Die Blogger Dirk Elsner (Blicklog; Beruf: Mittelstandsberater), Markus Gärtner (Gärtner’s Blog; Beruf: Wirtschaftsjournalist), und Detlef Korus (Dachsbrief; Beruf: Kommunikationsberater) haben das Bloggerforum-Wirtschaft ins Leben gerufen.

Nachdem ich schon so viel Kritik vom Blicklog über die Mainstream-Presse gehört habe, gehe ich mal davon aus, dass das Ziel eine Art Wirtschafts-Online-Zeitung. Näheres ist unter diesem Link zu erfahren. Es soll als

WEB 2.0-Community neuen Stils auch gegenüber Dritten – Verlagen, Nachrichtenagenturen und sonstigen Medien auf[...]treten

und

jeder Autor ist eingeladen, sich bei Bloggerforum-Wirtschaft zusätzlich als Autor zu registrieren

Am 10.11.2009 lief die WDR-Sendung Die Quarks-Arena – Die größten Tricks und Täuschungen des Alltags [MPEG-4], wo es allgemein über Täuschung ging.

Ich fand den Abschnitt mit den 5 größten Täuschungen im Supermarkt sehr interessant. Einiges habe war mir bereits bekannt außer dass “unbehandeltes” Obst und Gemüse, dann doch gespritzt sein darf. Irgendwie ist es schon pervers wie Hand in Hand operative Marketingsprüche mit juristischen Definitionswirrwarr einhergehen, nur um den Verbraucher ganz offizielle und legal zu belügen.

Dann kam der Abschnitt wo Prof. Benno Kunz (Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften der Universität Bonn) zeigte wie man künstlichen Käse (aka “Analogkäse”) zubereitet, wobei Kunz klarstellte, dass es kein “Käse” ist, aber nicht so ungesund sei wie man vielleicht ahnen mag (Hier geht es zur Unterschriftenaktion gegen Analogkäse des Deutschen Bauernverbands). Irgendwie wurde mir klar wie wenig darüber Bescheid weiß, was ich so mir reinschaufel. Dann kam der Gast Markus Lanz (ein ZDF-Moderator) hinzu und war offensichtlich empört und machte einen Blindtest, wo er diverse Produkte unserer lieben Lebensmittelindustrie erkostete.

Lanz meinte, dass es ein Unding sei, dass man ein Produkt zum Beispiel als Garnelen tituliert, obwohl es eigentlich nur eine verfestigte Matschepampe aus Fischmehl, Aromastoffe und Wasser ist und den Konsumenten via Verpackung suggeriert wird, es seien Garnelen. Gut der Herr Kunz kann als Chemiker dazu nicht viel sagen, weil er sich Verfahren ausdenkt, aber nicht das Zeug verkauft. Daher brachte er ein ganz anderes Problem, das Ressourcenproblem, auf den Tisch: Die kompletten Anbauflächen in der BRD würden nicht ausreichen nur um den Erdbeerjogurt herzustellen den wir alle 80 Mio wegmampfen. Es geht dann darum die Biomasse/Agrarprodukte möglichst komplett zu verarbeiten, also nichts wegzuwerfen… und natürlich auch etwas zu strecken.

In anderen Worten, die Lebensmittelchemie wird befeuert durch steigende Nachfrage (“Wohlstandsbäuche”) und den begrenzten Landflächen auf dieser Erde (Begrenzte Ressourcen), was dazu führt, dass wir immer Design-Food bzw. Fake-Food auf den Esstisch bekommen, was uns aber nicht mitgeteilt werden darf (Darum “Werbung”), da wir ansonsten weniger davon konsumieren könnten (aka “Sales Numbers”). Einerseits ist das Ressourcenproblem ein echtes dramatisches Problem, aber andererseits das Belügen von Konsumenten normativ extrem fraglich.

Zur Geschmacksfrage noch etwas: Man kann in der Akkustik ein sehr sauberen A-Ton erzeugen, was sich für Menschen extrem schrecklich anhört – Ganz im Gegensatz zu einem Musiker der mit seinem (analogen) Instrument ein A erzeugt. Der Trick beim erzeugen von Tönen ist die “Nicht-Perfektheit”, also die Frage nach dem “wie” und weniger nach dem “was”. Aus der Gesamtperspektive, also einer Reihenfolge von Tönen, ist ein “guter” Musiker ein solcher der Transponieren kann, was messbar sei in auf den ersten Blick nachvollziehbaren Frequenzen, die von einem “Perfekt”-denkenden Menschen als weißes Rauschen interpretiert werden könnte – Das ist natürlich falsch, weil es die tatsächliche Qualität des Musikstücks ist. Beim Geschmack von Lebensmitteln isst das so ähnlich – Nur kann man nicht verlangen, dass bei allen Menschen die Geschmacksnerven schon längst verstümmelt sind…

Zum Weintest, wo zwei Weintester einen Fake-Wein besser fanden als den Echten Wein fällt wir folgendes ein:
… Opium >>> Morphium >>> Heroin
Das basiert auf dem Prinzip, dass man den Wirkstoff konzentriert. Wenn man lediglich das wesentliche Aroma eines Weins herausfindet, und meinetwegen dann auch synthetisch herstellt und in höheren Konzentrationen als Fake-Wein abfüllt, dann wundert es mich nicht, wenn ein Weintester über das Aroma-Feuerwerk sich erfreut…

