediglich den “Papierkrams”. Darum steht auch immer der Name des Treuhänders auf dem Briefkopf der “schlechten Nachricht”. Ein Treuhänder hat eigentlich garkeine Befugnisse. Ein Treuhänder ist nicht dazu berechtigt die Konditionen der ganzen Einzelkredite zu eigenmächtig ändern. Ein Treuhänder darf garnichts ändern. Sonst wäre es ja kein Treuhänder mehr. Im Vergleich zum klassischen integrierten Bankenmodell, ist ein Treuhänder nur die Verwaltungsabteilung die Papier erzeugt. Mehr nicht.
Natürlich kann man sich fragen, was das ganze mit der Arbeitsteilung in Orginator, Arranger, Trustee, Manager, Investor sein soll? Finanzdienstleister können sich dann aussuchen wann sie welche Rolle spielen, oder sich gegenseitig diese Rollen zu schachern. Am Ende kommt raus, dass niemand “flexibel” etwas am Prospekt des SPVs ändern kann, usw. Aber man auch argumentieren, dass die Kreditnehmer diese “Flexibilität” verkauft haben als sie per Unterschrift der Verbriefung ihrer Schuld zugestimmt haben. Nichts ist umsonst auf dieser Welt, auch nicht die Zinshöhe.