Wikipedia

Zum Ersten Video: Es ist eine Art Mini-Marketingstudie über die Zielgruppe “Gen Y” (Wie viele sind es? Was wollen die? Was hat diese geprägt? Welche Stimuli wirken? usw). Der Bezug ist Noordamerika (Autorin ist wohl Kanadierin).
- Das Identitätsproblem (z.B. mit Berufen; kommt von “Berufung” aus der Religion) führe dazu, dass Firmen “Life-Styles” verkaufen können (d.h. einen hübschen Kontext basteln, worin natürlich auch deren Produkte/Dienstleistungen ein Plätzchen haben)
- Die Nicht-Aktzeptanz des Propaganda-Modells der Konsumenten ermögliche Marktspaltungsstrategien der Anbieter (d.h. Differenzierung ist teurer, aber die Leute wollen es ja auch).
Ansonsten ist die Autorin kritisch, und zeichnet einen Teufelskreis auf (“chasing the dream”). Man kann es auch als überzogene Erwartungen nennen, oder treffender: Wie sollen Menschen feststellen glücklich und zufrieden zu sein, wenn ihnen dazu der Referenzpunkt fehlt (z.B. eine Identität).

Zum zweiten Video: Ich war erschrocken als ich das Video sah, weil es zum großen Teil diejenigen Bilder über die Welt zeigte, wie ich sie mein bisherigen von medialen input-ausgesetzten Leben garnicht anders kenne.
Die ersten Dinge die ich als kleiner Mensch wahrgenommen habe, war dass ein Computer ein bessereer Schachgegner ist als mein Vater, ein Haufen Ossis von ihrem zu Hause weg wollten, Andi Brehme mit links und rechts Fußballspielen kann, Grüne Lichter im Dunklen nicht die Landung von E.T. sondern die U.S. Army ist, Öl aus der Wüste kommt, … Es folgte die Phase wo man kapierte, dass die Serben ungefähr so etwas Schlimmes gemachen wie früher die Deutschen, dass der Regenwald stirbt, die EU etwas ganz Tolles sein soll, man mit Homepages Multi-Millionär wird, Big Brother sei die neue Fernsehwelt, Greenspan eine Art Gott sein soll, … Geldbeträge werden halbiert … Dann bekamen selbstverliebte Wolkenkratzer “Flugzeuge im Bauch” und diese Grünen Lichter tauchten wieder auf, es wird erstrebenswert ein “Superstar” zu werden, außerdem sollten in der Zwischenzeit alle sterben wegen SARS, … fast alles zwischen Europa und Ostasien sind jetzt Schurkenstaaten, die ganz viele ABC-Waffen haben … alle wollen irgendetwas mit in China machen, super innovativ oder nachhaltig sein, Private Equity soll auch voll innovativ sein … viele Dinge nimmt man nicht mehr wahr wie ethnische Säuberungen in Afrika, oder dass sich Isrealis und Palistinenser sich noch immer die Scheiße aus dem Hirn bomben, usw … Wir sind “Fast Weltmeister” … Privat-TV-Sender unternehmen selbstfinanzierende Testläufe für für neue Sportdisziplinen… die Welt wird untergehen wegen dem Klimawandel … die Welt ist untergangen aber wegen diesen gierigen Finanzspekulanten … die Welt ist doch nicht untergangen, aber keiner weiß was zu tun ist …
Das waren 2 Jahrzehnte im Schnelldurchlauf…

Ich musste schon etwas schmunzeln als IBM verkündete mit Mathematik alles zu können. So ist Werbung, ein selbstbewusstes Auftreten, das kommt gut rüber bei den Alpha-Männchen die Budgetentscheidungen auf Kundenseite treffen. So muss es sein. Es gibt ja nichts schlimmeres als unmotiviert guckende Streber die auch noch unverständliche Sachen erzählen. Kurz, knapp, griffig. Dafür werden Werbefachleute bezahlt. Anwendungsbezogen Möglichkeiten aufzählen. Das ist die Sprache der Budgetverwalter beim Kunden.

Ein Smartes Gesundheitswesen will IBM verkaufen. Das ist jetzt nichts Neues. Ich weiß garnicht mehr, 2003 oder 2004? Irgendwann dann hatte T-Systems schonmal so ein Konzept demonstriert. Ganz konkret mit RFID, ihren Netzen, Datenbank Integration und so. Lief wohl auch schon im Labor. Das Herzinfarkt-Notfall-mit-Fehldiagnose-Beispiel kam sau gut an in der Runde, die fast nur aus Herren der Silver-Generation bestand. Irgendwas über Datenschutzgesetz murmelten dann noch die T-Systems Ingenieure beiläufig.

Ja der liebe Datenschutz. Aber es gibt auch eine ganz simple Nutzenfrage an die super-tollen Datenbankintegrationsvorhaben: Braucht man die gespeicherten Informationen überhaupt? Nichts ist schöner als ein Haufen Datenmüll auf der immer zu kleinen Festplatte. Und so ist das mit Krankenakten auch.

Anfangs des Jahres wurde ich vorsichtshalber geröngt am Fuß. War am Ende nichts gebrochen (konnte trotzdem erstmal nicht gehen), und da meinte der Orthopäde “hier sie können das [Bild] mitnehmen”. Ich war verblüfft “Heften sie das nicht ab?” Er antwortete “Nein, wir haben keine Platz mehr, war ja auch nicht wichtig”. Machte Sinn und nun habe ich ein cooles neues Poster mit meinen Fuß im Keller hängen. Der Punkt ist das Wort wichtig. Der Arzt ist ein natürlicher Datenlöscher, was insbesondere beim Thema Information Overflow interessant wird. Hätte das Röntgengerät alles automatisch in eine Digitale Krankenakte abgelegt, wäre ein Stück unrelevanter Datenmüll von mir angespeichert wurden. Medizinisch komplett sinnlose Informationen. Aber vielleicht nicht sinnfrei für andere, nicht-medizinische, Datenanalysen…

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.